Paisaje Lunar: Teneriffas außerirdische Mondlandschaft
Der Paisaje Lunar – auf Deutsch „Mondlandschaft" – ist eine geologische Formation aus erodierten weißen Bimsstein-Spitzen, die sich dramatisch aus dem Kiefernwald oberhalb von Vilaflor erheben. Die Felsnadeln liegen auf rund 1.950–1.970 Metern Höhe im Naturpark Corona Forestal. Der Weg dorthin erfordert eine anspruchsvolle Bergwanderung – der Aufwand lohnt sich aber, denn kaum ein anderer Ort auf der Insel ist so spektakulär und so weit ab vom Trubel.
Fakten im Überblick
- Lage
- Naturpark Corona Forestal, oberhalb von Vilaflor de Chasna, Gemeinde Vilaflor de Chasna, Teneriffa
- Anfahrt
- TITSA-Buslinien 482 (ab Los Cristianos) und 474 (ab Granadilla) fahren nach Vilaflor; der Wanderweg beginnt nahe der Plaza de la Iglesia de Vilaflor
- Zeitbedarf
- 4–6 Stunden für die Standard-Rundtour PR-TF 72 ab Vilaflor (ca. 13 km)
- Kosten
- Kostenlos – kein Eintrittsgeld für das Naturgebiet
- Am besten für
- Ausdauernde Wanderer, Geologiebegeisterte und Fotografen auf der Suche nach ungewöhnlichen Landschaften

Wie der Paisaje Lunar wirklich aussieht
Der Paisaje Lunar, auch Los Escurriales genannt, ist eine Gruppe kegelförmiger weißer Bimsstein-Formationen und erodierter Vulkankamine im Naturpark Corona Forestal – auf rund 1.950–1.970 Metern Höhe an den Südhängen Teneriffas. Die Felsnadeln reichen von kniehoch bis mehrere Meter in die Höhe, und ihr blasses Creme-Grau hebt sich so deutlich vom umgebenden Kanarischen Kiefernwald ab, dass der Anblick wirklich verwirrt. Stundenlang bist du durch duftenden Kiefernschatten gewandert – und dann lichten sich die Bäume, und diese bleiche, fremdartige Welt liegt plötzlich vor dir.
Die Formationen entstanden durch Vulkanausbrüche, die Bimsstein-Schichten ablagerten, die Jahrtausende von Regen und Wind dann in ihre heutigen Formen schliffen. Das Gestein ist weich und leicht texturiert, fast kreidig anzusehen – und bröckelt, wenn man es greift. Der Boden rund um die Spitzen besteht aus hellem, losem Grus, der unter den Schuhsohlen knirscht und sich deutlich vom rostfarbenen Vulkanboden unterscheidet, den man auf dem Weg dorthin überquert. An einem klaren Morgen mit dem weißen Gestein vor tiefblauem Himmel versteht man sofort, warum dieser Ort auf jeder Liste der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten Teneriffas auftaucht.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Formationen liegen in einem geschützten Naturgebiet. Bleib auf den markierten Wegen und klettere nicht auf die Bimsstein-Strukturen – sie sind fragil und stehen unter Naturschutz.
Anreise: Wegoptionen und die Route ab Vilaflor
Zum Paisaje Lunar gibt es keinen Straßenzugang. Man kommt nur zu Fuß hin, und der gebräuchlichste Weg ist der PR-TF 72 – eine Rundtour, die an der Plaza de la Iglesia (San Pedro Apóstol) in Vilaflor de Chasna beginnt, einem der höchstgelegenen Dörfer der Kanarischen Inseln auf etwa 1.400 Metern. Die komplette Runde misst rund 13 km mit einem Höhenunterschied von ungefähr 700–800 Metern – das ist eine ernsthafte Unternehmung. Plane sechs bis acht Stunden für ein gemütliches Tempo mit Zeit an den Formationen ein.
Eine alternative Route folgt Abschnitten des GR-131 und des PR-TF 83.1 ab der TF-21 nahe dem Gebiet Madre del Agua, was für Autofahrer den Anmarsch verkürzen kann. Die TF-21 ist die Hauptstraße durch Vilaflor in Richtung Nationalpark, und im Dorf gibt es Parkmöglichkeiten. Mit dem Auto bist du beim Startzeitpunkt deutlich flexibler – was auf dieser Route wirklich einen Unterschied macht.
Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist: TITSA-Buslinie 482 verbindet Los Cristianos mit Vilaflor, Linie 474 kommt aus Granadilla. Beide fahren selten, also prüf unbedingt den aktuellen TITSA-Fahrplan, bevor du dich festlegst – der letzte Bus zurück ab Vilaflor fährt früh genug, dass ein langsamer Wanderer ihn verpassen könnte.
Der Weg ab Vilaflor folgt Abschnitten des historischen Camino de Chasna, einem alten Pfad, der seit über 500 Jahren als Querverbindung über die Insel dient und die Südküste mit dem Hochland im Inneren verbindet. Das Wandern darauf gibt dem Ausflug eine Tiefe, die über das geologische Schauspiel am Ende hinausgeht. Mehr darüber, wie solche Wege ins Wandernetz der Insel eingebettet sind, erfährst du im Wanderführer für Teneriffa – dort findest du Schwierigkeitsbewertungen, Markierungskonventionen und Hinweise zu den Bergbedingungen auf der ganzen Insel.
Wie sich das Erlebnis im Tagesverlauf verändert
Starte wenn möglich vor 8 Uhr. Der untere Kiefernwald-Abschnitt des PR-TF 72 ist morgens wirklich schön: kühle Luft mit dem scharfen Harzduft der Kanarischen Kiefer, Vogelstimmen in der Stille, kaum andere Menschen. Der Weg ist mit roten und weißen PR-Markierungen gut ausgeschildert, aber an einigen Stellen, wo Erosion den Untergrund verändert hat, muss man die Augen aufhalten.
Gegen Vormittag steht die Sonne bereits über dem Kamm und der helle Bimsstein staut merklich Wärme. Die Mondlandschaft liegt freioffen mit kaum Schatten – deshalb macht es einen spürbaren Unterschied, die Formationen im kühleren späten Vormittag statt in der Mittagshitze zu erreichen. Auch für Fotos ist das Licht vor Mittag besser: Die tiefstehende Morgensonne bringt die Textur der Felsnadeln plastisch zur Geltung, während hartes Mittagslicht alles flach erscheinen lässt.
Das Wolkenverhalten auf dieser Höhe ist wichtig. Der Corona Forestal liegt genau in der Zone, wo atlantische Wolken regelmäßig gegen das höhere Gelände drücken – es kommt vor, dass die Formationen in Nebel gehüllt sind. An solchen Tagen bekommt die Mondlandschaft eine ganz andere Stimmung: Die bleichen Formen tauchen aus dem grauen Dunst auf, die Sicht schrumpft, und der Kiefernwald darunter verschwindet. Ob das für dich dramatisch oder enttäuschend ist, hängt von deinen Erwartungen ab. An klaren Sommertagen siehst du von hier die Südküste weit unten, mit dem Atlantik, der in der Ferne glitzert.
⚠️ Besser meiden
Auf der gesamten Route gibt es keine Wasserquellen. Nimm mindestens 2–3 Liter Wasser pro Person mit, im Sommer mehr. Zwischen Vilaflor und den Formationen gibt es weder Cafés noch Unterstände oder sonstige Einrichtungen.
Geologischer und kultureller Hintergrund
Die Formationen des Paisaje Lunar sind das Ergebnis zweier aufeinanderfolgender Kräfte: vulkanischer Ablagerung und atmosphärischer Erosion. Frühere Ausbrüche schichteten dicke Lagen heller Bimssteine auf den oberen Südhängen auf. Über Jahrtausende schliffen Regen und Wind Kanäle durch dieses weiche Gestein und hinterließen die heute sichtbaren Kegel und Grate. Das Ergebnis ähnelt strukturell den „Hoodoo"-Formationen der Kappadokien oder Teilen des amerikanischen Südwestens, entstand aber durch eine leicht andere Abfolge von Ereignissen.
Die vulkanische Landschaft, aus der Formationen wie der Paisaje Lunar hervorgehen, ist dieselbe geologische Geschichte, die auch den Teide und die umliegende Caldera geformt hat. Der Teide-Nationalpark, der nördlich an den Corona Forestal grenzt, beherbergt seine eigenen beeindruckenden Erosionsformationen bei den Roques de García – ein nützlicher Vergleichspunkt, wenn du verstehen möchtest, wie dasselbe vulkanische Ausgangsmaterial auf verschiedenen Höhenstufen der Insel unterschiedliche Oberflächentexturen erzeugt.
Der Camino de Chasna, der den Paisaje Lunar mit Vilaflor verbindet, ist einer der bedeutenden historischen Wege der Insel – früher genutzt für Handel und Bewegung zwischen der Küste und dem Hochland im Inneren. Vilaflor selbst, auf rund 1.400 Metern gelegen, war auf dieser Route historisch ein wichtiger Zwischenstopp. Mehr über das Netz der geschützten Naturräume der Insel bietet der Gebietsführer Teide-Nationalpark – dort findest du einen guten Überblick darüber, wie die verschiedenen Zonen zusammenhängen.
Ausrüstung und Vorbereitung
Das hier ist eine Bergwanderung auf Höhe – kein Waldspaziergang. Das Gelände besteht aus unebenem Vulkangestein und losem Bimssteingrus mit erheblichen Höhenunterschieden. Vernünftiges Schuhwerk bedeutet mindestens Trailrunning-Schuhe, für alle, die auf losem Untergrund weniger sicher sind, lieber Wanderstiefel. Teleskopstöcke sind beim Abstieg hilfreich, wo der Grus rutschig werden kann.
Die Kleidung muss der Höhe Rechnung tragen. Vilaflor kann sich morgens in der Sonne warm anfühlen, aber auf 2.000 Metern fällt die Temperatur schnell, wenn Wolken aufziehen – und an exponierten Graten ist der Wind unabhängig von der Jahreszeit kalt. Pack eine leichte Windschutzjacke oder ein Fleece ein, das du schnell ausziehen kannst. Sonnenschutz ist ein Muss – auf dieser Höhe ist die UV-Strahlung auch bei milden Temperaturen hoch, und der helle Bimsstein reflektiert das Licht zusätzlich von unten.
- Mindestens 2–3 Liter Wasser pro Person (keine Quellen auf der Route)
- Energiereiche Snacks und ein richtiges Mittagessen – die Tour dauert den größten Teil des Tages
- Trailschuhe oder Wanderstiefel mit Profil für losen Untergrund
- Windschutzjacke und Sonnenschutz (Mütze oder Kappe, Sonnencreme, Sonnenbrille)
- Vollständig geladenes Handy mit heruntergeladener Offline-Karte (Empfang kann schwach sein)
- Aktuelle Wegbedingungen beim Cabildo de Tenerife prüfen – nach starkem Regen können Wege gesperrt sein
Fotografieren am Paisaje Lunar
Die Formationen sind unter fast allen Bedingungen fotogen, aber die besten Bilder entstehen am frühen Morgen, wenn die Sonne tief steht und lange Schatten über die texturierte Bimsstein-Oberfläche wirft. Weitwinkelobjektive betonen die Größe der Felsnadeln vor dem Himmel oder dem umgebenden Kiefernwald. Wenn du dich niederknieen und von unten gegen den Himmel fotografierst, bekommst du eine dramatischere Silhouette als aus Stehposition.
An nebeligen Tagen kann ein längeres Tele einzelne Felsnadeln vor dem grauen Hintergrund für ein stimmungsvolles, minimalistisches Ergebnis isolieren. Die helle Farbe des Bimsteins kann dazu führen, dass die Automatikbelichtung leicht unterbelichtet – stell eine kleine positive Belichtungskorrektur ein, wenn du im Automatikmodus fotografierst. Drohnenflüge im Naturpark Corona Forestal sind reguliert; informiere dich vor dem Fliegen über die aktuellen Regeln beim Cabildo de Tenerife.
💡 Lokaler Tipp
Für das dramatischste Licht auf den Formationen plane deine Ankunft am Paisaje Lunar zwischen 9 und 11 Uhr. Das bedeutet, Vilaflor spätestens um 7:00–7:30 Uhr zu verlassen.
Ehrliche Einschätzung: Lohnt sich der Aufwand?
Ja – für die richtigen Besucher. Der Paisaje Lunar ist wirklich einzigartig auf der Insel. Die Kombination aus dem historischen Camino de Chasna, dem Kiefernwald und den surrealen weißen Formationen am Ende ergibt einen runden, erfüllenden Tag, mit dem kaum eine andere Wanderung auf Teneriffa in Sachen Abwechslung und visuellem Eindruck mithalten kann.
Allerdings verlangt die Tour echten Einsatz: Kondition, Zeit und Vorbereitung. Wer vor einem 13-km-Bergtag mit rund 700–800 Höhenmetern zurückschreckt, sollte diese Wanderung nicht angehen. Es gibt keine Abkürzungen und keinen einfachen Ausstieg, wenn du erst tief im Wald bist. Wer vulkanische Dramatik mit weniger körperlichem Aufwand sucht, für den sind die Roques de García im Teide-Nationalpark mit dem Auto erreichbar und bieten eine ganz andere, aber ebenso beeindruckende Vulkanlandschaft.
Außerdem lohnt es sich zu wissen: An bewölkten Tagen, wenn die Wolkenschicht genau auf Höhe der Formationen liegt, ist das Erlebnis erheblich weniger spektakulär. Wer nur wenige Tage auf Teneriffa hat, sollte diese Wanderung für einen Morgen mit klarer Wettervorhersage aufsparen. Bei strahlend blauem Himmel ist der Lohn enorm; bei Wolken hat man einen sehr langen Weg in den Wald auf sich genommen – mit eher mäßiger Ausbeute.
Insider-Tipps
- Lade dir eine Offline-Karte des Wanderwegs PR-TF 72 herunter, bevor du Vilaflor verlässt – im Wald gibt es keinen Handyempfang, und an einigen Kreuzungen muss man genau hinschauen.
- In Vilaflor gibt es eine kleine Bäckerei und ein Café nahe der Kirchenplaza – leg dort einen Stopp für Frühstück und Snacks ein, denn zwischen dem Dorf und den Felsformationen gibt es nichts.
- Der Rückweg von Paisaje Lunar nach Vilaflor kann sich gegen Ende ziehen. Der Abschnitt durch den unteren Kiefernwald geht zügig, aber kurz vor dem Ort schleppst du dich dann doch noch eine Weile. Verlasse die Formationen spätestens um 14 Uhr, um komfortabel vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein.
- Wer mit dem Auto anreist, sollte an Wochenenden im Frühling und Herbst vor 8 Uhr in Vilaflor sein – der Parkplatz ist begehrt, und am Vormittag wird die Plaza bereits voll.
- Der Weg führt durch einen Kanarischen Kiefernwald, der sich nach historischen Bränden aktiv erholt – die harzigen, senkrechten Stämme mit ihrer feuerfesten Rinde erzählen die ökologische Geschichte dieser Landschaft. Nimm dir beim Wandern einen Moment, sie zu betrachten.
Für wen ist Paisaje Lunar geeignet?
- Ausdauernde Wanderer, die eine ganztägige Bergroute mit einem spektakulären Ziel suchen
- Fans von Geologie und vulkanischen Landschaften
- Fotografen, die wirklich ungewöhnliche Naturkulissen suchen
- Besucher, die den historischen Camino de Chasna erleben möchten
- Reisende, die abseits der touristischen Hauptrouten ins Inselinnere vordringen wollen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Teide-Nationalpark:
- Teide
Mit 3.715 Metern ist der Teide Spaniens höchster Berg und einer der meistbesuchten Nationalparks der Welt. Ob du mit der Seilbahn zur Rambleta fährst oder durch die uralte Las-Cañadas-Caldera wanderst – das hier ist Teneriffas beeindruckendstes Erlebnis, das sich mit guter Planung richtig lohnt.
- Teide-Observatorium
Das Observatorio del Teide liegt auf 2.390 Metern Höhe an den Hängen des Teide und ist eine aktive Forschungseinrichtung des Instituto de Astrofísica de Canarias. Der Zutritt ist ausschließlich über vorgebuchte Führungen möglich – damit zählt es zu den ungewöhnlichsten und lohnenswertesten Wissenschaftserlebnissen auf den Kanarischen Inseln.
- Roques de García
Die Roques de García erheben sich aus dem Boden der Las-Cañadas-Caldera in etwa 2.100 bis 2.200 Metern Höhe – ein Ensemble uralter, verwitterter Vulkanfelsen, das zu den meistfotografierten Landschaften der Kanarischen Inseln gehört. Ein kostenloser, ausgeschilderter Rundweg führt direkt durch die Formationen und macht diesen Ort zu einem der zugänglichsten Höhenwanderwege im Teide-Nationalpark.
- Teide-Seilbahn (Teleférico del Teide)
Der Teleférico del Teide bringt dich in nur acht Minuten von der Vulkanebene der Las-Cañadas-Caldera bis auf 160 Meter unterhalb des höchsten Gipfels Spaniens. Dieser Guide verrät dir alles, was du für deinen Ausflug brauchst: Ticketpreise, Öffnungszeiten, wie es sich in dieser Höhe anfühlt und wann du Warteschlangen und Wolken am besten vermeidest.