Paulustor Rhodos: Das vergessene Tor zwischen zwei Häfen
Das Paulustor (Πύλη Αγίου Παύλου) gehört zu den weniger besuchten Befestigungsanlagen der Johanniter aus dem 15. Jahrhundert. Es steht genau dort, wo Mandraki- und Kolona-Hafen fast zusammentreffen. Kostenlos, jederzeit zugänglich und mit eindrucksvollen Wappenschnitzereien – wer sich am Altstadtufer Zeit lässt, wird reich belohnt.
Fakten im Überblick
- Lage
- Nordwestliches Ende des Kolona-Hafens, Altstadt Rhodos, Griechenland
- Anfahrt
- 10 Minuten zu Fuß südlich entlang der Uferpromenade vom Mandraki-Hafen
- Zeitbedarf
- 15–30 Minuten
- Kosten
- Kostenlos – Außendenkmal, 24/7 zugänglich
- Am besten für
- Geschichtsbegeisterte, Architekturliebhaber, Frühaufsteher

Was ist das Paulustor?
Das Paulustor – auf Griechisch Πύλη Αγίου Παύλου – nimmt eine der strategisch bedeutsamsten Positionen im gesamten Befestigungssystem der Altstadt von Rhodos ein. Es steht am nordwestlichen Ende des Kolona-Hafens, genau dort, wo Handelshafen und der kleinere innere Hafen von Mandraki einst nur durch diesen schmalen Verteidigungsengpass getrennt waren. Für die Johanniter bedeutete die Kontrolle über diesen Engpass die Kontrolle darüber, wer die Stadt von der nördlichen Seeseite her betreten durfte.
Die meisten Besucher stolpern fast zufällig über das Tor – sie folgen der Uferpromenade südwärts von Mandraki und stehen plötzlich vor einem hellen Kalksteinbogen, verziert mit gemeißelten Wappen, die die meisten für bloßen Schmuck halten, statt sie als Zeugnis politischer Macht zu lesen. Nimm dir hier einen Moment. Dieses Mauerwerk ist ein Dokument.
ℹ️ Gut zu wissen
Das Paulustor ist ein offenes Außendenkmal ohne Kassenhäuschen oder Personal. Es ist rund um die Uhr frei zugänglich. Es gibt keine Warteschlange und nichts zu buchen.
Geschichte: Wer hat es gebaut und warum?
Das Tor wurde von den Johannitern in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet – der Bau wird auf die Zeit um 1461 bis 1467 unter Großmeister Orsini (nicht Zacosta) datiert, mit späteren Ausbesserungen und Verzierungen um 1477 unter Großmeister Pierre d'Aubusson (im Amt 1476–1503). Die Wappen sowohl von Papst Sixtus IV. als auch von d'Aubusson sind in den Stein gehauen, ebenso ein Marmorrelief des Heiligen Paulus selbst – der dem Tor seinen Namen und seine sakrale Legitimität verleiht.
Die Johanniter wussten, dass die Hafenzugänge die verwundbarsten Punkte jeder Inselbefestigung waren. Eine Flotte konnte in Mandraki ankern, während eine kleinere Truppe auf der Kolona-Seite durchschlüpfte – das Paulustor war die bauliche Antwort auf dieses taktische Problem. Seine Lage unmittelbar neben dem Freiheitstor (Eleftherias-Tor) zeigt, wie vielschichtig dieses Verteidigungssystem war: mehrere Kontrollpunkte, jeder mit seiner eigenen symbolischen Heraldik, jeder ein Ausdruck der Hospitaliterherrschaft über die Seewege.
Die größere Geschichte der Militärarchitektur der Johanniter wird in unserem Geschichtsführer zu den Rittern von Rhodos behandelt, der den gesamten Bogen von ihrer Ankunft 1309 bis zu ihrer Vertreibung durch die Osmanen 1522 abdeckt.
Das Tor wurde im Zweiten Weltkrieg fast zerstört – eine Epoche, die der Altstadtsubstanz erheblichen Schaden zufügte. Das heute sichtbare Bauwerk wurde 1951 weitgehend wiederaufgebaut, was man beim Beurteilen seines „ursprünglichen" Charakters im Hinterkopf behalten sollte. Die gemeißelten Marmorplatten gelten jedoch als authentisch mittelalterliche Handwerkskunst.
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Das Erlebnis vor Ort: Was du wirklich siehst
Das Tor zeigt sich als gerundeter Bogen aus hellem Kalkstein, der sich von einem niedrigen, meeresnahen Bastion erhebt. Aus der Nähe hat die Oberfläche die körnige, salzverwitterte Textur, die für die Befestigungsanlagen der Altstadt von Rhodos typisch ist: nicht makellos, nicht verfallen, sondern auf die spezifische Art abgenutzt, wie Außenmauerwerk altert, wenn es jahrhundertelang dem ägäischen Wind und der Feuchtigkeit ausgesetzt ist.
Die gemeißelten Wappenplatten sitzen oberhalb des Hauptbogens. Das Wappen von Großmeister d'Aubusson ist das aufwendiger gearbeitete: ein gevierter Schild mit Lilien und anderen Motiven, die seine Herkunft kennzeichnen. Das Marmorrelief des Heiligen Paulus ist bescheiden in seiner Größe, aus der Distanz leicht zu übersehen, lohnt aber eine genaue Betrachtung wegen der Qualität der Schnitzarbeit. Die Verbindung des Heiligen Paulus mit Rhodos ist historisch belegt: In Apostelgeschichte 21,1 wird berichtet, dass er auf seiner Reise nach Jerusalem an der Insel vorbeisegelte, und die nahe gelegene Bucht, die in Lindos seinen Namen trägt, geht auf eine ältere Besuchstradition zurück.
Das Tor liegt auf Wasserhöhe, mit dem Hafen unmittelbar östlich davon. Morgens, wenn Fischerboote aktiv waren, riecht es hier nach Salz und leicht nach Fisch – tagsüber wandelt sich das mit zunehmendem Tourismusverkehr auf der Promenade zu Sonnencreme und Abgasen. Auch das Klangbild verändert sich je nach Tageszeit, was durchaus beeinflusst, wie man den Ort erlebt.
Beste Besuchszeit und wie sich das Tor im Tagesverlauf verändert
Früh am Morgen, zwischen 7 und 9 Uhr, wirkt das Tor am ehesten wie eine ernsthafte Befestigung und weniger wie eine malerische Kulisse. Das Licht fällt flach aus dem Osten über den Hafen, streift über den gemeißelten Stein und betont die Reliefdetails der Wappenplatten. Die Promenade ist zu dieser Stunde ruhig: ein paar Jogger, gelegentlich ein Fischer, kaum Reisegruppen. Das Tor fühlt sich hier wirklich alt an.
Am späten Vormittag beginnen Reisegruppen von Kreuzfahrtschiffen, die im Hafen von Rhodos angelegt haben, durch das Gebiet zu strömen. Die meisten gehen geradewegs durch das wenige Meter entfernte Freiheitstor und halten am Paulustor gar nicht an – je nach Perspektive ist das ärgerlich oder ideal. Das Tor ist unabhängig von der Tageszeit selten überfüllt. Selbst zur Hauptsaison mittags wirst du kaum warten müssen, um ein freies Foto zu machen.
💡 Lokaler Tipp
Für Fotos: Das Tor ist grob nach Westen zum Hafen ausgerichtet. Das Nachmittagslicht (im Sommer ab 16 Uhr) fällt direkt auf die geschnitzten Platten und erzeugt warme, schattenreiche Aufnahmen ohne das harte Mittagslicht von oben. Ein Weitwinkelobjektiv empfiehlt sich, wenn Tor und Hafen ins gleiche Bild sollen.
Im Sommer wird der Uferweg zwischen Mandraki und dem Paulustor zwischen 11 und 15 Uhr richtig heiß. Auf dem Weg selbst gibt es keinen Schatten. Wer hitzeempfindlich ist, sollte das einplanen, leichte Kleidung tragen und Wasser dabeihaben. Die Kopfsteinpflaster- und Pflasteroberflächen reflektieren die Wärme spürbar.
Anreise und die Uferpromenade
Der naheliegendste Weg führt zu Fuß entlang der nördlichen Uferpromenade der Altstadt von Rhodos, beginnend am Mandraki-Hafen. Der Spaziergang dauert in gemütlichem Tempo etwa 10 Minuten – du folgst dem Hafenrand südwärts, vorbei an den Windmühlen und der Landzunge des Nikolausforts auf der gegenüberliegenden Seite. Das Tor wird sichtbar, sobald du die nordwestliche Ecke der Altstadtmauern umrundest.
Am Tor gibt es keinen eigenen Parkplatz. Wer mit dem Auto anreist, parkt besser in der Neustadt nahe Mandraki und geht von dort zu Fuß weiter. Taxis können am nördlichen Torbereich absetzen, von dort ist es ein kurzer Fußweg entlang der Mauern.
Das Tor lässt sich gut in eine längere Wanderroute einbauen, die die Hafentore der Altstadt von Rhodos mit dem Nikolausfort am Ende des Mandraki-Wellenbrechers verbindet. Zusammen ergeben diese drei Punkte eine stimmige Tour durch das Seeverteidigungssystem der Johanniter – in unter zwei Stunden.
Barrierefreiheit und praktische Hinweise
Die Uferpromenade, die zum Tor führt, ist gepflastert und weitgehend eben – für die meisten Besucher gut zu bewältigen. Die Altstadt unmittelbar hinter dem Tor besteht jedoch aus Kopfsteinpflaster und unebenen Oberflächen, die für Rollstuhlfahrer und Menschen mit eingeschränkter Mobilität wirklich schwierig sein können. Das Tor selbst ist als Außenmerkmal der Festungsmauer nicht von innen zu betreten, sodass keine Stufen erforderlich sind, um die wichtigsten Schnitzarbeiten zu sehen.
Am Tor gibt es keine Einrichtungen: keine Toiletten, kein Café, keinen Schatten. Die nächsten Einrichtungen befinden sich weiter entlang der Promenade in Richtung Mandraki, wo während der Touristensaison mehrere Kioske und Cafés geöffnet sind. Das solltest du einplanen – besonders im Juli und August.
⚠️ Besser meiden
Ein Besuch bei Nacht ist möglich, da das Tor beleuchtet ist und die Promenade offen bleibt. Allerdings werden viele der gemeißelten Details ohne direkte Beleuchtung unsichtbar. Eine Taschenlampe oder das Handylicht hilft, wenn du die Wappenplatten nach Einbruch der Dunkelheit genauer betrachten möchtest.
Einordnung: Wo das Paulustor in der Altstadt steht
Das Paulustor ist Teil des umfangreichen, als UNESCO-Welterbe gelisteten Befestigungssystems der Altstadt von Rhodos – einer der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauern Europas. Der vollständige Mauerring ist rund 4 Kilometer lang. Innerhalb dieses Systems ist das Paulustor einer der kleineren, weniger bekannten Eingänge – besonders im Vergleich zum viel fotografierten Palast des Großmeisters weiter im Inneren der Mauern oder der Ritterstraße, die von ihm ausgeht. Genau diese relative Unbekanntheit macht seinen Reiz aus.
Reisende, die sich ausschließlich auf die großen Innenattraktionen der Altstadt konzentrieren, verpassen die hafenseitigen Befestigungen oft vollständig. Die Tore entlang des Ufers wirken anders als die Verteidigungsanlagen im Landesinneren: Sie waren dazu gedacht, von Schiffen aus gesehen zu werden, die in den Hafen einfuhren – Autorität und Warnung in gleichen Maßen ausstrahlend. Wenn du am Paulustor stehst und zurück aufs Meer blickst, bekommst du ein räumliches Gefühl dafür, was eine Ankunft per Schiff im 15. Jahrhundert kommunizierte: Diese Stadt ist verteidigt, geordnet und nicht leichtfertig zu betreten.
Für wen dieser Stopp weniger geeignet ist: Besucher mit sehr wenig Zeit auf Rhodos, die Prioritäten setzen müssen. Das Tor ist architektonisch bedeutsam und historisch interessant, aber wenn du nur wenige Stunden in der Altstadt hast, bieten der Palast, die Ritterstraße und das Archäologische Museum mehr Inhalt pro Minute. Das Paulustor ist am besten für Menschen geeignet, die Tiefe und Kontext suchen – und nicht nur die großen Namen.
Insider-Tipps
- Das Marmorrelief des Heiligen Paulus über dem Bogen ist leicht zu übersehen – es sitzt hoch oben und hat fast die gleiche verwitterte Farbe wie der umliegende Kalkstein. Tritt etwa 5 Meter vom Bogen zurück und schau an der seeseitigen Fassade nach oben, dann siehst du es deutlich.
- Das Freiheitstor (Eleftherias-Tor) liegt nur wenige Meter vom Paulustor entfernt und ist in seiner aktuellen Präsentation das aufwendigere der beiden. Besuch am besten beide auf einmal, statt dafür extra zurückzukehren.
- Das Gewässer direkt östlich des Tores gehört zum Kolona-Hafen, wo früh morgens noch echte Fischerboote unterwegs sind. Wer traditionelle Fischerfahrzeuge mit mittelalterlichem Mauerwerk im Hintergrund fotografieren möchte, ist hier an einer der besten Stellen auf Rhodos.
- Der Wiederaufbau von 1951 nach den Kriegsschäden des Zweiten Weltkriegs macht das Tor stabiler, als es aussieht. Das verwitterte Erscheinungsbild ist teils echte mittelalterliche Alterung, teils das natürliche Altern des Nachkriegsmauerwerks – beides sind historisch interessante Schichten.
- Bau das Paulustor am besten in eine größere Wanderroute entlang des nördlichen Ufers ein. Starte bei Sonnenaufgang am Nikolausfort, spaziere an den Mandraki-Windmühlen vorbei nach Osten und weiter zum Paulustor – bevor die Altstadt richtig erwacht.
Für wen ist Paulustor geeignet?
- Architektur- und Festungsbegeisterte, die das gesamte Verteidigungssystem der Altstadt verstehen wollen – nicht nur die bekanntesten Sehenswürdigkeiten
- Fotografen, die früh morgens stimmungsvolle Hafen-und-Stein-Aufnahmen ohne Menschenmassen suchen
- Besucher, die dem Johanniter-Geschichtspfad durch die Altstadt von Rhodos folgen
- Reisende, die kostenlose, selbst gestaltete Erkundungen bevorzugen statt kostenpflichtiger Führungen
- Alle, die mehr als zwei Tage auf Rhodos verbringen und nach den wichtigsten Innenattraktionen auch die Ufermauern erkunden möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Rhodos Altstadt:
- Archäologisches Museum Rhodos
Das Archäologische Museum Rhodos ist im Ritterhaus aus dem 15. Jahrhundert untergebracht und vereint Artefakte von der archaischen bis zur römischen Epoche – darunter beeindruckende hellenistische Marmorskulpturen und fein gearbeitete Bodenmosaike. Es ist eines der historisch vielschichtigsten Museumserlebnisse in der Ägäis, bei dem das Gebäude selbst mindestens so fesselnd ist wie die Sammlung darin.
- Hammam Türkisches Bad
Das Große Hamam wurde 1558 während der osmanischen Besatzung erbaut und ist das einzige erhaltene Badehaus innerhalb der UNESCO-geschützten Mittelalterlichen Stadt von Rhodos. Derzeit für die Öffentlichkeit geschlossen, aber kürzlich restauriert, gehört es zu den architektonisch markantesten Gebäuden am Arionos-Platz – gut, wenn du seinen Kontext kennst, bevor du anreist.
- Hafentore
Die Hafentore markieren die mittelalterliche Grenze zwischen dem Mandraki-Hafen und der von den Johannitern erbauten Stadtmauer. Jederzeit frei zugänglich, sind sie der stimmungsvollste Eingang in die Altstadt von Rhodos – mit einem Blick, der sich seit sechs Jahrhunderten kaum verändert hat.
- Palast des Großmeisters der Ritter von Rhodos
Der Palast des Großmeisters der Ritter von Rhodos ist das architektonisch beeindruckendste Bauwerk der mittelalterlichen Stadt. Im frühen 14. Jahrhundert erbaut und unter italienischer Herrschaft umfassend restauriert, prägt er mit seinen Türmen und säulengesäumten Innenhöfen die nordwestliche Ecke der Altstadt. Die Dauerausstellung spannt den Bogen von der Antike bis zur osmanischen Zeit.