Kunsthistorisches Museum Wien: Kunst, Kaiserreich und sieben Jahrtausende unter einer Kuppel

Das Kunsthistorische Museum Wien ist eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. In einem eigens dafür errichteten Neorenaissance-Palast beherbergt es die Sammlungen der Habsburger – von Vermeer und Bruegel bis zu altägyptischen Schätzen. Das Gebäude selbst ist dabei genauso ein Erlebnis wie die Kunst darin.

Fakten im Überblick

Lage
Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien (Innere Stadt)
Anfahrt
U2/U3 Volkstheater; Straßenbahn D, 1, 2 bis Burgring/Kunsthistorisches Museum
Zeitbedarf
3–5 Stunden für die Highlights; ein ganzer Tag für die vollständigen Sammlungen
Kosten
Eintritt kostenpflichtig; aktuelle Preise auf khm.at/besuchen
Am besten für
Kunstliebhaber, Geschichtsbegeisterte, Architekturfreunde, Familien mit älteren Kindern
Offizielle Website
www.khm.at/de
Außenansicht des Kunsthistorischen Museums Wien mit beeindruckender Neorenaissance-Kuppel, gepflegten Gartenanlagen und einer klassischen Marmorstatue vor blauem Himmel.

Was das Kunsthistorische Museum wirklich ist

Das Kunsthistorische Museum Wien – kurz KHM – ist keine städtische Galerie und kein umgenutzter Palast. Es wurde von Grund auf als Denkmal imperialen Sammelns konzipiert. Kaiser Franz Joseph I. gab den Bau in den 1870er Jahren in Auftrag, um die jahrhundertelang angehäuften Gemälde, Skulpturen, Kunstgewerbe, Münzen, Waffen und Altertümer der Habsburger unter einem Dach zu vereinen. Als es 1891 eröffnet wurde, zählte es zu den ambitioniertesten Museumsprojekten der europäischen Geschichte – und dieser Anspruch ist in jedem Korridor noch heute spürbar.

Die Sammlungen umspannen rund sieben Jahrtausende – von prädynastischen ägyptischen Objekten bis ins späte 18. Jahrhundert. Allein die Gemäldegalerie zählt zu den bedeutendsten Konzentrationen flämischer, niederländischer, deutscher und italienischer Alter Meister weltweit. Dazu kommen die Ägyptisch-Orientalische Sammlung, die Antikensammlung, die Kunstkammer und das Münzkabinett – jede davon für sich genommen eine Sammlung von internationalem Rang.

ℹ️ Gut zu wissen

Donnerstagabends hat das Museum bis 21:00 Uhr geöffnet – das ist die ruhigste und stimmungsvollste Zeit für die Gemäldegalerie. Nach 18:00 Uhr gehen die Besucherzahlen deutlich zurück.

Das Gebäude: Architektur, die man sich nicht entgehen lassen sollte

Das KHM liegt am Maria-Theresien-Platz, dem Naturhistorischen Museum direkt gegenüber – beide Häuser flankieren symmetrisch einen Platz mit dem Denkmal für Kaiserin Maria Theresia in der Mitte. Entworfen wurden beide Gebäude von Gottfried Semper und Carl von Hasenauer zwischen 1871 und 1891 als Teil eines geplanten kaiserlichen Forums an der Ringstraße. Die Neorenaissance-Fassaden sind reich an Allegorien: Skulpturen verschiedener Kunsttraditionen, ornamentale Friese und eine achteckige Kuppel, die die Silhouette des Dachs prägt.

Das Innere steht dem Äußeren in nichts nach. Die Eingangshalle öffnet sich zu einer Kassettendecke mit Lünettenfresken von Hans Makart – und, was oft vergessen wird, von einem jungen Gustav Klimt, der gemeinsam mit seinem Bruder Ernst und Franz Matsch mit der Ausmalung der Treppenhaus-Zwickel beauftragt wurde. Wer weiß, wann er aufschauen muss, entdeckt hier frühe Klimt-Werke in einem Kontext, an dem die meisten Besucher einfach vorbeigehen. Wer mehr über Klimts Karriere und sein Vermächtnis in Wien erfahren möchte, findet im Wien-Klimt-und-Secession-Guide ausführliche Hintergrundinformationen.

Die zentrale Kuppelhalle mit ihren Marmorsäulen, vergoldeten Balustraden und dem weit aufsteigenden Kassettengewölbe gehört zu den beeindruckendsten Innenräumen Wiens. Das Café des Museums befindet sich genau hier – unter der Kuppel. Man sitzt also bei einem Kaffee und schaut zur Decke hinauf. Diese Verbindung aus Ort und Funktion findet man so nirgendwo sonst auf der Welt.

Tickets & Führungen

Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.

  • Art History Museum Vienna private guided tour

    Ab 95 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
  • Kunsthistorisches Museum Vienna guided highlight tour

    Ab 89 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
  • Imperial Vienna 72-hour hop-on hop-off bus

    Ab 55 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung

Die Gemäldegalerie: Was du dir auf keinen Fall entgehen lassen solltest

Die Gemäldegalerie im zweiten Stock ist für die meisten Besucher das Herzstück des Museums – und das zu Recht. Die habsburgische Sammlung Alter Meister ist außergewöhnlich. Die Bruegel-Bestände gehören zu den umfangreichsten weltweit: Rund ein Dutzend Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren hängen in einem einzigen Saal, darunter „Der Turmbau zu Babel”, „Die Bauernhochzeit” und „Jäger im Schnee”. In diesem Raum zu stehen, von diesen Bildern umgeben, ist ein völlig anderes Erlebnis als einem einzelnen Bruegel in einer gemischten Sammlung zu begegnen.

Die Sammlung setzt sich fort mit venezianischen Renaissance-Meistern wie Tizian, Tintoretto und Veronese. Es gibt ganze Säle mit Rubens und Van Dyck. Vermeers „Die Malkunst”, von vielen Kunsthistorikern als sein bedeutendstes Werk angesehen, hängt ebenfalls hier. Dürers Bildnis eines jungen Mannes und eine umfangreiche Cranach-der-Ältere-Sammlung gehören ebenfalls zum Bestand. Die schiere Dichte wirklich bedeutender Werke in unmittelbar aufeinanderfolgenden Räumen kann überwältigend sein. Erfahrene Museumsbesucher empfehlen oft, sich zwei oder drei Räume herauszupicken und diese gründlich zu erkunden – statt alles im Schnelldurchlauf zu sehen.

💡 Lokaler Tipp

Hol dir am Eingang einen Grundriss und markiere drei oder vier Räume, in denen du wirklich Zeit verbringen möchtest. Der Bruegel-Saal (Saal X) und der Vermeer-Saal sind für die meisten Besucher die wichtigsten. Versuche nicht, alles auf einmal zu sehen.

Jenseits der Gemäldegalerie: Die Sammlungen, die die meisten Besucher verpassen

Die Ägyptisch-Orientalische Sammlung im Erdgeschoss wird oft unterschätzt. Zu den Beständen gehören echte altägyptische Objekte aus dem Alten Reich, Mumien mit intakten Bandagen und eine rekonstruierte Grabkammer. Die Präsentation ist klar und gut strukturiert – und die Qualität der Objekte überrascht viele Besucher, die eigentlich nur wegen der Gemälde gekommen sind.

Die Kunstkammer nimmt einen beträchtlichen Teil des Erdgeschosses ein und zeigt die habsburgischen Sammlungen in ihrer ursprünglichen, vormodernen Form: eine Mischung aus Naturalia, Artificialia und wissenschaftlichen Instrumenten, die Kaiser und Erzherzöge als Ausdruck von Reichtum, Neugier und universalem Wissen angehäuft hatten. Das absolute Herzstück ist die Cellini-Saliera – ein goldenes Salzgefäß, das Benvenuto Cellini für Franz I. von Frankreich schuf und das allgemein als eines der feinsten erhaltenen Beispiele der Goldschmiedekunst der Renaissance gilt. Das Stück wurde 2003 auf spektakuläre Weise aus dem Museum gestohlen und vier Jahre später wiedergefunden – eine Geschichte, die heute unweigerlich zur Biografie des Objekts gehört.

Die Antikensammlung umfasst unter anderem die Gemma Augustea, eine große Kamee aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. mit einer Darstellung des Augustus, sowie eine beachtliche Sammlung von Bronze- und Marmorskulpturen. Das Münzkabinett ist eher Spezialisten-Terrain, bietet aber durch die schiere Anzahl und Vielfalt der ausgestellten Münzen einen anschaulichen materiellen Überblick über die antike und mittelalterliche Geldgeschichte. Wer sich für die breitere Geschichte des kaiserlichen Wiens interessiert, findet im Guide zur habsburgischen Kaisergeschichte wichtige Hintergrundinformationen.

Wie sich das Erlebnis je nach Tageszeit unterscheidet

An Wochentagen – besonders dienstags und mittwochs – ist das Museum vergleichsweise ruhig. Schulgruppen kommen meist gegen 10:00 Uhr, konzentrieren sich aber oft auf die Ägyptische und die Antikensammlung. Die Gemäldegalerie kann an solchen Morgen ab etwa 10:30 Uhr geradezu beschaulich sein, mit natürlichem Licht durch die Obergadenfenster in manchen Sälen. Dieses Licht ist allerdings nicht überall gleich: Einige Räume liegen zum Innenhof hin und sind künstlich beleuchtet, andere zur Straße hin und verändern sich im Laufe des Tages.

An Wochenendnachmittagen ist deutlich mehr Betrieb. Der Bruegel-Saal zieht besonders viele Besucher an. Wer samstags kommt, sollte früh erscheinen oder auf den Donnerstagabend ausweichen. Das Kuppelcafé füllt sich an Wochenenden nach dem Mittag schnell, aber die obere Galerie rund um die Kuppel – über die Treppe erreichbar – ist meist weniger überfüllt und bietet denselben Blick nach oben.

Im Sommer – Juni, Juli und August – hat das Museum auch montags geöffnet. Der Montag ist in der Regel deutlich ruhiger als das Wochenende und damit ideal für Besucher mit wenig Zeit. Die regulären Öffnungszeiten gelten: 10:00 bis 18:00 Uhr.

Anreise, Tickets und praktische Infos

Das Museum ist mit der U-Bahn über U2 und U3 bis zur Station Volkstheater erreichbar, von dort ein kurzer Fußweg über die Ringstraße. Die Straßenbahnlinien D, 1 und 2 halten direkt am Burgring/Kunsthistorisches Museum. Der Wien-Verkehrsmittel-Guide erklärt das gesamte öffentliche Verkehrsnetz, falls du mehrere Stationen in der Stadt planst.

Der Haupteingang liegt am Maria-Theresien-Platz und ist über fünf Stufen erreichbar – ohne Rampe. Besucher mit eingeschränkter Mobilität nutzen den barrierefreien Eingang am Burgring 5, wo das Servicepersonal beim Zugang per Aufzug hilft. Behindertenparkplätze stehen auf dem nahe gelegenen Heldenplatz zur Verfügung.

Tickets können online über den offiziellen KHM-Ticketshop oder direkt an der Kasse erworben werden. Eine Vorabbuchung ist außer an Spitzenwochenenden im Sommer nicht unbedingt nötig, erspart aber das Anstehen an der Kasse. Aktuelle Erwachsenenpreise, ermäßigte Tarife und eventuelle Kombitickets für andere KHM-Häuser wie die Kaiserliche Rüstkammer und den Theseustempel findest du auf khm.at.

⚠️ Besser meiden

Von September bis Mai ist das Museum montags geschlossen. Die Montagsöffnung im Juni, Juli und August ist saisonal bedingt – bitte vor dem Besuch auf der offiziellen Website bestätigen.

Für wen das Museum gemacht ist – und für wen eher nicht

Das KHM belohnt Besucher, die vorbereitet ankommen. Wer ungefähr weiß, was er sehen möchte, und ein grundlegendes Verständnis der europäischen Malerei sowie der Habsburger mitbringt, erlebt deutlich mehr. Wer ohne Vorwissen durch die Säle geht, kann von der schieren Fülle an Gemälden und den knappen Beschriftungen schnell überfordert sein. Der Audioguide lohnt sich als ergänzendes Angebot.

Familien mit Kindern unter etwa zehn Jahren könnten den Besuch als anstrengend empfinden. Die Sammlung ist nicht auf kleine Kinder ausgerichtet, und die Größe und Weitläufigkeit des Gebäudes kann für junge Besucher ermüdend sein. Wer familiengerechte Aktivitäten in Wien sucht, findet im Wien-mit-Kindern-Guide passendere Alternativen.

Wer sich vor allem für moderne und zeitgenössische Kunst interessiert, wird hier wenig finden. Die Sammlung endet im späten 18. Jahrhundert. Für österreichische Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts sind das Obere und Untere Belvedere sowie das Leopold Museum im MuseumsQuartier die richtigen Adressen.

Wer ein breiteres Museumsprogramm plant, findet im Guide zu den besten Museen in Wien eine hilfreiche Einordnung des KHM im Kontext des gesamten Wiener Kulturangebots – inklusive Prioritätentipps.

Insider-Tipps

  • Das Café unter der zentralen Kuppel gehört zu den schönsten Museumscafés in ganz Europa. Am besten gehst du dort wochentags gegen 15:00 Uhr hin – dann ist es ruhig genug, um die Architektur wirklich auf dich wirken zu lassen.
  • Schau beim Betreten unbedingt nach oben zu den Treppenhaus-Zwickeln. Die Deckengemälde von Klimt, um 1890 noch in seinem Voressions-Stil entstanden, fallen den meisten Besuchern gar nicht auf – dabei sind sie ein wichtiges Frühwerk aus einem öffentlichen Auftrag.
  • Die Cellini-Saliera in der Kunstkammer ist in einer Vitrine ausgestellt, die eine Betrachtung aus verschiedenen Winkeln ermöglicht. Nimm dir Zeit dafür. Das Stück ist nur etwa 26 Zentimeter lang – aber aus der Nähe ist die Detailarbeit schlicht außergewöhnlich.
  • Donnerstagabend nach 18:00 Uhr ist die ruhigste Zeit für die Gemäldegalerie. Der Besucherstrom hat sich deutlich gelichtet, das Licht ist gleichmäßig, und vor Vermeers Gemälde „Die Malkunst” kann man tatsächlich mal allein stehen.
  • Der Museumsshop hat eine wirklich gute Auswahl an kunsthistorischer Fachliteratur, darunter wissenschaftliche Kataloge zu den großen Sammlungen. Wer lieber fundierte Bücher als Souvenirs kauft, ist hier bestens aufgehoben – einer der besten Museumsshops Wiens für diesen Zweck.

Für wen ist Kunsthistorisches Museum geeignet?

  • Kunsthistorisch Interessierte, die Alte Meister nicht im Vorbeigehen, sondern wirklich in der Tiefe erleben wollen
  • Architektur- und Innenraumbegeisterte, die für monumentale öffentliche Bauten des 19. Jahrhunderts schwärmen
  • Besucher mit besonderem Interesse an den Habsburgern und ihrer materiellen Kultur
  • Reisende, die länger in Wien sind und einem einzigen Kulturinstitut einen ganzen Tag widmen möchten
  • Alle, die bereits die großen Nationalgalerien in London, Paris oder Amsterdam kennen und einen Vergleich suchen

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Innere Stadt (1. Bezirk):

  • Albertina Museum

    Das Albertina Museum befindet sich in einem ehemaligen Habsburger Palais am Rand der Ringstraße und beherbergt eine der größten und bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt. Mit über einer Million Zeichnungen und Druckgrafiken sowie wechselnden Ausstellungen moderner Meisterwerke lohnt sich der Besuch – für Kunstinteressierte genauso wie für ernsthafte Kunstreisende.

  • Österreichische Nationalbibliothek (Prunksaal)

    Der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek ist ein Meisterwerk des Barock, das zwischen 1723 und 1726 im Auftrag von Kaiser Karl VI. erbaut wurde. Mit rund 80 Metern Länge und Daniel Grans monumentalem Deckenfresko zählt er zu den beeindruckendsten Innenräumen Mitteleuropas – und beherbergt noch heute etwa 200.000 historische Bände in seinen geschnitzten Nussbaumregalen.

  • Burgtheater

    Das Burgtheater ist Österreichs Nationaltheater und eine der bedeutendsten deutschsprachigen Bühnen der Welt. Das Neorenaissance-Gebäude an der Wiener Ringstraße stammt aus dem Jahr 1888, und seine Geschichte reicht bis zum Hof von Kaiserin Maria Theresia zurück. Ob du eine Vorstellung besuchst oder an einer Führung teilnimmst – das Burgtheater lohnt sich in jedem Fall.

  • Café Central

    Im Palais Ferstel im ersten Bezirk gelegen, serviert das Café Central seit 1876 Kaffee und Gespräche. Einst Treffpunkt von Freud, Trotzki und einer ganzen Reihe mitteleuropäischer Intellektueller, zählt es bis heute zu den architektonisch beeindruckendsten Kaffeehäusern der Welt.