Prison Island (Changuu Island): Riesenschildkröten, Kolonialgeschichte und eine kurze Bootsfahrt von Stone Town
Prison Island, auf Swahili Kisiwa cha Changuu genannt, liegt etwa 25 Bootsminuten vom Ufer Stone Towns entfernt. Die Insel ist vor allem für ihre Kolonie von Aldabra-Riesenschildkröten bekannt – und für ein Gefängnisgebäude, das nie wirklich als Gefängnis genutzt wurde. Ein kompakter Halbtagesausflug, der neugierige Reisende belohnt, ohne den ganzen Tag zu beanspruchen.
Fakten im Überblick
- Lage
- Vor der Küste von Stone Town, Sansibar (Insel Unguja); Boote legen am Ufer von Stone Town ab
- Anfahrt
- Boote starten vom Hafen Stone Towns; die Überfahrt dauert etwa 25–30 Minuten. Buchung über Gästehäuser, Reiseveranstalter oder Bootsanbieter am Hafen.
- Zeitbedarf
- 2–3 Stunden inklusive Bootsfahrt
- Kosten
- Bootmiete plus Eintrittsgeld (zuletzt ca. 12 US$, aktuelle Preise bitte vor Ort erfragen)
- Am besten für
- Familien mit Kindern, Geschichtsinteressierte, Tierfreunde, Schnorchler, Tagesausflügler aus Stone Town
- Offizielle Website
- prisonislandzanzibar.com/category/tour-information

Was Prison Island eigentlich ist
Prison Island – der gebräuchliche englische Name für Kisiwa cha Changuu – ist eine kleine Koralleinsel, etwa 800 Meter lang und 230 Meter breit. Sie liegt im Sansibar-Kanal und ist von Stone Towns Uferpromenade an klaren Tagen gut zu sehen. Trotz des dramatischen Namens wurde hier nie jemand inhaftiert. Der ursprüngliche Plan, die Insel als Haftanstalt zu nutzen, wurde nach dem Bau aufgegeben; das Gebäude diente später als Quarantänestation für die ostafrikanische Festlandsküste.
Heute zieht die Insel Besucher aus zwei sehr unterschiedlichen Gründen an: die Kolonie von Aldabra-Riesenschildkröten in einem eingezäunten Schutzgebiet und die stimmungsvollen Ruinen eines Kolonialgebäudes, das langsam von der tropischen Vegetation zurückerobert wird. Dazu kommt ein Strand und ordentliches Schnorcheln im flachen Wasser rund um die Insel – ideal für alle, die Tierwelt, Geschichte und Wasser an einem Vormittag oder Nachmittag verbinden möchten.
ℹ️ Gut zu wissen
Das Eintrittsgeld soll bei etwa 12 US$ liegen, aber Touristenpreise in Sansibar können sich ändern. Frag deinen Bootsanbieter oder direkt auf der Insel nach dem aktuellen Betrag, bevor du aufbrichst.
Eine kurze, ehrliche Geschichte
1893 kaufte der britische Offizier Lloyd Mathews Changuu Island und ließ einen Gefängniskomplex bauen. Die Anlage wurde jedoch nie für den vorgesehenen Zweck genutzt. Stattdessen wurde die Insel zur Quarantänestation für die ostafrikanische Küste, wo Schiffspassagiere mit Krankheitssymptomen isoliert wurden, bevor sie Sansibar oder das Festland betreten durften. Der Bau des Gefängnisgebäudes wurde zwar fertiggestellt, aber als Haftanstalt hat es nie funktioniert. Stattdessen diente die Insel als Quarantänestation für die ostafrikanische Küste, wo ankommende Schiffsreisende mit Krankheitszeichen isoliert wurden, bevor sie nach Sansibar oder auf das Festland durften.
Diese vielschichtige Kolonialgeschichte reiht Prison Island in ein breiteres und dunkleres Kapitel von Sansibars Vergangenheit ein. Wer tiefer in diese Geschichte eintauchen möchte, findet den nötigen Kontext im Sklavenhandelsmuseum in Stone Town und in den Sklavenhöhlen von Mangapwani an der Westküste der Insel. Prison Island selbst bietet kaum erklärende Beschilderung – wer mit Hintergrundwissen anreist, bekommt deutlich mehr aus dem Besuch heraus.
Die Schildkröten kamen später. Aldabra-Riesenschildkröten, ursprünglich auf dem Aldabra-Atoll der Seychellen heimisch, wurden 1919 als Geschenk des britischen Gouverneurs der Seychellen nach Changuu Island gebracht. Die Kolonie ist über die Jahrzehnte gewachsen und umfasst heute Tiere verschiedener Altersklassen – darunter einige, die deutlich über hundert Jahre alt sind. Die Schildkröten leben in einem eingezäunten Schutzbereich und streifen nicht frei über die gesamte Insel.
Tickets & Führungen
Live-Preise und Termine unseres Buchungspartners. Wenn du buchst, erhalten wir möglicherweise eine Provision – für dich ohne Aufpreis.
Das Schildkrötengehege: Was dich erwartet
Das Schildkrötengehege ist das erste Ziel der meisten Besucher nach der Anlandung. Die Tiere reichen von handtellergroßen Jungtieren bis zu riesigen Alttieren mit über einem Meter langen Panzern. Die großen Schildkröten bewegen sich langsam und scheinbar völlig unbeeindruckt von den Menschen um sie herum – das schafft eine merkwürdig beruhigende Atmosphäre. Am Vormittag, bevor die Mittagshitze einsetzt, sind sie aktiver: Sie grasen und wandern zwischen Schattenstellen hin und her. Am Nachmittag haben sich viele bereits niedergelassen und sind kaum noch in Bewegung.
Besucher dürfen die Schildkröten in der Regel anfassen, und das Füttern ist meist erlaubt – wird aber vom Personal des Schutzgebiets begleitet. Der Boden im Gehege ist uneben, mit Grasflächen, blanker Erde und Baumwurzeln. Geschlossene Schuhe oder feste Sandalen sind praktischer als Flip-Flops. Kinder sind von dem Erlebnis begeistert – eine Schildkröte, die vielleicht 150 Jahre alt ist und noch immer herumläuft, ist einfach etwas Besonderes.
💡 Lokaler Tipp
Komm möglichst am Morgen. Die Schildkröten sind aktiver, das Licht ist besser für Fotos, und du hast das Gehege wahrscheinlich für dich, bevor die Reisegruppen aus Stone Town gegen Mittag eintreffen.
Die Gefängnisruinen und die Insel zu Fuß
Hinter dem Schildkrötengehege steht das koloniale Gefängnisgebäude in teilweiser Ruine. Dicke Korallensteinmauern, Bogenportale und vergitterte Fenster sind noch weitgehend intakt, aber das Innere ist stark verfallen. Der ursprüngliche Zweck des Gebäudes ist auch im Verfall noch spürbar: Der Grundriss ist institutionell, die Mauern so dick, dass sie den Schall dämpfen, und die kleinen Fensteröffnungen zeigen vom Festland weg. Es gibt kein Museum, keine kuratierte Ausstellung und kaum erklärende Beschilderung. Was du bekommst, ist Atmosphäre – keine Informationen. Das reicht manchen Reisenden, andere wären gerne besser informiert.
Den Rest der Insel kann man in unter einer Stunde erkunden. Ein Pfad führt größtenteils am Rand entlang, durch Küstengestrüpp und mit Blick auf die Skyline von Stone Town jenseits des Kanals. Das Wasser rund um Changuu ist klar, und der Sandstrand auf der Westseite der Insel ist ruhig und sauber. Ein kleines Restaurant und eine Bar sind auf der Insel in Betrieb – praktisch, da es sonst kein Essen gibt.
Prison Island lässt sich gut mit einem Stone-Town-Tag kombinieren. Der Nachtmarkt in den Forodhani Gardens und das Haus der Wunder lassen sich problemlos am selben Tag kombinieren, da alles im Bereich von Stone Town liegt und das Boot dich an derselben Uferpromenade absetzt.
Anreise: Boote, Kosten und Timing
Prison Island ist ausschließlich per Boot von Stone Towns Uferpromenade aus erreichbar. Es gibt keine Fährverbindung nach Fahrplan; stattdessen organisieren Besucher die Überfahrt über ihr Gästehaus, einen Reiseveranstalter oder direkt mit den Bootsanbietern am Hafen. Die Überfahrt dauert in normalen Seebedingungen etwa 25 bis 30 Minuten. Die Bootskosten sind getrennt vom Eintrittsgeld der Insel – also beides vorher klären, bevor du die Fahrt buchst.
Das Meer zwischen Stone Town und Changuu Island ist geschützt und in der Regel ruhig, aber am Nachmittag kann es auffrischen. Wer zu Seekrankheit neigt, findet die Morgenüberfahrt meist angenehmer. Eine Buchung über ein Gästehaus oder einen etablierten Anbieter ist verlässlicher als die spontane Verhandlung am Hafen – wobei Letzteres durchaus üblich ist und in der Regel klappt, solange du den Preis im Voraus festlegst.
⚠️ Besser meiden
Kläre immer den Gesamtpreis – inklusive Bootmiete, Rückfahrt und Eintrittsgeld –, bevor du ablegst. Unerwartete Zusatzkosten auf der Insel können entstehen, wenn die Gebühren nicht vorab besprochen wurden.
Für einen umfassenderen Überblick über die Fortbewegung auf Unguja bietet der Reiseführer für die Fortbewegung auf Sansibar nützliche Infos zu Fähre, Taxi und Dala-Dala.
Fotos, Wetter und praktische Hinweise
Die Insel sieht im Morgenlicht am besten aus: Die Sonne bringt die Struktur der Gefängnismauern zur Geltung, und die Schildkröten werfen lange Schatten über das Gras. Gegen Mittag ist das Licht flach und die Hitze erheblich; die Vegetation bietet etwas Schatten, aber die offenen Bereiche rund um das Gehege bieten wenig Schutz. Bring Wasser, Sonnencreme und einen Hut mit – egal zu welcher Tageszeit du kommst.
Sansibars tropisches Klima bringt zwischen März und Mai starke Regenfälle mit sich, die Seebedingungen und Sicht beeinträchtigen können. Die Trockenzeit von Juni bis Oktober bietet die zuverlässigsten Bedingungen für die Bootsüberfahrt und das klarste Licht für Fotos. Dezember bis Februar ist generell ebenfalls gut, gelegentliche Regenschauer sind aber möglich.
Wenn du eine längere Reise in diesem Zeitraum planst, bietet der Reiseführer zur besten Reisezeit für Sansibar einen detaillierten Überblick über die saisonalen Besonderheiten.
Ein ehrlicher Hinweis zur Barrierefreiheit: Die Bootsfahrt, der unebene Boden im Schildkrötengehege und das Fehlen befestigter Wege machen Prison Island für Reisende mit eingeschränkter Mobilität schwer zugänglich. Es gibt keine gesicherten Informationen zu barrierefreien Bootsoptionen oder stufenfreien Wegen auf der Insel. Reisende mit spezifischen Bedürfnissen sollten sich vorab bei den Anbietern erkundigen, welche Möglichkeiten es gegebenenfalls gibt.
Lohnt sich Prison Island? Eine ehrliche Einschätzung
Prison Island bietet einen bestimmten Typ von Halbtagesausflug: unkompliziert, wirklich unvergesslich für alle, die sich für Tierwelt oder Kolonialgeschichte interessieren – und kurz genug, um in fast jeden Stone-Town-Aufenthalt zu passen, ohne einen ganzen Tag zu opfern. Allein die Schildkröten sind für Familien mit Kindern oder alle, die seltene Tiere spannender finden als ein weiteres Museum, die Reise wert.
Es lohnt sich aber auch, klar zu sagen, was die Insel nicht ist. Sie ist kein geschichtsreiches Museumsgelände mit kuratierten Ausstellungen. Sie ist keine einsame, unberührte Insel. Die Infrastruktur ist einfach, die Beschilderung minimal, und in der Hochsaison treffen Reisegruppen in überlappenden Wellen ein. Wer eine tiefgehende historische Aufbereitung, absolute Einsamkeit oder ein gehobenes Erlebnis erwartet, wird vom Verhältnis zwischen Kosten, Reiseaufwand und Ergebnis möglicherweise enttäuscht sein.
Wer Sansibars Geschichte wirklich verstehen möchte, sollte sich außerdem Zeit nehmen für Sansibars Geschichte des Sklavenhandels – das liefert den größeren Zusammenhang, auf den Prison Island nur andeutungsweise hinweist.
Insider-Tipps
- Buche eine Abfahrt am Morgen, am besten vor 9 Uhr. Reisegruppen kommen meistens zwischen 10 und 12 Uhr an – und da die Insel klein ist, wird das Schildkrötengehege schnell eng, wenn mehrere Gruppen gleichzeitig eintreffen.
- Den kleinen Strand der Insel übersehen die meisten Besucher, weil sie ihre Zeit komplett beim Schildkrötengehege und den Ruinen verbringen. Wenn du Zeit hast, lohnen sich mindestens 20 Minuten dort.
- Wenn du schnorcheln möchtest, bring Maske und Flossen aus Stone Town mit. Leihausrüstung auf der Insel gibt es zwar, aber Qualität und Passform sind unzuverlässig.
- Die älteren Schildkröten am hinteren Ende des Geheges sind ruhiger und werden seltener von Besuchern bedrängt, da sich die meisten Leute beim Eingang aufhalten. Ein paar Schritte weiter, und du hast eine viel entspanntere Begegnung.
- Das Inselrestaurant ist zweckmäßig, aber nicht besonders – es gibt kalte Getränke und einfaches Essen. Wenn du bis zum Mittagessen bleibst, ist es gut zu wissen, dass es existiert, damit du nicht hungrig zur Bootsfahrt zurück musst.
Für wen ist Prison Island (Changuu Island) geeignet?
- Familien mit kleinen Kindern, die eine Begegnung mit einer 150 Jahre alten Schildkröte nicht vergessen werden
- Reisende, die in Stone Town untergebracht sind und einen fokussierten Halbtagesausflug suchen, ohne die ganze Insel zu bereisen
- Geschichtsinteressierte, die die baulichen Überreste aus Sansibars Kolonialzeit sehen möchten
- Schnorchler und Schwimmer, die ruhiges, klares Wasser wollen, ohne bis zur Nord- oder Ostküste zu fahren
- Tierfreunde, die Aldabra-Riesenschildkröten außerhalb der Seychellen erleben möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Kombiniere deinen Besuch mit:
- Bwejuu Beach
Bwejuu Beach liegt an der Südostküste von Unguja, etwa 50 km von Stone Town entfernt, und bietet etwas auf Sansibar zunehmend Seltenes: einen langen Sandstreifen ohne Resortbetrieb. Das Wasser ist ruhig, das Dorf klein und der Rhythmus des Lebens langsam. Ideal für alle, die einen Strandtag wollen, der sich wie echte Erholung anfühlt – nicht wie eine Inszenierung.
- Cheetah's Rock Wildlife Sanctuary
Cheetah's Rock Wildlife Sanctuary ist ein kleines, geführtes Wildtiererlebnis auf Unguja, bei dem Besucher neben geretteten Geparden spazieren, mit Servalen interagieren und einer wechselnden Besetzung afrikanischer Tierarten in halbnatürlichen Gehegen begegnen. Es ist teuer, bewusst exklusiv – und auf der Insel einzigartig.
- Chumbe Island Coral Park
Der Chumbe Island Coral Park liegt vor der Südwestküste Sansibars und schützt eines der intaktesten Korallenriffsysteme des Indischen Ozeans. Ein Besuch erfordert Vorausplanung, eine Bootsüberfahrt und echtes Interesse am Meeresschutz — aber für die richtigen Reisenden gibt es hier nichts Vergleichbares.
- Kidichi Spice Farm & Persian Baths
Ein paar Kilometer landeinwärts von Sansibars nördlicher Küstenstraße bewahren die Kidichi Persian Baths ein seltenes Beispiel omanischer Sultanatsarchitektur – mit kunstvollen Stuckarbeiten und gewölbten Decken. In Kombination mit einer funktionierenden Gewürzfarm bietet dieser Ort eine ruhigere, durchdachtere Alternative zu den geschäftigeren Gewürztouren in der Nähe von Stone Town.
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