Yandaixie Street: Pekings alte Tabakgasse

Die Yandaixie Street (烟袋斜街) gehört zu den ältesten erhaltenen Handelshutongs Pekings und erstreckt sich 232 Meter von der Di'anmenwai Street bis zur Yinding-Brücke. Mit über 800 Jahren Geschichte und einem Namen aus der Qing-Zeit, der auf die damaligen Tabakläden zurückgeht, bietet sie einen kompakten, kostenfreien Spaziergang durch Pekings Vergangenheit – mit kleinen Boutiquen, Teehäusern und Imbissständen.

Fakten im Überblick

Lage
Nr. 50, Di'anmenwai Street, Bezirk Xicheng, Peking
Anfahrt
Station Shichahai, Linie 8, Ausgang A2; dann ca. 6 Minuten nach Westen und Norden. Busse 5, 60, 82, 107, 124, 635 halten am Gulou (Trommelturm).
Zeitbedarf
30–60 Minuten für die Straße selbst; 2–3 Stunden, wenn du den Shichahai-See kombinierst
Kosten
Eintritt frei. Preise in Läden und an Imbissständen variieren.
Am besten für
Geschichtsbegeisterte, Fotografen, Peking-Erstbesucher und alle, die das Leben im Hutong kennenlernen möchten
Offizielle Website
english.visitbeijing.com.cn
Die Yandaixie Street in Peking an einem klaren Tag: ein traditionelles graues Hofportal, Ladenfronten und Fußgänger auf dem gepflasterten Hutong.
Photo EditQ (CC BY-SA 4.0) (wikimedia)

Was ist die Yandaixie Street?

Die Yandaixie Street, auf Chinesisch 烟袋斜街 geschrieben und manchmal als Yandai Xiejie oder Yandai Byway romanisiert, ist ein historischer Handelshutong im Pekinger Bezirk Xicheng. Mit 232 Metern Länge und einer Breite von etwa 5 bis 6 Metern gehört sie zu den kürzeren Fußgängergassen der Hauptstadt – ihre geschichtliche Tiefe steht jedoch in keinem Verhältnis zu ihrer Größe. Die Gasse verbindet im Süden die Di'anmenwai Street mit der Yinding-Brücke, die sich über den schmalen Kanal zwischen dem Qianhai- und dem Houhai-See wölbt – beides Teile des Shichahai-Seenviertels im Norden.

Die Gasse verläuft leicht diagonal, was für Pekings ansonsten geradliniges Hutong-System ungewöhnlich ist. Dieser Winkel, verkörpert im Schriftzeichen 斜 (xié, bedeutet schräg oder schief), prägt ihre Identität seit Jahrhunderten. Die Straße entstand während der Yuan-Dynastie, als sich das Gebiet rund um den Shichahai zu einem wichtigen Handels- und Verkehrsknoten entwickelte. Bis zur späten Qing-Dynastie war die Gasse bekannt für Läden, die Tabakbeutel, Pfeifen und Zubehör verkauften – daher ihr heutiger Name: Yandai (烟袋), was Tabakpfeife oder -beutel bedeutet.

ℹ️ Gut zu wissen

Die Yandaixie Street ist zu jeder Tageszeit kostenlos zugänglich. Es gibt weder ein Tor noch eine Kasse noch eine Sperrstunde. Die einzelnen Läden bestimmen ihre eigenen Öffnungszeiten – sie öffnen meist am späten Vormittag und schließen am späten Abend.

Das Erlebnis: Ein Spaziergang durch die Gasse

Wer von der Shichahai-Station der Linie 8 kommt und sich von Süden nähert, bekommt die klarste Einführung. Man verlässt die breite, verkehrsreiche Di'anmenwai Street und betritt sofort eine engere, ruhigere Welt. Die Gasse ist gepflastert, und die Gebäude zu beiden Seiten sind niedrig – typische Hutong-Bauten mit kleinen Ladenfronten und hängenden Schildern.

Die Läden entlang der Yandaixie Street sind bunt gemischt. Einige bedienen den Hutong-Tourismusmarkt mit Postkarten, bemalten Fächern, Seidenaccessoires und kleinen Cloisonné-Stücken. Andere sind spezialisierter: ein kleines Einrahmungsgeschäft, einige Teeverkäufer, eine Bar oder zwei hinter schlichten Holzfassaden, die erst nach Einbruch der Dunkelheit richtig aufleben. Es gibt Imbissverkäufer, vor allem am nördlichen Ende nahe der Brücke, mit Snacks wie Tanghulu (kandierter Weißdorn am Spieß) und stinkendem Tofu. Die Gerüche wechseln beim Gehen: süßes Kandisfruchtaroma, ein leichter Frittierduft, dann frische Seeluft, sobald man sich dem offenen Wasser des Houhai nähert.

Der nördliche Ausgang ist die eigentliche Belohnung. Das nördliche und westliche Ende führt zur Yinding-Brücke und den Shichahai-Seen. Von der Brücke und den nahe gelegenen Uferpfaden blickt man über das Wasser auf den umliegenden historischen Bezirk. An klaren Herbsttagen ist das Licht auf dem Wasser am späten Nachmittag wirklich beeindruckend.

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Wie sich die Gasse im Tagesverlauf verändert

Vor 10 Uhr morgens erlebt man die Yandaixie Street in ihrer ruhigsten Form. Die meisten Läden sind noch geschlossen oder öffnen gerade erst, und die wenigen Menschen in der Gasse sind Anwohner, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad durchkommen. Der graue Stein und die Ziegelwände schlucken das Morgenlicht, und die gesamte Gasse wirkt fast monochrom. Das ist die beste Zeit für Fotos: klare Sichtachsen, keine Menschenmassen, die architektonische Details verdecken, und eine Authentizität, die das Mittagstreiben nicht bieten kann.

Am späten Vormittag und in den Nachmittagsstunden füllt sich die Gasse stetig. An Wochenenden kann das Fußgängeraufkommen die schmale Breite wirklich eng wirken lassen, wenn Besucher vor Ladenfronten stehen bleiben und Händler aus Türen herausrufen. Im Vergleich zu Pekings meistbesuchten Straßen ist das noch überschaubar, aber bei 5 bis 6 Metern Breite bleibt kaum Platz zum Verweilen, ohne andere zu blockieren. Wochentags ist es nachmittags spürbar ruhiger.

Nach Einbruch der Dunkelheit bekommt die Yandaixie Street einen ganz anderen Charakter. Die Laternen über den Ladeneingängen leuchten orange, die Bars öffnen ihre Türen, und die Gasse wirkt noch enger – nicht weil sie schmaler wird, sondern weil das umgebende Grau im Schatten verschwindet, während erleuchtete Fenster die Blicke auf sich ziehen. Wer die Gasse mit einem Abendspaziergang entlang des Houhai verbinden möchte, fährt gut damit, bei Dämmerung vom nördlichen Yinding-Brücken-Eingang einzutreten und nach Süden zu laufen.

💡 Lokaler Tipp

Für Fotografen empfiehlt sich die Ankunft vor 9:30 Uhr an einem Werktag. Die Gasse verläuft grob in Nordost-Südwest-Richtung; am frühen Morgen ist das Licht weicher und es sind weniger Besucher unterwegs. Zur Mittagszeit können Teile der engen Gasse von den umliegenden Gebäuden beschattet sein.

Historischer und kultureller Hintergrund

Die Ursprünge dieser Gasse in der Yuan-Dynastie verorten sie in einer Zeit, als Peking – damals Khanbaliq oder Dadu genannt – als mongolische Kaiserhauptstadt errichtet wurde. Die Shichahai-Seen waren Teil eines Kanalsystems, das für den Transport von Getreide und Waren in die Stadt unerlässlich war. Eine Handelsgasse vom Seeufer in Richtung Stadtzentrum war eine praktische infrastrukturelle Entscheidung, keine gestalterische. Wenn man das versteht, wird die leichte Diagonale der Straße nachvollziehbar: Sie folgt einer Route, keinem Raster. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie diese Epoche das Stadtbild Pekings geprägt hat, findet im Leitfaden zur kaiserlichen Geschichte Pekings eine ausführliche Darstellung der Dynastienabfolge.

Der Tabakbezug kam später. Bis zur Qing-Dynastie hatte sich die Gasse zu einem Zentrum für Läden entwickelt, die Raucherpfeifen, Tabakbeutel und entsprechendes Zubehör verkauften. Der Name Yandaixie – eine Kombination aus dem Wort für Tabakpfeife und dem Wort für schräg oder diagonal – war in der späten Qing-Zeit etabliert und ist bis heute in Gebrauch.

Die Yandaixie Street liegt am Rand des weitläufigeren Hutong-Viertels, das sich durch weite Teile von Xicheng und Dongcheng erstreckt. Es lohnt sich zu wissen: Das hier ist keine Rekonstruktion und kein Freizeitpark-Hutong. Die Gasse und die umliegenden Hofhäuser sind ein erhaltenes historisches Viertel – wenngleich die gewerbliche Entwicklung die Art der Nutzung vieler Erdgeschosse verändert hat. Der Peking-Hutong-Guide erklärt anschaulich, was lebendige Hutong-Viertel von stärker restaurierten Bereichen unterscheidet.

Praktisches: Anreise und Orientierung vor Ort

Der einfachste Weg führt über die Pekinger U-Bahn-Linie 8 bis zur Station Shichahai. Von dort geht es zur Di'anmenwai Street und weiter zum südlichen Eingang der Yandaixie Street – der Weg ist flach und führt an Läden und Imbissständen vorbei, falls du vor dem Erkunden noch frühstücken möchtest.

Wer vom Glockenturm- und Trommelturmviertel kommt, das nur einen kurzen Fußweg östlich liegt, kann die Busse 5, 60, 82, 107, 124 und 635 nehmen, die an der Haltestelle Gulou (Trommelturm) halten. Von dort dauert der Fußweg zur Yandaixie Street in südwestlicher Richtung etwa zehn Minuten.

Die Gasse selbst braucht keine große Planung – einfach hingehen. Laufe von Süden nach Norden, um logisch vom Eingang zum Blick auf die Yinding-Brücke zu gelangen. Wer mehr Zeit hat: Die Yinding-Brücke am nördlichen Ende setzt dich direkt an den Rand der Shichahai-Seen, von wo aus du den weiteren Uferspaziergang antreten kannst – dieser führt mehrere Kilometer entlang von Bars, weidenbeschatteten Wegen und älteren Wohngassen. Glockenturm und Trommelturm sind im Nordosten gut sichtbar und lassen sich gut in denselben Halbtagesausflug einplanen.

⚠️ Besser meiden

Der historische Steinbelag der Gasse kann uneben und bei Nässe rutschig sein. Trage bei Regen oder danach Schuhe mit gutem Profil. Für Rollstuhlfahrer ist die Gasse nur schwer zugänglich: Die geringe Breite, der unebene Belag und das Fehlen barrierefreier Einrichtungen machen eine selbstständige Navigation im Rollstuhl schwierig.

Ehrliche Einschätzung: Lohnt sich der Besuch?

Für die meisten Besucher ist die Yandaixie Street dreißig Minuten wert – vor allem, wenn man sie mit dem Shichahai-Ufer kombiniert, statt sie als eigenständiges Ziel zu behandeln. Bei 232 Metern läuft man die gesamte Länge in unter zehn Minuten durch. Wie viel man mitnimmt, hängt also davon ab, wie viel man entschleunigt: Ladenfronten betrachten, einen Snack probieren oder an einem der kleinen Cafétischchen am nördlichen Ende Platz nehmen. Wer verstehen möchte, wie Pekings traditionelle Handelsgassen früher aussahen und sich anfühlten, findet hier eines der zugänglichsten erhaltenen Beispiele im Stadtzentrum. Zum Vergleich bietet sich die Nanluoguxiang an – länger und touristischer ausgebaut, dafür an Wochenenden deutlich voller.

Wer stark kommerzialisierten Kulturerbestätten wenig abgewinnen kann, könnte enttäuscht sein. Die Läden sind überwiegend auf Touristen ausgerichtet, und manche Abschnitte der Gasse fühlen sich eher wie ein Boutique-Markt an als wie eine gelebte Straße. Wer echtes Hutong-Leben abseits des Touristenpfads sehen möchte, findet in den Seitengassen und den umliegenden Wohnblöcken ein unverfälschteres Bild. Die Yandaixie Street selbst war im Kern immer eine Handelsgasse – von den Tabakläden der Qing-Zeit bis zu den heutigen Souvenirboutiquen.

Reisende, denen architektonische Authentizität wichtiger ist als Einkaufen, kommen beim frühmorgendlichen Besuch am besten auf ihre Kosten – dann sind die Gebäude ohne den kommerziellen Betrieb davor am besten ablesbar. Wer ein umfangreicheres Programm plant, kombiniert die Gasse gut mit den Peking-Stadtspaziergängen, die das Shichahai-Viertel und den Trommelturm als Halbtagestour abdecken.

Insider-Tipps

  • Betritt die Gasse vom südlichen Ende an der Di'anmenwai Street – nicht von der Yinding-Brücke. Das allmähliche Eintauchen vom belebten Hauptstraßentrubel in eine stille historische Gasse gehört zum Erlebnis, und wer nach Norden läuft, wird mit dem Seeblick belohnt, anstatt damit zu starten.
  • Die kleinen Bars und Cafés am nördlichen Ende haben Außensitzplätze auf der Brückenseite. Ein Kaffee oder Tee mit Blick über den Houhai kostet selten mehr als 30–50 ¥ – ein guter Grund, einfach zu verweilen, ohne etwas kaufen zu müssen.
  • Tanghulu-Verkäufer in der Nähe der Yinding-Brücke sind meist ab dem späten Vormittag anzutreffen. Die kandierten Weißdornspieße sind ein klassischer Pekinger Straßensnack und kosten rund 10–15 ¥. Kaufe am besten bei Händlern, die frische Früchte offen zeigen, und nicht bei vorgefertigten abgepackten Varianten.
  • Wochentags zwischen 8:30 und 10 Uhr ist die Gasse am ruhigsten. An nationalen Feiertagen oder während der Goldenen Woche wird es besonders am frühen Nachmittag sehr voll – komm vor 9 Uhr oder nach 18 Uhr, um den Ansturm zu vermeiden.
  • Die Yinding-Brücke am nördlichen Ausgang ist ein bekannter Fotospots und entsprechend überlaufen. Für ein ruhigeres Bild von Brücke und Wasserkanal lohnt es sich, ein paar Meter am westlichen Seeufer entlangzugehen, statt direkt auf der Brücke zu stehen.

Für wen ist Yandaixie Street geeignet?

  • Erstbesucher in Peking, die eine schnelle und unkomplizierte Einführung in die Hutong-Architektur suchen – ganz ohne geführte Tour
  • Fotografen auf der Suche nach Straßenszenen am frühen Morgen mit traditionellen Ladenfronten und Baudetails aus der Qing-Zeit
  • Reisende, die eine Halbtagstour durch Shichahai und den Trommelturm planen und eine historische Gasse als Teil des Spaziergangs einbauen möchten
  • Geschichtsinteressierte, die sich für das städtische Gefüge Pekings aus der Yuan- und Qing-Dynastie interessieren
  • Reisende, die gerne Straßensnacks probieren und entspannt durch eine kompakte, flache und gut begehbare Gegend schlendern

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Beijings Hutong-Viertel:

  • Nanluoguxiang

    Nanluoguxiang (南锣鼓巷), auch bekannt als Süd-Gong-und-Trommel-Gasse, ist eine historische Allee im Dongcheng-Bezirk, die bis in die Yuan-Dynastie zurückreicht. Der Eintritt ist kostenlos, die Gasse rund um die Uhr zugänglich – und sie lockt mit traditioneller Hofarchitektur, Straßenessen, unabhängigen Läden und 16 abzweigenden Seiten-Hutongs, die das ruhigere, alte Peking zeigen.

  • Wudaoying Hutong

    Der Wudaoying Hutong ist eine 632 Meter lange Ost-West-Gasse im Dongcheng-Distrikt, nur wenige Gehminuten vom Lamatempel entfernt. Der Eintritt ist frei, die Gasse ist rund um die Uhr zugänglich – und statt Menschenmassen findest du hier Charakter: graue Ziegelhofdäuser neben unabhängigen Cafés, Buchläden und kleinen Restaurants.