Ordrupgaard: Kopenhagens architektonisch bemerkenswertestes Kunstmuseum
Das Ordrupgaard liegt in Charlottenlund, rund 10 km nördlich der Kopenhagener Innenstadt, und ist ein staatliches Kunstmuseum, das ein Jahrhundert Geschichte auf einmal erlebbar macht. Französische Impressionisten, ein skulpturaler Zaha-Hadid-Anbau, ein Snøhetta-Flügel und das erhaltene Wohnhaus des Designers Finn Juhl teilen sich dasselbe bewaldete Gelände.
Fakten im Überblick
- Lage
- Vilvordevej 110, 2920 Charlottenlund, Dänemark (ca. 10 km nördlich der Kopenhagener Innenstadt)
- Anfahrt
- Bus 388 bis Vilvordevej ab Bahnhof Klampenborg oder Lyngby — ca. 2 Minuten Fußweg zum Eingang
- Zeitbedarf
- 2–3 Stunden für das Museum; mehr Zeit einplanen, wenn du Finn Juhls Haus und den Kunstpark dazunimmst
- Kosten
- 140 DKK für Erwachsene; Kinder unter 18 Jahren frei; Copenhagen-Card-Inhaber frei. Finn Juhls Haus erfordert ein separates Ticket (Museumseintritt ist darin enthalten).
- Am besten für
- Architekturbegeisterte, Impressionismus-Fans, Designliebhaber und alle, die ein ruhigeres Museumserlebnis außerhalb der Innenstadt suchen
- Offizielle Website
- ordrupgaard.dk/en

Was das Ordrupgaard eigentlich ist
Das Ordrupgaard ist ein staatliches Kunstmuseum, das aus einem privaten Wohnhaus von 1917 herausgewachsen ist und sich zu einem der architektonisch vielschichtigsten Kulturorte Skandinaviens entwickelt hat. Das ursprüngliche dreiflügelige Haupthaus wurde vom Architekten Gotfred Tvede entworfen und 1917 für den Reeder und Kunstsammler Wilhelm Hansen und seine Frau Henny fertiggestellt. Als Wilhelm Hansen 1920 starb, ging das Anwesen an den dänischen Staat über. Das Ordrupgaard hatte noch zu Lebzeiten Hansens 1918 als öffentliches Museum eröffnet und wurde danach Staatseigentum.
Die Sammlung konzentriert sich auf französischen Impressionismus und Postimpressionismus — Monet, Renoir, Cézanne, Degas, Gauguin — sowie auf bedeutende dänische Maler der Goldenen Zeit und des 19. Jahrhunderts. Dieser doppelte Schwerpunkt, französisch und dänisch, spiegelt den Geschmack der Hansens wider, die zu den bedeutendsten Privatsammlern Nordeuropas des frühen 20. Jahrhunderts zählten.
ℹ️ Gut zu wissen
Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag 11:00–17:00 Uhr, mittwochs bis 19:00 Uhr. Kunstpark täglich 08:00–18:00 Uhr. Finn Juhls Haus: Führungen dienstags bis freitags, Selbstführungen am Wochenende 11:00–17:00 Uhr. Geschlossen 23.–26. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Aktuelle Zeiten vor dem Besuch unter ordrupgaard.dk prüfen.
Drei Gebäude, drei Architekturepochen
Die architektonische Abfolge hier ist wirklich ungewöhnlich. Das ursprüngliche Tvede-Gebäude ist ein formelles dänisches Herrenhaus, dessen Innenräume noch immer etwas vom Charakter eines privaten Wohnhauses haben. Holzböden, ausgewogene Proportionen und Zimmer, die sich wie Zimmer anfühlen statt wie Galerieboxen — das macht es zu einem ganz anderen Erlebnis, einen Monet hier zu betrachten als in einer weißen Institutionsgalerie.
Zaha Hadids Erweiterungsbau von 2005 bildet den schärfsten Kontrast dazu. Der Anbau ist eine fließende, höhlenartige Konstruktion aus dunklem Beton und Glas, die sich eher an den Boden schmiegt als in die Höhe strebt. Vom Garten aus wirkt sie fast wie ein geologisches Element. Innen wölbt sich die Decke auf eine Art, die dich die Schale spüren lässt, durch die du dich bewegst — nicht nur die Kunst an den Wänden. Es ist eines von Hadids kleineren realisierten Werken und zugleich einer der intimsten Ausdrücke ihrer Formensprache.
Ein weiterer Flügel des norwegischen Büros Snøhetta erweiterte die Galerie- und Nutzflächen des Museums. Das Ergebnis ist ein Campus, der Besucher belohnt, die sich Zeit lassen und aufmerksam beobachten, wie jeder Abschnitt mit dem nächsten zusammenhängt. Wer sich für die Geschichte zeitgenössischer Architektur in Skandinavien interessiert, findet im Kopenhagen-Guide für Design und Architektur nützlichen Kontext, um das Ordrupgaard im größeren Stadtbild einzuordnen.
Finn Juhls Haus: Das separate Ticket, das sich lohnt
Auf dem Museumsgelände, wenige Gehminuten vom Hauptgebäude entfernt, steht das Haus, das der Möbeldesigner Finn Juhl in den 1940er Jahren für sich selbst entworfen hat. Juhl ist eine der prägenden Figuren des dänischen Funktionalismus — seine organischen Formen beeinflussten das Design der Jahrhundertmitte weltweit, und seine Werke sind unter anderem im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York zu finden. Sein Haus ist eine lebendige Demonstration seiner Philosophie: dass Möbel Räume formen sollen, nicht nur füllen.
Die Innenräume sind mit außerordentlicher Sorgfalt erhalten. Seine eigenen Möbel stehen an den Positionen, für die er sie vorgesehen hatte, ergänzt durch Keramiken, Textilien und Kunstwerke aus seiner Sammlung. Besonders die Farbwahl — tiefe Grüntöne, warme Gelbtöne, bewusst gesetzte Kontraste — wirkt mutiger als die meisten dänischen Interieurs der 1940er Jahre. Geführte Touren laufen dienstags bis freitags nach festem Zeitplan; am Wochenende sind Selbstführungen von 11:00 bis 17:00 Uhr möglich. Für Finn Juhls Haus ist ein separates Ticket erforderlich, das den Museumseintritt einschließt — wenn du das Haus besuchst, lohnt es sich also, dieses Ticket zu kaufen statt des normalen Museumseintritts.
💡 Lokaler Tipp
Wenn du unter der Woche kommst, schau dir vorab den Führungsplan für Finn Juhls Haus auf ordrupgaard.dk an. Die geführten Touren erschließen Details zur Sammlung und den Innenräumen, die man bei einer Selbstführung leicht übersieht.
Der Kunstpark und das Gelände
Das Außengelände funktioniert als Skulpturengarten und Spazierweg unter freiem Himmel. Der Kunstpark öffnet täglich um 08:00 Uhr und schließt um 18:00 Uhr — so kannst du das Gelände erkunden, bevor die Galerien um 11:00 Uhr aufmachen. In den wärmeren Monaten ist die Landschaft üppig grün, mit altem Baumbestand und einer Atmosphäre, die eher an ein privates Anwesen erinnert als an einen öffentlichen Park. Die Skulpturen sind bewusst platziert, ohne überladen zu wirken.
An bewölkten oder regnerischen Tagen verliert der Park etwas von seinem Reiz, während die Museumsräume unabhängig vom Wetter sehenswert bleiben. Im Winter ist es auf dem Gelände ruhiger und kälter; das Licht im Hadid-Anbau bei flachem Winterlicht hat seinen ganz eigenen Charakter — aber zieh dich warm an, wenn du längere Zeit draußen verbringen möchtest.
Tageszeit und Besucheraufkommen
Die Lage außerhalb der Kopenhagener Innenstadt hält das Besucheraufkommen konstant überschaubar. Hier steht man nicht zu dritt vor einem Gemälde. An Werktagen morgens, besonders dienstags und donnerstags, fühlen sich die Galerien fast wie privat an. Die verlängerten Mittwochabende bis 19:00 Uhr lohnen sich: Das Nachmittagslicht fällt in einigen Galeriebereichen anders herein, und nach 17:00 Uhr nimmt die Besucherzahl merklich ab.
Das Wochenende mittags ist am belebtesten, aber selbst dann wird es selten wirklich voll. Schulklassen kommen gelegentlich an Werktagen am späteren Vormittag vorbei, was die Atmosphäre in bestimmten Galerien kurzfristig verändern kann. Wenn du in Ruhe und ohne Unterbrechung schauen möchtest, sind dienstags oder donnerstags kurz nach der Öffnung um 11:00 Uhr die besten Bedingungen.
Die Distanz zur Innenstadt ist genau das, was diese Qualität bewahrt. Wer länger in der Stadt ist und mehrere Museen besucht, wird feststellen, dass das Ordrupgaard gut mit einem Besuch im Louisiana Museum of Modern Art harmoniert, das weiter nördlich an derselben Küstenbahnlinie liegt. Beide sind staatliche Institutionen mit bedeutenden Sammlungen und unverwechselbarer Architektur — und beide werden gemessen an ihrer Qualität zu selten besucht.
Anfahrt: So kommst du hin
Von der Kopenhagener Innenstadt dauert die Fahrt je nach Ausgangspunkt etwa 30 bis 40 Minuten. Nimm eine S-Bahn Richtung Klampenborg oder Lyngby und steige dann in den Bus 388 um. Die Haltestelle an der Vilvordevej ist ein gut zwei Minuten ebener Fußweg vom Museumseingang entfernt. Die Strecke ist unkompliziert und gut ausgeschildert. Copenhagen-Card-Inhaber fahren im öffentlichen Nahverkehr kostenlos — die Anreise ist also gratis, wenn du die Karte bereits hast.
Copenhagen-Card-Inhaber haben auch freien Museumseintritt, was das Ordrupgaard zu einem der lohnenderen Stopps auf der Karte macht — gerade angesichts der Entfernung zur Stadt und der Tiefe des Angebots. Wenn du überlegst, ob sich die Karte für deinen Trip lohnt, rechnet der Copenhagen-Card-Guide das konkret durch.
Das Museum ist rollstuhlgerecht zugänglich, und der Weg von der Bushaltestelle zum Eingang ist kurz und weitgehend eben. Finn Juhls Haus hat historische Einrichtungselemente, die die Bewegung im Inneren etwas einschränken können — wer darauf angewiesen ist, sollte die aktuellen Zugangsbedingungen direkt beim Museum erfragen.
⚠️ Besser meiden
Geh nicht davon aus, dass du von Klampenborg oder Lyngby zu Fuß gehen kannst — beide Bahnhöfe sind weiter entfernt, als es mit dem Bus komfortabel wäre, besonders mit Kindern oder bei schlechtem Wetter. Bus 388 ist die vorgesehene Verbindung und fährt regelmäßig. Aktuelle Fahrzeiten unter rejseplanen.dk prüfen.
Für wen es vielleicht nichts ist
Das Ordrupgaard ist eine fokussierte Sammlung, keine enzyklopädische. Wer einen breiten Überblick über die Kunstgeschichte sucht oder die monumentale Größe eines großen Nationalmuseums erwartet, könnte die Sammlung als eng empfinden. Die französischen Impressionisten sind wirklich hervorragend, aber die Gesamtzahl der Werke ist nicht groß — manchen Besuchern, die aus der Stadt anreisen und etwas in der Größenordnung des SMK (Nationalmuseum) erwarten, ist der Weg am Ende länger als der Besuch.
Reisende mit nur ein oder zwei Tagen in Kopenhagen, die vor allem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Innenstadt abhaken möchten, sollten die Fahrtzeit sorgfältig abwägen. Das 2-Tage-Reiseprogramm für Kopenhagen konzentriert sich auf zentral gelegene Attraktionen und ist für kurze Aufenthalte der bessere Ausgangspunkt. Das Ordrupgaard belohnt vor allem Besucher mit konkretem Interesse an Impressionismus, dänischem Design oder zeitgenössischer Architektur — weniger diejenigen, die die Stadt auf breiter Front erkunden wollen.
Insider-Tipps
- Kauf lieber das Ticket für Finn Juhls Haus als das normale Museumsticket — es kostet zwar etwas mehr, beinhaltet aber den Museumseintritt. Du zahlst also für das zusätzliche Erlebnis im Haus, nicht doppelt.
- Mittwochabends bis 19:00 Uhr ist das Museum am ruhigsten. Das Licht im Hadid-Anbau am späten Nachmittag ist ein ganz eigenes visuelles Erlebnis, das man mittags schlicht verpasst.
- Das Museumscafé nutzt den wohnlichen Charakter des Gebäudes wunderbar. Wenn du beides besuchst — Museum und Finn Juhls Haus — plane eine Pause dazwischen, statt alles in einem Durchgang abzuarbeiten.
- Wenn das Wetter stimmt, komm wenn der Kunstpark um 08:00 Uhr öffnet und erkunde das Gelände, bevor das Museum um 11:00 Uhr aufmacht. Das frühmorgendliche Licht in den Gärten rund um den Hadid-Anbau ist ganz anders als mittags.
- Kombiniere Ordrupgaard mit dem nahe gelegenen Jægersborg Dyrehave und dem Strand von Klampenborg für einen vollen Tag außerhalb der Stadt, der sich nicht wie ein reiner Museumsausflug anfühlt.
Für wen ist Ordrupgaard geeignet?
- Architekturbegeisterte, die drei verschiedene Bauepochen an einem einzigen Ort studieren möchten
- Kunstreisende mit Fokus auf Impressionismus, die eine ruhigere Alternative zu überfüllten Innenstadtmuseen suchen
- Designfans mit besonderem Interesse an Finn Juhl und dem dänischen Funktionalismus der Mitte des 20. Jahrhunderts
- Copenhagen-Card-Inhaber, die außerhalb der Innenstadt besonders lohnende Ziele suchen
- Besucher, die einen Kulturstopp mit einem Ausflug entlang der nördlichen Küstenroute Richtung Louisiana verbinden
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Kombiniere deinen Besuch mit:
- Amager Strandpark
Der Amager Strandpark ist Kopenhagens größter Strand mit insgesamt 4,6 km Sandstrand an der südöstlichen Küste der Stadt. Der Eintritt ist kostenlos, die Anlage per Metro gut erreichbar – und sie kombiniert natürlichen Küstenstreifen mit einer 2 km langen künstlichen Insel samt geschützter Lagune, die 2005 eröffnet wurde. Für Einheimische ist er ein echtes Sommerziel, für Besucher, die in einer skandinavischen Hauptstadt keinen Strand erwarten, eine angenehme Überraschung.
- Arken Museum für Moderne Kunst
Das ARKEN Museum für Moderne Kunst liegt an der Küste von Ishøj südlich von Kopenhagen und verbindet ein architektonisch spektakuläres Gebäude mit einem ernsthaften Programm für zeitgenössische Kunst. Der Weg aus der Stadt gehört zum Erlebnis – und die Landschaft verändert alles daran, wie du die Kunst wahrnimmst.
- Bakken
Dyrehavsbakken, kurz Bakken genannt, zieht seit 1583 Besucher in die Wälder nördlich von Kopenhagen – und ist damit der älteste noch betriebene Vergnügungspark der Erde. Anders als glatt polierte Freizeitparks verbindet er klappernde Achterbahnen, Schießbuden und Freiluftrestaurants inmitten eines UNESCO-anerkannten Wildgehege-Parks, mit freiem Eintritt zum Gelände.
- Den Blå Planet – Nationalt Akvarium Danmark
Den Blå Planet, Dänemarks Nationales Aquarium, liegt in Kastrup an der Øresundküste – mit 7 Millionen Litern Wasser, 450 Arten und einem beeindruckenden Spiralbau, den man sich schon von außen genauer ansehen sollte. Dieser Guide erklärt, was dich in den Ausstellungen erwartet, wann der Besuch am lohnendsten ist und wie du problemlos hinkommst.