Houtong Katzendorf: Die Kohlestadt, die die Katzen übernahmen

Das Houtong Katzendorf ist eine ehemalige Bergbausiedlung im Ruifang-Bezirk von New Taipei City, wo eine große Katzenpopulation aus einer verblassenden Industriestadt eines der meistfotografierten Ausflugsziele Taiwans gemacht hat. Der Eintritt ist frei, die Anreise erfolgt mit der malerischen Taiwan-Railways-Bahn aus Taipeh, und der benachbarte Houtong Coal Mine Ecological Park lässt sich gut mit einem Besuch verbinden.

Fakten im Überblick

Lage
Ruifang-Bezirk, New Taipei City, Taiwan (Nr. 70, Chailiao Road)
Anfahrt
Mit der Taiwan Railways (TRA) vom Hauptbahnhof Taipeh bis Houtong Station — das Dorf beginnt direkt am Bahnsteig
Zeitbedarf
2 bis 4 Stunden inklusive Coal Mine Ecological Park
Kosten
Freier Eintritt; Zugfahrt aus Taipeh kostenpflichtig (aktuelle TRA-Tarife vor der Reise prüfen)
Am besten für
Katzenliebhaber, Fotografen, Tagesausflügler, Familien mit älteren Kindern
Eine orangefarbene Katze sitzt auf einem Fliesendach im Houtong Katzendorf, im Hintergrund rote Laternen und Gebäude.

Was das Houtong Katzendorf eigentlich ist

Das Houtong Katzendorf, auf Chinesisch 猴硐貓村 (Hóudòng Māo Cūn), liegt in einem engen Flusstal etwa 30 bis 35 Kilometer östlich des Stadtzentrums von Taipeh. Für den größten Teil des 20. Jahrhunderts war es eine aktive Bergbausiedlung, und die Spuren dieser Industrie sind noch heute sichtbar: ein erhaltener Minenschachteingang, Aufbereitungsanlagen und rostendes Industriegerät, die heute im Houtong Coal Mine Ecological Park direkt auf der anderen Flussseite des katzenbesiedelten Hangs geschützt werden. Die Katzen kamen später — sie siedelten sich an, als die Bergleute abzogen, und Anfang der 2010er-Jahre hatte sich das Dorf um seine felinen Bewohner neu erfunden.

Das hier ist kein Zoo und kein betreutes Katzencafé. Die Katzen sind freilaufende Gemeinschaftstiere, die von lokalen Freiwilligen und Anwohnern gefüttert und gepflegt werden. Bei jedem Besuch findet man sie schlafend auf Markisen, auf eigens für sie gebauten Holzplattformen oder in Sonnenlichtflecken auf der Fußgängerbrücke über den Gleisen. Das Dorf selbst ist klein genug, um es zu Fuß in unter einer Stunde zu erkunden — trotzdem bleiben die meisten Besucher länger als geplant.

ℹ️ Gut zu wissen

Das Dorf ist ein öffentlicher Bereich mit freiem Eintritt, der jederzeit zugänglich ist. Die meisten Läden und Einrichtungen sind aber nur ungefähr von 8:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Die Katzen sind morgens am aktivsten — bevor sie sich gegen die Mittagshitze in den Schatten zurückziehen.

Anreise: Die Zugfahrt gehört zum Erlebnis

Der klassische Weg ist ein Regionalzug der Taiwan Railways Administration (TRA) vom Hauptbahnhof Taipeh, der nach etwa 40 bis 60 Minuten in Houtong Station hält. Die Strecke führt durch Ruifang und vorbei an Flusschluchten, bevor man am kleinen Bahnsteig ankommt. Man steigt aus und der Dorfeingang ist sofort sichtbar — keine Busverbindungen, kein zweiter Umstieg nötig. Das ist einer der unkomplizierteren Anreisewege für einen Tagesausflug von Taipeh.

Züge fahren regelmäßig, aber prüfe aktuelle Fahrpläne und Tarife auf der TRA-Website vor deiner Reise, da sich die Zeiten saisonal ändern können. An Wochenenden ist mehr Betrieb, daher lohnt es sich, einen frühen Zug zu nehmen (vor 9:30 Uhr) — so entgehst du sowohl dem Gedränge als auch der Mittagshitze. Die Rückfahrt ist unkompliziert: einfach zurück zur Houtong Station laufen und einen beliebigen TRA-Zug Richtung Taipeh nehmen.

💡 Lokaler Tipp

Du kannst Houtong und Jiufen oder Shifen an einem Tag kombinieren. Houtong liegt östlich von Ruifang auf der TRA-Strecke; Jiufen hat keinen eigenen Bahnhof — von Ruifang nimmst du einen Bus zurück nach Westen und den Hügel hinauf. Plane Houtong als erstes am Morgen ein, wenn es noch ruhig ist, und fahre dann nach Ruifang für Jiufen weiter.

Die Katzendorf-Seite: Was dich erwartet

Von der Houtong Station führt ein überdachter Fußgängerweg direkt in die Hauptkatzenzone. Diese erhöhte Brücke über die Gleise ist selbst ein guter Ort zum Verweilen: Katzen schlafen auf den Geländern, und an klaren Morgen rahmen die bewaldeten Bergrücken das Tal darunter ein. Der Weg mündet in ein kompaktes Gassengeflecht mit kleinen Cafés, Souvenirläden mit Katzenmotiven und Futterstationen, die von Freiwilligen gepflegt werden.

Die Katzen reichen von Kätzchen bis zu alten Haudegen, die schon so viele Kameras gesehen haben, dass sie vollkommen gleichgültig reagieren. Sie sind in der Regel ruhig und zugänglich, sollten aber weder gejagt noch hochgehoben werden. Viele tragen Ohrkerbmarkierungen, die zeigen, dass sie am lokalen Kastrierungsprogramm teilgenommen haben. Im Dorf gibt es Informationsschilder auf Mandarin und Englisch zum Tierschutzprojekt, was dem Ort ein durchdachteres Gefühl gibt als der durchschnittlichen Kuriosität.

Das Morgenlicht zwischen etwa 8 und 10 Uhr ist das fotogenste Zeitfenster: weichere Schatten und aktivere Katzen, bevor sie sich vor der Hitze zurückziehen. An Sommerwochenenden am frühen Nachmittag kippt das Verhältnis von Touristen zu Katzen spürbar zugunsten der Touristen, und die Katzen haben sich größtenteils unter Gebäude und in schattige Ecken verzogen. Wer hauptsächlich zum Fotografieren kommt, ist an einem Wochentag morgens zwischen Frühling und Herbst am besten aufgehoben.

Der Coal Mine Ecological Park: Die übersehene Hälfte des Besuchs

Die meisten Besucher verbringen ihre gesamte Zeit auf der Katzenseite und verpassen den Houtong Coal Mine Ecological Park auf der anderen Seite des Keelung-Flusses. Das ist ein echter Fehler. Der Park bewahrt die physische Infrastruktur der ehemaligen Ruisan-Kohlemine: Aufbereitungsanlage, Grubenwagen, Fördergerüste und Einfahrtstunnel — vieles davon in seinem verwitterten Originalzustand, ohne für den Tourismus aufgehübscht zu werden.

Um dorthin zu gelangen, überquert man die Katzenbrücke (eine Hängebrücke für Fußgänger, die mit Katzenskulpturen und Pfötchengeländern dekoriert ist) und folgt einem Weg, der leicht durch die Industrieruinen ansteigt. Das Gelände umfasst Treppen und unebene Oberflächen. Besucher mit eingeschränkter Mobilität sollten die Brückenüberquerung vorab abwägen, da es keinen barrierefreien Alternativweg zu den oberen Minenstrukturen gibt.

Die Industrielandschaft hat eine rohe, fotografisch reizvolle Qualität, die sich scharf vom Geschenkeladen-Charme des Katzendorfs abhebt. Von der oberen Parkfläche aus sind die umliegenden Berge sichtbar, und das Rauschen des Flusses und die vorbeifahrenden Züge verankern die ganze Szene in etwas Echtem. Hier wird die doppelte Identität von Houtong greifbar: ein Ort, der sowohl durch seine Arbeitsgeschichte als auch durch das merkwürdige zweite Leben, das darauf folgte, geprägt wird.

Praktische Route: So gehst du es an

Am Houtong Bahnhof ankommend, folgst du der überdachten Brücke direkt in die Katzendorf-Gassen. Verbringe hier 45 bis 60 Minuten: Katzen fotografieren, einen Kaffee in einem der kleinen Cafés trinken, die Läden durchstöbern. Dann über die Katzenbrücke zum Coal Mine Ecological Park wechseln und 30 bis 45 Minuten durch das erhaltene Minengelände laufen. Zurück über die Brücke, etwas Essen oder Trinken an einem der Dorfstände holen (gegrillte Sachen und verpackte Snacks sind typisch) und zurück zur Station für den Heimzug gehen.

Wenn du weitere Stopps kombinieren möchtest, verbindet die östliche TRA-Strecke direkt mit Jiufen Old Street über Ruifang Station und mit Shifen Wasserfall weiter entlang der Pingxi-Nebenstrecke. Beide zusammen ergeben einen abwechslungsreichen Tag entlang Taiwans nordöstlicher Bahnstrecke.

Wetter, Jahreszeiten und der beste Reisezeitpunkt

Houtong liegt in einem Flusstal, das Regen gut kanalisiert. Die Nordostküste Taiwans bekommt viel Niederschlag, besonders zwischen Oktober und März, wenn der Nordostmonsun Feuchtigkeit direkt ins Tal drückt. Ein Besuch im Regen ist nicht unmöglich, verändert das Erlebnis aber erheblich: Der überdachte Weg vom Bahnhof bietet etwas Schutz, aber die Katzenbrücke, der Minenpark und große Teile des offenen Katzendorfes sind ungeschützt. Schau vorher in die Wettervorhersage. Eine leichte Regenjacke ist das ganze Jahr über sinnvoll. Für einen umfassenderen Überblick über Taipehs Jahreszeiten bietet der Reiseführer zum besten Reisezeitpunkt für Taipeh das vollständige saisonale Bild.

Die angenehmsten Reisefenster sind Frühling (März bis Mai) und Herbst (September bis November), wenn die Temperaturen moderat sind und es weniger regnet. Im Sommer macht die Hitze und Schwüle Katzen wie Besucher gleichermaßen träge. Winterbesuche sind möglich und oft menschenleer, aber pack dich warm für den feuchten Kältekick eines Bergtals im Januar.

Für wen sich dieser Ausflug weniger lohnt

Houtong ist wirklich charmant, aber es sollte keine knappe Taipeh-Zeit beanspruchen, wenn deine Prioritäten woanders liegen. Das Dorf ist kompakt und die Besonderheit ist real — aber das Gesamterlebnis ist bescheiden im Ausmaß. Wenn du nur zwei oder drei Tage in Taipeh hast und dich Geschichte, Essen oder Architektur mehr interessieren, gibt es substanziellere Attraktionen näher am Stadtzentrum.

Besucher mit erheblichen Mobilitätseinschränkungen sollten vorsichtig sein: Der Minenpark erfordert Treppenklettern und das Gelände ist insgesamt hügelig. Wer keine Menschenmassen mag, sollte samstags und sonntags zwischen 10 und 14 Uhr meiden, wenn die engen Gassen überfüllt wirken können. Und wer ein betreutes Katzencafé-Erlebnis mit zugänglichen, gepflegten Katzen erwartet, findet hier etwas anderes: ein offenes Freiluftdorf, in dem die Katzen die Bedingungen bestimmen. Für eine kuratierte Übersicht zu Taipehs Ausflugsmöglichkeiten, schau in den Taipeh-Aktivitäten-Reiseführer.

Insider-Tipps

  • Nimm den ersten oder zweiten Morgenzug vom Hauptbahnhof Taipeh und versuche, an Wochentagen vor 9 Uhr in Houtong anzukommen. Die Katzen sind dann am aktivsten und die Gassen fast menschenleer.
  • Bring keine eigenen Leckerlis mit; unterstütze stattdessen das lokale Tierschutzprojekt, indem du das Futter an den dafür vorgesehenen Futterstationen verwendest — das schützt die Gesundheit der Katzen.
  • Der Coal Mine Ecological Park hat freien Eintritt und ist in der Regel täglich von 8:00 bis 18:00 Uhr geöffnet; ein Rundgang dauert etwa 30 bis 40 Minuten. Überspring ihn nicht zugunsten der Souvenirläden: Die Industrieruinen sind der bleibendere Teil des Besuchs.
  • Am Houtong Bahnhof gibt es münzbetriebene Schließfächer auf dem Bahnsteig. Wenn du nach dem Besuch noch nach Jiufen oder Pingxi weiterfährst, kannst du dein Gepäck hier lassen.
  • Der überdachte Fußgängerweg vom Bahnhof kann an Wochenendnachmittagen durch Selfie-Fotografen sehr voll werden. Es läuft sich leichter, wenn du gegen den Hauptstrom ankommst — also dann, wenn die meisten Tagesausflügler schon auf dem Rückweg nach Taipeh sind.

Für wen ist Houtong Katzendorf geeignet?

  • Katzenliebhaber und Tierfotografen, die ein Freiluft-Erlebnis mit freilaufenden Katzen suchen statt einer betreuten Café-Umgebung
  • Tagesausflügler, die Houtong mit Jiufen oder Shifen entlang Taiwans nordöstlicher Bahnstrecke verbinden
  • Familien mit älteren Kindern, die mit unebenem Gelände und Treppen umgehen können
  • Fotografiebegeisterte, die den Kontrast zwischen Industrieruinen und katzenbesiedelten Dorfgassen interessant finden
  • Reisende, die einen günstigen Halbtagesausflug ohne Voranmeldung oder Buchung suchen

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Kombiniere deinen Besuch mit:

  • Bitou Cape Trail

    Der Bitou Cape Trail (鼻頭角步道) verläuft auf einem schmalen Küstenkamm hoch über dem Pazifik im Ruifang-Distrikt, New Taipei City. Der Eintritt ist frei, die Strecke ist etwa 3,5 km lang und belohnt Wanderer mit einigen der spektakulärsten Meereslandschaften in Taipei-Nähe. Achtung: Seit 2020 werden Teile des Weges umgebaut – vor dem Besuch unbedingt den aktuellen Streckenstatus prüfen.

  • Jinguashi Goldmuseum-Areal

    Hoch in den Bergen des Ruifang-Distrikts bewahrt das Goldmuseum in Jinguashi eine vollständige Bergbauanlage aus der japanischen Kolonialzeit. Dich erwarten Stollenführungen, Kolonialarchitektur, eine Gedenkstätte für Kriegsgefangene und ein weiter Blick auf den Pazifik – alles in einem einzigen Freilichtpark.

  • Jiufen Old Street

    Die Jiufen Old Street (Jishan Street) ist eine schmale, mit roten Laternen geschmückte Gasse, die sich durch eine ehemalige Goldbergbaustadt oberhalb von Taiwans Nordostküste schlängelt. Der Eintritt ist frei, und per Zug und Bus ist sie bequem von Taipei aus erreichbar. Wer früh kommt oder bis zum Abend bleibt, wird belohnt – wenn die roten Laternen gegen den Bergnebel leuchten.

  • Pingxi Alte Straße

    Die Pingxi Alte Straße ist eine schmale Gasse direkt neben der Bahnlinie in New Taipei City, wo Taiwans Himmelslaternentradition lebendig wird. Einst auf dem Fundament einer Kohlebergbaugemeinde gebaut, belohnt diese kostenlos zugängliche Straße Besucher mit Laternenläden, traditionellen Snacks und Bergtallandschaft, die sich weit entfernt von der Hauptstadt anfühlt.

Zugehöriges Reiseziel:Taipeh

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