Noordermarkt: Der 400 Jahre alte Marktplatz im Jordaan
Am nördlichen Rand des Jordaan liegt der Noordermarkt, ein Platz aus dem 17. Jahrhundert, der zweimal wöchentlich zum Leben erwacht – samstags mit einem Bio-Bauernmarkt voller Einheimischer und montags mit einem Trödel- und Antiquitätenmarkt. Beide sind kostenlos, beide ziehen echte Nachbarschaftsbesucher an, und zusammen bieten sie eines der authentischsten Markterlebnisse in ganz Amsterdam.
Fakten im Überblick
- Lage
- Noordermarkt, 1015 MV Amsterdam (Jordaan)
- Anfahrt
- Ca. 20 Minuten zu Fuß vom Amsterdam Centraal; Tram 3 bis Marnixstraat/Marnixbad
- Zeitbedarf
- 1–2 Stunden
- Kosten
- Eintritt frei
- Am besten für
- Foodies, Antiquitätenliebhaber, Jordaan-Entdecker, Slow-Travel-Reisende
- Offizielle Website
- www.noordermarkt-amsterdam.nl/en/home-en

Was der Noordermarkt eigentlich ist
Noordermarkt ist sowohl der Name des Platzes als auch der dort stattfindenden Märkte. Der Platz liegt am nördlichen Ende des Jordaan, eingefasst von der Noorderkerk auf einer Seite und schmalen Grachtenstraßen auf den anderen. Er ist kein Touristenmarkt wie der Blumenmarkt oder die Käsestände am Dam-Platz. Die Händler hier sind größtenteils kleine niederländische Produzenten, unabhängige Händler und Secondhand-Verkäufer – und die Menschen, die stöbern, sind größtenteils Einheimische.
Zwei verschiedene Märkte finden an unterschiedlichen Tagen statt und haben einen jeweils eigenen Charakter. Montags gibt es einen Secondhand- und Antiquitätenmarkt – ruhiger und beschaulicher. Samstags findet der Boerenmarkt statt, der Bio-Bauernmarkt, der lebhafter, voller und fröhlicher ist. Wer nur einmal kommen kann, erlebt samstags das vollständigere Erlebnis – aber auch der Montag hat seinen ganz eigenen, unaufgeregten Reiz.
ℹ️ Gut zu wissen
Öffnungszeiten: Montagsmarkt 9:00–14:00 Uhr; Samstagmarkt 9:00–16:00 Uhr. Die Zeiten können je nach Saison leicht abweichen – am besten vor dem Besuch auf der offiziellen Website nachschauen.
Der Samstags-Boerenmarkt: Bio, lokal, belebt
Um 9:30 Uhr füllt sich der Platz am Samstag bereits spürbar. Der Boerenmarkt ist ein Bio-Bauernmarkt mit einem Ruf, der weit über den Kiez hinausgeht – man merkt das an der Mischung: Jordaan-Bewohner beim wöchentlichen Einkauf, dazwischen Besucher, die eigens hierhergekommen sind. Die Stände bieten Obst und Gemüse, Käse, Brot, Eier, Kräuter, Honig und zubereitete Speisen. Die meisten Händler sind kleine niederländische Produzenten.
Als Erstes fällt einem der Geruch auf: frisches Brot aus dem Holzofen, Rohmilchkäse, geröstete Nüsse. An kalten Morgen werden frisch zubereitete Stroopwafels und Kaffee von kleinen Wagen verkauft. Das Kopfsteinpflaster rund um die Noorderkerk kann bei Nässe rutschig werden – gut zu wissen, wenn man einen Kinderwagen dabei hat oder nicht so schnell unterwegs ist.
Gegen 11:00 Uhr erreicht der Platz seinen Höhepunkt. Die schmalen Wege zwischen den Ständen können sich eng anfühlen, und bei beliebten Lebensmittelständen werden die Schlangen lang. Wer effizient einkaufen möchte, sollte kurz nach der Öffnung kommen. Wer die volle Atmosphäre mit Trubel und Lärm erleben will, ist zwischen 10:30 und 11:30 Uhr genau richtig.
💡 Lokaler Tipp
Bargeld mitbringen. Viele Stände am Boerenmarkt akzeptieren nur oder bevorzugt Bargeld. Auf dem Platz selbst gibt es keinen Geldautomaten – also vorher Geld abheben.
Der Montagsmarkt: Antiquitäten, Secondhand und ruhige Stunden
Der Montagsmarkt ist eine ganz andere Welt. Es ist ein klassischer Secondhand- und Antiquitätenmarkt mit einem gemächlicheren Tempo. Händler bieten Bücher, Kleidung, Haushaltsgegenstände, Schallplatten, alte Drucke und gelegentlich auch Möbel an. Das Publikum ist dünner gesät und im Durchschnitt älter – das Tempo lädt zum Verweilen ein.
Es ist keine hochkarätige Antiquitätenmesse. Hier findet man eher interessante niederländische Taschenbücher oder eine Vintage-Lampe als ein signiertes Gemälde. Der Spaß liegt im Stöbern selbst, und der Platz ist spürbar ruhiger – man kann die Noorderkerk und die umliegende Grachtenarchitektur in aller Ruhe auf sich wirken lassen.
Montagvormittage sind im Jordaan nach Amsterdamer Maßstäben besonders ruhig. Die Cafés rund um den Platz öffnen nach und nach, und gegen 10:00 Uhr stehen bei einigen bereits Stühle draußen. Es ist eine der entspanntesten Möglichkeiten, einen Wochentag in der Stadt zu verbringen.
Die Noorderkerk und die Geschichte des Platzes
Der Platz wird von der Noorderkerk geprägt, der nüchternen reformierten Kirche, die seine Nordwestecke dominiert. Die Kirche wurde 1623 fertiggestellt und von Hendrick de Keyser entworfen, einem der bedeutendsten Architekten des Goldenen Zeitalters von Amsterdam. Ihr griechisches Kreuz-Grundriss war für die damalige Zeit ungewöhnlich und bewusst egalitär angelegt: Kein Gemeindemitglied saß weiter von der Kanzel entfernt als ein anderes. Das Äußere ist sachliches Backsteinmauerwerk, ohne die dekorativen Verzierungen der katholischen Kirchenarchitektur – passend zur Arbeiterklassengeschichte des Jordaan.
Auf diesem Platz findet mindestens seit 1618 ein Markt statt – damals soll er als Töpfermarkt begonnen haben. Damit gehört der Noordermarkt zu den ältesten Marktplätzen Amsterdams, jetzt über 400 Jahre alt. Der Platz hat den Wandel des Jordaan miterlebt: vom überfüllten Arbeiterviertel im 17. und 18. Jahrhundert über den Niedergang nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zum heutigen Status als eines der begehrtesten Wohnviertel der Stadt.
Es lohnt sich, die Geschichte des Viertels ein wenig zu kennen, bevor man hierherkommt. Der Jordaan wurde ursprünglich als Wohnviertel für Arbeiter und Einwanderer außerhalb des Hauptgrachtenrings angelegt – sein Raster aus engen Straßen und kleinen Brücken spiegelt diesen dichten, praktischen Grundriss noch heute wider. Märkte wie der Noordermarkt waren damals unverzichtbare Infrastruktur, keine Freizeitattraktionen.
So plant man einen Besuch am besten
Der Platz ist klein genug, um ihn in 20 Minuten zu durchqueren – aber die meisten Besucher bleiben beim Samstagmarkt eine Stunde oder länger. Das natürliche Muster: ankommen, eine Runde drehen und schauen, was es gibt, dann zu den Ständen zurückgehen, die man sich gemerkt hat. Lebensmittel kauft man am besten gegen Ende des Besuchs, damit man sie nicht die ganze Zeit herumtragen muss.
Nach dem Markt lohnt sich ein Spaziergang durch die umliegenden Straßen. Die Westerstraat verläuft an einer Seite des Platzes und hat einige unabhängige Lebensmittelläden und Cafés. Die Lindengracht, ein paar Blöcke nördlich, hat samstags ihren eigenen Markt mit einer etwas anderen Mischung aus Lebensmitteln und Street-Food-Ständen.
Der Jordaan eignet sich gut für einen Spaziergang ohne festen Plan. Wer den Markt mit einem längeren Vormittag verbinden möchte: Die Westerkerk ist etwa 10 Gehminuten südlich, und die Grachten des Grachtengürtels liegen direkt nebenan. Wer ein vollständiges Bild von Amsterdams Marktkultur bekommen möchte, kann den Lindengracht-Markt am Samstag problemlos in denselben Vormittag einbauen.
Fotografie und Atmosphäre
Der Platz lässt sich bei bedecktem Himmel besser fotografieren als bei direkter Sonneneinstrahlung. Das dunkle Backsteinmauerwerk der Noorderkerk kommt im diffusen Licht besser zur Geltung, und die bunten Marktstände werden in starker Mittagssonne leicht überbelichtet. Früh morgens, bevor der Trubel beginnt, bekommt man den Platz mit der Kirche und den leeren Ständen im Hintergrund – ein ganz anderes Bild als die geschäftige Vormittagsstimmung.
Auch an Regentagen läuft der Markt am Samstag. Die Händler haben Markisen und Planen, das Publikum wird dünner, verschwindet aber nicht. Regen im Jordaan hat seine eigene Atmosphäre: Das Kopfsteinpflaster spiegelt das Licht, die Cafés füllen sich. Das ist kein Grund, zu Hause zu bleiben.
⚠️ Besser meiden
Der Markt findet an Feiertagen nicht statt. Niederländische Nationalfeiertage, darunter Koningsdag Ende April, können reguläre Markttage verschieben oder ausfallen lassen. Wenn dein Besuch in die Nähe eines Feiertags fällt, lohnt sich ein Blick auf die offizielle Website.
Ehrliche Einschätzung: Für wen lohnt es sich – und für wen nicht?
Der Noordermarkt ist am besten für Reisende geeignet, die nicht versuchen, möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Wer nur einen Tag in Amsterdam hat und Rijksmuseum, Anne-Frank-Haus und eine Grachtenfahrt sehen möchte, sollte seine Zeit wohl anders einplanen. Es ist ein Nachbarschaftsmarkt – sein Reiz liegt in dieser lokalen Textur, nicht in einem einzelnen Erlebnis oder Einkauf.
Wer gerne kocht, Freude am Lebensmitteleinkauf hat oder Märkte als Spiegel des Charakters einer Stadt schätzt, wird hier am meisten mitnehmen. Antiquitäten- und Secondhand-Fans finden im Montagsmarkt eine Stunde gut investiert. Reisende, die ständig Abwechslung brauchen oder sich nur in großen, organisierten Touristenattraktionen wohlfühlen, könnten enttäuscht sein.
Wer länger in Amsterdam bleibt und ein umfassendes Bild der Marktszene der Stadt bekommen möchte, findet im Amsterdam-Märkte-Guide einen Überblick über alle Optionen in der Stadt – von täglichen Touristenmärkten bis hin zu wöchentlichen Kiezmärkten wie diesem.
Insider-Tipps
- Der Bio-Bauernmarkt am Samstag ist zwischen 10:30 und 12:00 Uhr am vollsten. Wer vor 10:00 Uhr kommt, kann in Ruhe stöbern – besonders rund um die Käse- und Brotverkäufer am Kircheneingang.
- Mehrere Stände verkaufen zubereitete Speisen zum sofortigen Verzehr. Die frisch auf dem Platz gebackenen Stroopwafels sind immer eine gute Wahl, und die Preise sind deutlich niedriger als an den touristisch ausgerichteten Ständen anderswo in der Stadt.
- Wer beide Märkte erleben möchte, sollte sie an getrennten Tagen besuchen. Jeder hat seinen eigenen Rhythmus – wer versucht, beide zu hetzen, verpasst genau das Beste daran.
- Die Cafés an der angrenzenden Westerstraat eignen sich gut für einen Kaffee nach dem Markt. Sie werden von Einheimischen genutzt und sind in der Regel günstiger und ruhiger als die Café-Terrassen entlang der touristischen Grachtenrouten.
- Parken im Jordaan ist extrem schwierig. Das nächste Parkhaus ist das Europaparking an der Marnixstraat 250. Praktischer ist es, vom Amsterdam Centraal zu Fuß zu gehen (ca. 20 Minuten) oder die Tram 3 bis Marnixstraat/Marnixbad zu nehmen.
Für wen ist Noordermarkt geeignet?
- Foodies und Hobbyköche auf der Suche nach niederländischen Bio-Produkten
- Reisende, die lieber Kiez-Atmosphäre als Sehenswürdigkeiten-Tourismus mögen
- Antiquitäten- und Secondhand-Fans (Montagsmarkt)
- Fotografen, die authentische, ungestellte Marktszenen suchen
- Besucher, die einen Jordaan-Spaziergang mit einem entspannten Vormittag verbinden