Howth Cliff Walk: Dublins schönster Küstenwanderweg
Der Howth Cliff Walk führt über das dramatische Kliffland von Howth Head nördlich von Dublin und bietet vier markierte Rundwege zwischen 6 und 12 Kilometern. Das Ganze ist kostenlos, das ganze Jahr zugänglich und per DART vom Stadtzentrum erreichbar – Meereskliffs, Heidelandschaft und Panoramablick auf die Dublin Bay inklusive, ganz ohne Auto oder Reiseführer.
Fakten im Überblick
- Lage
- Howth Head, Howth, Co. Dublin — Startpunkt am DART-Bahnhof Howth
- Anfahrt
- Mit der DART bis Bahnhof Howth (Endstation); Dublin Bus Linie 31 fährt ebenfalls ins Dorf
- Zeitbedarf
- 2 Stunden (6 km Cliff Path Loop) bis 4+ Stunden (12 km Bog of Frogs Loop)
- Kosten
- Kostenlos — öffentliche Wanderwege, kein Eintritt
- Am besten für
- Wanderer, Fotografen, Tagesausflügler, Familien mit älteren Kindern

Was der Howth Cliff Walk wirklich ist
Der Howth Cliff Walk ist kein einzelner Pfad, sondern ein Netz aus vier farbcodierten Rundwegen auf Howth Head – dem felsigen Vorgebirge, das etwa 15 Kilometer nordöstlich des Dubliner Stadtzentrums in die Irische See ragt. Alle Routen starten am DART-Bahnhof Howth und sind mit farbigen Markierungspfählen ausgeschildert: grün (7,8 km), blau (7 km, Tramline Loop), rot (8 km, Black Linn) und lila (12 km, Bog of Frogs). Mit jeder Strecke nehmen Distanz, Höhenunterschied und die Stille auf dem Weg zu.
Das Gelände ist küstennahe Heidelandschaft: auf einer Seite Stechginster, Strandnelken und raues Gras, auf der anderen ein schroffer Abfall zum tosenden Atlantikwasser. Die Wege sind größtenteils unbefestigt – Fels, festgestampfte Erde und gelegentlich Holzbohlen. Nach Regen werden die tiefer gelegenen Küstenabschnitte rutschig, und einige Strecken der längeren Routen werden wirklich matschig. Das hier ist Outdoor-Wandern, kein gepflegter Parkspazierweg.
⚠️ Besser meiden
Das richtige Schuhwerk ist entscheidend. Leichte Turnschuhe reichen für den grünen Weg an einem trockenen Tag, aber für alles Längere oder Nässere braucht man feste Wanderschuhe mit gutem Profil. Die Kliffkanten auf den nach Norden ausgerichteten Abschnitten sind stellenweise nicht gesichert.
Die vier Routen: Was passt zu dir?
Grüner Weg — Cliff Path Loop (7,8 km, ~130 m Höhenunterschied)
Der grüne Weg ist das klassische Howth-Erlebnis. Vom DART-Bahnhof geht es durch den Hafen, dann auf den Kliffpfad Richtung Osten, rund um das Vorgebirge bis zum Ben of Howth und wieder zurück. Der Höhenunterschied von rund 130 Metern ist so gleichmäßig verteilt, dass die meisten halbwegs fitten Erwachsenen ihn ohne Probleme bewältigen. Die Route dauert je nach Tempo und Fotostopps etwa zwei Stunden.
Das ist die Route, die sich an sonnigen Wochenendnachmittagen füllt. Ab 11 Uhr an einem klaren Samstagmorgen im Juni ist der erste Kilometer hinter dem Hafen bereits belebt – Familien, Radfahrer, die morgens mit der DART rausgefahren sind, und Gruppen von Teenagern. Wer vor 9 Uhr kommt oder unter der Woche wandert, hat den Weg fast für sich allein.
Blauer Weg — Tramline Loop (7 km)
Der Tramline Loop fügt einen Kilometer hinzu und folgt der Trasse der alten Howth-Straßenbahn, die das Dorf einst mit dem Gipfel verband. Die Straßenbahn selbst ist längst verschwunden, aber der Pfad durch die obere Heidelandschaft ist geblieben und bietet eine etwas andere Perspektive auf das Vorgebirge sowie einen ruhigeren Rückweg als der reguläre Kliffpfad. Geschichtsinteressierte schätzen den Kontext: Die Tram brachte die Dubliner einst zu Wochenendausflügen hierher – ganz ähnlich wie die Besucher von heute.
Schwarzer Weg — Black Linn Loop (8 km) und Roter Weg — Bog of Frogs Loop (12 km)
Der schwarze und der rote Weg führen tiefer ins Innere des Vorgebirges und überwinden bei den längeren Varianten rund 240 Höhenmeter. Der Bog of Frogs Loop mit 12 Kilometern dauert für die meisten Wanderer etwa drei Stunden und durchquert Heidelandschaft, die deutlich weniger besucht wird. Diese Routen sind wirklich ruhig, besonders an Wochentagvormittagen, und sie zeigen eine andere Seite der Landschaft: weniger dramatische Kliffkanten, dafür mehr vom offenen, windgepeitschten Plateau darüber. Bei schlechter Sicht – die auf Howth Head schnell aufzieht – braucht man hier mehr Navigationssicherheit, da die Markierungen im Nebel schwieriger zu erkennen sind.
💡 Lokaler Tipp
Wer nur einen halben Tag hat und das beste Verhältnis aus Aussicht und Aufwand will, liegt mit dem grünen Weg plus Abstecher zum Ben of Howth richtig. Die längeren Schleifen lohnen sich für einen nächsten Besuch, wenn mehr Zeit und stabiles Wetter da sind.
Was du siehst: die Sinneserfahrung der Wanderung
Die Aussichten vom Kliffpfad eröffnen sich schon innerhalb der ersten zwanzig Minuten. Zurückblickend Richtung Dublin sieht man den vollen Bogen der Dublin Bay – von den Poolbeg-Schornsteinen und der South Bull Wall bis zum Hafen von Dún Laoghaire und bei klarem Wetter auch den dahinter aufsteigenden Wicklow Mountains. Die Insel Ireland's Eye liegt weniger als einen Kilometer vom Hafen entfernt; mit dem Fernglas ist die Brutkolonie der Basstölpel zu erkennen.
Der Duft des Stechginsters ist von April bis Juni das prägende Sinneserlebnis: warm, kokosnussartig und an windstillen Morgen überraschend intensiv. Im Spätsommer übernimmt das Heidekraut mit einem trockeneren, mineralischeren Geruch. Eissturmvögel und Tordalken brüten in den Kliffwänden; den nasalen Ruf der Eissturmvögel hört man, bevor man sie sieht, und in der Brutzeit (ungefähr April bis Juli) fliegen sie manchmal in Kopfhöhe entlang der Kliffkante. Wer noch mehr Küstenwildtiere in der Gegend erleben möchte: Das Ausflugsboot zur Ireland's Eye legt am Howth Harbour ab und bietet einen Nahblick auf die Seevogelkolonien.
Das Licht verändert sich je nach Tageszeit erheblich. Morgendliches Licht kommt aus dem Osten, trifft die Kliffwände direkt und macht das Fotografieren unkompliziert. Ab dem frühen Nachmittag fallen die westlichen Flanken des Vorgebirges in den Schatten, und das Licht über der Dublin Bay wird diesig. Sonnenuntergänge vom Gipfel oder den höheren Abschnitten des roten Weges können beeindruckend sein – allerdings erfordert es Planung, eine längere Schleife noch bei Tageslicht zu beenden.
Anreise und praktische Infos
Die DART ist der unkomplizierteste Weg hierher. Howth ist die nördliche Endstation der DART-Küstenbahnlinie, und Züge fahren regelmäßig von den Stadtbahnhöfen Connolly, Tara Street und Pearse ab. Von Connolly aus dauert die Fahrt rund 35 Minuten, ohne Umsteigen. Die DART lässt dich direkt am Bahnhof Howth aussteigen, dem üblichen Ausgangspunkt für alle vier Routen. Dublin Bus Linien 31 und 31A verbinden Howth ebenfalls mit der Stadt. Wer mit dem Auto kommt: Parkplätze gibt es in der Nähe des Hafens, aber an Wochenenden sind sie schnell voll. Die Halbinsel Howth lässt sich nach der Ankunft gut zu Fuß erkunden – das Auto in Dublin zu lassen und öffentliche Verkehrsmittel zu nehmen ist also die sinnvollere Wahl.
Die Wanderung kann auch vom Howth Summit aus begonnen werden, der mit dem Bus erreichbar ist und einen eigenen Parkplatz hat. Wer oben startet, spart den anfänglichen Aufstieg und gelangt direkt in die ruhigeren oberen Abschnitte der längeren Routen – allerdings entfällt dann die Hafenstimmung zu Beginn.
ℹ️ Gut zu wissen
Alle vier Routen sind das ganze Jahr über ohne Reservierung zugänglich. Auf dem Kliffpfad selbst gibt es keine Einrichtungen. Öffentliche Toiletten und Cafés sind im Dorf Howth in der Nähe des Bahnhofs verfügbar – vor und nach der Wanderung.
Barrierefreiheit: Die Routen sind nicht rollstuhlgerecht und für Kinderwagen über den ersten gepflasterten Abschnitt am Hafen hinaus ungeeignet. Die längeren Wege verlaufen über steiles, felsiges Gelände ohne formelle Infrastruktur. Menschen mit eingeschränkter Mobilität sind auf der flachen, gut ausgebauten Hafenpromenade und im Dorf selbst besser aufgehoben.
Vorher und nachher: Howth als ganzen Tag genießen
Das Dorf Howth hat genug zu bieten, um einen ganzen Tag aus Dublin heraus zu rechtfertigen. Am Hafen reihen sich Meeresfrüchte-Stände und Restaurants aneinander; die Fish and Chips von den Ständen am East Pier gehören zu den meistgelobten der Stadt, und der Geruch von Salz und Frittiertem zieht nachmittags über den Parkplatz. Nach der Wanderung auf der Hafenmauer sitzen, eine Tüte Pommes essen und den Fischerbooten zuschauen – das ist eine verdiente Belohnung für einen Morgen auf den Klippen. Der Howth Harbour selbst lohnt auch dann einen zwanzigsekündigen Bummel, wenn man keinen Hunger hat.
Wer länger auf der Halbinsel bleiben möchte: Bootstouren zu Ireland's Eye fahren in der Saison vom Hafen ab, und im Dorf gibt es eine kleine Burg und Klosterruine, die einen Umweg wert sind. Wer einen ausgedehnten Küstentag von der Stadt aus plant, kann Howth gut mit einem Besuch am Dún Laoghaire Pier auf der Südseite der Bucht kombinieren – allerdings sind die beiden Orte nicht direkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln verbunden, sodass man zwischendurch ins Stadtzentrum zurückfahren muss.
Ehrliche Einschätzung: Für wen Howth vielleicht nichts ist
Wer Beschreibungen gelesen hat, die Howth als halbe Stunde Spaziergang für jedermann darstellen, sollte das ignorieren. Der grüne Weg ist für die meisten Erwachsenen machbar, aber er verlangt unebenes Gelände, gelegentliches Klettern über nasse Felsen nahe dem Gipfel und Ausgesetztsein gegenüber atlantischem Wetter mit kaum Unterstand. An einem grauen, windigen Novembermorgen kann das richtig anstrengend sein – und fotogen ist es dann auch nicht besonders. Die längeren Routen erfordern eine sorgfältige Vorbereitung.
Besucher mit sehr kleinen Kindern, Menschen, die auf unebenem Untergrund Schwierigkeiten haben, oder alle, die einen entspannten Panoramaspaziergang ohne Anstrengung suchen, sind auf den flachen Uferwegen entlang von Clontarf oder Sandymount in der Stadt besser aufgehoben. Der Cliff Walk belohnt Menschen, die wirklich wandern wollen – nicht jene, die eine malerische Kulisse für einen lockeren Bummel suchen.
Wer nur zwei oder drei Tage in Dublin ist und wenig Zeit hat, sollte überlegen, ob ein halbtägiger Ausflug nach Howth ins Programm passt. Ein Dublin-Reiseplan für drei Tage hat im Stadtzentrum in der Regel genug zu bieten, ohne dass ein Tagesausflug nötig wäre – wobei Howth eine naheliegende Erweiterung ist, wenn man länger bleibt oder bei einem späteren Besuch wiederkommt.
Insider-Tipps
- An Wochentagen vor 9 Uhr morgens hast du den Kliffpfad fast für dich allein. An Wochenendnachmittagen zwischen Mai und August kann es auf dem grünen Weg Richtung Hafen ziemlich voll werden.
- Der Ben of Howth ist mit rund 171 Metern der höchste Punkt der Standardrouten. Bei klarem Wetter soll man vom Trigonometrischen Punkt aus die Mourne Mountains in Nordirland sehen können – Dunst macht das allerdings zur Seltenheit.
- Der alte Straßenbahnpfad (blauer Weg) führt durch einen Waldabschnitt, den der Kliffpfad völlig vermissen lässt. An sehr heißen Sommertagen ist er deshalb ein angenehmerer Rückweg als die ungeschützte Kliffkante.
- Die Fisch-und-Chips-Stände am Howth Harbour öffnen ab spätem Vormittag. Wer nach einer Morgenwanderung ankommt, ist noch vor der Mittagsschlange da, die sich ab etwa 12:30 Uhr aufbaut.
- Die DART zurück in die Stadt von Howth aus kann sonntags abends sehr überfüllt sein. Wer erst am späten Nachmittag fertig wird, hat bessere Chancen auf einen Sitzplatz, wenn er die zwanzig Minuten bis zur nächsten Station Sutton zu Fuß geht.
Für wen ist Howth Cliff Walk geeignet?
- Tagesausflügler aus Dublin, die frische Luft und Küstenlandschaft wollen – ohne Auto
- Wanderer, die eine echte Halbtags- oder Ganztagesroute mit Höhenunterschied und Meerblick suchen
- Fotografen, die auf atlantisches Küstenlicht, Seevögel und Panoramen der Dublin Bay aus sind
- Besucher mit zwei oder mehr Tagen in Dublin, die die Küste jenseits der Stadt erkunden wollen
- Familien mit Kindern ab etwa 8 Jahren, die mit unebenem Gelände klarkommen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Howth:
- Howth Harbour & Seafood Trail
Howth Harbour liegt auf einer felsigen Halbinsel rund 14 km nördlich des Dubliner Stadtzentrums und ist ein echter Fischereihafen, wo Trawler im Morgengrauen anlegen und die Meeresfrüchterestaurants sich bis Mittag füllen. Egal ob du auf eigene Faust durch die Kais schlenderst oder an einer geführten Craft-Beer-und-Seafood-Tour teilnimmst – der Hafen lohnt die 30-minütige DART-Fahrt aus der Stadt allemal.
- Ireland's Eye Island
Ireland's Eye (auf Irisch: Inis Mac Neasáin) ist eine kleine, unbewohnte Insel direkt nördlich von Howth Harbour in County Dublin. Mit einer 15-minütigen Bootsfahrt erreichbar, bietet sie die Ruinen einer frühmittelalterlichen Kirche, einen Martello-Turm aus der napoleonischen Ära, dramatische Küstenfelsen und Seevogelkolonien. Es gibt keine Einrichtungen, keine Toiletten und kein einfaches Gelände – wer vorbereitet kommt, wird mit echter Einsamkeit belohnt, und das in Sichtweite von Dublin.