Lohnt sich Malta? Eine ehrliche Einschätzung für Erstbesucher
Malta vereint prähistorische Tempel, Barock-Stadtbilder, kristallklares Tauchwasser und überraschend gutes Essen auf nur 316 Quadratkilometern. Doch Sommermassen, felsige Strände und steigende Preise geben manchen Reisenden zu denken. Hier erfährst du, was dich wirklich erwartet.

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Kurzfassung
- Malta lohnt sich vor allem für Geschichtsbegeisterte, Taucher und Kulturliebhaber – wer hauptsächlich Sandstrände sucht, wird enttäuscht sein.
- April bis Juni und September bis Oktober sind die besten Reisemonate: angenehme Temperaturen (20–28 °C), weniger Touristenströme und günstigere Hotelpreise. Alle Details findest du im Guide zur besten Reisezeit für Malta.
- Die Inseln sind klein genug, um sie in einer Woche mit dem Bus (ab 2 €) zu erkunden – aber Sommerhitze und Touristenmassen im Juli und August können die Geduld strapazieren.
- Englisch ist Amtssprache, das Leitungswasser ist trinkbar, und die Kriminalitätsrate ist niedrig – für englischsprachige Reisende ist Malta logistisch denkbar unkompliziert.
- Gozo und Comino verleihen jeder Reise einen völlig anderen Charakter. Im Gozo-Reiseführer erfährst du, was die kleineren Inseln zu bieten haben.
Was Malta wirklich ist – und was nicht

Die Republik Malta ist ein kleiner souveräner Inselstaat mitten im Mittelmeer, etwa 80 km südlich von Sizilien und 284 km östlich von Tunesien. Das Land erstreckt sich über nur 316 Quadratkilometer auf drei bewohnten Inseln: Malta, Gozo und Comino. Mit rund 570.000 Einwohnern gehört Malta zu den am dichtesten besiedelten Ländern der Welt. Es gilt der Euro, die Zeitzone ist Mitteleuropäische Zeit, und es gibt zwei Amtssprachen: Maltesisch und Englisch. Auch Italienisch ist weit verbreitet – etwa 62 bis 66 % der Bevölkerung sprechen es.
Das Wichtigste vorab: Malta ist kein klassisches Strandreiseziel. Wer sich lange weiße Sandstrände und flaches türkisfarbenes Wasser vorstellt, sollte die Erwartungen anpassen. Die Küste besteht überwiegend aus felsigem Kalkstein, und die wenigen Sandstrände – Golden Bay, Mellieħa Bay und Ramla Bay auf Gozo – sind von Juni bis August heillos überfüllt. Was Malta stattdessen bietet, ist eine außergewöhnliche Dichte an Geschichte, Architektur und Unterwasserwelten auf engstem Raum – und diese Kombination findet man im Mittelmeer nur selten.
ℹ️ Gut zu wissen
Vallettas UNESCO-Hauptstadt ist die kleinste EU-Hauptstadt nach Fläche und Einwohnerzahl – und enthält dennoch mehr als 320 Denkmäler auf weniger als einem Quadratkilometer. Das sagt schon viel über die Inseln insgesamt aus.
Die überzeugenden Gründe für eine Reise nach Malta

Die Geschichte hier ist schlichtweg weltklasse. Maltas prähistorische Tempel, darunter Ħaġar Qim und die Mnajdra-Tempel, sind jahrhunderteälter als Stonehenge und die ägyptischen Pyramiden. Das Ħal Saflieni Hypogäum in Paola ist eine 5.500 Jahre alte unterirdische Nekropole, die in Europa wirklich einmalig ist. Der Zugang ist streng auf 80 Besucher pro Tag begrenzt – also möglichst Monate im Voraus buchen.
Über die Vorgeschichte hinaus hinterließen die Johanniter barocke Festungsanlagen und Paläste, die die Skyline bis heute prägen. Vallettas St.-Johannis-Kokathedral beherbergt zwei Gemälde von Caravaggio und so dicht verzierte Marmorgrabplatten, dass sie den gesamten Boden wie ein zusammenhängendes Mosaik bedecken. Die befestigte mittelalterliche Stadt Mdina, besiedelt um 700 v. Chr., thront auf einem Hügelrücken mit Aussicht über fast die gesamte Insel. Das sind keine Kuriosität am Rande – das sind echte Welterbestätten.
- Tauchen und Schnorcheln Über 120 Tauchplätze mit einer Sichtweite von oft mehr als 30 Metern. Das Blue Hole auf Gozo gehört zu Europas besten Wandtauchgängen. Ganzjährige Wassertemperaturen (16–27 °C) machen das Tauchen in jeder Jahreszeit möglich.
- Kein Sprachproblem Englisch ist Amtssprache und wird überall gesprochen. Schilder, Speisekarten und Transport-Apps funktionieren auf Englisch. Das macht Malta für Erstbesucher, die auf eigene Faust reisen, besonders unkompliziert.
- Kompakte Größe Die Hauptinsel Malta ist etwa 27 km lang. Eine Woche reicht, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ohne Hetze zu erkunden. Fast überall kommt man mit dem Bus für 2 € pro Fahrt hin.
- Esskultur Die maltesische Küche vereint arabische, sizilianische und britische Einflüsse. Pastizzi – blätterteiggebäck mit Ricotta oder Erbsenpüree – kosten etwa 0,30–0,50 € pro Stück. Frischer Fisch auf dem Sonntagsmarkt in Marsaxlokk ist ein echtes Highlight.
- Sicherheit und Praktisches Malta zählt regelmäßig zu den sichersten Ländern Europas. Das Leitungswasser ist trinkbar. Die medizinische Versorgung ist gut. Der Notruf lautet 112.
Die ehrlichen Nachteile, die du kennen solltest

Der maltesische Sommer (Juni bis August) hat zwei unangenehme Seiten: Hitze und Menschenmassen. Die Temperaturen erreichen regelmäßig 32 °C bei hoher Luftfeuchtigkeit, und die engen Gassen von Valletta oder Mdina können sich mittags geradezu erdrückend anfühlen. Dazu kommen explodierende Übernachtungspreise, und beliebte Orte wie die Blaue Lagune auf Comino werden durch das schiere Ausflugstouristenvolumen richtig unangenehm. Auch Baulärm in Touristengebieten ist ein wiederkehrendes Thema bei Reisenden, die sich eine beschauliche Mittelmeeridylle vorgestellt hatten.
Die Strandsituation verdient einen ehrlichen Blick. Malta hat 82 Strände, die nach EU-Wasserqualitätsstandards als „ausgezeichnet" eingestuft sind, und 12 Blaue-Flagge-Strände (Stand 2023). Doch der Großteil der Küstenlinie ist felsig, und die Sandstrände sind in der Hochsaison schlicht zu klein für den Ansturm. Faule Strandtage sind möglich – aber du musst den Besuchszeitpunkt gut wählen oder die Menschenmassen als Teil des Erlebnisses akzeptieren.
⚠️ Besser meiden
Die Blaue Lagune auf Comino gehört zu den meistfotografierten Orten Maltas – im Juli und August ist sie jedoch von Tagestouristen regelrecht überschwemmt. Wenn du in der Hochsaison kommst, nimm die frühestmögliche Fähre und verlasse den Ort vor dem Mittag. In der Nebensaison ist es dort wirklich wunderschön.
Malta ist in den letzten fünf Jahren spürbar teurer geworden. Mittelklasse-Hotelzimmer in Valletta oder Sliema kosten in der Hochsaison 100–200 € pro Nacht. Restaurantmahlzeiten in touristischen Gegenden sind auf westeuropäischem Preisniveau, wenngleich lokale Bäckereien und Dorfcafés erschwinglich bleiben. Für Budgetreisende ist es noch machbar, aber das einstige Schnäppchen-Image ist längst Geschichte.
- In der Hochsaison überschätzt: die Blaue Lagune, Mdina mittags im Juli, jeder Strand an einem Sommerwochenende
- Auf belebten Stränden auf die Wertsachen achten – Taschendiebstahl aus unbeaufsichtigten Taschen kommt vor, Gewaltkriminalität ist aber selten
- Autofahren in Malta erfordert Geduld: enge Straßen, uneinheitliche Beschilderung und ein durchsetzungsfreudiger Fahrstil der Einheimischen
- Viele Dörfer sind sonntags bis auf Gottesdienste praktisch geschlossen – das sollte man bei der Planung berücksichtigen
- Das Busnetz ist zwar weitreichend, kann im dichten Verkehr aber langsam und unzuverlässig sein
Wann reisen? Die Jahreszeiten im ehrlichen Vergleich

April bis Juni ist für die meisten Besucher das beste Reisefenster. Die Temperaturen liegen zwischen 20 und 28 °C, der Regen hält sich in Grenzen, und die Hochsaison hat noch nicht begonnen. Im Frühling blüht die Landschaft, was Ausflüge in die Natur und Wanderungen entlang der Klippen besonders reizvoll macht. Die Hotelpreise sind niedriger als im Sommer, und an wichtigen Sehenswürdigkeiten wartet man keine 45 Minuten.
September und Oktober sind genauso stark, und viele erfahrene Reisende bevorzugen diese Monate. Das Meer hat sich den ganzen Sommer über aufgewärmt (bis zu 26–27 °C), Schwimmen und Tauchen sind auf dem Höhepunkt, und die schlimmste Hitze ist vorbei. Im Oktober gibt es gelegentlich kurze Regenschauer, die eine Reise aber kaum beeinträchtigen.
Im Winter (Dezember bis Februar) liegen die Temperaturen bei 12–16 °C mit regelmäßigem Regen, und manche Strandinfrastruktur ist komplett geschlossen. Für geschichtsinteressierte Reisende ist es aber eine unterschätzte Jahreszeit. Sehenswürdigkeiten wie der Großmeisterpalast in Valletta und die Lascaris-Kriegsräume sind im Januar kaum besucht. Getaucht wird das ganze Jahr über, und der Karneval im Februar bringt echtes lokales Flair.
✨ Profi-Tipp
Malta hat rund 300 Sonnentage im Jahr – selbst in der Nebensaison ist das Wetter zuverlässig gut. Der entscheidende Faktor ist nicht der Sonnenschein, sondern das Touristenaufkommen. Plane nach dem Tourismuskalender, nicht nur nach der Wettervorhersage.
Für wen Malta am besten geeignet ist
Malta funktioniert hervorragend für Geschichts- und Archäologiebegeisterte, Taucher, Paare, die einen kurzen Kulturtrip suchen, sowie Familien, die Aktivität und Bildung verbinden möchten. Die englischsprachige Umgebung macht die Inseln besonders zugänglich für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum, die gut Englisch sprechen. EU- und Schengen-Passinhabern ist kein Visum erforderlich; US-amerikanische, kanadische und australische Staatsbürger können bis zu 90 Tage visumfrei im Schengen-Raum bleiben.
Für Paare bietet die Kombination aus Vallettas Architektur, Abendessen bei Kerzenlicht in den Drei Städten und Bootstouren nach Gozo ein genuines romantisches Reiseprogramm. Der Guide zu Malta für Paare enthält konkrete Empfehlungen. Familien mit Kindern haben mehr Möglichkeiten als erwartet: Popeye Village, das Malta National Aquarium und interaktive Museumserlebnisse wie im Fort St. Elmo funktionieren gut mit jüngeren Besuchern.
Weniger geeignet ist Malta für Reisende, deren Hauptziel ausgedehnte Strandentspannung ist, für Backpacker mit sehr knappem Budget (es gibt günstigere Alternativen im Mittelmeer) sowie für alle, die die unberührte Stille erwarten, die das ländliche Griechenland oder Kroatien bieten kann. Die Inseln sind klein, dicht besiedelt und in den Haupttouristenkorridoren zunehmend kommerziell geprägt.
Praktische Logistik: Anreise und Fortbewegung
Der Internationale Flughafen Malta (IATA: MLA) liegt etwa 8 km von Valletta entfernt. Die Fahrt in die Stadt ist unkompliziert: Die Expressbuslinie X1 kostet 2 € und braucht je nach Verkehr 40–60 Minuten. Taxis von offiziellen Taxiständen kosten 20–30 € und sind in 20–30 Minuten in der Stadt. Bolt und Uber sind in Malta ebenfalls aktiv und meist günstiger als herkömmliche Taxis.
Das öffentliche Busnetz deckt die Hauptinsel ab und verbindet auch die Gozo-Fähre in Ċirkewwa. Eine einfache Busfahrt kostet 2,50 €, und eine 7-Tage-Flatrate ist erhältlich, wenn du viel unterwegs bist. Alle Details zur Fortbewegung auf den Inseln findest du im Guide zur Fortbewegung in Malta – mit allem zu Bussen, Fähren, Taxis und Mietwagen. Ein Mietwagen gibt mehr Flexibilität, aber das Parken in Valletta und Mdina ist wirklich schwierig, und an den Fahrstil muss man sich erst gewöhnen.
💡 Lokaler Tipp
In Malta sind Typ-G-Stecker (dasselbe dreipolige System wie in Großbritannien) Standard. Wer aus Kontinentaleuropa anreist, braucht einen Adapter. Spannung: 230 V. Das Leitungswasser ist auf der gesamten Insel trinkbar.
Häufige Fragen
Lohnt sich Malta für nur 3–4 Tage?
Ja, ein verlängertes Wochenende reicht, wenn der Fokus auf Valletta, Mdina und einem Tagesausflug liegt. Gozo und Comino lassen sich in dieser Zeit nicht angemessen erkunden, aber die Highlights der Hauptinsel sind kompakt genug, um sie ohne Hetze zu sehen. Für das volle Bild sollte man eine Woche einplanen.
Ist Malta teuer im Vergleich zu anderen Mittelmeerzielen?
Malta liegt etwa im Mittelfeld. In der Hochsaison teurer als Griechenland oder Kroatien bei der Unterkunft, aber günstiger als Italien oder Frankreich. Für eine Mittelklassereise mit Unterkunft, Essen und Transport sollte man 80–120 € pro Tag einplanen. Straßenessen und lokale Bäckereien helfen, die Essenskosten zu senken.
Ist Malta sicher für Alleinreisende und Frauen, die alleine reisen?
Ja. Malta zählt regelmäßig zu den sichersten Ländern Europas. Gewaltkriminalität ist selten. Die größten Risiken sind Taschendiebstahl an überfüllten Stränden und gelegentlich aufdringliche Anmacher in der Nähe von Touristenattraktionen. Normale Aufmerksamkeit im Stadtbereich reicht – Alleinreisen gilt hier nicht als riskant.
Muss ich Maltesisch oder eine andere Sprache sprechen?
Nein. Englisch ist Mitamtssprache und wird überall gesprochen: in Geschäften, Restaurants, im Nahverkehr und bei Behörden. Als Englischsprecher wirst du keine Sprachbarriere erleben. Auf Gozo ist Italienisch nützlich, aber nicht notwendig.
Was ist in Malta überschätzt, das die meisten Reiseführer verschweigen?
Die Blaue Lagune im Sommer ist wegen der Massen überschätzt. Das bekannte Fischerdorf Marsaxlokk lohnt sich sonntags für den Fischmarkt – den Rest der Woche ist es deutlich ruhiger und weniger malerisch als Fotos vermuten lassen. Manche beliebten Aussichtspunkte in Valletta sind von Souvenirhändlern gesäumt, was das Erlebnis schmälert. Schon wenige Straßen abseits der Touristenpfade verbessert die Erfahrung spürbar.