Windmühlen der Lasithi-Hochebene: Geschichte, Anfahrt und was dich erwartet
Die Windmühlen der Lasithi-Hochebene gehören zu den markantesten Wahrzeichen Kretas – von den alten Steinmühlen am Seli-Ambelou-Pass bis zu den Überresten der Tausenden weißbesegelte Bewässerungspumpen, die einst die Hochebene bedeckten. Der Eintritt ist kostenlos, rund um die Uhr zugänglich, und lohnt sich für alle, die die Bergstraße in den Osten Kretas unter die Räder nehmen.
Fakten im Überblick
- Lage
- Lasithi-Hochebene, Regionalbezirk Lasithi, Ostkreta (ca. 35°11′N 25°28′E)
- Anfahrt
- Mit dem Auto ab Heraklion (~1 Std.) über die Straße nach Agios Nikolaos; saisonale Busverbindungen zu den Dörfern der Hochebene ab Heraklion und Agios Nikolaos
- Zeitbedarf
- 30–60 Min. am Seli Ambelou; ein halber Tag, wenn du die gesamte Hochebene erkundest
- Kosten
- Kostenlos. Freier Zugang zu jeder Tageszeit, keine Schranken oder Eintrittsgebühren
- Am besten für
- Landschaftsfotografie, Geschichtsinteressierte, Roadtripper und Reisende, die den Besuch mit der Dikteon-Höhle kombinieren

Was die Windmühlen der Lasithi-Hochebene eigentlich sind
Der Begriff „Lasithi-Windmühlen" bezeichnet zwei verschiedene Dinge, die Besucher häufig durcheinanderbringen. Erstens: die Gruppe von Steinwindmühlen am Seli Ambelou (auch Seli Ambelos geschrieben), einem Gebirgspass am nördlichen Eingang zur Hochebene. Das sind uralte Mahlmühlen – stämmige rechteckige Bauten vom Typ Axetrocharis, errichtet mit festen Segeln, die zum vorherrschenden Nordwestwind ausgerichtet sind. Von ursprünglich 26 bis 27 Mühlen sind noch 24 erhalten. Sie wurden Ende des 19. Jahrhunderts aus den nahe gelegenen Dörfern Zaroma und Potami hierher versetzt und 1986 offiziell als Werke außergewöhnlicher Volkskunst ausgewiesen.
Die zweite Geschichte gehört dem Plateau selbst. Ab den 1920er Jahren installierten die Bauern zwischen 10.000 und 15.000 weißbesegelte Windpumpen über das fruchtbare Becken, um ihre Apfelgärten, Kartoffelfelder und Gemüsebeete zu bewässern. Auf dem Höhepunkt war der Anblick Tausender sich drehender weißer Dreiecke vor den hohen Bergwänden berichten zufolge atemberaubend. Heute sind die meisten zugunsten von Diesel- und Elektropumpen aufgegeben worden. Einige restaurierte Exemplare sind noch vorhanden, hauptsächlich in der Nähe des Dorfes Tzermiado – wer aber ein Meer aus drehenden Segeln erwartet, wird enttäuscht sein. Was bleibt, ist eher Archäologie als Spektakel.
ℹ️ Gut zu wissen
Praktischer Hinweis: Die Steinmühlen am Seli-Ambelou-Pass sind der fotogenste und historisch bedeutsamste Anlaufpunkt. Gib in deinem Navi „Seli Ambelou" (oder Ambelos-Pass) ein und nicht einfach „Lasithi-Windmühlen" – sonst landest du womöglich am falschen Ende der Hochebene.
Die Anfahrt: Der Weg hoch zur Hochebene
Die Straße nach Lasithi ist schon Teil des Erlebnisses. Von Heraklion aus führt die Route durch die Ausläufer des Dikti-Gebirges, vorbei an Dörfern, in denen die Luft spürbar kühler wird und die Olivenhaine sich lichten. Die letzten Kilometer vor dem Pass schlängeln sich in Serpentinen hoch, und an klaren Tagen eröffnen sich weite Ausblicke nach Süden über die Ägäis. Am Scheitel des Passes tauchen die Steinmühlen von Seli Ambelou auf – aufgereiht auf einem niedrigen Grat auf etwa 900 Metern Höhe – bevor man in die Hochebene hinabsteigt.
Die Hochebene selbst liegt auf etwa 840 Metern über dem Meeresspiegel: ein breites, nahezu flaches Ackerbaubecken, das von Gipfeln über 2.000 Metern umrahmt wird. Im Frühling sind die Felder intensiv grün und die Apfelbäume blühen. Im Sommer ist die Hitze der kretischen Küste hier kaum zu spüren – die Hochebene ist merklich kühler als die Urlaubsorte unten. Im Oktober und November legt sich morgens Nebel in das Becken, und die abgeernteten Felder wirken ausgeblichen und still.
Die Hochebene gehört zu den zugänglicheren Bergzielen der Insel. Für alle, die eine längere Route durch Ostkreta planen, beschreibt der Kreta-Roadtrip-Guide die Region Lasithi als Teil einer größeren Rundroute durch den Osten der Insel.
Tickets & Führungen
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Die Seli-Ambelou-Windmühlen aus der Nähe
Die Mühlen am Pass sind eher nüchtern als romantisch. Sie sind grob aus lokalem Stein gebaut, mit niedrigen rechteckigen Sockeln und kurzen Türmen. Die meisten haben kein Dach mehr oder sind teilweise eingestürzt, aber die Form ist klar erkennbar, und einige wurden teilweise restauriert. Die Segel, soweit noch vorhanden, sind feste Holzgestelle – nicht die Segeltuchsegel, die sich einst im Wind drehten. Die Reihe der Mühlen erstreckt sich auf dem Grat über etwa 200 Meter, und auf einem gepflegten Fußweg lässt sie sich in zehn Minuten komplett ablaufen.
Was den Ort sehenswert macht, ist das Zusammenspiel der Mühlen mit der sie umrahmenden Landschaft. Im Norden fällt die Straße zur Küste ab. Im Süden öffnet sich die Hochebene als breite grüne Ellipse mit den Dikti-Gipfeln dahinter. An einem klaren Morgen trifft das Licht den Stein von Osten, und die Mühlen werfen lange Schatten auf das trockene Gras. Zur Mittagszeit liegt das gesamte Gelände offen und flach beleuchtet – für die Fotografie weniger reizvoll, für einen kurzen Stopp aber völlig in Ordnung. Am späten Nachmittag kommt das warme Licht wieder von Westen.
💡 Lokaler Tipp
Fototipp: Komm am Seli Ambelou in den ersten zwei Stunden nach Sonnenaufgang oder in den 90 Minuten vor Sonnenuntergang. Das gerichtete Licht betont die Steinstruktur, und die Berge hinter den Mühlen wirken plastischer. Fotos zur Mittagszeit fallen oft flach aus.
Am Pass selbst gibt es keinerlei Infrastruktur. Keine Kasse, kein Café, keine Toiletten. Ein kleiner Straßenrandbereich bietet Platz für einige Autos, und in den Sommermonaten halten hier gelegentlich Reisebusse als Teil organisierter Ausflüge zur Dikteon-Höhle. An solchen Tagen hat man vielleicht 15 bis 20 Minuten relative Ruhe, bevor eine Gruppe eintrifft. Wer früh morgens oder am späten Nachmittag kommt, hat das Gelände oft ganz für sich.
Historischer und landwirtschaftlicher Hintergrund
Windmühlen zum Getreidemahlwerk sind auf der Lasithi-Hochebene mindestens seit byzantinischer Zeit in Betrieb, und die Technik wurde ab dem 13. Jahrhundert unter venezianischer Herrschaft verfeinert. Die Venezianer erkannten das landwirtschaftliche Potenzial der Hochebene, nutzten sie aber auch strategisch: Zeitweise verboten sie die Besiedlung, um Bergrebellen keine Versorgungsbasis zu lassen – eine Phase, die rund zwei Jahrhunderte andauerte, bevor die Kultivierung wieder aufgenommen wurde.
Die großflächigen Bewässerungs-Windmühlen, die die Hochebenenfläche verwandelten, kamen deutlich später – hauptsächlich von den 1920er Jahren bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Die weißen Segelpumpen förderten Wasser aus unterirdischen Quellen und bewässerten, was zu einer der produktivsten Agrarregionen Kretas werden sollte. Kartoffeln aus Lasithi genossen in ganz Griechenland einen guten Ruf. Die Umstellung auf Motorpumpen ab den 1970er Jahren machte die Windpumpen wirtschaftlich unrentabel, und sie wurden nach und nach aufgegeben – nicht auf einmal. Was heute übrig ist, liegt verstreut und befindet sich größtenteils in schlechtem Zustand.
Das landwirtschaftliche und kulturelle Erbe der Region lässt sich gut mit den minoischen Stätten der Gegend verbinden. Die Dikteon-Höhle bei Psychro – eine der bedeutendsten minoischen Kultstätten Kretas – liegt 20 Fahrminuten vom Seli-Ambelou-Pass entfernt und lässt sich gut am selben Tag kombinieren.
Die Hochebene erkunden
Sobald du vom Pass hinuntergefahren bist, führt die Hochebenenstraße durch eine Reihe kleiner Dörfer, darunter Tzermiado, Agios Georgios und Psychro. Die Dörfer sind lebendige landwirtschaftliche Gemeinschaften, keine Touristenorte, und haben einen ruhigeren, alltäglicheren Charakter als die Küstenstädte. Einige Tavernen servieren traditionelles kretisches Essen, und kleine Volksmuseen in Agios Georgios und anderswo dokumentieren die Geschichte der Windpumpen und das lokale Leben.
Die noch erhaltenen Bewässerungs-Windpumpen auf der Hochebenenfläche verteilen sich über die Felder und sind nicht an einem einzigen Aussichtspunkt konzentriert. Du siehst sie von der Straße aus – oft stehen sie allein auf einem gepflügten Feld oder neben einem Obstgarten, die weißen Gestelle verwittert und das Segeltuch längst verschwunden. Sie haben die Melancholie, die verrotteter Industrieausrüstung oft anhaftet, erfordern aber eine gewisse Geduld. Wer eine Landschaft voller sich drehender Segel erwartet, wird hier nicht fündig.
Die Lasithi-Hochebene hat als Reiseziel noch viel mehr zu bieten. Einen umfassenderen Überblick über alles, was sich in der Gegend über die Windmühlen hinaus unternehmen lässt, bietet der Reiseführer Lasithi-Hochebene.
⚠️ Besser meiden
Wetterhinweis: Die Hochebene liegt auf großer Höhe, und das Wetter kann sich schnell ändern – besonders im Frühling und Herbst. Auch im Sommer solltest du eine Schicht zum Überziehen dabei haben. Im Winter kann die Zufahrtsstraße durch Schnee oder Eis unpassierbar sein.
Für wen die Windmühlen etwas sind – und für wen nicht
Reisende, die Landschaft und Alltagsgeschichte schätzen, werden am Windmühlenstopp echte Freude haben. Die Seli-Ambelou-Mühlen sind ein ehrliches Stück kretisches Landerbe, und die Lage ist dramatisch, ohne aufgehübscht zu wirken. Die Hochebene selbst belohnt entschleunigte Reisende: Menschen, die Spaß daran haben, durch Agrarland zu fahren, in einem Dorfkafeneion Halt zu machen und sich ein Bild davon zu machen, wie Kreta jenseits des Tourismus funktioniert.
Wer klare Schauspiele, erklärende Führungen oder sichtbare Imposanz braucht, könnte enttäuscht abreisen. Die Mühlen sind nicht hoch oder wuchtig. Viele sind teilweise verfallen. Es gibt keine Informationstafeln, die ihre Geschichte eingehend erklären, und kein Personal, das Kontext liefert. Wer Kreta wegen Stränden und Küste besucht und nur wenige Tage hat, für den lohnt sich der Bergumweg allein wegen der Windmühlen wohl nicht. Das ändert sich, wenn man den Besuch mit der Dikteon-Höhle kombiniert oder die Windmühlen in eine ganztägige Hochebenentour einbaut.
Wer seine Zeit auf der Insel sorgfältig plant, findet im Kreta-Reiseplan für eine Woche Hinweise dazu, wie sich die Region Lasithi in einen größeren Reiseplan einbinden lässt, ohne gehetzt zu wirken.
Insider-Tipps
- Die Mühlen am Seli Ambelou lassen sich am besten von der Südseite der Straße fotografieren – so hast du die Hochebene als Hintergrund und nicht den Parkplatz im Bild. Geh einfach 50 Meter am Haupthaltepunkt vorbei, dann stimmt der Bildausschnitt.
- Der Frühling (April bis Mai) ist die beste Reisezeit für die Hochebene. Die Felder leuchten sattgrün, die Apfelbäume blühen, und der Schnee auf den Dikti-Gipfeln im Hintergrund ist noch zu sehen – eine Kombination, die im Sommer komplett austrocknet.
- Die meisten Reisegruppen kommen zwischen 10 und 13 Uhr, auf dem Weg zur Dikteon-Höhle. Wer vor 9 Uhr oder nach 15 Uhr ankommt, hat den Pass fast für sich allein.
- Das Dorf Tzermiado hat die beste Auswahl an echten Tavernen auf der Hochebene. Wenn du vor Ort essen möchtest, statt zur Küste zurückzufahren, halt lieber dort zum Mittagessen – die touristisch geprägteren Lokale rund um Psychro können da nicht mithalten.
- Der Seli-Ambelou-Standort gilt als barrierefrei, und der Weg entlang der Mühlen ist weitgehend flach und kompakt – damit zählt er zu den rollstuhlfreundlicheren ländlichen Kulturdenkmälern in der Region Lasithi.
Für wen ist Windmühlen der Lasithi-Hochebene geeignet?
- Roadtripper, die Ostkreta durchqueren und einen lohnenden Bergumweg mit historischem Tiefgang suchen
- Fotografen, die dramatische Landschaftskompositionen mit Steinarchitektur vor Hochgebirgskulisse im Blick haben
- Geschichts- und Archäologiereisende, die die Windmühlen mit der nahegelegenen Dikteon-Höhle oder minoischen Stätten kombinieren
- Reisende, die im Sommer kühlere Temperaturen suchen – die Hochebene liegt deutlich unterhalb der Küstenhitze
- Alle, die sich für traditionelle kretische Landwirtschaft und das Landleben abseits der Touristengebiete interessieren
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Lassithi-Hochebene:
- Dikteon-Höhle (Zeushöhle)
In die Nordhänge des Dikti-Gebirges auf 1.025 Metern Höhe eingebettet, zählt die Dikteon-Höhle zu den mythologisch bedeutsamsten Stätten Griechenlands. Vom Neolithikum bis in die Römerzeit genutzt, gilt diese uralte Kultstätte der Legende nach als Ort, an dem Rhea Zeus zur Welt brachte — und die tropfenden Stalaktiten und kühlen, kathedralenartigen Kammern machen diese Geschichte durchaus glaubhaft.