Montreal Tower: Olympiaparks schiefer Turm mit Weltrekord

Der Montreal Tower (Tour de Montréal) ist der weltweit höchste geneigte Turm und Teil des Olympiastadion-Komplexes. Derzeit wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten geschlossen, soll er im Frühjahr 2027 mit einem neu gestalteten Aussichtserlebnis wiedereröffnen.

Fakten im Überblick

Lage
4545 avenue Pierre-De Coubertin, Montréal, QC H1V 0B2 – im Olympiapark
Anfahrt
Métro-Station Viau (Grüne Linie, STM) – von dort ist der Olympiapark-Komplex in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar
Zeitbedarf
1 bis 2 Stunden nach der Wiedereröffnung; kombiniert mit dem Biodôme oder dem Olympiastadion ergibt sich ein halber Tag
Kosten
Derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, voraussichtlich bis Frühjahr 2027. Aktuelle Preise findest du auf der offiziellen Website näher zur Wiedereröffnung.
Am besten für
Architekturbegeisterte, Panoramaausblicke über die Stadt, Besucher mit Interesse am olympischen Erbe Montréals
Der Montreal Tower im Olympiapark mit seiner markant geneigten Konstruktion und den Stahlseilen, eingerahmt von Bäumen und einem pastellfarbenen Abendhimmel.
Photo Jiaqian AirplaneFan (CC BY 3.0) (wikimedia)

Was ist der Montreal Tower?

Der Montreal Tower, auf Französisch Tour de Montréal, ist eines der strukturell außergewöhnlichsten Bauwerke Nordamerikas. Er gilt weithin als der weltweit höchste geneigte Turm und ist fester Bestandteil des Olympiastadion-Komplexes. Das klingt zunächst nach einer Randnotiz – bis man am Fuß steht und nach oben schaut: Der Turm verjüngt sich nicht zu einer konventionellen Spitze, sondern neigt sich in einem Winkel, der beim ersten Anblick die Schwerkraft zu ignorieren scheint.

Entworfen wurde der Turm vom französischen Architekten Roger Taillibert, der auch das Olympiastadion selbst gestaltet hat. Tailliberts Architektur im gesamten Olympiapark-Komplex ist kompromisslos mutig: geschwungene Betonformen, eine fast skulpturale Gleichgültigkeit gegenüber dem Gewöhnlichen. Der Turm wurde nach den Olympischen Sommerspielen 1976, für die der Komplex ursprünglich gebaut wurde, fertiggestellt. Jahrelang diente er als Aussichtsplattform; heute wird er grundlegend renoviert – unter anderem werden eine neue Glas-Standseilbahn und ein Dachzugang ergänzt.

⚠️ Besser meiden

Wichtiger Hinweis: Der Montreal Tower ist derzeit wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten im Olympiapark für Besucher geschlossen. Die geplante Wiedereröffnung ist im Frühjahr 2027. Das renovierte Erlebnis soll Dachzugang und eine neue Glas-Standseilbahn umfassen.[1]

Die Architektur: Warum dieses Bauwerk zählt

Schon aus der Ferne zieht der Turm alle Blicke auf sich. Von der Métro-Station Viau aus ist die geneigte Silhouette bereits über den Dächern sichtbar – eine Diagonale, die den Himmel auf eine Weise durchschneidet, die bewusst provokant wirkt. Aus der Nähe ist der Turmsockel riesig, und die Seilsysteme, die einst den Turm mit dem einfahrbaren Dach des Stadions verbanden, sind über einem sichtbar – sie unterstreichen das Gefühl, dass es sich hier um eine Maschine ebenso handelt wie um ein Monument.

Tailliberts Formensprache im Olympiapark lässt sich einer Architekturströmung zuordnen, die manchmal als organischer Expressionismus bezeichnet wird. Die geschwungenen Betonformen, die Abwesenheit rechter Winkel, die integrierte Konstruktionslogik – all das war zur Entstehungszeit umstritten und wird mit zunehmendem Alter der Gebäude und wachsender Klarheit über ihre Einzigartigkeit immer mehr geschätzt. Ob man den Turm schön findet oder überladen – man kann nicht bestreiten, dass er nichts anderem in Montréal ähnelt. Oder sonst irgendwo.

Wer verstehen möchte, wie der Turm in Montréals größere Architekturgeschichte eingebettet ist, findet im Montréal-Architekturführer einen Überblick über Tailliberts olympische Bauten sowie die anderen großen Architekturmomente der Stadt – von den religiösen Gebäuden des 19. Jahrhunderts bis zu Moshe Safdies Habitat 67.

Tickets & Führungen

Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.

  • Montreal evening cruise on the St. Lawrence River

    Ab 54 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
  • 3-hour e-bike guided tour in Montreal

    Ab 68 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
  • Walking tour of Old Montreal

    Ab 20 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung

Der Blick von oben: Was dich erwartet

Nach der Wiedereröffnung soll das renovierte Erlebnis eine neue Glas-Standseilbahn umfassen, die Besucher zu neu gestalteten Besucherebenen nahe dem Gipfel bringt, sowie einen Dachzugang. Die offiziellen Details zum endgültigen Aussichtserlebnis sollten vor dem Besuch auf der offiziellen Website bestätigt werden.[1]

Aus dieser Höhe und Lage im östlichen Teil der Stadt nimmt man direkt unterhalb das Olympiastadion wahr, daneben das grüne Blätterdach des Botanischen Gartens und westlich davon die Innenstadt-Skyline mit dem Mont Royal im Hintergrund. An klaren Tagen ist der Sankt-Lorenz-Strom im Süden zu sehen, und die flache Agrarlandschaft Richtung Südküste füllt den Horizont. Diese Perspektive unterscheidet sich deutlich vom Blick vom Mont Royal, der einen verdichteteren, auf die Innenstadt fokussierten Panoramablick bietet.

Wer die verschiedenen Aussichtspunkte der Stadt miteinander vergleichen möchte, findet im Guide zu den besten Aussichten in Montréal hilfreiche Einordnungen dazu, was jeder Aussichtspunkt bietet und wann die Lichtverhältnisse jeweils am besten sind.

💡 Lokaler Tipp

Fotografietipp für die Zeit nach der Wiedereröffnung: Morgendliches Licht aus dem Osten fällt direkt auf die Innenstadt-Skyline und macht die Aussichtsplattform ideal für Fotografen. Mittags im Sommer entstehen harte Schatten auf dem Stadion darunter; für die Außenanlage des Olympiaparks ist der späte Nachmittag besser geeignet.

Der Olympiapark: Der größere Zusammenhang

Der Turm steht nicht für sich allein. Er ist Teil eines weitläufigen olympischen Komplexes, zu dem das Stadion, das Biodôme, das Insektarium, der Botanische Garten und das Rio Tinto Alcan Planetarium gehören. Diese Konzentration von Kultur- und naturhistorischen Attraktionen auf engem Raum macht das Viertel Hochelaga-Maisonneuve nach der Altstadt zu einem der sehenswürdigkeitendichtesten Stadtteile Montréals.

Das Montréal Biodôme liegt direkt neben dem Turmfuß und beherbergt vier verschiedene Ökosysteme unter einem Dach – eine der außergewöhnlichsten naturhistorischen Attraktionen Kanadas. Der Botanische Garten Montréal liegt gleich gegenüber und zählt regelmäßig zu den größten und bedeutendsten botanischen Sammlungen der Welt. Ein halbtägiger Besuch, der den Turm mit einer oder beiden dieser Einrichtungen verbindet, ist deutlich lohnender als der Turm allein.

Das Olympiastadion selbst hat einen zwiespältigen Ruf. Für die Spiele von 1976 gebaut und jahrzehntelang von Kostenüberschreitungen und technischen Problemen geplagt, ist es dennoch Teil der kollektiven Identität Montréals geworden. Führungen durch das Stadion finden unabhängig vom Turm statt und laufen auch während der Renovierungszeit weiter – das Gelände ist also auch bei geschlossenem Turm einen Besuch wert.

Anreise und Orientierung vor Ort

Die unkomplizierteste Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln führt über die Grüne Linie der Métro zur Station Viau, von der aus der Olympiapark-Komplex in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar ist. Die Station Pie-IX auf derselben Linie ist ein alternativer Einstiegspunkt, besonders praktisch, wenn man von der Seite des Botanischen Gartens kommt. Beide Stationen sind mit Aufzügen ausgestattet.

Wer mit einer Tageskarte unterwegs ist oder mehrere Métro-Fahrten plant, findet im Guide zur Fortbewegung in Montréal alle Infos zu STM-Tarifen, dem OPUS-Kartensystem und effizienten Routen zwischen den einzelnen Stadtvierteln.

Mit dem Auto ist die Anreise praktisch, wenn man von außerhalb der Stadt kommt – der Olympiapark verfügt über eigene Parkplätze. Der Komplex liegt im Stadtviertel Hochelaga-Maisonneuve, rund 5 Kilometer östlich der Innenstadt. Die Umgebung ist überwiegend Wohn- und leichtes Gewerbegebiet mit wenigen Restaurantoptionen in unmittelbarer Nähe. Am besten innerhalb des Komplexes essen oder Verpflegung mitbringen, wenn man einen langen Tag plant.

Besuch planen: Was du vor 2027 wissen solltest

Die Besucherbereiche des Turms sind während der gesamten Renovierungszeit geschlossen, mit einer geplanten Wiedereröffnung im Frühjahr 2027. Das renovierte Erlebnis soll Dachzugang und eine neue Glas-Standseilbahn umfassen. Preise, Öffnungszeiten und weitere Details sollten näher zur Wiedereröffnung auf der offiziellen Website des Olympiaparks bestätigt werden.[1]

Die Renovierungszeit bietet eigentlich eine gute Gelegenheit, den Olympiapark-Komplex ohne den üblichen Turmandrang zu erkunden. Biodôme, Botanischer Garten, Insektarium und Planetarium sind alle geöffnet. Die Außenfassade des Stadions und das Gelände sind frei zugänglich und vermitteln ein vollständiges Bild vom Maßstab und Charakter von Tailliberts Entwurf. Das Profil des Turms ist aus verschiedenen Winkeln gut sichtbar, ohne dass man ihn besteigen müsste.

Zur Barrierefreiheit des renovierten Erlebnisses gibt es noch keine bestätigten Informationen. Frühere Versionen der Attraktion haben bestimmte Bereiche – darunter das Haupttreppenhaus und Teile der verglasten Hülle – als nicht rollstuhlgerecht ausgewiesen. Besucher mit eingeschränkter Mobilität sollten sich vor einem geplanten Turmbesuch direkt beim Olympiapark erkundigen.

ℹ️ Gut zu wissen

Für wen sich der Besuch möglicherweise nicht lohnt: Reisende ohne Interesse an Architektur oder Stadtpanoramen sowie alle, die Montréal nur kurz besuchen und sich auf die Altstadt und das Hafenviertel konzentrieren, könnten die 20-minütige Métro-Fahrt für den Turm allein schwer rechtfertigen. Am besten mit dem Botanischen Garten oder dem Biodôme kombinieren, dann lohnt sich der Weg auf jeden Fall.

Insider-Tipps

  • Auch bei geschlossenem Turm lohnt sich ein Spaziergang rund um den Fuß des Olympiastadions – dort entstehen einige der dramatischsten Architekturfotos der Stadt. Die geschwungenen Betonformen des Stadions und der Neigungswinkel des Turms ergeben Bildkompositionen, die es in Montréal kein zweites Mal gibt.
  • Der Botanische Garten auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit seinem chinesischen und japanischen Garten ist im Vergleich zu den Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt deutlich weniger überlaufen. Nach der Wiedereröffnung des Turms lassen sich beide wunderbar kombinieren – für einen halben Tag, der Architektur und Natur vereint.
  • Wer jetzt schon einen Überblick über den östlichen Teil der Stadt möchte: Das Kondiaronk-Belvedere auf dem Mont Royal bietet die zugänglichste Alternative, auch wenn die Perspektive sich deutlich vom Turmausblick unterscheidet.
  • An diesem Ende der Grünen Linie solltest du die Fahrtzeiten im Blick behalten – außerhalb der Stoßzeiten fahren die Züge seltener als an den zentralen Stationen. Am besten vorher den STM-Fahrplan checken, damit du an der Rückfahrt an den Stationen Viau oder Pie-IX nicht lange wartest.
  • Den Turm versteht man am besten als Teil des Taillibert-Gesamtensembles, nicht als Einzelbauwerk. Wer sich vor oder nach dem Aufstieg Zeit nimmt, die Außenfassade des Stadions zu erkunden, bekommt ein viel tieferes Gefühl für die Architektur, als wenn man den Turm nur als Aussichtspunkt behandelt.

Für wen ist Montreal Tower geeignet?

  • Architektur- und Ingenieurbegeisterte, die einen der strukturell ungewöhnlichsten Türme der Welt aus der Nähe erleben möchten
  • Besucher, die einen halben Tag im Olympiapark verbringen und dabei auch das Biodôme oder den Botanischen Garten einplanen
  • Fotografen auf der Suche nach Panoramaaufnahmen Montréals von der Ostseite der Stadt – mit der Innenstadt-Skyline und dem Sankt-Lorenz-Strom im Bild
  • Familien, die ohnehin das Biodôme oder das Insektarium besuchen und den Tag mit einem besonderen Aufstiegserlebnis verlängern möchten
  • Alle, die sich für Montréals Olympia-Geschichte von 1976 und das komplexe Erbe der Infrastruktur aus dieser Zeit interessieren

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Olympiapark:

  • Biodôme

    Das Biodôme ist eine der ungewöhnlichsten Attraktionen Montreals: ein ehemaliges olympisches Velodrom, das in ein lebendiges Naturkundemuseum verwandelt wurde. Hier spazierst du durch einen tropischen Regenwald, ein Meeresökosystem des Sankt-Lorenz-Stroms, eine subpolare Umgebung und einen Ahornwald – ohne einen Fuß nach draußen zu setzen. Ein Besuch lohnt sich in jedem Alter, aber es hilft zu wissen, was dich erwartet.

  • Château Dufresne

    Zwischen 1915 und 1918 für zwei Brüder auf dem Höhepunkt ihres industriellen Erfolgs erbaut, ist das Château Dufresne ein seltenes Doppelherrenhaus, das im Glanz des frühen 20. Jahrhunderts eingefroren scheint. Die Innenräume sind in bemerkenswertem Zustand erhalten und machen es zu einem der am meisten unterschätzten Architekturschätze der Stadt.

  • Insectarium

    Das Montréal Insectarium ist eines der ambitioniertesten Insektenmuseen Nordamerikas, untergebracht in einem beeindruckenden Neubau aus dem Jahr 2022. Mit immersiven Galerien, lebenden Sammlungen und Ausstellungen, die auf Neugier statt auf Ekel ausgelegt sind, lohnt sich der Besuch für alle Altersgruppen – für alle, die bereit sind, die am meisten übersehenen Lebewesen der Welt genauer unter die Lupe zu nehmen.

  • Botanischer Garten Montréal

    Der Jardin botanique de Montréal gehört zu den größten Botanischen Gärten der Welt – 75 Hektar, mehr als 22.000 Pflanzenarten und Dutzende thematische Gärten. Vom stillen Gewächshaus im Februar bis zum leuchtenden Laternen-Festival im Herbst lohnt sich ein Besuch zu jeder Jahreszeit.