Spiaggia di Capriccioli: Vier Buchten, türkises Wasser und die echte Costa Smeralda
Die Spiaggia di Capriccioli ist eine Gruppe von vier kleinen Stränden rund um ein Granitvorgebirge an Sardiniens Costa Smeralda. Weniger überlaufen als das nahe gelegene Liscia Ruja und leichter erreichbar als die versteckten Buchten weiter südlich, bietet sie eine gelungene Balance aus Naturschönheit und Alltagstauglichkeit, die kaum ein anderer Strand in dieser Gegend erreicht.
Fakten im Überblick
- Lage
- Capriccioli, Gemeinde Arzachena (SS), Costa Smeralda — ca. 15 km östlich von Arzachena, südlich von Porto Cervo
- Anfahrt
- Nur mit Auto oder Motorrad erreichbar; kein regulärer Busverkehr. Von Olbia über die SS125, dann SP73 und SP94 in Richtung Cala di Volpe/Capriccioli (ca. 30 km)
- Zeitbedarf
- Mindestens ein halber Tag; ein ganzer Tag, wenn du alle vier Buchten erkunden und schnorcheln möchtest
- Kosten
- Strandzugang kostenlos. Parken kann in der Hochsaison bis zu ca. 20 €/Tag kosten. Liegenverleih und Ausrüstung gegen Aufpreis verfügbar
- Am besten für
- Familien mit kleinen Kindern, Schnorchler, Paare, die eine ruhigere Alternative zu den bekanntesten Stränden der Costa Smeralda suchen
- Offizielle Website
- www.sardegnaturismo.it/en/explore/capriccioli

Was Capriccioli eigentlich ist
Die Spiaggia di Capriccioli ist kein einzelner Strand, sondern eine kleine Ansammlung von vier Buchten rund um ein flaches Granitvorgebirge an der Costa Smeralda. Der Name selbst stammt aus dem Gallurese, dem regionalen Dialekt Nordsardiniens, und bedeutet so viel wie ‚junge Ziegen' — ein Verweis auf zwei abgerundete Granitfelsen, die die Hauptbuchten flankieren. Zum Gebiet gehören zwei östliche Hauptstrände sowie die Spiaggia del Pirata und die Spiaggia delle Tartarughe auf der Westseite. Die meisten Besucher landen in einer der östlichen Buchten und entdecken die anderen nie.
Die Umgebung ist typisch für diesen Abschnitt der Gallura-Küste: grober weißer Sand gemischt mit feinem Quarz, Wasser, das vom hellen Grün in den flachen Bereichen bis zum satten Kobaltblau weiter draußen wechselt, und im Hintergrund die Macchia mediterranea — das niedrig wachsende Gestrüpp aus Rosmarin, Myrte und Wacholder, das die Hänge zusammenhält. Dramatische Klippen gibt es hier nicht, keinen langen, ungebrochenen Weißsandbogen. Capriccioli ist kompakt, überschaubar und auf den ersten Blick zu erfassen — das ist ein Teil seines Reizes.
💡 Lokaler Tipp
Im Juli und August vor 9:30 Uhr ankommen, um einen Parkplatz zu bekommen ohne ewig zu kreisen. Der kleine Parkplatz füllt sich schnell, und der Weg von den Ausweichstellen am Straßenrand ist länger, als er auf der Karte aussieht.
Die vier Buchten: Was jede einzelne bietet
Die zwei östlichen Hauptstrände sind das, was die meisten Menschen vor Augen haben, wenn sie nach Capriccioli suchen. Sie werden durch einen kurzen Granitsattel getrennt, den man zu Fuß in einer Minute überquert, und bilden zusammen den belebtesten Teil der Bucht. Der nördliche der beiden ist etwas größer und hat einen Holzsteg, von dem aus Kanus, Tretboote und kleine Boote verliehen werden. Der Meeresgrund ist sandig und fällt sanft ab — er bleibt nahe am Ufer flach, bevor er sich allmählich vertieft, was ihn für Kinder und weniger geübte Schwimmer geeignet macht.
Die Spiaggia delle Tartarughe, der ‚Schildkrötenstand', liegt auf der Westseite des Vorgebirges und erfordert einen kurzen Fußweg durch die Macchia auf einem felsigen Pfad. Sie ist kleiner, bekommt weniger Besucherandrang, und der Name bezieht sich auf Schildkröten. Ob man tatsächlich welche sieht, ist unvorhersehbar — aber das Wasser hier ist bemerkenswert klar, und die Bucht wirkt an einem belebten Sommernachmittag deutlich privater als der Hauptstrand.
Die Spiaggia del Pirata, der ‚Piratenstrand', ist die versteckteste der vier Buchten. Man erreicht sie zu Fuß vom Hauptstrandbereich oder per Kajak. Die Mühe lohnt sich: Selbst im August herrscht hier fast vollständige Einsamkeit, und die umliegenden Felsformationen bieten interessante Motive für Unterwasserfotografie. Badeschuhe mitbringen.
Wie sich der Strand im Tagesverlauf verändert
Ein früher Morgen in Capriccioli ist eines der besten Argumente dafür, in der Nähe zu übernachten statt von Olbia oder Porto Cervo anzureisen. Vor 9 Uhr morgens im Sommer fällt das Licht flach auf das Wasser und verwandelt es in den flachen Bereichen in ein fast fluoreszierendes Grün. Die Luft riecht nach warmem Wacholder und Meersalz, der Sand ist noch kühl unter den Füßen, und man hat die östlichen Strände oft weitgehend für sich. Das ist das ideale Zeitfenster zum Schwimmen und Schnorcheln, bevor der Bootsverkehr zunimmt und das Wasser aufgewühlt wird.
Gegen 11 Uhr im Juli und August ist der Parkplatz voll und die Hauptstrände belegt. Die Stimmung wird lebhaft, aber nicht unangenehm — jene fröhliche Dichte, wie man sie von italienischen Stränden kennt, nicht die Schulter-an-Schulter-Enge mancher nordeuropäischer Urlaubsorte. An den östlichen Buchten sind Verkäufer und Verleihpersonal präsent. Geräusche tragen sich durch die kleine Bucht: spielende Kinder, Musik aus ein paar Lautsprechern, gelegentlich ein Motorboot.
Am späten Nachmittag ändert sich der Charakter erneut. Tagesausflügler beginnen ab etwa 17 Uhr abzureisen, das Licht wird weicher und golden, und die westlichen Buchten werden ruhig. Im September ist das Wasser noch warm, und ein frühabendliches Bad in diesem Licht, mit den im Bernsteinton leuchtenden Granitfelsen hinter einem, gehört zu den schöneren Erlebnissen, die diese Küste zu bieten hat.
ℹ️ Gut zu wissen
Die östlichen Hauptbuchten haben keine Schattenbäume. Eine Strandschirm mitbringen oder vor Ort mieten. Die Sonnenintensität ist von Ende Juni bis Anfang September hoch, und die UV-Werte können zwischen 11 und 15 Uhr extrem sein.
Schnorcheln und Wasserqualität
Capriccioli gilt durchgehend als einer der besseren Schnorchelspots an der Costa Smeralda — vor allem, weil die felsigen Flanken des Vorgebirges Lebensraum bieten, den blanke Sandstrände nicht haben. Rund um die Granitfelsen zwischen den Buchten findet man eine Vielfalt an Meereslebewesen. Die Seegraswiesen in der Nähe der Felsgebiete unterstützen eine breitere Palette kleiner Arten.
Die Wasserklarheit ist nach den meisten Maßstäben ausgezeichnet, besonders vor Mittag, wenn der Bootsverkehr noch gering ist und der Wind noch keine Zeit hatte, die Oberfläche aufzuwühlen. Bei ruhigen Bedingungen ist die Sicht oft hervorragend. Die Kajak- und Kanuverleihstation am östlichen Strand verleiht auch Schnorchelausrüstung, und mit einem Kajak kommt man an die westlichen Buchten und die Meereshöhlen an der Basis der äußeren Felsen, ohne die gesamte Strecke schwimmen zu müssen.
Für ernsthafteres Tauchen bieten die Gewässer rund um die weitere Costa Smeralda Wand- und Wracktauchgänge. Der Sardinien Schnorchel- und Tauchführer deckt alle Tauchspots und Anbieter im Nordosten der Insel ab.
Anreise und Parken
Ohne eigenes Fahrzeug ist die Spiaggia di Capriccioli praktisch nicht zu erreichen. Der Strand liegt rund 15 km östlich von Arzachena und südlich von Porto Cervo, erschlossen durch Nebenstraßen durch die Costa-Smeralda-Resortzone. Vom Flughafen Olbia Costa Smeralda (OLB) dauert die Fahrt je nach Verkehr etwa 30 bis 45 Minuten: über die SS125, dann die SP73, SP94 und SP160 in Richtung Cala di Volpe und Capriccioli. Von Porto Cervo aus folgt man der SP59 in Richtung Abbiadori, dann SP94 und SP160 zum Strand.
Der kostenpflichtige Parkplatz am Strand ist klein. Im Juli und August ist er am späten Vormittag voll, und der Überlauf zieht sich an den Straßenrändern entlang. Die Parkgebühren können in der Hochsaison bis zu ca. 20 € pro Tag betragen — aktuelle Tarife sollte man aber vor Ort erfragen. Motorradparkplätze sind in der Regel leichter zu finden. Mit einem Rennrad ist die Anreise möglich, aber die letzte Zufahrtsstraße ist schmal und hat keinen eigenen Radweg.
⚠️ Besser meiden
Keine Wertsachen im Auto lassen. Autoaufbrüche an Costa-Smeralda-Stränden werden seit Jahren regelmäßig gemeldet, besonders an ruhigeren Zugangspunkten. Dokumente und Wertsachen immer in einer wasserdichten Tasche mit an den Strand nehmen.
Wer dies mit einer größeren Rundreise durch den Nordosten verbindet, findet im Sardinien Roadtrip-Guide sinnvolle Rundkurse ab Olbia, die Capriccioli mit weiteren Küsten- und Inlandsstopps verbinden.
Beste Reisezeit
Kurz gesagt: Juni und September. Im Juni ist das Wasser bereits warm genug für angenehmes Schwimmen (typischerweise 21 bis 23 Grad Celsius), die Vegetation zeigt sich von ihrer grünsten Seite, die Parksituation ist noch handhabbar, und die Preise für Unterkünfte in der Nähe haben noch nicht das Hochsaisonniveau erreicht. Der September bringt in manchen Jahren sogar etwas wärmere Wassertemperaturen als der August, deutlich weniger Andrang und ein Licht, das Fotografen durchweg bevorzugen.
Juli und August sind durchaus machbar, wenn man auf die damit verbundenen Realitäten vorbereitet ist: volle Parkplätze bis 10 Uhr, belebte Strände den ganzen Nachmittag und der allgemeine Hochsaisontrubel der Costa Smeralda. Der Strand wird nicht unangenehm, aber er wird spürbar lauter und voller als der Rest des Jahres. Wer in diesen Monaten reist, sollte früh ankommen und die heißesten Mittagsstunden in den westlichen Buchten verbringen.
Mai und Oktober sind Zwischensaisonmonate mit zunehmend zuverlässigen Schwimmbedingungen. Einen vollständigen Überblick über die saisonalen Muster auf der gesamten Insel bietet der beste Reisezeit für Sardinien-Ratgeber mit Wetterperioden, Wassertemperaturen und Besucherzahlen im Detail. Der Sardinien im September-Ratgeber ist besonders hilfreich, wenn du einen Spätsommerbesuch planst.
Einrichtungen und Praktisches
Die östlichen Buchten verfügen in der Sommersaison über grundlegende Strandausstattung: Liegen- und Schirmverleih, einen kleinen Kiosk für Getränke und Snacks sowie den Kajak- und Kanuverleih am Holzsteg. Ein Restaurant gibt es direkt am Strand nicht, aber im weiteren Bereich von Capriccioli gibt es Unterkünfte mit Gastronomie. Eigenes Essen und Wasser mitbringen, wenn man einen ganzen Tag plant — besonders bei einem Besuch der westlichen Buchten, die keine Versorgung haben.
Für ältere Besucher und Familien mit kleinen Kindern ist der östliche Bereich gut zugänglich: Der Weg vom Parkplatz ist kurz, auf einem zwar rauem, aber ebenem Pfad, und der Einstieg ins Wasser erfolgt flach über Sand. Die westlichen Buchten erfordern mehr Beweglichkeit und sind weder für Kinderwagen noch für Besucher mit eingeschränkter Mobilität geeignet. Offizielle barrierefreie Badeplattformen gibt es nicht, wobei der flache Sandboden der östlichen Strände an sich schon ein Vorteil ist.
Familien, die mit Kindern nach Sardinien reisen, finden nützliche Hinweise im Sardinien mit Kindern-Ratgeber, der Strände, Aktivitäten und die Logistik des Reisens mit jüngeren Kindern auf der ganzen Insel abdeckt.
Für wen Capriccioli eine Enttäuschung sein könnte
Capriccioli ist nicht der richtige Ort, wenn man langen ungebrochenen Sand, vollservicierte Beach-Clubs oder ein lebhaftes soziales Umfeld sucht. Die Buchten sind klein und die Einrichtungen sind nach Costa-Smeralda-Maßstäben einfach. Wer die Art von polierter Beach-Club-Infrastruktur erwartet, die es in Porto Cervo oder anderen Teilen der Küste gibt, wird hier enttäuscht sein. Wer in der Hochsaison absolute Einsamkeit sucht, wird sie an den östlichen Hauptstränden ebenfalls nicht finden. Der Strand ist bekannt und von Juni bis August gut besucht.
Reisende ohne Auto sind praktisch ausgeschlossen, es sei denn, sie buchen eine Unterkunft in Fußnähe oder organisieren sich für den Tag ein Taxi. Es gibt keine reguläre Busverbindung, und die Straße ist für einen entspannten Fußweg vom nächsten Ort nicht geeignet.
Insider-Tipps
- Die nördliche der beiden östlichen Buchten bekommt am späten Nachmittag Schatten vom Granitvorsprung des Vorgebirges und ist damit kühler als die südliche Bucht — gut für ein Bad später am Tag. Die südliche Bucht hält die Sonne länger und eignet sich besser für den frühen Abend.
- Leih dir für mindestens eine Stunde ein Kajak und paddle um die äußeren Felsen herum zu den westlichen Buchten. Der Blick zurück auf die beiden Strände vom Wasser aus, mit den Hügeln der Gallura im Hintergrund, zeigt dir das volle Ausmaß der Bucht — etwas, das du vom Ufer aus einfach nicht erfassen kannst.
- Der Weg zur Spiaggia delle Tartarughe ist ausgeschildert, aber leicht zu übersehen. Achte auf einen kaum erkennbaren Pfad durch die Macchia, der auf der rechten Seite des nördlichen Hauptstrands beginnt, kurz hinter dem Holzsteg. Zu Fuß dauert es nur wenige Minuten.
- Der Parkplatz direkt am Strand ist nicht die einzige Option. Manche Besucher parken weiter entlang der Straße in Richtung Cala di Volpe und gehen den letzten Teil zu Fuß — so umgehen sie den Hauptparkplatz komplett.
- Für die westlichen Buchten solltest du Badeschuhe einpacken. Das Gestein zwischen den Sandabschnitten ist scharfer Granit, und in den flacheren Felspools sind Seeigel anzutreffen. Flip-Flops reichen dafür nicht aus.
Für wen ist Spiaggia di Capriccioli geeignet?
- Familien mit kleinen Kindern: der flache, sandige Meeresgrund der östlichen Strände ist ideal für unerfahrene Schwimmer
- Schnorchler: die Granitfelsen und Seegraswiesen rund um das Vorgebirge bieten mehr Meeresleben als offene Sandstrände
- Paare in der Nebensaison: September und Anfang Oktober bringen warmes Wasser, leere westliche Buchten und weiches Nachmittagslicht
- Fotografen: die abgerundeten Granitboulders, das vielschichtige Wasser und die rahmende Macchia liefern starke Kompositionen zur goldenen Stunde
- Besucher, die die Costa Smeralda in Ruhe erleben wollen, ohne weit von Porto Cervo wegzufahren
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Costa Smeralda:
- Porto Cervo Marina
Die Marina di Porto Cervo ist das Herzstück der Costa Smeralda – eine Anlage mit 700 Liegeplätzen, die Superyachten bis zu rund 120 Meter Länge aufnehmen kann. Auch wer nicht per Schiff anreist, erlebt hier mit der Uferpromenade, Designerboutiquen und einer beeindruckenden Parade außergewöhnlicher Yachten eines der faszinierendsten Schauspiele im Mittelmeer.
- Spiaggia del Principe
Die Spiaggia del Principe, lokal als Poltu di Li Cogghj bekannt, gilt weithin als schönster Strand der Costa Smeralda. Ihr flaches türkisfarbenes Wasser, feiner weißer Quarzsand und Granitfelsen zogen in den 1960er-Jahren sogar den Aga Khan persönlich an. Der Zugang ist kostenlos, im Sommer wird Parkgebühr erhoben, und der Weg zum Strand ist unbefestigt.