Kournas-See: Kretas einziger Süßwassersee

Abseits der Nordküste zwischen Chania und Rethymno liegt der Kournas-See — Kretas einziger natürlicher Süßwassersee und ein überraschender Kontrast zur sonst kargen, sonnenverbrannten Landschaft der Insel. Schildkröten sonnen sich auf Felsen, Wasservögel gleiten über die Oberfläche, und die umliegenden Hügel spiegeln sich so klar im stillen Wasser, dass man den Namen des Sees fast wörtlich nehmen kann.

Fakten im Überblick

Lage
Apokoronas, Region Chania — 3–4 km landeinwärts von Georgioupolis, 47 km östlich von Chania, 20 km westlich von Rethymno
Anfahrt
Auto empfehlenswert; ab Georgioupolis den Schildern an der E75 folgen. Kein regulärer Linienbus direkt zum See
Zeitbedarf
1,5 bis 3 Stunden, je nachdem ob du den Rundweg läufst oder bei einer Taverne am Ufer verweilst
Kosten
Eintritt frei; Tretbootverleih und Essen in den Tavernen werden separat bezahlt (saisonale Preise)
Am besten für
Familien, Naturliebhaber, Vogelbeobachter und alle, die eine Pause vom Strandtrubel suchen
Ruhiger Süßwassersee, umgeben von grünen Hügeln, mit klarem Wasser und roten Blumen im Vordergrund unter strahlend blauem Himmel.

Was den Kournas-See sehenswert macht

Der Kournas-See nimmt in der kretischen Landschaft eine wirklich besondere Stellung ein: Er ist der einzige natürliche Süßwassersee der Insel. Das allein weckt Neugier — doch was Besucher länger als erwartet festhält, ist die Atmosphäre. Der See liegt in einer natürlichen Mulde, von flachen Hügeln auf drei Seiten umgeben, und an klaren Tagen sind im Süden die Weißen Berge zu sehen. Das Wasser schimmert in einem tiefen, wechselnden Blaugrün, das je nach Sonnenstand und Jahreszeit variiert. Es gibt hier keine dramatischen Klippen oder antiken Ruinen. Der Reiz ist stiller: ein funktionierendes Ökosystem mitten auf einer Mittelmeerinsel, die eher für Strände und Palastanlagen bekannt ist.

Gespeist wird der See von Quellen, die in den Weißen Bergen entspringen — vor allem von einer Quelle, die lokal Mati genannt wird, was so viel bedeutet wie „Auge". Im Winter und frühen Frühling steigt der Wasserstand spürbar, wenn Schneeschmelze und Regen den See auf sein Maximum füllen. Bis August ist der Pegel so weit gesunken, dass sich an Teilen des Ufers Sandstrände zeigen — was dem See im Sommer ein ganz anderes Gesicht gibt als im Frühling.

💡 Lokaler Tipp

Im Frühling (April bis Anfang Juni) sind der Wasserstand am höchsten, die Hügel am grünsten und die Tierwelt am aktivsten. Im Sommer ist mehr Betrieb, aber die freiliegenden sandigen Flachwasserbereiche laden zum Reinwaten ein.

Geschichte und Name: Von der antiken Korisia zum arabischen Spiegel

Der antike Name des Sees war Koresia, verbunden mit der nahe gelegenen Siedlung Korion oder Hippocorion. Antike Quellen deuten darauf hin, dass auf dem Hügel über dem Südufer einst ein Athenatempel stand — sichtbar ist davon heute nichts mehr. Der Wandel von „Korisia" zu „Kournas" geht vermutlich auf das arabische Wort kournas zurück, das See bedeutet, eine sprachliche Spur der arabischen Besatzung Kretas zwischen 824 und 961 n. Chr. Diese Herkunft passt gut: An einem stillen Morgen, bevor der erste Wind aufkommt, spiegelt die Seeoberfläche die umliegenden Hügel mit nahezu fotografischer Präzision.

Heute sind der See und sein Umland als Natura-2000-Schutzgebiet ausgewiesen, was die Bedeutung des Ökosystems für die Artenvielfalt anerkennt. Das Naturschutzgebiet liegt vor allem am Südwestufer, wo Schilfflächen und Feuchtvegetation Nistmöglichkeiten bieten. Früher lebten Aale im See; heute sind die auffälligsten Bewohner Europäische Sumpfschildkröten, verschiedene Entenarten und Wasserschlangen. Die Schildkröten sind an warmen Vormittagen leicht zu entdecken, wenn sie sich auf Felsen und herabgefallenen Ästen am Ufer sonnen.

Tickets & Führungen

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Das Erlebnis zu verschiedenen Tageszeiten

Am frühen Morgen, bevor die Reisebusse aus den Küstenorten ankommen, ist der See am ruhigsten. Das Wasser liegt wie Glas, die Hügel fangen das erste warme Licht ein, und zu hören sind nur Frösche, Vögel und das gelegentliche Platschen einer Schildkröte, die von einem Stein ins Wasser springt. Das ist das beste Zeitfenster für Fotos: weiches Licht, kein Tretbootbetrieb, keine Musik aus den Tavernas.

Ab dem späten Vormittag, besonders von Juni bis September, kommen Familien und Tagesausflügler aus Georgioupolis und dem Rethymno-Küstenstreifen. Die Tretbootverleihe öffnen, und die kleinen Tavernen am Ostufer beginnen Kaffee und schließlich Mittagessen zu servieren. Die Stimmung wird geselliger und entspannter statt kontemplativ. Kinder waten im flachen Wasser, wo der sandige Grund zu sehen ist, und die Schildkröten werden zutraulich genug, um sich Besuchern zu nähern, die ruhig am Ufer sitzen.

Am späten Nachmittag taucht das Licht das Wasser in Gold, und die Hügel darüber leuchten in sattem Grün. Die meisten Tagesgäste sind bis zum frühen Nachmittag wieder weg, und der See wird erneut ruhiger. Wer gegen 17 Uhr in einer Taverne isst, hat den Platz oft fast für sich — mit Blick übers Wasser im weicher werdenden Licht.

ℹ️ Gut zu wissen

Die Seeoberfläche beträgt etwa 580.000 Quadratmeter, der Umfang rund 3,5 km. Der komplette Rundweg dauert bei gemächlichem Tempo etwa 45 bis 60 Minuten. Der Abschnitt am Südwestufer nahe dem Naturschutzgebiet kann abseits der Hauptwege uneben und zugewachsen sein.

Tierwelt und Ökosystem aus der Nähe

Die heimischen Europäischen Sumpfschildkröten sind für die meisten Besucher der eigentliche Star — und sie enttäuschen nicht. An jedem warmen Vormittag kann man Dutzende auf freiliegenden Felsen und Baumstämmen am Nord- und Ostufer entdecken. Sie sind vorsichtig, aber nicht scheu: Wenn du dich ruhig auf einen Stein am Wasser setzt und wartest, setzen sie ihr Sonnenbad innerhalb weniger Minuten fort. Wasserschlangen sind ebenfalls vorhanden, aber kaum zu sehen, es sei denn, man bewegt sich langsam durch die Ufervegetation.

Zur Vogelwelt gehören Stockenten, Blässhühner und verschiedene Watvogelarten, mit besonders viel Aktivität während des Frühjahrszuges. Die Schilfflächen am Südwestufer lohnen sich mit dem Fernglas zu beobachten. Gelegentlich werden hier Eisvögel gesichtet. Das Wasser ist im flachen Bereich klar genug, um morgens kleine Fische nahe der Oberfläche zu sehen — bevor Boote den Schlamm aufwirbeln.

Wer mehrere Tage in der Region verbringt, kann den Kournas-See gut mit einem Morgen an der Küste beim Preveli Beach oder einer Wanderung durch die Kourtaliotiko-Schlucht verbinden — beides liegt weniger als eine Autostunde südlich. Der Kontrast zwischen Süßwasserland und dramatischer Küstenschlucht macht daraus einen runden Tagesausflug.

Anreise und Orientierung rund um den See

Mit dem Linienbus ist der See von Rethymno oder Chania aus nicht direkt erreichbar. Für die meisten Besucher ist ein Auto oder Motorroller die einzig sinnvolle Option. Von Rethymno fährst du etwa 20 km westwärts auf der E75 und nimmst die ausgeschilderte Abfahrt Richtung Georgioupolis; von dort den Schildern ins Landesinnere nach Kournas folgen. Die Straße führt sanft durch Olivenhaine hinauf zu einem kleinen Parkplatz nahe dem Ostufer, wo sich Tavernen und Tretbootverleih konzentrieren. Die Fahrt von Rethymno dauert rund 25 Minuten.

Von Chania ist der See etwa 43 km entfernt, auf der gleichen E75 rund 40 bis 45 Minuten mit dem Auto. Wer in Georgioupolis übernachtet, hat es nur 3 bis 4 km ins Landesinnere — die Strecke ist für halbwegs fitte Radfahrer machbar, hat aber einen Anstieg.

Wer einen Roadtrip durch diesen Teil der Insel plant, kann den See gut in eine Runde einbauen, die Georgioupolis einschließt und dann nach Süden zum Kloster Preveli weiterführt. Unseren Kreta-Roadtrip-Guide findest du mit einer vollständigen Route durch die Region Rethymno.

⚠️ Besser meiden

Das Gelände rund um den Großteil des Seeufers ist uneben, mit losem Gestein und stellenweise wurzelbedeckten Wegen. Rollstuhlgerecht ist nur der gepflasterte Bereich bei den Tavernen am Ostufer. Der Natura-2000-Abschnitt am Südwestufer ist für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht zugänglich.

Tretboote, Tavernen und praktische Hinweise

Am Ostufer liegt die einzige wirkliche Besucherinfrastruktur des Sees: eine kleine Gruppe von Tavernen mit kretischen Gerichten, gegrilltem Fisch und kalten Getränken sowie saisonal Tretbootverleih. Tretboote sind besonders bei Familien beliebt und bieten eine völlig andere Perspektive auf den See — man kann damit in die ruhigeren westlichen Bereiche abseits des Ufers fahren. Die Mietpreise sind saisonal und werden vor Ort ausgehandelt; Vorabbuchungen gibt es nicht.

Die Qualität des Taverna-Essens schwankt, wie überall wo vor allem Durchreisende bewirtet werden, aber die Portionen sind in der Regel großzügig — und die Lage mit dem Wasser direkt unter der Terrasse gleicht manches aus. Am besten fährt man mit den einfachen Gerichten: gegrillte Lammkoteletts, Dakos und lokalem Wein, statt auf aufwendigere Speisen zu setzen.

Wer mehr über das wissen möchte, was er am See isst, findet im Kreta-Kulinarik-Guide ausführliche Infos zu den besonderen kulinarischen Traditionen der Insel.

Fotografieren und praktische Tipps

Der See lässt sich am besten vom Nordhang aus fotografieren, wo man über das Wasser hinweg schießen kann — an klaren Tagen mit den Weißen Bergen im Hintergrund. Der erhöhte Standpunkt erfordert einen kurzen, steilen Aufstieg vom Hauptweg, aber der Ausblick lohnt sich. Für Spiegelreflexionen vor 9 Uhr ankommen: Jede Brise nach dem Vormittag kräuselt die Oberfläche. Im Herbst und Winter ist der Wasserspiegel höher und die Hügel ringsum grüner, was auch bei bedecktem Himmel dramatischere Landschaftsbilder ergibt.

Die besten Monate für Fotografie und Tierbeobachtung decken sich mit dem allgemeinen besten Reisezeitraum für Kreta: April bis Anfang Juni sowie September bis Oktober, wenn der Sommertrubel nachlässt und das Licht golden wird.

Für wen lohnt sich der See — und für wen weniger

Für Familien mit kleinen Kindern ist der Kournas-See besonders gut geeignet. Das Wasser ist ruhig, es gibt keine Wellen oder Strömungen, die Schildkröten sind ein garantierter Publikumsmagnet, und Tretbootfahrten bieten eine Stunde entspannte Unterhaltung. Naturfotografen und Vogelbeobachter kommen hier auf ihre Kosten, besonders im Frühling. Paare, die die wichtigsten Strände schon abgehakt haben und für einen halben Tag etwas anderes suchen, werden die Abwechslung schätzen.

Wer allerdings ein dramatisches Naturspektakel erwartet, sollte die Erwartungen anpassen. Das hier ist ein sanfter, idyllischer See in einer flachen Mulde — kein Bergpanorama. Besucher, die anderswo in Europa schon wirklich beeindruckende Süßwasserlandschaften gesehen haben, werden ihn nett, aber unspektakulär finden. Im Hochsommer (Juli/August) kann die Kombination aus Reisebusgruppen und Warteschlangen am Tretbootverleih das Ostufer um die Mittagszeit laut und überfüllt wirken lassen.

Wer abwägt, wie die begrenzte Zeit in diesem Teil Kretas am besten zu nutzen ist, sollte auch die Samaria-Schlucht als körperlich anspruchsvollere Ganztagesoption in Betracht ziehen oder sich über die Wandermöglichkeiten auf Kreta informieren, um je nach Fitness und verfügbarer Zeit das Passende zu finden.

Insider-Tipps

  • Im Sommer am besten vor 9 Uhr ankommen, wenn du den See für dich haben willst. Die Reisegruppen aus Georgioupolis und Rethymno trudeln meist zwischen 10 und 11 Uhr ein — der Stimmungswechsel ist sofort spürbar.
  • Die Quelle namens Mati, die den See vom Hang oberhalb des Südufers speist, tritt im Spätsommer deutlich sichtbar aus, wenn der Wasserspiegel sinkt. Wer den kompletten Rundweg läuft, sollte sie suchen.
  • Fernglas mitnehmen. Die Schildkröten sieht man zwar mit bloßem Auge, aber die Vogelwelt in den Schilfflächen am Südwestufer erschließt sich erst mit Vergrößerung richtig.
  • Die Tavernen direkt am Wasser verlangen einen kleinen Aufschlag für die Aussicht. Ein kleines Kafeneion beim Parkplatz oberhalb des Ufers bietet günstigeren Kaffee und ist das ganze Jahr über bei Einheimischen beliebt.
  • Im Oktober und November hat der See oft die beste Kombination aus vollem Wasserstand, farbiger Hügelvegetation und sehr wenigen Besuchern. Das Licht ist sanfter als im Sommer, und die Temperaturen sind angenehm für den Rundweg.

Für wen ist Kournas-See geeignet?

  • Familien mit kleinen Kindern, die einen Halbtagsausflug als Alternative zum Strand suchen
  • Tierbeobachter und Vogelfreunde, besonders im Frühling und frühen Herbst
  • Fotografen, die ruhiges Spiegelwasser und Landschaftsvielfalt suchen
  • Roadtrippers auf dem Weg zwischen Chania und Rethymno, die einen echten Stopp wollen
  • Paare, die einen ruhigen, entspannten Nachmittag mit gutem Essen und Seeblick genießen möchten

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Rethymno:

  • Kloster Arkadi

    Auf einem fruchtbaren Plateau 500 Meter über dem Meeresspiegel, 23 Kilometer von Rethymno entfernt, trägt das Kloster Arkadi das Gewicht eines der dramatischsten Kapitel der kretischen Geschichte. Die Explosion von 1866, bei der Hunderte von Flüchtlingen den Tod wählten, um nicht in osmanische Gefangenschaft zu geraten, verwandelte dieses aktive Kloster in ein nationales Symbol. Heute ist es zugleich religiöser Ort, nachdenklich stimmendes Museum und eines der architektonisch beeindruckendsten Ensembles der Insel.

  • Fortezza von Rethymno

    Hoch oben auf dem Paleokastro-Hügel über dem alten Hafen von Rethymno thront die Fortezza – eine der am besten erhaltenen venezianischen Festungsanlagen im Mittelmeer. Erbaut zwischen 1573 und 1580, bietet sie weite Meeresblicke, osmanische Denkmäler und einen Spaziergang durch 400 Jahre kretischer Geschichte.

  • Archäologisches Museum Rethymno

    Das Archäologische Museum Rethymno zeigt die kretische Zivilisation vom Paläolithikum bis zur römischen Besatzung – untergebracht in der Kirche des Heiligen Franziskus aus dem 16. Jahrhundert. Für einen kleinen Eintrittspreis erwartet dich eine der kohärentesten Regionalsammlungen Kretas: minoische Palastkultur, Bestattungsbräuche und Alltagsleben durch die Jahrhunderte.

  • Strand von Rethymno

    Der Strand von Rethymno ist ein 13 bis 15 Kilometer langer Bogen aus feinem Goldsand, der am östlichen Rand der Altstadt beginnt und sich bis nach Skaleta erstreckt. Kostenlos zugänglich, mit sanft abfallendem Meeresboden und Hotels sowie Tavernen im Rücken – ideal für einen schnellen Morgenbadgang oder einen ganzen Strandtag.