Ghirardelli Square: San Franciscos beste Umnutzungsgeschichte
Einst die Schokoladenfabrik der Stadt, steht der Ghirardelli Square heute im National Register of Historic Places – am westlichen Ende des Fisherman's Wharf. Die Backsteingebäude aus den 1890er Jahren beherbergen Restaurants, Läden und die originale Ghirardelli Chocolate Experience, rund um einen Brunnenpavillon mit Blick auf die San Francisco Bay. Der Eintritt ist frei.
Fakten im Überblick
- Lage
- 900 North Point Street, Fisherman's Wharf, San Francisco, CA 94109
- Anfahrt
- Mit der historischen F-Linie-Straßenbahn zum Fisherman's Wharf, dann zu Fuß westlich entlang der Beach Street oder North Point Street; Muni-Buslinien fahren die Gegend ebenfalls an
- Zeitbedarf
- 1–2 Stunden für einen entspannten Besuch; länger, wenn du essen gehst
- Kosten
- Eintritt frei. Parken: 18 $ für bis zu 3 Stunden, 28 $ für 3–4 Stunden, 52 $ für den ganzen Tag
- Am besten für
- Architekturbegeisterte, Familien, Schokoladenliebhaber, Spaziergänger am Wasser
- Offizielle Website
- www.ghirardellisq.com

Was der Ghirardelli Square wirklich ist
Der Ghirardelli Square ist ein Open-Air-Einkaufs- und Gastronomieareal in einer Gruppe roter Backsteingebäude an der 900 North Point Street, an der Ecke Beach Street und Larkin Street im Fisherman's Wharf. Die Gebäude stammen aus den 1890er Jahren, als hier noch eine vollständig in Betrieb befindliche Schokoladenfabrik stand. Heute ist der Komplex im National Register of Historic Places eingetragen – und das aus gutem Grund: Er war eines der ersten großen Umnutzungsprojekte in den USA und hat gezeigt, wie sich veraltete Industriegebäude in belebte öffentliche Orte verwandeln lassen, anstatt sie abzureißen.
Der Umbau fand Anfang der 1960er Jahre statt und öffnete 1964 für die Öffentlichkeit. 1965 erklärte die Stadt den Komplex offiziell zum San-Francisco-Wahrzeichen. Was du heute durchläufst, ist dieselbe Backsteinhülle aus den 1890ern – erhalten und neu genutzt. Das Ausmaß wirkt menschlich statt monumental. Die Gebäude stufen sich einen Hügel hinauf, verbunden durch offene Plätze, Treppen und überdachte Durchgänge. Das bestimmende Material ist durchgängig warmtoniger roter Backstein, stellenweise von glatt abgewetzter Oberfläche, dazu eiserne Fensterrahmen und große Lagerhallenöffnungen, die verglast oder zu Ladengeschäften umgebaut wurden.
ℹ️ Gut zu wissen
Der Eintritt zum Ghirardelli Square ist frei. Du zahlst nur für das, was du isst, kaufst oder trinkst. Das Parkhaus verlangt 18 $ für die ersten drei Stunden (mit höheren Tarifen bis zu 52 $ für einen ganzen Tag) – ein kurzer Stopp mit dem Auto ist also durchaus erschwinglich.
Die Architektur: Was du dir wirklich ansehen solltest
Die meisten Besucher laufen direkt zum Schokoladenladen und verpassen dabei die Struktur um sich herum. Das Uhrturmgebäude, von der Beach Street aus gut sichtbar, ist das visuelle Herzstück des Komplexes – ein zinnenbekrönter Backsteinturm, der um 1915–1916 zur Fabrik hinzugefügt wurde. Er wirkt fast wie eine kleine Burgzinne, ein bisschen theatralisch, aber eindrucksvoll vor dem nebelverschleierten Himmel, der diesem Teil des Hafenviertels oft eigen ist. Den Turm kann man nicht besteigen, aber er rahmt jedes Foto von der zentralen Plaza perfekt ein.
Wenn du durch das Areal gehst, achte darauf, wie die einzelnen Gebäude über verschiedene Höhenniveaus miteinander verbunden sind. Das Hanggrundstück sorgt dafür, dass das, was von der Beach Street aus wie ein einstöckiges Gebäude aussieht, von der unteren Plaza aus zwei oder drei Stockwerke hoch ist. Holztreppen, Backsteinbögen und Außenterrassen schaffen eine vielschichtige Raumwirkung, die eher an einen Stadtblock erinnert als an ein Einkaufszentrum. Das war beim ursprünglichen Umbau in den 1960er Jahren Absicht – und es funktioniert noch heute.
Wer sich für San Franciscos Stadtbild begeistert, kombiniert den Ghirardelli Square gut mit einem ausgedehnteren Spaziergang entlang des Hafens. Der Palace of Fine Arts im nahe gelegenen Marina District und die historischen Piers im San Francisco Maritime National Historical Park, nur einen kurzen Fußweg östlich am Wasser, ergänzen einen halbtägigen Architektur- und Geschichtsrundgang ideal. Für einen tieferen Einblick in das Stadtbild insgesamt bietet der San-Francisco-Architekturführer weitere Sehenswürdigkeiten, die sich gut in deine Route einbauen lassen.
Tickets & Führungen
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Das Schokoladenerlebnis: Was dich erwartet
Die Ghirardelli Chocolate Experience im Inneren des Platzes ist für die meisten Besucher der kommerzielle Hauptanziehungspunkt. Sie bietet Ghirardelli-Schokoladenprodukte, Sundaes und heiße Schokolade in einem großen Laden-und-Café-Ambiente. Die berühmten Hot-Fudge-Sundaes werden in Portionen serviert, die – nach jedem vernünftigen Maßstab – üppig ausfallen. Zu Stoßzeiten bilden sich Schlangen, vor allem an Wochenendnachmittagen zwischen ungefähr 13:00 und 16:00 Uhr.
Ein Hinweis vorab: Die Schokolade, die hier in den 1890er Jahren hergestellt wurde, wird heute nicht mehr vor Ort produziert. Die Fabrikabläufe wurden längst verlagert. Was du hier kaufst, ist das Ghirardelli-Markenerlebnis – kein handwerklich vor Ort gefertigtes Produkt. Die Qualität der Schokolade und der Sundaes ist solide und kommt gut an, aber wer Manufaktur-Qualität in Kleinserie erwartet, wird eine eher kommerzielle Realität vorfinden. Beim Eingang gibt es kostenlose Probierhappen – ein durchaus attraktives Angebot, egal ob du etwas kaufen möchtest oder nicht.
💡 Lokaler Tipp
Komm an Werktagen vor 11:00 Uhr, um die Sundae-Schlange komplett zu umgehen. Das Personal ist dann meist beim Auffüllen, und der Raum hat zu dieser Zeit eine ruhige, fast heimelige Atmosphäre – eigentlich die beste Zeit, um das Ambiente selbst auf sich wirken zu lassen.
Wie sich der Platz im Laufe des Tages verändert
Morgenbesuche, also grob vor 10:00 Uhr, sind die ruhigsten. Der Platzbrunnen läuft, die Backsteinoberflächen halten noch die nächtliche Kühle, und das Licht fällt flach über die Gebäude – so treten die Texturen des alten Mauerwerks besonders schön hervor. Das Fußaufkommen ist zu dieser Stunde minimal, hauptsächlich lokale Hundebesitzer und gelegentliche Jogger, die auf dem angrenzenden Uferweg vorbeikommen.
Mittags bis in den frühen Nachmittag hinein erreicht die Touristendichte ihren Höhepunkt. Das Fisherman's Wharf insgesamt verzeichnet starken Besucherstrom, und ein Großteil davon zieht durch den Ghirardelli Square. Die Brunnenterrasse füllt sich mit Fotografierenden, Familien beim Eisessen und Gruppen, die auf einen Restauranttisch warten. Es ist lebhaft, aber nicht überwältigend, und die Backsteininnenhöfe schlucken den Lärm besser als ein offener Platz es täte.
Abende, besonders im Sommer und Frühherbst, lohnen sich aus einem anderen Grund. Die einzelnen Lokale rund um den Platz haben in der Regel bis etwa 22:00 Uhr geöffnet (je nach Betrieb unterschiedlich), und wenn sich ab 18:00 Uhr die Tagestrips-Menge lichtet, bekommt der Ort eine spürbar andere Stimmung. Der beleuchtete Uhrturm ist in der Abenddämmerung fotogener als mittags. San-Francisco-Abende sind selbst im Sommer zuverlässig kühl – nimm also eine Schicht mehr mit. Der marine Nebel zieht oft nach Sonnenuntergang von der Bucht herein, und die Temperaturen fallen schneller, als Besucher aus wärmeren Regionen es erwarten.
Anreise und Orientierung vor Ort
Der einfachste Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die F-Linie – der historische Straßenbahnbetrieb, der entlang der Market Street und des Embarcadero bis zum Fisherman's Wharf führt. Einfach bis zur Endhaltestelle fahren und dann etwa fünf Minuten westlich entlang der Beach Street laufen. Muni-Buslinien bedienen das Gebiet ebenfalls. Wer vom Union Square oder der Innenstadt kommt, für den ist die F-Linie nicht nur praktisch, sondern selbst ein Erlebnis: Die Wagen sind restaurierte Oldtimer-Straßenbahnen aus Städten auf der ganzen Welt.
Mit dem Auto ist es möglich, aber teuer. Das hauseigene Parkhaus hat Einfahrten an der Larkin Street und der Beach Street. Die Tarife beginnen bei 18 $ für bis zu drei Stunden, steigen auf 28 $ für drei bis vier Stunden und auf 52 $ für den ganzen Tag. Straßenparkplätze im Fisherman's-Wharf-Bereich sind äußerst rar. Einen umfassenden Überblick über die Fortbewegung in der Stadt ohne Auto bietet der San-Francisco-Nahverkehrsführer mit allen Transportoptionen im praktischen Überblick.
Die Barrierefreiheit innerhalb des Platzes ist insgesamt gut. Das Parkhaus hat einen Aufzug zur Platzebene, der einen stufenfreien Zugang zu den wichtigsten öffentlichen Bereichen ermöglicht. Die verschiedenen Gebäudeebenen sind in den meisten Abschnitten neben Treppen auch über Rampen verbunden. Die einzelnen Geschäfte im Komplex haben unterschiedliche Voraussetzungen – wer spezifische Anforderungen hat, sollte vor dem Besuch direkt beim Platz oder dem jeweiligen Lokal nachfragen.
Den Ghirardelli Square in ein größeres Programm einbauen
Der Ghirardelli Square liegt am westlichen Ende des Fisherman's Wharf – das macht ihn zum natürlichen Start- oder Endpunkt eines Uferpromenaden-Spaziergangs. Wer von hier aus östlich entlang der Beach Street läuft, passiert das Herz des Wharfs, die historischen Schiffe des Maritime National Historical Park und erreicht schließlich Pier 39 sowie das Ferry Building weiter am Embarcadero. Das ist ein flacher, angenehmer Spaziergang mit durchgehend abwechslungsreichen Eindrücken.
In der anderen Richtung, westlich vom Ghirardelli Square, erreichst du den nördlichen Rand des Presidio in etwa zehn bis fünfzehn Minuten zu Fuß – und von dort ist der Weg zu Fort Point und dem Fuß der Golden Gate Bridge eine lohnende Wanderung. Wer einen ganzen Tag in diesem Teil der Stadt plant, für den liegt Crissy Field zwischen Ghirardelli und der Brücke – eine lange, flache Promenade mit unverstelltem Blick auf die Bucht.
Wer das Fisherman's-Wharf-Viertel systematischer erkunden möchte, findet im Stadtviertelführer Fisherman's Wharf alles, was das Viertel zu bieten hat – inklusive ehrlicher Einschätzungen, welche Stopps sich lohnen und welche vor allem Touristenfallen sind.
Wetter und die richtige Kleidung
Das Mikroklima an San Franciscos Waterfront ist zu fast jeder Jahreszeit spürbar kühler und windiger als in den Stadtvierteln im Landesinneren. Die Sommerhöchsttemperaturen entlang der nördlichen Uferpromenade liegen oft bei knapp 18 °C, und der marine Nebel lässt es sich deutlich kälter anfühlen. Besucher, die in kurzen Hosen ankommen und mit kalifornischem Sommerwetter rechnen, frieren meist schon am frühen Nachmittag. September und Oktober sind in der Regel die wärmsten und klarsten Monate – weniger Nebel, und die Temperaturen erreichen gelegentlich die niedrigen 20er.
Trag Lagen, egal zu welcher Jahreszeit. Eine leichte Jacke oder ein Fleece, das in die Tasche passt, ist die praktische Wahl. Abends ist etwas Windabweisendes sinnvoll. Die Open-Air-Plätze des Ghirardelli sind nicht windgeschützt, und ein kalter Meereswind kann am späten Nachmittag schnell aufkommen.
Insider-Tipps
- Das beste Foto des Uhrturms gelingt, wenn du den zentralen Brunnen als Vordergrund nutzt. Stell dich auf der unteren Plaza etwas links der Mitte auf – am besten am späten Nachmittag, wenn das warme Backstein-Rot im tief stehenden Abendlicht leuchtet.
- Bei der Ghirardelli Chocolate Experience gibt es kostenlose Probierhappen beim Eingang – egal ob du dich für eine Sundae-Schlange anstellst oder nicht. Wer einfach nur die Schokolade kosten möchte, ohne 20 Minuten zu warten, ist damit bestens bedient. Niemand drängt dich.
- Die obere Terrassenebene des Platzes, erreichbar über die Treppen auf der Nordseite des Komplexes, bietet einen Teilblick auf die Bucht und ist fast immer ruhiger als die Hauptplaza. Ein guter Platz, um mit einem Kaffee zu sitzen und das Treiben unten zu beobachten.
- Wenn du an einem Werktag morgens kommst, öffnen einige Geschäfte erst ab 10:00 Uhr oder später. Schau vorher auf der offiziellen Ghirardelli-Square-Website nach den genauen Öffnungszeiten, wenn Shopping auf deinem Programm steht.
- Der Ghirardelli Square liegt am westlichen Ende des Fisherman's Wharf – er ist damit der logische erste Stopp, wenn du vom Presidio oder Marina District zu Fuß kommst, und der letzte, wenn du vom Pier 39 nach Westen läufst. Er lässt sich gut ans Ende eines Uferpromenaden-Spaziergangs hängen, statt ihn als eigenständiges Ziel anzusteuern.
Für wen ist Ghirardelli Square geeignet?
- Familien mit Kindern, die einen übersichtlichen, fußläufigen Stopp mit Essensmöglichkeiten und ohne Eintrittsgebühr suchen
- Architektur- und Stadtgeschichtsbegeisterte, die sich für Umnutzung und Industriegebäude des 19. Jahrhunderts interessieren
- Erstbesucher in San Francisco, die das Waterfront-Viertel als Einstieg in die Stadt nutzen
- Budgetbewusste Reisende, die ein historisches Ambiente ohne Eintrittskosten genießen möchten
- Abendbesucher, die eine beleuchtete, ruhigere Alternative zum mittäglichen Fisherman's-Wharf-Trubel suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Fisherman's Wharf:
- Alcatraz Island
Alcatraz Island liegt 2,5 Kilometer vor der Küste in der San Francisco Bay – und schon die Fährfahrt stimmt dich auf das Richtige ein. Einst eine Militärfestung, dann von 1934 bis 1963 ein Bundesgefängnis, ist die Insel heute ein Nationalpark und eines der atmosphärischsten historischen Erlebnisse an der Westküste. Plan mindestens drei Stunden ein und buche Tickets weit im Voraus.
- Aquarium of the Bay
Das Aquarium of the Bay liegt direkt am Eingang zu Pier 39 am Fisherman's Wharf und bringt dich 24.000 Meerestieren und über 200 buchteinheimischen Arten ganz nah. Von begehbaren Acryl-Tunneln bis hin zu Becken voller Stachelrochen bietet es einen konzentrierten, lehrreichen Blick auf das Wasser direkt vor seinen Mauern.
- Musée Mécanique
In einer weitläufigen Halle auf Pier 45 am Fisherman's Wharf befindet sich das Musée Mécanique – ein Museum mit freiem Eintritt und über 300 antiken Münzautomaten aus mehr als einem Jahrhundert amerikanischer Vergnügungskultur. Von handgekurbelten Guckkästen bis hin zu mechanischen Orchestern: Hier läuft Geschichte buchstäblich auf Münzbetrieb.
- Pier 39
PIER 39 ist ein kostenlos zugänglicher Einkaufs- und Unterhaltungskomplex an San Franciscos nördlicher Uferpromenade. Bekannt für seine Seelöwenkolonie und den weiten Blick über die Bucht, zieht er jährlich Millionen Besucher an. So holst du das Beste aus deinem Besuch heraus – ohne die typischen Anfängerfehler.