EPIC The Irish Emigration Museum: Was dich erwartet – Infos vor deinem Besuch
Das EPIC The Irish Emigration Museum befindet sich in den Steingewölben des rund 200 Jahre alten CHQ-Gebäudes am Custom House Quay. In 20 interaktiven Galerieräumen wird die Geschichte der irischen Auswanderer vom Mittelalter bis heute nachgezeichnet – und gezeigt, wie eine kleine Insel Wissenschaft, Politik, Sport und Kultur auf allen Kontinenten geprägt hat.
Fakten im Überblick
- Lage
- The CHQ Building, Custom House Quay, Dublin 1 — Dublin Docklands
- Anfahrt
- George's Dock (Luas Red Line); kurzer Fußweg vom Busbahnhof Busáras und vom Bahnhof Connolly (DART/Fernzug)
- Zeitbedarf
- 2 bis 3 Stunden für einen ausgiebigen Besuch
- Kosten
- Erwachsene 22 €, Kinder 11 €, Senioren 19 € (aktuelle Preise vor dem Besuch auf epicchq.com prüfen)
- Am besten für
- Geschichtsinteressierte, Menschen auf der Suche nach ihren irischen Wurzeln, Familien mit älteren Kindern
- Offizielle Website
- epicchq.com

Was ist das EPIC The Irish Emigration Museum?
Das EPIC The Irish Emigration Museum eröffnete im Mai 2016 in den Gewölben des CHQ-Gebäudes – einem rund 200 Jahre alten Gusseisenlagerhaus am Custom House Quay in Dublins Docklands. Das Kürzel EPIC steht für den Anspruch des Museums: Hier geht es nicht um eine schlichte Chronik von Armut und Abschied, sondern um ein globales Argument über Einfluss, Identität und das, was passiert, wenn eine kleine Insel ihre Bevölkerung über die ganze Welt verteilt.
Das Museum widmet sich rund 10 Millionen irischen Auswanderern, die Irland über mehrere Jahrhunderte verließen, und verfolgt ihre Spuren durch 20 thematische Galerieräume. Die Themen reichen von mittelalterlichen irischen Mönchen, die Island noch vor den Wikingern erreichten, bis hin zu modernen Sportlern, Musikern, Wissenschaftlern und Politikern mit irischen Wurzeln. Die Aufbereitung ist breit angelegt – in den meisten Räumen aber aufrichtig überraschend.
ℹ️ Gut zu wissen
Öffnungszeiten: täglich in der Regel von 10:00 bis 18:45 Uhr, letzter Einlass um 17:00 Uhr. Im Juni, Juli und August öffnet das Museum bereits um 9:00 Uhr. Aktuelle Zeiten vor dem Besuch auf epicchq.com prüfen, da sie sich ändern können.
Das Gebäude: Warum die Gewölbe so wichtig sind
Das CHQ-Gebäude wurde um 1820 als Zolllager für Tabak und Wein errichtet – und seine steinernen Tonnengewölbe sind ein wesentlicher Teil des EPIC-Erlebnisses. Wenn man in die untere Etage hinabsteigt, bewegt man sich durch niedrige Rundbögen, dicke Sandsteinwände und schwere Eisensäulen. Die Temperatur sinkt spürbar, die Akustik verändert sich. Das Gebäude war einst ein Durchgangsort für Waren, die auf dem Weg woanders hin waren – eine stille, treffende Kulisse für ein Museum über Menschen, denen es genauso erging.
Der Kontrast zwischen der historischen Steinhülle und den weitgehend digital-interaktiven Galerieräumen ist unmittelbar. Manche Besucher empfinden die Kombination als stimmig, anderen wirkt sie merkwürdig. Was feststeht: Die Architektur allein verleiht dem Ort eine Schwere und Beständigkeit, die ein eigens gebautes Ausstellungsgebäude kaum erreichen würde. Der Blick von außen über den Kai fällt auf die Samuel-Beckett-Brücke und die Docklands-Skyline – das CHQ ist ein natürlicher Ankerpunkt in diesem Stadtteil.
Das Gebäude liegt am Rand eines der am stärksten veränderten Viertel Dublins. Das umliegende Docklands-Viertel wurde seit den 1990er Jahren stark umgestaltet; das CHQ ist heute von Tech-Firmenbüros, Wohngebäuden und dem offenen Wasser des George's Dock umgeben. Es fühlt sich nicht wie das alte Dublin an – das ist gut zu wissen, bevor man hinkommt.
Durch die 20 Galerien
Der Rundgang durch das EPIC ist linear und gut ausgeschildert, sodass man den Faden der Erzählung kaum verlieren kann. Die Galerieräume widmen sich Themen wie den Ursachen der Auswanderung (Hungersnot, wirtschaftliche Not, politische Verfolgung), der Überfahrt selbst, der Ankunft in Amerika, Australien, Argentinien und Großbritannien sowie den nachfolgenden Generationen, die diese neuen Heimatländer mitprägten.
Die Präsentation ist stark interaktiv. Die meisten Stationen sind touchscreenbasiert und bieten Videozeugnisse, animierte Karten mit Auswanderungsströmen nach Jahrzehnt und durchsuchbare Familiennamen-Datenbanken. Kinder, die alt genug sind, um zu lesen und mit Bildschirmen umzugehen, sind meistens wirklich begeistert. Jüngere Kinder verlieren in den textlastigeren Räumen möglicherweise die Geduld, aber mehrere Galerien haben Audio- und Bildelemente, die eine breitere Aufmerksamkeit halten.
Besonders eindrucksvoll sind der Raum über den irischen Einfluss auf die amerikanische Politik – wo die Liste der US-Präsidenten mit dokumentierten irischen Wurzeln im vollen Kontext gezeigt wird – sowie der Bereich zu Wissenschaft und Innovation, der Persönlichkeiten von Ernest Walton (dem ersten Menschen, der künstlich ein Atom spaltete) bis hin zu neueren Forschern mit irischen Wurzeln vorstellt. Die Sportgalerie ist sehr beliebt und hält Besucher oft lange auf – besonders bei Exponaten zu Boxen, Leichtathletik und der GAA-Diaspora.
💡 Lokaler Tipp
Plane mindestens 2 Stunden ein. Viele Besucher unterschätzen, wie viel Lesen und Interagieren die Galerien erfordern. Wer hetzt, verliert die Nuancen – und plötzlich fühlt sich das Ganze eher wie eine Abfolge von Infotafeln an als wie eine zusammenhängende Geschichte.
Tageszeit: Wann du kommen solltest und was sich ändert
Morgens – besonders an Wochentagen vor 11:30 Uhr – ist es merklich ruhiger. Die Gewölberäume sind nicht sonderlich groß, und die Touchscreen-Stationen werden schnell ungemütlich, sobald Schulgruppen eintreffen. Am späten Vormittag an Wochenenden kann es am Eingang zu Warteschlangen kommen, die sich aber in der Regel schnell auflösen. Der belebteste Zeitraum ist nachmittags zwischen 13:00 und 15:00 Uhr.
Da das Museum unterirdisch liegt, spielt natürliches Licht so gut wie keine Rolle – das Erlebnis ist also wetterunabhängig und konstant. Das macht das EPIC zu einer logischen Wahl für einen verregneten Dubliner Nachmittag; gleichzeitig gibt es keinen visuellen Mehrwert, ob man bei schönem oder bewölktem Wetter kommt. Die Atmosphäre im Museum ist das ganze Jahr über in sich geschlossen und klimatisch kontrolliert.
Wer Dublin im Sommer besucht und das Museum um 9:00 Uhr öffnet, hat bei Einlass die ersten beiden Galerieabschnitte fast für sich allein. Ab 10:30 Uhr wird es spürbar voller – besonders im Juli und August, wenn Gruppenführungen zunehmen.
Praktisches: Anreise, Tickets und Barrierefreiheit
Das EPIC befindet sich am Custom House Quay, Dublin 1. Die nächste Luas-Haltestelle ist George's Dock auf der Red Line, ein kurzer Fußweg vom Museumseingang entfernt. Der Bahnhof Connolly (DART und Fernzug) liegt in der Nähe, und auch Busáras, Dublins zentraler Busbahnhof, ist zu Fuß erreichbar. Das Gelände ist flach, und der Weg von jeder dieser Haltestellen ist unkompliziert.
Tickets können online über die offizielle Website epicchq.com gebucht werden – in den Sommermonaten ist das empfehlenswert, um mögliche Wartezeiten an der Kasse zu vermeiden. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes kosten Erwachsenentickets 22 €, Kinder zahlen 11 € und Senioren 19 €. Aktuelle Preise vor dem Besuch prüfen, da sie sich ändern können. Kombinationstickets mit dem Segelschiff Jeanie Johnston, das in der Nähe am Kai liegt, sind manchmal erhältlich und einen Blick wert.
Der Museumseingang führt eine Stufe hinab in die Gewölbe. Wer besondere Anforderungen an die Barrierefreiheit hat, sollte die offizielle Website prüfen oder das Museum vorab direkt kontaktieren. Fotografieren ist im Inneren generell ohne Blitz erlaubt. Das Segelschiff Jeanie Johnston liegt nur wenige Schritte entfernt und ergibt eine natürliche Kombination für einen halben Tag in den Docklands.
Ehrliche Einschätzung: Was funktioniert – und was nicht
Das EPIC macht einige Dinge ungewöhnlich gut. Die Perspektive, Auswanderung nicht nur als Verlust, sondern als Geschichte des Beitrags zu erzählen, ist wirklich erfrischend – und die Datenbank-Tools zur Familiennamenssuche geben dem Museum eine persönliche Dimension, die klassische Geschichtsmuseen selten bieten. Die Produktionsqualität ist hoch, und das Personal geht auf Besucherfragen spürbar engagiert ein.
Weniger überzeugend ist die inhaltliche Tiefe. Das Format mit 20 Galerien deckt ein riesiges Themenfeld ab, und manche Räume wirken eher wie ausgedehnte Highlight-Reels als wie durchdachte Argumentationsstränge. Die Galerie über irische Auswanderer in Großbritannien zum Beispiel behandelt eine Gemeinschaft von Millionen Menschen über Jahrhunderte auf vergleichsweise engem Raum. Wer mit Fachkenntnissen zu einem bestimmten Zeitraum oder einer bestimmten Region ankommt, könnte einzelne Abschnitte dünn finden.
Das Museum ist zudem hauptsächlich auf englischsprachige Inhalte ausgerichtet. Internationale Besucher ohne gute Englischkenntnisse werden aus der touchscreen-lastigen Präsentation weniger mitnehmen als aus einer stärker visuell oder auditiv gestalteten Ausstellung. Und bei 22 € für Erwachsene liegt das EPIC am oberen Ende der Dubliner Museumstarife – zumal mehrere große nationale Museen in der Stadt kostenlos zugänglich sind.
Wer sich allgemein für irische Geschichte interessiert, für den funktioniert das EPIC am besten in Kombination mit anderen Orten – nicht als alleiniger Besuch. Eine Kombination mit dem Glasnevin Cemetery Museum oder dem Kilmainham Gaol gibt der Auswanderungsgeschichte einen tieferen politischen und gesellschaftlichen Kontext.
Für wen sich das Museum nicht lohnt
Wer tiefgehende Archivforschung oder historische Interpretationen auf wissenschaftlichem Niveau sucht, wird das Angebot wahrscheinlich zu oberflächlich finden. Das Museum ist für ein breites Publikum konzipiert und funktioniert am besten bei Besuchern, die mit Neugier, aber ohne Vorwissen ankommen. Sehr junge Kinder werden mit dem text- und bildschirmdominierten Format ihre Schwierigkeiten haben. Wer auf sein Budget achtet, könnte den Eintrittspreis von 22 € gegen die kostenlosen Nationalmuseen in der Kildare Street abwägen – und dort möglicherweise besser aufgehoben sein.
Reisende, die sich hauptsächlich für mittelalterliche oder frühe irische Geschichte interessieren, sind im Nationalmuseum für Archäologie besser aufgehoben – das deckt die irische Zivilisation vor der Auswanderungszeit in weitaus größerer Tiefe ab, und das Eintrittslos.
Insider-Tipps
- Im Juli und August solltest du Tickets am besten im Voraus online buchen. Zu Stoßzeiten können Warteschlangen 20 bis 30 Minuten kosten – und online gibt es manchmal sogar kleine Rabatte.
- Im Erdgeschoss des CHQ-Gebäudes befinden sich ein Café und ein Shop, die sich auch unabhängig vom Museum lohnen. Der Shop führt Genealogie-Ressourcen und lokale Bücher, die man anderswo in der Stadt kaum findet.
- Falls du irische Vorfahren hast, lohnt es sich, die Familiennamen-Datenbank des Museums schon vor dem Besuch auszuprobieren – und mit einem Nachnamen im Gepäck anzukommen. Das Tool macht deutlich mehr Spaß, wenn man ein persönliches Interesse an den Ergebnissen hat.
- George's Dock direkt vor dem Museum ist einer der ruhigeren Orte in der Dubliner Innenstadt, um am Wasser zu sitzen. Wenn du den Museumsbesuch mit 20 Minuten am Dock kombinierst – davor oder danach – bekommt der Docklands-Ausflug einen schöneren Abschluss.
- Die Ausstellungsfläche im Erdgeschoss beherbergt manchmal Sonderausstellungen und Veranstaltungen, die nicht immer auf der Hauptwebsite erscheinen. Schau vor deinem Besuch in den Bereich 'What's On' auf epicchq.com.
Für wen ist EPIC The Irish Emigration Museum geeignet?
- Besucher, die ihre irischen Familienroots oder Nachnamengeschichte erforschen möchten
- Kultur- und Geschichtsreisende, die ein gut produziertes, englischsprachiges Narrativmuseum suchen
- Familien mit Kindern ab 10 Jahren, die sich mit interaktiven Bildschirminhalten auseinandersetzen können
- Erstbesucher in Dublin, die einen Überblick über Irlands globalen Kultureinfluss gewinnen wollen
- Reisende, die die Docklands erkunden und mehrere Sehenswürdigkeiten am Kai an einem Nachmittag kombinieren
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Docklands & Grand Canal Dock:
- Bord Gáis Energy Theatre
Das von Daniel Libeskind entworfene und 2010 eröffnete Bord Gáis Energy Theatre ist Irlands größtes Theater und prägt den neu gestalteten Grand Canal Square in den Docklands. Von West-End-Produktionen über Oper bis hin zu Live-Konzerten zieht es große internationale Inszenierungen in eines der architektonisch beeindruckendsten Gebäude Dublins.
- Custom House
Das Custom House ist Dublins bedeutendstes neoklassizistisches Gebäude, seit den 1780er Jahren am Nordufer des River Liffey gelegen und 1791 fertiggestellt. Von James Gandon entworfen, 1921 in Brand gesteckt und sorgfältig restauriert, vereint es zwei Jahrhunderte irischer Verwaltungs- und Politikgeschichte hinter einer 100 Meter langen Portland-Steinfassade. Eintrittskarten für das Visitor Centre beginnen bei €3 für Kinder und Studenten (Selbstführung).
- Grand Canal Dock
Einst der größte Dock der Welt, dann jahrzehntelang dem Verfall überlassen – heute ist der Grand Canal Dock einer der architektonisch beeindruckendsten öffentlichen Räume Dublins. Das Becken, die Kais und die umliegenden Plätze sind frei zugänglich und zeigen eine ruhigere, zeitgenössische Seite der Stadt.
- Jeanie Johnston Tall Ship & Famine Museum
Am Custom House Quay in Dublins Docklands liegt die Jeanie Johnston – ein originalgetreues Nachbau der Bark von 1847, die über 2.500 irische Auswanderer ohne einen einzigen Todesfall nach Nordamerika brachte. Geführte Touren führen die Besucher unter Deck in die beengten Quartiere der Passagiere und lassen die Dimension der Großen Hungersnot unmittelbar spürbar werden.