Wicklow Mountains National Park: Irlands wilde Berglandschaft vor den Toren Dublins
Der Wicklow Mountains National Park erstreckt sich über knapp 23.000 Hektar Hochmoor, Granitgipfel und Gletschertäler südlich von Dublin. Er ist der größte Nationalpark Irlands und der einzige an der Ostküste der Insel. Der Eintritt ist frei, die Landschaft wandelt sich dramatisch mit den Jahreszeiten, und die Klosterruinen von Glendalough verleihen dem Park eine historische Tiefe, die kaum ein anderes Naturgebiet bieten kann.
Fakten im Überblick
- Lage
- County Wicklow, südlich von Dublin — Informationsbüro am Obersee-Parkplatz in Glendalough
- Anfahrt
- St. Kevin's Bus (Linie 181) vom Dubliner Stadtzentrum nach Glendalough; Local Link Linien 183 und 895 bedienen das Tal ebenfalls
- Zeitbedarf
- Mindestens ein halber Tag für Glendalough; ein ganzer Tag für längere Touren
- Kosten
- Freier Eintritt; Parkgebühren können anfallen
- Am besten für
- Wanderer, Naturliebhaber, Geschichtsinteressierte und alle, die Abstand von der Stadt brauchen
- Offizielle Website
- www.nationalparks.ie/wicklow

Was der Wicklow Mountains National Park wirklich ist
Der Wicklow Mountains National Park (auf Irisch: Páirc Náisiúnta Shléibhte Cill Mhantáin) umfasst knapp 23.000 Hektar Hochland in County Wicklow, etwa 30 Kilometer südlich des Dubliner Stadtzentrums. Er ist der größte Nationalpark Irlands und — entscheidend — der einzige im Osten der Insel, was ihn zum zugänglichsten Wildnisgebiet für alle macht, die in der Hauptstadt wohnen oder zu Besuch sind. Die Landschaft ist geprägt von Granitmooren, glazial geformten Tälern, Hochmoorflächen und vereinzelten Nadelwäldern. Am Lugnaquilla, dem höchsten Gipfel der Provinz Leinster, werden über 900 Meter erreicht.
Das Herzstück des Parks ist für die meisten Besucher das Tal von Glendalough, wo Klosterruinen aus dem sechsten Jahrhundert, zwei Gletscherseen und ein gut markiertes Wanderwegenetz in einem einzigen kompakten Tal zusammentreffen. Doch der Park reicht weit über Glendalough hinaus: der Sally Gap, Glenmalure, der Powerscourt Wasserfall (knapp außerhalb der offiziellen Parkgrenze) und das obere Glencree-Tal liegen alle innerhalb oder unmittelbar angrenzend an das Schutzgebiet. Wer ein gepflegtes Naturreservat erwartet, sollte seine Erwartungen anpassen. Hier ist die Landschaft offen, exponiert und wirklich wild.
ℹ️ Gut zu wissen
Das Informationsbüro des Nationalparks befindet sich 200 Meter vom Parkplatz am Obersee in Glendalough entfernt und ist von März bis Oktober 10:00–17:30 Uhr und von November bis Februar 09:30–16:30 Uhr geöffnet. Die Mitarbeiter informieren über aktuelle Wegbedingungen, Streckensperrungen und Wildtieraktivitäten.
Das Glendalough-Tal: Was dich erwartet
Die meisten Besucher betreten den Park durch Glendalough. Schon die Anfahrt durch die bewaldete Wicklow-Gap-Straße macht den Stimmungswechsel gegenüber dem städtischen Dublin spürbar: Die Luft riecht nach feuchter Eiche und Kiefer, Raben rufen von oben, und die Straße verengt sich stellenweise auf Einspurbreite. Im Talboden liegen zwei Seen — der Untersee und der Obersee —, die durch einen kurzen bewaldeten Weg verbunden sind. Die Klosteranlage, im sechsten Jahrhundert von St. Kevin gegründet, liegt in der Nähe des Untersees: ein rund 30 Meter hoher Rundturm, die dachlosen Kathedrale der Heiligen Petrus und Paulus, das gut erhaltene Priesterhaus und mehrere kleinere Steinkirchen. Der Rundturm ist nahezu vollständig original und hat über tausend Jahre weitgehend unbeschadet überstanden.
Der Obersee ist ruhiger und für die meisten Besucher auch beeindruckender. An seinen nach Norden ausgerichteten Felswänden befindet sich die als St. Kevin's Bed bekannte Höhle — ein kleines, in den Fels gehauenes Felsvorsprung etwa 9 Meter über dem Wasserspiegel, das der heilige Kevin angeblich als Einsiedelei nutzte. Ohne Boot oder Kletterausrüstung kommt man nicht heran, daher lässt es sich am besten vom Uferweg aus betrachten. Am frühen Morgen liegt das Wasser dunkel und still da und spiegelt die Baumreihen so präzise, dass Fotos oft umgekehrt wirken. Im Sommer, besonders an Wochenenden, füllt sich das Tal bereits ab Mittag mit großen Menschenmassen — ab etwa 10:00 Uhr treffen kontinuierlich Reisebusse aus Dublin ein.
💡 Lokaler Tipp
Zwischen Mai und September solltest du vor 9:30 Uhr ankommen, um das Tal nahezu allein zu genießen. Der Parkplatz füllt sich schnell, und an belebten Tagen ist die Klosteranlage ab 10:30 Uhr bereits gut besucht. Wer früh da ist, erlebt außerdem den Morgennebel über den Seen — eine wirklich stimmungsvolle Atmosphäre, die sich gegen Vormittag auflöst.
Wie sich das Erlebnis nach Tageszeit und Jahreszeit verändert
Der Park ist das ganze Jahr geöffnet, und das Erlebnis unterscheidet sich je nach Jahreszeit erheblich. Im Mai und Juni färbt sich der Ginster auf dem Hochmoor in ein fast unwirklich leuchtendes Gelb, das sich scharf gegen den grauen Granit abhebt. Der Rhododendron, mittlerweile größtenteils als invasive Art in diesem Ökosystem eingestuft, bringt dichte lilafarbene Blütenpracht an den Talrändern hervor — optisch beeindruckend, auch wenn das Parkmanagement aktiv an seiner Eindämmung arbeitet. Die Tage sind lang, mit verwertbarem Licht bis nach 21:00 Uhr Mitte Juni, was Abendwanderungen mit kaum anderen Besuchern ermöglicht.
Der Herbst bietet die dramatischsten Farben. Die Eichenwälder oberhalb des Obersees durchlaufen von Ende September bis Oktober ein Farbenspiel aus Gold und Bernstein, und der Adlerfarn an den offenen Hängen leuchtet rostrot und kupferfarben. Die Niederschläge nehmen zu, und die Wasserfälle, die vom Camaderry-Kamm herabfließen, führen dann kräftig Wasser. Die Moorwege werden nach starkem Regen weich und oft durchtränkt — das richtige Schuhwerk ist also keine Kleinigkeit. Im Winter liegen die Hochlagen gelegentlich unter Schnee und Eis, und die Tageslichtzeit schrumpft auf etwa 8 Stunden zusammen. Von November bis Februar ist das Tal fast immer ruhiger, auch wenn das Informationsbüro etwas kürzere Öffnungszeiten hat.
Frühling und Frühsommer gelten allgemein als die günstigste Kombination aus vernünftigem Wetter und überschaubaren Besucherzahlen — deckungsgleich mit dem, was der beste Reisezeit für Dublin Ratgeber für Outdoor-Aktivitäten empfiehlt. Allerdings folgt das Wicklow-Wetter keinem verlässlichen Drehbuch: Die Bedingungen können in den Bergen in jeder Jahreszeit innerhalb einer Stunde von warmem Sonnenschein zu peitschendem Regen umschlagen.
Wanderwege: Welche du wählen solltest und was dich erwartet
Der Park bietet ein Netz markierter Wanderwege, die größtenteils vom Besucherzentrum in Glendalough ausgehen. Der Green Road Walk ist ein flacher, befestigter Weg, der am Südufer des Obersees entlang zum Miners' Village führt — den Ruinen einer Blei- und Zinkminenanlage aus dem 19. Jahrhundert. Auf weiten Strecken ist er breit genug für Kinderwagen oder Rollstühle und lässt sich als Rundweg in etwa 40 Minuten bewältigen. Der Spinc and Glenealo Valley Trail hingegen ist eine anspruchsvolle Ganztages-Rundtour, die steil vom Talboden auf den Spinc-Kamm führt und dabei Aussichten direkt auf beide Seen und über das Moor in Richtung Lugnaquilla bietet. Gute Kondition, festes Schuhwerk und wettergerechte Kleidung sind Pflicht. Die Bohlenabschnitte über das Hochmoor können bei Nässe rutschig werden.
Für alle, die nicht im Bereich Glendalough starten, durchquert der Fernwanderweg Wicklow Way den Park von Nord nach Süd — rund 130 Kilometer von Clonegall bis Rathfarnham am südlichen Stadtrand Dublins. Tagesabschnitte des Wicklow Way, besonders die Strecke von Luggala nach Roundwood oder der Anstieg zum Wicklow Gap, erschließen den offenen Moorcharakter des oberen Parks, ohne sich mit den Glendalough-Massen auseinandersetzen zu müssen. Für diese Abschnitte ist jedoch ein eigenes Fahrzeug nötig, um die Ausgangspunkte zu erreichen.
⚠️ Besser meiden
Wer mit dem St. Kevin's Bus (Linie 181) aus Dublin anreist, sollte seinen Tagesplan konkret auf das Glendalough-Tal ausrichten. Aktuelle Fahrpläne und eventuelle Buchungspflichten solltest du vorab direkt beim Betreiber prüfen, da das Angebot saisonal variieren oder eine Reservierung erfordern kann.
Anreise aus Dublin
Die praktischste Option mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der St. Kevin's Bus (Linie 181), der vom Dubliner Stadtzentrum nach Glendalough fährt. Die Local Link Linien 183 (Arklow–Glendalough) und 895 (Sallins–Glendalough) bedienen das Tal ebenfalls, allerdings mit eingeschränkteren Fahrplänen. Aktuelle Zeiten und Tarife solltest du direkt beim jeweiligen Betreiber prüfen, da sich die Verbindungen ändern können. Wer mit dem Auto fährt, sollte die R115 ab Rathfarnham über den Sally Gap in Betracht ziehen — eine der landschaftlich schönsten Bergstraßen Irlands, allerdings ohne Mittelleitplanke, mit engen Abschnitten und bei Glatteis gefährlich. Am Obersee-Parkplatz in Glendalough sowie am Parkplatz des Besucherzentrums fallen Parkgebühren an. Einen umfassenden Überblick über die Verkehrsverbindungen in der Dubliner Region bietet der Dublin-Verkehrsratgeber.
Der Wicklow Mountains National Park ist ein fester Bestandteil vieler Tagesausflüge aus Dublin, und organisierte Touren starten regelmäßig aus der Stadt. Wer ihn mit weiteren Sehenswürdigkeiten in County Wicklow verbinden möchte, findet im Tagesausflüge ab Dublin Ratgeber praktische Kombinationen — unter anderem mit Powerscourt Estate und Avoca.
Ökologie, Wildtiere und Naturschutz
Der Park ist als Besonderes Schutzgebiet (Special Area of Conservation) ausgewiesen und beherbergt Lebensräume von europäischer Bedeutung, darunter Hochmoore, Bergheide und alte Eichenwälder. Das Hochland ist ein zentrales Habitat für die Grönländische Blessgans, die in erheblicher Zahl auf den Mooren überwintert, sowie für Moorschneehuhn, Merlin und Wanderfalke. In den Talwäldern leben Eichhörnchen, doch um sie zu sehen, braucht es Geduld und ein frühes Aufstehen. Rothirsche sind im Park vorhanden — Nachkommen wiedereingeführter Bestände — und am besten in der Dämmerung auf dem offenen Moor zu beobachten.
Der invasive Rhododendron (Rhododendron ponticum) stellt eine erhebliche Naturschutzherausforderung im gesamten Park dar. So schön die Blüten im Frühling auch wirken — die Art bildet dichte Kronenbeschattung, die die natürliche Wiederbewaldung mit heimischen Gehölzen verhindert. Das Parkmanagement führt laufend Entfernungsprogramme durch, und Besucher werden auf den Hangflächen der Täler gerodete Bereiche bemerken, in denen Stümpfe und Wurzelsysteme behandelt wurden. Aus Naturschutzsicht ist dies eine aktiv bewirtschaftete Landschaft — kein eingefrorenes Erbe.
Praktisches: Was du mitnehmen solltest und für wen es anspruchsvoll werden kann
Der häufigste Fehler, den Besucher machen: Sie kommen mit ungeeignetem Schuhwerk. Die Wege in der Nähe des Besucherzentrums sind befestigt und in Sportschuhen begehbar. Sobald du aber einen Hochland- oder Moorweg einschlägst, ändern sich die Bedingungen grundlegend: nasser Torf, blanker Fels und mooriges Gelände sind bei nahezu jedem Wetter die Regel. Wasserdichte, knöchelstützende Schuhe sind keine übervorsichtige Maßnahme — sie sind auf allem jenseits der Talsohle schlicht notwendig.
Pack eine Regenjacke ein, egal was die Wettervorhersage sagt. Auf den Kammabschnitten empfiehlt sich selbst im Sommer eine zusätzliche Schicht, denn auf 600 Metern ist es spürbar kälter als im Tal, und der Windchill ist ein echter Faktor. Am Besucherzentrum gibt es Trinkwasser, unterwegs aber nicht zuverlässig — mindestens ein Liter pro Person für einen halben Tag ist sinnvoll. Die Fotomöglichkeiten im Tal sind hervorragend: Wasser, Stein und Wald bieten starke Bildkompositionen. Morgenlicht aus dem Osten trifft den Rundturm vor 10:00 Uhr im Sommer besonders schön.
Wer Schwierigkeiten mit unebenem Gelände hat oder den 20- bis 30-minütigen Fußweg vom Hauptparkplatz zum Obersee nicht bewältigen kann, wird das obere Tal weitgehend nicht zugänglich finden. Die Klosteranlage am Untersee ist kompakter und mit weniger körperlichem Aufwand erreichbar. Wer mit kleinen Kindern reist: Die Wege auf dem Talboden sind gut geeignet, und die Ruinen sprechen Kinder von Natur aus an — aber für die oberen Trails braucht es altersgerechte Kondition.
Insider-Tipps
- Das Glendalough-Tal ist fester Bestandteil vieler Bustouren aus Dublin. Samstags und sonntags im Sommer ist es zwischen 10:30 und 15:00 Uhr besonders voll. Wer vor 9:30 Uhr oder nach 15:30 Uhr ankommt, erlebt das Tal in einer ganz anderen Stimmung.
- Der Green Road zum Miners' Village ist befestigt und weitgehend flach — die beste Wahl, wenn du die Landschaft am Obersee genießen willst, ohne eine anspruchsvolle Bergwanderung in Kauf zu nehmen.
- Wer ein Auto hat, sollte unbedingt über den Sally Gap auf der R115 ab Rathfarnham fahren. Die Straße führt über offenes Moorland auf über 500 Metern Höhe, mit weiten Blicken zur Küste bei klarem Wetter — und an Wochentagen morgens so gut wie kein Gegenverkehr.
- Die Mitarbeiter des Nationalparkbüros geben gerne Auskunft über aktuelle Wildtieraktivitäten, gesperrte Wege und die besten Stellen, um Rothirsche zu sehen. Diese kostenlose Fachkenntnis nutzen die meisten Besucher leider nicht.
- Oberhalb des Talbodens ist das Handynetz in weiten Teilen des Parks unzuverlässig. Lade Offline-Karten herunter, bevor du Dublin verlässt, und verlasse dich nicht auf Navigations-Apps, die sich oberhalb von 400 Metern in Echtzeit aktualisieren.
Für wen ist Wicklow Mountains National Park geeignet?
- Wanderer, die eine ganztägige Bergour innerhalb einer Stunde von Dublin suchen
- Geschichts- und Archäologiebegeisterte, die das außergewöhnliche frühmittelalterliche Kloster in Glendalough entdecken wollen
- Natur- und Wildtierliebhaber, die sich für Hochmoor-Ökologie, Moorbiotope und seltene Vogelarten interessieren
- Fotografen, die bei verschiedenen Lichtverhältnissen Landschafts- und Architekturmotive suchen
- Reisende mit kleinem Budget, die einen vollen Tag draußen verbringen wollen — ohne Eintrittskosten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Kombiniere deinen Besuch mit:
- Abbey Theatre
1904 von W.B. Yeats und Lady Gregory gegründet, ist das Abbey Theatre Irlands Nationaltheater und eine der historisch bedeutsamsten Bühnen der englischsprachigen Welt. Mitten in Dublins Innenstadt, am Lower Abbey Street, bringt es neue irische Stücke ebenso auf die Bühne wie klassische Werke, die die Identität einer Nation geprägt haben.
- Blessington Street Basin
Einst als Royal George Reservoir die Wasserversorgung für Dublins Nordseite, ist das Blessington Street Basin heute ein kostenloser Park in Phibsborough. Der zentrale See, das Tudor-Torhaus und die ansässigen Wasservögel machen ihn zu einem der stillen Highlights unter den Grünanlagen in Gehdistanz zur Dubliner Innenstadt.
- Casino Marino
Das Casino Marino ist ein neoklassizistisches Lustschlösschen aus dem 18. Jahrhundert im Norden Dublins, entworfen von Sir William Chambers für den Earl of Charlemont. Hinter der kompakten Fassade verbergen sich 16 Räume auf drei Etagen – ein Meisterwerk architektonischer Illusion, das Besucher bis heute verblüfft. Der Zutritt ist nur im Rahmen von Führungen möglich; der Eintritt kostet ab 3 € für Kinder und Studenten sowie 5 € für Erwachsene.
- Clontarf Promenade
Die Clontarf Promenade erstreckt sich 4,5 Kilometer entlang der Dublin Bay – von Fairview bis zum Bull Wall in Dollymount. Sie bietet weite Meeresblicke, öffentliche Kunstwerke und einen ausgeschilderten Radweg entlang eines Großteils der Strecke. Der Eintritt ist kostenlos, der Weg verläuft flach entlang einer Ufermauer und liefert einige der schönsten Küstenpanoramen, die vom Dubliner Stadtzentrum aus erreichbar sind.