Wiener Rathaus: Der neugotische Gigant im Herzen der Stadt
Das Wiener Rathaus ist eines der markantesten Wahrzeichen der Stadt – ein monumentales neugotisches Gebäude, das 1883 fertiggestellt wurde und noch heute als Sitz der Wiener Stadt- und Landesregierung dient. Kostenlose Führungen gewähren Einblick in die prachtvollen Innenräume, während der Rathausplatz davor je nach Jahreszeit zum Filmfestival im Sommer oder zu einem der stimmungsvollsten Weihnachtsmärkte Europas im Winter wird.
Fakten im Überblick
- Lage
- Friedrich-Schmidt-Platz 1, 1010 Wien (Innere Stadt / 1. Bezirk)
- Anfahrt
- U2 bis Rathaus; Straßenbahnen 1, D, 71 bis Rathausplatz/Burgtheater; Straßenbahn 2 bis Rathaus
- Zeitbedarf
- 45–90 Minuten für eine Führung; zusätzliche Zeit für den Rathausplatz einplanen
- Kosten
- Eintritt frei; Führungen kostenlos, keine Anmeldung erforderlich
- Am besten für
- Architekturbegeisterte, Geschichtsinteressierte, saisonale Events, Fotografie
- Offizielle Website
- www.wien.gv.at/en/administration/city-hall

Was ist das Wiener Rathaus?
Das Wiener Rathaus, auch Neues Rathaus genannt, ist weit mehr als ein Verwaltungsgebäude. Es ist eines der prägenden Denkmäler der Ringstraßenära – jenes großen städtebaulichen Projekts des 19. Jahrhunderts, das Wiens innere Ringstraße mit Palästen für Kultur, Politik und bürgerliches Leben säumte. Das Gebäude am Friedrich-Schmidt-Platz 1 in der Inneren Stadt dient gleichzeitig als Sitz der Wiener Stadtregierung und der Landesregierung Wiens als österreichisches Bundesland.
Architektonisch gehört das Rathaus zur selben Generation von Prachtbauten wie das Burgtheater direkt gegenüber und das Parlamentsgebäude nur wenige Gehminuten entfernt. Gemeinsam bilden sie eine Abfolge, die bewusst darauf ausgelegt war, bürgerliches Selbstbewusstsein auszustrahlen. Das Rathaus ist das gotischste und das vertikalste Gebäude dieser Gruppe.
Die Architektur: Friedrich von Schmidts neugotische Vision
Entworfen wurde das Gebäude von Friedrich von Schmidt, einem deutsch-österreichischen Architekten, der sich bereits durch die Restaurierung gotischer Kathedralen – darunter der Kölner Dom – einen Namen gemacht hatte. Seine Entscheidung für den Neugotik-Stil bei einem weltlichen Rathaus war damals umstritten. Der Kaiserhof bevorzugte Renaissance oder Barock. Schmidt setzte seine Vision dennoch durch, und das Ergebnis ist ein Gebäude, das fast wie eine nordeuropäische Kathedrale wirkt, die ins Herz Mitteleuropas versetzt wurde.
Die Bauzeit erstreckte sich von 1872 bis 1883. Der Mittelturm erreicht eine Höhe von 97,9 Metern und ist vom Rathausmann gekrönt – einem 3,4 Meter hohen gusseisernen Ritter in Rüstung, der zu einem der Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Hinter der Hauptfassade öffnet sich der Komplex in sieben Innenhöfe und erstreckt sich über sechs Stockwerke sowie zwei Kellergeschosse mit insgesamt 1.575 Räumen. Die Dimension wird einem erst wirklich klar, wenn man das Gebäude betritt.
Wer die Ringstraße von einem Ende zum anderen erkundet, sollte sich die Ringstraße als Konzept vorher vergegenwärtigen. Das Rathaus ist einer der fotogensten Stopps – besonders früh morgens, wenn die Fassade im goldenen Ostlicht erstrahlt.
💡 Lokaler Tipp
Für die klarsten, unverstelltesten Fassadenfotos empfiehlt sich eine Ankunft vor 9:00 Uhr an einem Werktag. Die Parkwege vor dem Rathausplatz füllen sich gegen Vormittag mit Joggern und Pendlern, und Reisegruppen sammeln sich ab spätem Vormittag vor dem Eingang.
Tickets & Führungen
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Das Innere erkunden: Kostenlose Führungen
Der Zugang zum Inneren ist über kostenlose Führungen möglich, die in der Regel montags, mittwochs und freitags um 13:00 Uhr stattfinden. An Gemeinderatssitzungen und Feiertagen entfallen die Führungen – es lohnt sich also, den aktuellen Terminplan zu prüfen, bevor man den Tag rund um einen Besuch plant. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich: Einfach pünktlich am Haupteingang erscheinen. Audioguides auf Englisch sind gegen Vorlage eines Lichtbildausweises erhältlich.
Die Führung führt durch die Staats- und Festräume, die für offizielle Empfänge und städtische Veranstaltungen genutzt werden. Das Herzstück ist der Festsaal: ein langer, hoher Raum mit bemaltem Gewölbe und Schmiedeeisen, der deutlich zeigt, wie viel Geld und Ehrgeiz in dieses Projekt geflossen sind. In den Seitengalerien hängen Porträts von Bürgermeistern aus der Habsburgerzeit sowie historische Stadtpläne aus verschiedenen Epochen.
Auch die Korridore lohnen genaue Betrachtung. Die Böden wechseln zwischen Stein und Parkett. Treppen winden sich in engen gotischen Kurven nach oben. Das Licht verändert sich je nachdem, auf welchen Innenhof ein Gang hinausgeht – manche Räume wirken fast klosterartig still. Wer sich für bürgerliche Architektur als Ausdruck von Macht interessiert, findet hier ein besonders lesbares Gebäude.
⚠️ Besser meiden
Das Gebäude ist ein aktives Regierungsgebäude und montags bis freitags von 7:30 bis 17:00 Uhr geöffnet. An Wochenenden finden keine Führungen statt, und an Gemeinderatssitzungen können Teile des Gebäudes geschlossen sein. Den aktuellen Führungsplan immer vorab unter wien.gv.at prüfen.
Der Rathausplatz: Ein Platz, der sich mit jeder Jahreszeit wandelt
Der breite, parkgesäumte Rathausplatz vor dem Rathaus ist wohl der Ort, an dem die meisten Besucher tatsächlich die meiste Zeit verbringen. Der Platz ist rund um die Uhr zugänglich und wird das ganze Jahr über als einer der wichtigsten Veranstaltungsorte Wiens genutzt.
Von Ende Juni bis August findet auf dem Platz das Wiener Filmfestival (volkstümlich bekannt als Film am Rathaus) statt – eine kostenlose Open-Air-Filmreihe, bei der Opern, klassische Konzerte und Ballettvorstellungen auf eine große Leinwand vor der beleuchteten Fassade projiziert werden. Die Sitzplätze auf dem Rasen sind informell, und Essensstände von Wiener Restaurants reihen sich rings um den Platz. Ein echter Geheimtipp für einen Sommerabend – und der Eintritt ist frei. Wer wissen möchte, was die Stadt im Sommer sonst noch draußen zu bieten hat, findet mehr dazu im Guide zu Wien im Sommer.
Ende November und im Dezember verwandelt sich der Rathausplatz in einen der meistbesuchten Weihnachtsmärkte im deutschsprachigen Raum. Die beleuchtete neugotische Fassade bietet eine Kulisse, die zu dieser Jahreszeit kaum irgendwo in Europa zu übertreffen ist. Wer einen Winterausflug plant, findet im Guide zu den Wiener Weihnachtsmärkten Öffnungszeiten, Standempfehlungen und praktische Hinweise.
Auch außerhalb der Veranstaltungszeiten ist der Platz einen Spaziergang wert. Der zentrale Parkbereich hat alte Bäume, Bänke und einen Brunnen. An warmen Nachmittagen verbringen Büroangestellte aus den umliegenden Regierungsgebäuden hier ihre Mittagspause. Früh morgens ist er fast menschenleer.
Einbindung in eine Stadtrundgangsroute
Das Rathaus liegt an einem natürlichen Mittelpunkt jeder Fußgängerroute durch die Wiener Innenstadt. Vom Rathausplatz aus ist das Burgtheater direkt über die Ringstraße zu erreichen. Der Volksgarten und der Hofburg-Komplex liegen nur wenige Gehminuten südlich, während die Universität und die Votivkirche nördlich gut erreichbar sind. Die U2-Station direkt unter dem Platz macht ihn zu einem logischen Start- oder Endpunkt für einen längeren Ausflug.
Für eine strukturierte Route durch diesen Teil der Stadt bietet der Stadtrundgang-Guide Innere Stadt eine durchdachte Abfolge, die das Rathaus, die Ringstraßendenkmäler und die Gassen dahinter einschließt.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Umgebung des Rathausplatzes ist vollständig eben und problemlos mit Rollstuhl oder Kinderwagen zu bewältigen. Die U2-Station hat Liftanlagen. Die Barrierefreiheit im Inneren des Rathauses für geführte Touren sollte vorab direkt mit der Stadtverwaltung abgeklärt werden, da das Gebäude mehrere Abschnitte enthält, die nur über Treppen erreichbar sind.
Fotografieren und praktische Hinweise
Das Rathaus wirkt nach Einbruch der Dunkelheit am dramatischsten, wenn die Fassade in warmem Bernsteinlicht erstrahlt und das gotische Mauerwerk fast theatralisch wirkt. Abendaufnahmen von der Parkachse aus, eingerahmt von den Bäumen beiderseits, sind eine verlässliche Komposition. Während des Filmfestivals sorgen farbige Lichtprojektionen für dynamischere Bilder, machen architektonische Details aber schwerer erkennbar.
Tagsüber funktioniert die Fotografie am besten im Morgenlicht von Osten oder an bedeckten Tagen, wenn gleichmäßige Ausleuchtung harte Schatten in den tiefen Fensternischen vermeidet. Ein Weitwinkelobjektiv ist angesichts der Gebäudegröße unerlässlich; nur durch Zurücktreten in den Park lässt sich der vollständige Turm vom Straßenniveau aus ins Bild bringen.
Im Gebäude gibt es keine Garderobe oder Gepäckaufbewahrung für Führungsbesucher. Bequeme Schuhe sind empfehlenswert, da die Böden aus hartem Stein sind und manche Korridore lang sind. Die Führung wird in zügigem Tempo absolviert und erfordert viel Stehen – Besucher mit eingeschränkter Mobilität sollten vorab nach angepassten Möglichkeiten fragen.
Für wen das Rathaus vielleicht nicht das Richtige ist
Das Rathaus ist nicht für jeden das Richtige. Wer sich hauptsächlich für die habsburgische Kaisergeschichte interessiert, wird hier weniger fündig als in der Hofburg oder in Schönbrunn – denn das Rathaus steht für bürgerliche, nicht für dynastische Macht. Wer ein Museumserlebnis mit Exponaten, Beschriftungen und interaktiven Elementen erwartet, wird die Führung formeller und weniger kuratiert erleben als ein klassisches Kulturerbe-Institut.
Wer wenig Zeit hat und Kunst oder Kaisergeschichte priorisiert, ist im Kunsthistorischen Museum oder im Hofburg-Komplex besser aufgehoben. Das Rathaus verdient seinen Platz auf dem Programm am ehesten für Architekturbegeisterte, für Besucher während der Veranstaltungen am Rathausplatz – oder für alle, die verstehen möchten, wie eine europäische Stadt des 19. Jahrhunderts aussah, wenn sie entschlossen war, sich der Welt zu präsentieren.
Insider-Tipps
- Die Führungen beginnen pünktlich um 13:00 Uhr und warten nicht auf Nachzügler. Komm mindestens 10 Minuten früher am Haupteingang am Friedrich-Schmidt-Platz an, damit du von Anfang an dabei bist.
- Die sieben Innenhöfe sind außerhalb der Führungszeiten während der regulären Öffnungszeiten an Werktagen frei zugänglich. Wer sie auf eigene Faust erkundet, bekommt einen ruhigeren, ungeführten Eindruck von der Dimension des Gebäudes.
- Die Rathausmann-Figur auf dem Turmhelm ist ein beliebtes Silhouettenmotiv für Architekturfotografen, die von der gegenüberliegenden Seite der Ringstraße fotografieren. Die Aussichtsplattform des Naturhistorischen Museums auf der anderen Seite des Rings bietet einen erhöhten Blickwinkel, der sich lohnt.
- Beim Weihnachtsmarkt ist der Bereich direkt vor dem Haupteingang oft weniger überfüllt als die Außenbereiche des Markts. Die besten Glühweinstände sollen auf der Seite des Burgtheaters zu finden sein, wo man auch schneller weiterkommt.
- An Sitzungstagen des Gemeinderats werden Führungen komplett abgesagt. Die offiziellen Sitzungstermine sind auf der städtischen Website im Voraus einsehbar. Unbedingt vorab nachschauen, wenn du deinen Besuch rund um die Innenführung planst.
Für wen ist Wiener Rathaus geeignet?
- Architektur- und Designbegeisterte, die das neugotische Wahrzeichen der Ringstraße erkunden möchten
- Reisende, die während des Filmfestivals im Sommer oder des Weihnachtsmarkts im Winter in Wien sind
- Geschichtsinteressierte, die Wiens bürgerliche Identität jenseits des Habsburger Hofes kennenlernen möchten
- Fotografen auf der Suche nach beeindruckenden Fassadenaufnahmen am Abend oder frühen Morgen
- Budgetbewusste Reisende, die ein hochwertiges, völlig kostenloses Erlebnis suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Innere Stadt (1. Bezirk):
- Albertina Museum
Das Albertina Museum befindet sich in einem ehemaligen Habsburger Palais am Rand der Ringstraße und beherbergt eine der größten und bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt. Mit über einer Million Zeichnungen und Druckgrafiken sowie wechselnden Ausstellungen moderner Meisterwerke lohnt sich der Besuch – für Kunstinteressierte genauso wie für ernsthafte Kunstreisende.
- Österreichische Nationalbibliothek (Prunksaal)
Der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek ist ein Meisterwerk des Barock, das zwischen 1723 und 1726 im Auftrag von Kaiser Karl VI. erbaut wurde. Mit rund 80 Metern Länge und Daniel Grans monumentalem Deckenfresko zählt er zu den beeindruckendsten Innenräumen Mitteleuropas – und beherbergt noch heute etwa 200.000 historische Bände in seinen geschnitzten Nussbaumregalen.
- Burgtheater
Das Burgtheater ist Österreichs Nationaltheater und eine der bedeutendsten deutschsprachigen Bühnen der Welt. Das Neorenaissance-Gebäude an der Wiener Ringstraße stammt aus dem Jahr 1888, und seine Geschichte reicht bis zum Hof von Kaiserin Maria Theresia zurück. Ob du eine Vorstellung besuchst oder an einer Führung teilnimmst – das Burgtheater lohnt sich in jedem Fall.
- Café Central
Im Palais Ferstel im ersten Bezirk gelegen, serviert das Café Central seit 1876 Kaffee und Gespräche. Einst Treffpunkt von Freud, Trotzki und einer ganzen Reihe mitteleuropäischer Intellektueller, zählt es bis heute zu den architektonisch beeindruckendsten Kaffeehäusern der Welt.