Augarten Wien: Der älteste Barockpark der Stadt
Der Augarten ist Wiens ältester Barockpark – ein 52,2 Hektar großes öffentliches Grüngelände in der Leopoldstadt, das seit 1775 allen offensteht. Neben formellen Alleen und weitläufigen Rasenflächen beherbergt er die Wiener Porzellanmanufaktur, ein zeitgenössisches Kunstzentrum und zwei mächtige Flaktürme aus dem Zweiten Weltkrieg, die diesen Park zu einem der historisch vielschichtigsten in ganz Europa machen.
Fakten im Überblick
- Lage
- Obere Augartenstraße 1, 1020 Wien (Leopoldstadt, 2. Bezirk)
- Anfahrt
- U2 Taborstraße, Straßenbahn 31, Bus 5A/5B
- Zeitbedarf
- 1–3 Stunden, je nach Interessen
- Kosten
- Park: kostenlos. Führung durch die Porzellanmanufaktur: 21 € (19 € mit der Wien City Card)
- Am besten für
- Frühaufsteher, Geschichtsinteressierte, Designfans, Familien mit Bewegungsdrang
- Offizielle Website
- www.bundesgaerten.at/augarten.html

Was der Augarten wirklich ist
Der Augarten ist kein aufgehübschtes Vorzeigeobjekt. Es ist ein Park, der wirklich genutzt wird – im besten Sinne: Anwohner kommen mit ihren Hunden, Kinder kicken Bälle, und Jogger drehen ihre Runden auf den langen Mittelachsen im Morgengrauen. Mit 52,2 Hektar gehört er zu den größten innerstädtischen Grünflächen Wiens – und er trägt mehr Geschichte pro Quadratmeter als fast jeder andere Park des Landes.
Die Anlage wurde im französischen Barockstil gestaltet, mit geraden, von Bäumen gesäumten Wegen, die sich von zentralen Achsen aus erstrecken. Kaiser Joseph II. öffnete den Park 1775 für die Öffentlichkeit und machte ihn damit zum ältesten Barockpark Wiens, der gewöhnlichen Bürgern zugänglich war – eine bedeutende Geste in einer Zeit, in der kaiserliche Anlagen streng kontrolliert wurden. Dieser offene Geist ist bis heute spürbar: keine Zäune, keine Einlasskontrollen, keine Absperrungen.
Der Park liegt im Bezirk Leopoldstadt, knapp nördlich des Donaukanals und gut zu Fuß vom Stadtzentrum erreichbar. Es ist genau der Ort, den Wiener ganz selbstverständlich aufsuchen – ohne ihn als Ausflugsziel zu betrachten. Und genau das macht ihn für Besucher interessant.
ℹ️ Gut zu wissen
Der Park hat saisonale Öffnungszeiten. Wien.info gibt die Zeiten mit 10:00–17:00 Uhr an; sonntags und an Feiertagen bleibt er geschlossen. Überprüfe die aktuellen Zeiten vor deinem Besuch, da sie sich je nach Saison ändern können.
Die zwei Flaktürme: das Wahrzeichen, über das kaum jemand spricht
Wer weit genug in den Park hineinspaziert, wird sie sehen: zwei mächtige Betontürme, jeweils rund 55 Meter hoch, die über das Blätterdach ragen. Es handelt sich um den G-Turm (Gefechtsturm) und den L-Turm (Leitturm) aus Wiens Flakturm-System aus dem Zweiten Weltkrieg, das zwischen 1944 und 1945 während der NS-Besatzung errichtet wurde. Sie gehören zu sechs solcher Bauwerke, die in Wien noch stehen – und das Augarten-Paar ist wohl das eindrucksvollste, gerade weil der Kontrast so stark ist: barocke Symmetrie unten, brutale Kriegsarchitektur oben.
Die Türme sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Alle Abbruchversuche scheiterten bislang, weil Kosten und bautechnische Komplexität zu hoch sind. Ihre Präsenz mitten im öffentlichen Park ist kein Gedenkzeichen – sie sind schlicht ein ungelöstes Stück Geschichte. Unter einem dieser Türme zu stehen und den Blick an dem rauen, schmucklosen Beton hochzuziehen, ist eine andere Art von historischer Erfahrung als jedes Museum sie bieten kann.
Wer sich für Wiens Geschichte im Zweiten Weltkrieg interessiert, findet in den Türmen einen nützlichen Kontext zu anderen Gedenkorten. Der Wien-Reiseführer zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs bietet das große Bild dazu.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
Imperial Vienna 72-hour hop-on hop-off bus
Ab 55 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungSkip-the-Line Entrance with Guide to Schonbrunn Palace and Gardens
Ab 45 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungLuggage Storage in Vienna
Ab 6 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungStrauss Dinner Show
Ab 99 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Wie sich der Park im Tagesverlauf verändert
Am frühen Morgen gehört der Augarten dem Viertel. Zwischen 7:00 und 9:00 Uhr füllen sich die langen, geraden Wege mit Joggern, Radfahrern und Hundebesitzern. Das Licht fällt flach und grün durch die Kastanien- und Lindenbäume, die Luft riecht nach feuchtem Gras, und der Park ist fast vollständig still. Wer verstehen will, warum die Wiener diesen Ort so schätzen, sollte genau zu dieser Stunde hier sein.
Am späten Vormittag, besonders an Wochentagen, belebt sich der Park: Familien mit kleinen Kindern nutzen die Rasenflächen, gelegentlich zieht eine Schulklasse durch, und erste Besucher tauchen am Eingang der Manufaktur auf. Im Sommer werden die Grasflächen ab dem frühen Nachmittag zu improvisierten Picknickplätzen. An Wochenenden ist deutlich mehr los – aber der Park ist groß genug, dass es selten wirklich voll wirkt.
Der späte Herbstnachmittag, wenn die Kastanienblätter auf die Schotterwege fallen, ist wohl die fotogenste Zeit für einen Besuch. Die formellen Alleen wirken in diesem Licht und in dieser Jahreszeit besonders eindrucksvoll. Im Winter ist der Park atmosphärisch, aber karg – kalt, still und für einen kurzen Spaziergang lohnenswert, wenn man ohnehin in der Gegend ist, aber kein eigenes Reiseziel.
💡 Lokaler Tipp
Die lange Mittelachse des Parks eignet sich am frühen Morgen oder am späten Nachmittag besonders gut für Fotos, wenn das Licht schräg durch die Bäume fällt. Am besten ein Weitwinkelobjektiv mitbringen – die Allee ist lang und symmetrisch.
Die Wiener Porzellanmanufaktur
Am nördlichen Rand des Parks befindet sich die Augarten Porzellanmanufaktur, gegründet 1718 und eine der ältesten Porzellanmanufakturen Europas. Sie ist noch immer in Betrieb und produziert handbemalte Stücke in der Wiener Tradition. Eine geführte Tour (21 €, bzw. 19 € mit der Wien City Card) führt durch die Produktionswerkstätten, wo man den Handwerkern beim Bemalen und Veredeln der Stücke zusehen kann.
Die Führung ist den Eintrittspreis wirklich wert, wenn man sich für Handwerk, Designgeschichte oder die habsburgische Dekorationskunst interessiert. Der Rahmen ist überschaubar, der Zugang nah und die Guides kennen sich sowohl mit den Techniken als auch mit der Geschichte gut aus. Das ist kein Showprogramm – das ist eine echte Werkstatt, und was dort passiert, ist real.
Im Shop vor Ort sind aktuelle Produktionsstücke erhältlich. Die Preise spiegeln die handwerkliche Qualität wider und sind nicht günstig – aber die Stücke sind authentisch und direkt auf die Werkstatt zurückzuführen, durch die du gerade gegangen bist. Wer sich allgemein für Wiener Design interessiert, kann diesen Besuch gut mit einem Abstecher ins Museum für angewandte Kunst verbinden.
Das Museum für angewandte Kunst (MAK) ist etwa 20 Straßenbahnminuten südlich gelegen und zeigt angewandte Kunst über einen weit größeren Zeitraum – ein natürlicher Ergänzungsbesuch.
Zeitgenössische Kunst: Augarten Contemporary
Im Park befindet sich außerdem Augarten Contemporary, ein Satellitenausstellungsraum der Belvedere-Museumsgruppe. Er ist in einem barocken Orangeriegebäude untergebracht und zeigt wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Das Programm ist in der Regel kleiner als in den Haupthäusern des Belvedere, und das Ambiente – ein formaler Gartenbau, der für moderne Kunst umgenutzt wurde – erzeugt eine ungewöhnliche visuelle Spannung, die die Kuratoren bewusst einsetzen.
Öffnungszeiten und aktuelle Ausstellungen sollten direkt beim Belvedere geprüft werden, da das Programm saisonal ist und der Raum nicht durchgehend geöffnet hat. Plane keinen Besuch ausschließlich dafür ein, ohne es vorher zu bestätigen.
Wer einen kunstfokussierten Tag plant, sollte das Obere Belvedere mit seiner Hauptsammlung als verlässlicheren Ankerpunkt wählen und Augarten Contemporary als Ergänzung einplanen, wenn es zeitlich passt.
Anreise und praktische Hinweise
Am einfachsten geht es mit der U2 bis Taborstraße – von dort sind es rund 10 Minuten zu Fuß nach Norden bis zum Parkeingang an der Oberen Augartenstraße. Die Straßenbahn 31 hält ebenfalls in der Nähe, und die Buslinien 5A und 5B bedienen das Gebiet. Vom Stadtzentrum (1. Bezirk) aus lässt sich der Park auch gut zu Fuß erreichen – über den Donaukanal sind es vom Schwedenplatz rund 20 Minuten.
Die Parkwege sind eben und überwiegend geschottert, gut befahrbar mit Kinderwagen und den meisten Mobilitätshilfen. Die barocken Alleen sind breit und gleichmäßig. Die Führung durch die Manufaktur kann Stufen beinhalten – bei Bedarf direkt dort nach barrierefreiem Zugang fragen.
Im Park selbst gibt es keine größeren Cafés oder Restaurants. In den wärmeren Monaten ist manchmal ein kleiner Kiosk nahe dem Haupteingang geöffnet. Für einen richtigen Kaffee danach bieten sich die Optionen entlang der Taborstraße oder in Richtung Donaukanal an. Die echte Wiener Kaffeehauskultur erlebt man am besten etwas weiter im Stadtzentrum.
⚠️ Besser meiden
Der Park ist sonntags und an Feiertagen geschlossen. Die aktuellen Öffnungszeiten solltest du vor deinem Besuch über wien.info oder bundesgaerten.at prüfen – besonders wenn du die Manufakturführung einplanst, die nach einem eigenen Zeitplan läuft.
Für wen der Augarten vielleicht nicht das Richtige ist
Wer Wien nur kurz besucht und die großen kaiserlichen Sehenswürdigkeiten abhaken möchte, ist hier wahrscheinlich nicht optimal aufgehoben. Die Schlossgärten von Schönbrunn und das Belvedere-Areal sind visuell beeindruckender und besser für Touristen ausgestattet. Der Augarten erschließt sich denen, die neugierig sind und sich Zeit lassen – ein klassisches Highlight ist er nicht.
Wer gepflegte Beete und farbenfrohe Bepflanzung erwartet, wird ebenfalls etwas enttäuscht sein. Der Park wirkt naturnaher, als sein barocker Ursprung vermuten lässt, und das dominierende Farbschema ist Grün in allen Schattierungen. Was den Augarten ausmacht, ist seine Atmosphäre, seine Geschichte und das besondere Gefühl, an einem Ort zu sein, der nicht für den Tourismus hergerichtet wurde.
Insider-Tipps
- Betritt den Park durch das Tor an der Oberen Augartenstraße – von dort eröffnet sich sofort der längste und eindrucksvollste Blick entlang der barocken Allee.
- Die Flaktürme sind im Winter und frühen Frühling am besten zu sehen, bevor das Blätterdach sich schließt. Im Sommer musst du direkt davor stehen, um ihr wahres Ausmaß zu begreifen.
- Buche die Führung durch die Porzellanmanufaktur im Voraus, besonders im Sommer und rund um Feiertage. Ein spontaner Besuch ohne Reservierung ist nicht garantiert möglich.
- Der Augarten dient dem Wiener Sängerknaben als Probenort – ihr Zuhause, das Palais Augarten, liegt auf dem Parkgelände, ist aber nicht für Besucher zugänglich.
- Bring eigene Verpflegung mit, wenn du länger im Park bleiben möchtest. Der Kiosk im Inneren ist saisonal und nicht verlässlich geöffnet. Die langen Alleen eignen sich hervorragend für ein Picknick an einem trockenen Tag.
Für wen ist Augarten geeignet?
- Reisende, die sehen wollen, wie Wiener ihren Alltag außerhalb der Touristenrouten leben
- Geschichtsinteressierte, die sich für die Infrastruktur des Zweiten Weltkriegs und die vielschichtige Stadtgeschichte begeistern
- Design- und Kunsthandwerksliebhaber, die die Wiener Porzellankunst in ihrer ursprünglichen Werkstatt erleben möchten
- Familien, die offene Freiflächen ohne Eintrittsgebühren suchen
- Fotografen, die symmetrische Barockkompositionen ohne das Gedränge von Schönbrunn suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Leopoldstadt (2. Bezirk):
- Prater
Der Wiener Prater ist einer der großen Stadtparks Europas: 6 Quadratkilometer Kastanienalleen, Wiesen und ein lebendiger Vergnügungspark, der die Wienerinnen und Wiener seit dem 18. Jahrhundert unterhält. Der Eintritt ist frei, das Riesenrad prägt die Skyline, und die Hauptallee gehört zu den schönsten Rad- und Fußwegen jeder europäischen Hauptstadt.
- Wiener Riesenrad
Seit 1897 dreht sich das Wiener Riesenrad 64,75 Meter über dem Prater – eines der ältesten noch betriebenen Riesenräder Europas und eines der markantesten Wahrzeichen Wiens. Dieser Guide erklärt, wie sich die Fahrt anfühlt, wann man am besten hingeht, wie man hinkommt und ob der Preis gerechtfertigt ist.