Kreta Olivenöl & Wein: Der komplette Verkostungs- und Einkaufsführer
Kreta produziert einige der besten Olivenöle der Welt und Weine aus einheimischen Rebsorten, die es sonst nirgendwo gibt. Dieser Guide zeigt dir, wo du verkostest, worauf du achten solltest, wie du Touren buchst und was sich wirklich lohnt mit nach Hause zu nehmen.

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Kurzfassung
- Kreta produziert rund 30 % des griechischen Olivenöls – kaufenswert ist ausschließlich kaltgepresstes natives Olivenöl extra.
- In der Peza-Region um Heraklion befinden sich 80 % der Weingüter der Insel, mit einheimischen Rebsorten wie Vidiano und Kotsifali, die du sonst nirgendwo findest – schau in unseren Guide zu den besten Aktivitäten auf Kreta für Tipps zur Planung rund um Verkostungen.
- Die Olivenernte läuft von Oktober bis Dezember, die Weinlese von August bis Oktober – in beiden Saisons sind Besuche am eindrucksvollsten.
- Geführte Tagestouren mit Hotelabholung, Verkostungen und Mittagessen sind der effizienteste Weg, beide Produkte an einem Tag zu erleben.
- Nicht alle kretischen Olivenöle sind gleich – die Qualitätsstufe macht einen enormen Unterschied, und Touristenläden führen oft minderwertige Ware.
Warum Kreta ein ernstzunehmendes Olivenölland ist

Olivenöl ist auf Kreta kein Souvenir – es ist Grundlage des Lebens. Olivenbäume bedecken etwa ein Drittel des kultivierten Landes der Insel, und Kreta produziert rund 30 % des gesamten griechischen Olivenöls. Griechenland selbst belegt weltweit den dritten Platz in der Olivenölproduktion, hinter Spanien und Italien, führt aber konstant bei Pro-Kopf-Verbrauch. Was das für Besucher bedeutet: Die Qualität des alltäglichen Tafelöls hier übertrifft das, was die meisten Europäer oder Amerikaner zu Hause als Premiumprodukt betrachten würden.
Die auf der Insel vorherrschende Sorte ist die Koroneiki – eine kleine, polyphenolreiche Olive, die auf Kretas trockenen, felsigen Hängen gedeiht. Diese Oliven liefern ein Öl mit einem ausgeprägt grasigen, pfeffrigen Abgang – das Kratzen im Hals nach einem Schluck hochwertigen nativen Olivenöls extra ist ein Zeichen für einen hohen Oleocanthal-Gehalt, einer natürlichen entzündungshemmenden Verbindung. Produzenten in den Regionen Chania und Rethymno ernten meist früher (Oktober bis November) und erhalten so ein intensiver aromatisches, grüneres Öl. In Heraklion und Lasithi wird oft später geerntet, was mildere, goldener gefärbte Öle ergibt.
ℹ️ Gut zu wissen
Natives Olivenöl extra ist gesetzlich definiert als Öl aus der ersten Kaltpressung (unter 27 °C) ohne chemische Lösungsmittel und mit einem freien Säuregehalt unter 0,8 % (Premiumproduzenten zielen auf unter 0,4 %). Niedrigere Qualitätsstufen – „natives Olivenöl” und „raffiniertes Olivenöl” – nutzen Hitze oder Chemikalien, um weiteres Öl aus dem Fruchtfleisch zu gewinnen. Zum Kochen sind sie in Ordnung, fehlt ihnen aber die ernährungsphysiologische und aromatische Tiefe des nativen Olivenöls extra. Wenn eine Flasche im Souvenirshop weder „nativ extra” noch „kaltgepresst” angibt – Finger weg.
Kretas Weinregionen und einheimische Rebsorten

Kreta produziert etwa 20 % des griechischen Weins, und rund 80 % der Weingüter sind in der Regionalbezirk Heraklion konzentriert, insbesondere in der Peza-Appellation südlich der Hauptstadt. Peza ist die bekannteste g.U.-Zone (geschützte Ursprungsbezeichnung) der Insel, gelegen auf 400 bis 600 Metern Höhe, wo kühle Nächte die Säure der Trauben erhalten. Archanes, eine weitere g.U.-Zone in der Nähe von Heraklion, produziert vollmundigere Rotweine. Weiter westlich machen sich Produzenten rund um Chania und Kissamos einen Namen durch experimentelle Cuvées und ökologischen Weinbau.
Was kretischen Wein wirklich spannend macht, ist das Angebot an einheimischen Rebsorten. Die meisten sind außerhalb der Insel völlig unbekannt – das ist sowohl ihr Reiz als auch der Grund, warum sie kaum auf Exportmärkten zu finden sind. Das ist Weintourismus in seiner reinsten Form: Man trinkt hier Dinge, die es sonst nirgendwo gibt.
- Vidiano Die herausragende Weißweinsorte. Aromatisch, texturreich, mit Steinobst- und Zitrusnoten. In weniger als 20 Jahren hat sie sich vom Rand der Ausrottung zu einem der meistdiskutierten Weißweine Griechenlands entwickelt.
- Vilana Die klassische Weißweinsorte von Peza. Leicht, frisch, unkompliziert trinkbar. Am besten jung und gut gekühlt an einem heißen Nachmittag genießen.
- Kotsifali Die dominante Rotweinsorte der Peza g.U. Weiche Tannine, hoher Alkohol, rote Fruchtaromen. Wird meist mit Mandilari verschnitten, um mehr Struktur zu erhalten.
- Liatiko Eine der ältesten dokumentierten Rebsorten Griechenlands. Ergibt alles von trockenen Rotweinen bis hin zu süßen Vin-Santo-Stilen. Die Sitia g.U. liefert die besten Ausprägungen.
- Romeiko Eine faszinierende Sorte, bei der einzelne Trauben rote, weiße und rosafarbene Beeren enthalten können. Ergibt leichte, tanninarme Rotweine. Kein Fehler – das ist der natürliche Charakter der Traube.
- Thrapsathiri Eine Weißweinsorte, die in Cuvées und zunehmend auch als Sortenreinwein eingesetzt wird. Blumig und frisch, mit mehr Körper als Vilana.
- Dafni Seltener, aromatischer Weißwein mit einem unverwechselbaren Lorbeernoten. Sehr geringe Produktion – wenn er auf einer Verkostungskarte steht, unbedingt bestellen.
💡 Lokaler Tipp
Bitte beim Weingutbesuch ausdrücklich nach sortenreinen Weinen fragen, anstatt nach Hausweinen. Cuvées sind oft auf breite Zugänglichkeit ausgelegt; sortenreine Weine zeigen, was kretischen Wein besonders macht. Die meisten guten Produzenten kommen diesem Wunsch nach, auch wenn er nicht auf der Standardverkostungskarte steht.
Olivenöl- und Weintouren: Was dich erwartet

Der praktischste Weg, beide Produkte richtig kennenzulernen – ohne Mietwagen und Landstraßen in der Mittagshitze – ist eine geführte Tagestour. Anbieter aus Heraklion und Chania kombinieren typischerweise einen Besuch einer Olivenölmühle mit ein oder zwei Weingutstopps, einem kretischen Mittagessen sowie Hotel-Abholung und -Rückbringung. Diese Touren dauern in der Regel 6 bis 8 Stunden und sind eher informativ als rein auf Weingenuss ausgerichtet.
In der Region Chania bieten Mühlen wie Biolea (bei Kolymvari) organisierte Verkostungen mit Erklärungen zum Kaltpressverfahren an, einschließlich des Unterschieds zwischen Frühernte- und Späternteölen. Das Weingut Manousakis bei Vatolakkos ist einer der etablierteren Stopps auf Touren durch Westkreta und bekannt für seine Nostos-Linie aus Roussanne, Syrah, Grenache und lokalen Sorten. In der Region Heraklion empfangen Peza Union und mehrere kleinere Familienbetriebe wie Anoskeli Besucher und bieten strukturierte Verkostungen mit 4–6 Weinen an. Plane jede Erkundung auf eigene Faust sorgfältig – Peza liegt etwa 25 km südlich von Heraklion, und viele Weingüter befinden sich auf unbeschrifteten Feldwegen.
Touren werden das ganze Jahr über angeboten, doch Frühling (April bis Juni) und Frühherbst (September bis Oktober) bieten das beste Erlebnis: angenehme Temperaturen, keine Menschenmassen an den Mühlen und die Möglichkeit, Erntevorbereitung mitzuerleben. Wer während der Olivenernte (Oktober bis Dezember) kommt, kann in einigen Mühlen den Pressvorgang beobachten oder daran teilnehmen – das ist wirklich lehrreich und kein aufgesetztes Spektakel.
⚠️ Besser meiden
Das griechische Gesetz verbietet die Abgabe von Alkohol an Personen unter 18 Jahren. Bei Touren mit Weinverkostungen ist ein Altersnachweis erforderlich. Wenn du mit Teenagern reist, frage vor der Buchung beim Anbieter nach, ob an den Weingutstopps alkoholfreie Alternativen angeboten werden.
Was du kaufen solltest – und was nicht

Direkt beim Produzenten zu kaufen ist immer die bessere Wahl – sowohl was Qualität als auch den Preis betrifft. Mühlenläden und Weinshops verkaufen zu Preisen, die mit dem Supermarkt mithalten können, manchmal sogar darunter, und die Herkunft ist vollkommen transparent. Eine 500-ml-Flasche hochwertiges kaltgepresstes natives Olivenöl extra direkt von der Mühle kostet in der Regel zwischen 8 und 15 Euro. In gehobenen Touristenläden in Chanias Altstadt oder rund um Heraklions Marktbereich kann dieselbe Qualität 20 Euro oder mehr kosten – ohne dass das Produkt besser wäre.
Bei Wein kosten Flaschen direkt vom Weingut je nach Produzent und Weinart in der Regel 8 bis 20 Euro. Supermärkte auf der ganzen Insel führen ein solides Sortiment kretischer g.U.-Weine für 5 bis 12 Euro – die Ketten AB Vassilopoulos und Sklavenitis sind in größeren Städten zuverlässige Anlaufstellen. In Heraklions Marktstraße 1866 gibt es mehrere unabhängige Feinkostläden mit einem kuratierten Sortiment an lokalen Olivenölen, Weinen und Thymianhonig. Das ist einer der besseren Orte, um Produkte verschiedener Hersteller zu vergleichen, ohne gleich eine ganze Tour buchen zu müssen.
- Achte auf den Aufdruck „g.U. Kolymvari”, „g.U. Sitia” oder „g.U. Viannos” auf Olivenöletiketten – das sind die drei geschützten Ursprungsbezeichnungen der Insel, die Herkunft und Produktionsstandards garantieren.
- Bei Wein sind „g.U. Peza”, „g.U. Archanes”, „g.U. Sitia” und „g.U. Dafnes” die Qualitätsbenchmarks, auf die du auf den Etiketten achten solltest.
- Große, unbeschriftete Blechkannen mit Olivenöl vom Straßenrand meiden – Herkunft und Lagerbedingungen sind unbekannt.
- Aromatisierte Olivenöle (mit Kräutern, Zitrone oder Chili) sind hübsche Mitbringsel, werden aber in der Regel aus einem minderwertigen Basisöl hergestellt. Kaufe sie wegen des Geschmacks, nicht wegen der Nährwerte.
- Wein im aufgegebenen Gepäck zu transportieren birgt Bruchgefahr – nimm einen TSA-zugelassenen Weinträger oder pack die Flaschen in der Mitte des Koffers zwischen Kleidungsstücken ein.
Verkostungen mit dem Rest deines Kreta-Itinerars verbinden

Ein Besuch bei einem Weingut oder einer Olivenölmühle lässt sich gut mit anderen Ausflügen ins Landesinnere kombinieren. Die Peza-Weinregion liegt in der Nähe mehrerer archäologischer Stätten, und eine halbtägige Verkostung lässt sich mit einem Nachmittagsbesuch im Palast von Knossos (15 km nördlich) oder einer Fahrt durch das Hinterland von Heraklion verbinden. Im Westen Kretas führen Olivenöltouren ab Chania oft durch die Region Apokoronas, was sich gut mit einem Stopp am Kournas-See oder den Dörfern am Fuß der Weißen Berge kombinieren lässt.
Wer eine längere Reise plant, sollte die Region Lasithi für ihre Liatiko-Weine aus der Sitia g.U. nicht verpassen. Die Stadt Agios Nikolaos eignet sich als Basis für die Erkundung der raueren, weniger besuchten Weinlandschaft Ostkretas. Kombiniert mit einem Besuch der archäologischen Stätten rund um Lasithi ergibt sich eine überzeugende Alternative zu strandlastigen Tagen im Landesinneren. Für Reisende, die sich generell für Essen und Trinken interessieren, erklärt der Kreta-Foodguide, welche Rolle Olivenöl in der lokalen Küche spielt und wo man Gerichte findet, die wirklich zeigen, warum Qualitätsöl so wichtig ist.
✨ Profi-Tipp
Am besten buchst du eine Weinguttour von Dienstag bis Donnerstag. Wochenendtouren sind schneller ausgebucht, die Guides sind stärker beansprucht, und die Verkostung läuft gehetzter ab. Werktägliche Besuche bei kleineren Familienbetrieben entwickeln sich oft zu ungezwungenen Gesprächen mit dem Winzer – ein deutlich schöneres Erlebnis zum gleichen Preis.
Häufige Fragen
Ist kretisches Olivenöl wirklich besser als italienisches oder spanisches?
Es ist ein anderer Stil, nicht zwingend das objektiv Beste. Kretisches natives Olivenöl extra auf Koroneiki-Basis enthält in der Regel mehr Polyphenole und hat einen intensiveren, pfeffrigeren, grasigeren Geschmack als die meisten italienischen Öle. Spanische Öle tendieren zu milderen, butterigen Profilen. Ob kretisches Öl „besser” ist, hängt vom Verwendungszweck ab. Für rohe Anwendungen wie Salate und zum Dippen ist polyphenolreiches kretisches Öl hervorragend. Für feine Gerichte, bei denen das Öl nicht dominieren soll, kann eine leichtere italienische Sorte passender sein.
Kann ich kretische Weingüter ohne Tour besuchen?
Ja, viele Weingüter empfangen auch Laufkundschaft, insbesondere Peza Union und mehrere Familienbetriebe in der Archanes-Gegend. Selbstständige Besuche funktionieren aber besser, wenn du ein Auto hast und zumindest ein bisschen Griechisch sprichst. Ohne Auto sind die Wege mühsam – die meisten Weingüter liegen 20 bis 30 km von den größeren Städten entfernt und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar. Eine geführte Tour löst das Fahrtenproblem und umfasst in der Regel zwei Weingutstopps plus eine Olivenölmühle – das ist schwer unabhängig an einem Tag zu replizieren.
Was ist die beste Jahreszeit für den Besuch von Olivenölmühlen auf Kreta?
Oktober bis Dezember, während der Ernte- und Pressesaison. Die Mühlen sind in Betrieb, man kann den Kaltpressvorgang in Echtzeit beobachten, und das zur Verkostung verfügbare Öl ist die frische Produktion der aktuellen Saison – im besten Zustand. Außerhalb der Erntesaison bieten die meisten Mühlen Verkostungen von gelagertem Öl an, das zwar noch hochwertig ist, aber ein anderes Erlebnis bietet. Touren laufen das ganze Jahr, sodass Besuche außerhalb der Saison (Januar bis März) möglich und weniger überfüllt sind – die Mühlen selbst sind dann aber ruhiger.
Wie viel Wein und Olivenöl darf ich aus Kreta in die EU oder nach Großbritannien mitnehmen?
EU-Reisende unterliegen innerhalb der EU keinen Mengenbeschränkungen für den persönlichen Bedarf, obwohl der Zoll bei großen Mengen nachfragen kann. Reisende aus dem Vereinigten Königreich können nach dem Brexit zollfrei 18 Liter Stillwein (entspricht 24 Standardflaschen) und 2 Liter Likörwein mitbringen. Bei Olivenöl gibt es keine spezifischen EU-Beschränkungen; der britische Zoll erlaubt jedoch 20 kg Lebensmittel zollfrei. Wer größere Mengen bestellen möchte, kann bei den meisten Produzenten auch einen Kurierversand arrangieren.
Gibt es Weingüter in der Nähe von Chania, oder ist alles in Heraklion?
Etwa 80 % der kretischen Weingüter liegen in der Region Heraklion, konzentriert in Peza und Archanes. Chania hat jedoch eine wachsende Zahl bemerkenswerter Produzenten, insbesondere rund um Kolymvari, Kissamos und die Region Apokoronas. Das Weingut Manousakis bei Vatolakkos ist der bekannteste Produzent im Raum Chania und bietet organisierte Besuche an. Die Chaniaer Weinszene ist kleiner, aber experimentierfreudiger – mit mehreren Bio- und biodynamischen Betrieben, die sowohl mit einheimischen als auch internationalen Sorten arbeiten.