Prager Astronomische Uhr (Orloj): Was dich erwartet – bevor du hingehst
Seit 1410 am Altstädter Rathaus angebracht, ist die Prager Astronomische Uhr die älteste noch funktionierende astronomische Uhr der Welt. Vom Platz aus kostenlos zu sehen, gegen Eintritt auch mit Turmbesteigung. So sieht das Erlebnis Stunde für Stunde aus.
Fakten im Überblick
- Lage
- Staroměstské náměstí 1, Altstädter Ring, Prag 1
- Anfahrt
- Staroměstská (Metro Linie A), dann 5 Minuten zu Fuß
- Zeitbedarf
- 15–30 Min. für Platz und Uhr; 60–90 Min. wenn du den Turm dazunimmst
- Kosten
- Vom Platz aus kostenlos; Eintritt für das Innere des Altstädter Rathauses und den Turm kostenpflichtig (aktuelle Preise auf prague.eu prüfen)
- Am besten für
- Erstbesucher, Geschichtsinteressierte, Frühaufsteher

Was ist die Prager Astronomische Uhr?
Die Prager Astronomische Uhr – auf Tschechisch Pražský orloj – ist an der Südwand des Altstädter Rathauses am Altstädter Ring angebracht. Erstmals 1410 installiert, gilt sie als die älteste noch in Betrieb befindliche astronomische Uhr der Welt. Das ist keine Werbefloskel, sondern eine belegbare Tatsache, die diesen Mechanismus wirklich besonders macht.
Die Uhr besteht aus drei übereinander angeordneten Hauptteilen an der Turmwand. Ganz oben zeigt das astronomische Zifferblatt die Position von Sonne und Mond am Himmel, die Zeit in mehreren Systemen (darunter die altböhmische Zeit und die babylonische Zeit) sowie den Tierkreiskalender. Darunter befindet sich das Kalenderzifferblatt – eine runde, mit Medaillons bemalte Scheibe, die die Monate des Jahres darstellt. Zwischen diesen beiden Zifferblättern führen animierte Figuren stündlich die Apostelshow auf, die die größten Menschenansammlungen anzieht.
💡 Lokaler Tipp
Die Uhr lässt sich vom Altstädter Ring aus jederzeit kostenlos besichtigen. Den Turm zu bezahlen lohnt sich nur, wenn du eine Aussicht über den Platz möchtest – nicht um näher an den Uhrmechanismus heranzukommen.
Die stündliche Show: eine ehrliche Einschätzung
Jede Stunde, in der Regel zwischen 8:00 und 23:00 Uhr, öffnen sich die oberen Fenster der Uhr, und eine Reihe hölzerner Apostelfiguren dreht sich vorbei – begleitet von einem krähenden Hahn und dem Läuten der Glocke. Die gesamte Abfolge dauert etwa 45 Sekunden. Die Menschenmassen beginnen sich 10 bis 15 Minuten vor der vollen Stunde zu versammeln, vor allem ab dem späten Vormittag – im Sommer kann der Platz zur vollen Stunde richtig voll werden.
Die Show selbst ist kurz und schnell vorbei. Wer ein dramatisches mechanisches Spektakel erwartet, wird vielleicht das Gefühl haben, dass das Warten mehr Aufwand ist als das Ergebnis. Der eigentliche Gewinn liegt darin, zu verstehen, was man da eigentlich sieht: der Versuch eines spätmittelalterlichen Ingenieurs, den Kosmos auf einem einzigen Zifferblatt darzustellen – und das nach mehr als sechs Jahrhunderten immer noch funktionierend. Wer sich kurz Zeit nimmt, das Zifferblatt vor der Prozession zu lesen, wird die Uhr viel interessanter finden.
⚠️ Besser meiden
Starre während der Show nicht die ganze Zeit nach oben. Taschendiebe haben es auf dichte, abgelenkte Menschenmengen abgesehen. Taschen nach vorne nehmen und Wertsachen sichern, bevor die Stunde schlägt.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
Online audio guide of Prague Orloj and Old Town Square
Ab 5 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungPrague's Old Town, astronomical clock and underground guided tour
Ab 56 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungPrague highlights half-day tour with lunch and river cruise
Ab 75 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungPrague highlights half-day tour with lunch and river cruise
Ab 0 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Das Zifferblatt lesen
Das astronomische Zifferblatt ist ein geozentrisches Modell des Universums, so wie es im mittelalterlichen Böhmen verstanden wurde. Die Erde steht im Mittelpunkt, und die Scheibe dreht sich, um den scheinbaren Lauf der Sonne durch den Himmel und durch den Tierkreis zu zeigen. Der goldene Sonnzeiger gibt die Sonnenzeit an; die Sternenhintergrundscheibe dreht sich und zeigt die Sternzeit. Der äußerste Ring mit gotischen Ziffern zeigt die altböhmische Zeit, die die Stunden ab Sonnenuntergang zählt.
Unterhalb des astronomischen Zifferblatts trägt das Kalenderzifferblatt bemalte Szenen für jeden Monat des Jahres. Das originale Kalenderzifferblatt, 1866 von Josef Mánes gemalt, wurde zur Erhaltung entfernt und befindet sich heute im Prager Stadtmuseum. Was du heute am Gebäude siehst, ist eine Reproduktion aus dem 20. Jahrhundert.
Wer diese Ebenen versteht, erlebt die Uhr nicht mehr als bloße Kuriosität, sondern als Dokument mittelalterlicher Kosmologie. Für tieferen historischen Kontext bietet der Prager Geschichtsguide einen Überblick über das intellektuelle und politische Klima des frühen 15. Jahrhunderts, als der Mechanismus erstmals gebaut wurde.
Wie sich das Erlebnis je nach Tageszeit verändert
Vor 9:00 Uhr gehört der Platz Lieferwagen, Straßenreinigern und ein paar frühen Spaziergängern. Das Licht ist flach und streifend – es hebt die skulpturalen Details am Uhrenturm plastisch hervor. Andere Touristen gibt es kaum. Das ist der mit Abstand beste Zeitpunkt, um das Zifferblatt ohne Ablenkung zu betrachten und die Geometrie des Altstädter Rings als Raum zu erfassen.
Gegen 10:00 Uhr bilden sich bereits Reisegruppen. Mittags ist der Platz am stärksten überfüllt – der Bereich direkt vor der Uhr ist vor jeder vollen Stunde dicht gedrängt. Der Lärmpegel steigt deutlich, und in den wärmeren Monaten weht der Geruch von gegrillter Wurst von den nahen Marktständen über das Kopfsteinpflaster.
Am späten Nachmittag, besonders zwischen 17:00 und 19:00 Uhr, findet man einen guten Mittelweg: Der schlimmste Mittagstrubel hat sich gelegt, das Licht ist wärmer und besser für Fotos. Nach 20:00 Uhr wird der Platz spürbar ruhiger, und der beleuchtete Uhrenturm vor dem dunkler werdenden Himmel ist ein ganz anderes Erlebnis. Die Shows um 21:00 und 22:00 Uhr ziehen deutlich kleinere Menschenmengen an als tagsüber.
Der Turm des Altstädter Rathauses: Lohnt sich der Aufstieg?
Mit dem bezahlten Eintritt gelangt man ins Innere des Altstädter Rathauses und auf die Aussichtsplattform des Turms. Von dort hat man einen offenen Blick über den Altstädter Ring und an klaren Tagen bis zur Prager Burg auf der gegenüberliegenden Seite der Moldau.
Die Aussicht ist gut, aber für Prager Verhältnisse nicht außergewöhnlich. Wenn du die beste Erhöhungsperspektive über die Stadt suchst, konkurriert die Aussichtsplattform des Altstädter Rathausturms mit mehreren anderen Optionen – darunter die Glockentürme der Teynkirche und der Aussichtspunkt auf dem Petřín. Öffnungszeiten vorher prüfen, da der Turm je nach Saison unterschiedliche Zeiten hat: April bis Dezember 9:00–20:00 Uhr, Januar bis März 10:00–19:00 Uhr.
ℹ️ Gut zu wissen
Der Turm ist für Besucher mit eingeschränkter Mobilität nicht vollständig zugänglich. Es gibt Treppen, und der obere Bereich ist eng. Konkrete Zugänglichkeitsbedingungen direkt beim Altstädter Rathaus erfragen, bevor du hingehst.
Anreise und cleveres Ankommen
Die Uhr ist 5 Minuten zu Fuß von der U-Bahnstation Staroměstská (Linie A) entfernt. Aus der Station heraus, die Brückenzufahrt überqueren und der Kaprova-Straße auf den Platz folgen. Die Straßenbahnlinien 2 und 17 halten ebenfalls in der Nähe an der Haltestelle Staroměstská. Der Platz selbst ist eine Fußgängerzone – mit dem Auto kommt man nicht direkt zur Uhr.
Der Altstädter Ring und die umliegenden Straßen bilden den Kern der Prager Altstadt, einem kompakten Viertel, in dem die meisten wichtigen Sehenswürdigkeiten in 10 Minuten zu Fuß von der Uhr erreichbar sind. Plane den Orloj als natürlichen Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch die umliegende Architektur – und nicht als isoliertes Ziel.
Wenn du mehrere Tage in der Stadt verbringst, fügt sich die Uhr gut in ein größeres Programm ein. Der 3-Tage-Reiseplan für Prag setzt den Orloj genau aus diesem Grund am ersten Morgen ein: Er orientiert dich in der Altstadt, und alles andere strahlt von dort aus.
Tipps für Fotografen
Das Zifferblatt befindet sich an der nach Süden ausgerichteten Turmwand, was bedeutet, dass es an klaren Tagen vom späten Vormittag bis in den frühen Nachmittag direkte Sonne abbekommt. Im Sommer entsteht dadurch harter Kontrast auf der blau-goldenen Oberfläche. An bewölkten Tagen fällt das Licht gleichmäßiger auf das Zifferblatt und erlaubt eine bessere Belichtung der Skulpturen rund um die Scheibe.
Für ein sauberes Foto der Uhr ohne Menschenmassen im Bild: vor 8:30 Uhr da sein. Der Blick auf den gesamten Platz mit dem Uhrenturm fotografiert sich gut von den Café-Terrassen auf der östlichen Seite des Platzes aus, die einen leicht erhöhten Winkel bieten. Die Uhr bei Nacht, wenn sie angestrahlt gegen den dunklen Himmel leuchtet, ist eine Rückkehr wert – vorausgesetzt, deine Kamera kommt mit wenig Licht zurecht.
Wer den Turm auslassen kann (aber nicht die Uhr)
Reisende mit wenig Zeit, kleine Kinder dabei oder schlicht kein Interesse an mittelalterlicher Kosmologie – für sie alle lohnt sich ein kostenloser 20-minütiger Besuch auf dem Platz vollkommen. Das Zifferblatt ist vom Boden aus vollständig sichtbar, und die stündliche Show lässt sich ohne Eintritt verfolgen. Den Turm zu bezahlen macht am ehesten Sinn für Erstbesucher in Prag, die früh in ihrem Aufenthalt einen Orientierungspunkt aus der Höhe wollen, oder für alle, die sich für das gotische Innere des Altstädter Rathauses interessieren.
Wiederholungsbesucher, die den Turm schon kennen, verbringen diese Zeit vielleicht sinnvoller bei anderen nahen Sehenswürdigkeiten – etwa dem weitläufigen Altstädter Ring mit seinem Mix aus gotischen, barocken und romanischen Fassaden, oder dem Gemeindehaus ein kurzer Fußweg nördlich in Richtung Pulverturm.
Insider-Tipps
- Die Show um 9:00 Uhr ist zuverlässig die ruhigste des Tages. Wenn du sowieso für ein frühes Frühstück in der Nähe bist, stell dich um 8:50 Uhr auf dem Platz auf – du wirst eine freie Sicht haben, die nachmittags kaum möglich ist.
- Schau dir nicht nur das Zifferblatt an, sondern auch die Figuren daneben. Die vier allegorischen Skulpturen – Eitelkeit, Habgier, Tod und eine türkische Gestalt als Symbol äußerer Bedrohung – sind mittelalterlicher politischer Kommentar in Stein, den man leicht übersieht, wenn man nur nach oben starrt.
- Das Kalenderzifferblatt, das du siehst, ist eine Reproduktion aus dem 20. Jahrhundert. Das Original von Josef Mánes befindet sich im Prager Stadtmuseum in der Neustadt – ein Besuch lohnt sich, wenn du die Qualität der bemalten Medaillons aus der Nähe sehen möchtest.
- An Regentagen lichtet sich die Menschenmenge um die Uhr deutlich. Die Uhr selbst ist wetterunabhängig, und der Turm des Altstädter Rathauses bietet eine überdachte Plattform. Mit Regenjacke und einem Besuch kurz vor der vollen Stunde kannst du das Erlebnis viel entspannter genießen als an einem sonnigen Sommernachmittag.
- Im Uhrenturm befindet sich ein Besucherzentrum der Prague City Tourism. Die Mitarbeiter dort beantworten Fragen zur Geschichte des Mechanismus und zum aktuellen Restaurierungsstand – nützliches Hintergrundwissen, denn die Uhr wurde zuletzt 2018 nach einem Schaden restauriert.
Für wen ist Prager Astronomische Uhr (Orloj) geeignet?
- Erstbesucher in Prag, die sich sofort historisch in der Altstadt verankern möchten
- Architektur- und Geschichtsbegeisterte mit Interesse an mittelalterlicher Ingenieurskunst
- Fotografen, die im frühen Morgen- oder Abendlicht arbeiten
- Reisende, die den Turm des Altstädter Rathauses als Orientierungspunkt nutzen, bevor sie die Stadt erkunden
- Alle, die eine Wanderroute durch die Altstadt planen und einen logischen geografischen Ausgangspunkt suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Altstadt (Staré Město):
- Teynkirche
Die Teynkirche ist Prags markantestes gotisches Wahrzeichen – ihre zwei 80 Meter hohen Türme ragen scharf über die Dächer des Altstädter Rings. Der Eintritt ist kostenlos, die Öffnungszeiten sind jedoch knapp, und das Innere erzählt eine Geschichte, an der die meisten Besucher einfach vorbeigehen.
- Kirche St. Nikolaus (Altstadt)
Die Nikolauskirche steht in der nordwestlichen Ecke des Altstädter Rings und ist ein kompaktes Barockmeisterwerk, das zwischen 1732 und 1737 erbaut wurde. Der Eintritt ist frei, das Innere wirklich sehenswert – und die meisten Besucher gehen einfach daran vorbei. Warum das ein Fehler ist, erfährst du hier.
- Klementinum
Das Klementinum ist eines der größten Gebäudekomplexe Prags und erstreckt sich über 2 Hektar im Herzen der Altstadt. Geführte Touren führen in einen atemberaubenden Barocksaal und auf einen schmalen Turm mit Panoramablick über die Türme der Stadt.
- Ständetheater (Stavovské divadlo)
Das Ständetheater in Prags Altstadt gehört zu den besterhaltenen Opernhäusern des 18. Jahrhunderts in Europa – und ist eines der wenigen Häuser, in denen Mozart selbst dirigiert hat. 1783 erbaut, erlebte es die Uraufführung des Don Giovanni und ist bis heute als aktive Spielstätte unter dem Dach des Nationaltheaters in Betrieb.