Deutsches Historisches Museum Berlin: Der komplette Besucherguide

Berlins nationales Geschichtsmuseum erstreckt sich über zwei architektonisch beeindruckende Gebäude Unter den Linden: das barocke Zeughaus und I.M. Peis markanten Glasbau. Mit über 2.000 Jahren deutscher und europäischer Geschichte gehört das DHM zu den bedeutendsten Dauersammlungen des Landes. Hier erfährst du, was dich erwartet.

Fakten im Überblick

Lage
Hinter dem Gießhaus 3, 10117 Berlin (Mitte)
Anfahrt
Museumsinsel (U5); Bus 100 und 200 halten in der Nähe an der Haltestelle Unter den Linden / Staatsoper
Zeitbedarf
2 bis 3 Stunden für den Pei-Bau; bei umfangreichen Ausstellungen besser einen halben Tag einplanen
Kosten
7 € regulär / 3,50 € ermäßigt / Unter 18 Jahren kostenlos. Kombiticket 10 € / 5 € ermäßigt
Am besten für
Geschichtsinteressierte, Architekturliebhaber, Regentage, Schulkinder ab der Sekundarstufe und Erwachsene
Offizielle Website
www.dhm.de
Moderne Glas- und Steinarchitektur des I.M. Pei-Anbaus des Deutschen Historischen Museums bei Nacht beleuchtet in Berlin.
Photo Ansgar Koreng (CC BY-SA 3.0 de) (wikimedia)

Was das Deutsche Historische Museum wirklich ist

Das Deutsches Historisches Museum (DHM) ist Deutschlands nationales Geschichtsmuseum, gegründet 1987 im Rahmen des 750-jährigen Stadtjubiläums Berlins. Sein Auftrag ist weitreichend: die deutsche und europäische Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart zu dokumentieren und einzuordnen. Das klingt abstrakt – bis du vor einer römischen Weihesäule stehst und zwanzig Minuten später das Kleingedruckte auf einem Wahlplakat von 1933 liest. Die chronologische Breite der Sammlung ist real, kein Marketingversprechen.

Das Museum verteilt sich auf zwei sehr unterschiedliche Gebäude an und nahe dem zentralen Boulevard Unter den Linden. Das historische Hauptgebäude ist das Zeughaus Unter den Linden 2 – Berlins ältestes erhaltenes Barockbauwerk, 1706 fertiggestellt und ursprünglich als königliches Arsenal errichtet. Das zweite Gebäude ist der Pei-Bau am Hinter dem Gießhaus, ein eigens errichteter Anbau von I.M. Pei, der 2003 eröffnet wurde. Derzeit ist das Zeughaus wegen Sanierungs- und Bauarbeiten geschlossen. Der Pei-Bau ist täglich geöffnet und beherbergt die wechselnden Sonder- und Themenausstellungen des Museums.

⚠️ Besser meiden

Das Zeughaus und seine Dauerausstellung sind derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Prüfe vor deinem Besuch auf dhm.de, welche Ausstellungen im Pei-Bau laufen – das Programm wechselt regelmäßig.

Die zwei Gebäude: Barockes Arsenal und Peis Glasturm

Auch wenn das Innere des Zeughauses nicht zugänglich ist, lohnt ein kurzer Halt vor dem Gebäude. Die lange Steinfassade Unter den Linden ist mit gemeißelten Sandstein-Kriegermasken geschmückt – den berühmten Schlüter-Masken sterbender Soldaten, die Andreas Schlüter um 1696 entworfen hat. Diese Gesichter, verzerrt in Schmerz und Ergebung, befinden sich knapp oberhalb der Augenhöhe an den Innenhofwänden und strahlen eine unbeabsichtigte Schwere aus, die für ein Geschichtsmuseum fast zu passend ist. Der Innenhof selbst ist während der Renovierung vom Eingangstor aus nicht einsehbar.

Der Pei-Bau liegt unmittelbar hinter dem Zeughaus, verbunden durch ein gläsernes Wendeltrepphaus, das selbst zu den meistfotografierten architektonischen Details in Mitte gehört. Peis Entwurf ist ein viergeschossiger zylindrischer Turm aus Glas und weißem Beton mit dreieckigen Bodenausschnitten, durch die Tageslicht gleichzeitig auf mehrere Ebenen fällt. Das ist auf eine Weise still beeindruckend, die sich erst im Inneren erschließt. Die Geometrie verändert sich beim Treppensteigen, und der Blick zurück durch das Glas auf die Zeughaus-Kuppel und den dahinterliegenden Spreekanal ist eine jener zufälligen Berliner Kompositionen, die langsame Besucher belohnt.

Der Pei-Bau liegt im selben Block wie Unter den Linden, dem historischen Boulevard, der das Brandenburger Tor mit der Museumsinsel verbindet. Wer diese Achse als Teil eines Mitte-Tages abläuft, kann das Museum ganz natürlich in die Route integrieren – ohne Umweg.

Tickets & Führungen

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Was dich im Pei-Bau erwartet

Die Ausstellungsräume des Pei-Baus verteilen sich auf vier Stockwerke, die durch das Wendeltrepphaus und Aufzüge verbunden sind. Die Räume sind klar gestaltet und gut beleuchtet, die Beschriftungen durchdacht – ein Zeichen, dass das Museum seinen Bildungsauftrag ernst nimmt. Texttafeln sind auf Deutsch und Englisch, was in Berliner Museen keine Selbstverständlichkeit ist.

Die Ausstellungen im Pei-Bau sind thematisch oft groß angelegt. Frühere Programme haben Themen wie die Geschichte der Mode als politisches Dokument, die Bildkultur der Weimarer Republik und das Erbe des deutschen Kolonialismus behandelt. Das sind keine oberflächlichen Schauen. Die Fülle an Primärquellen – Briefe, Propagandaplakate, Uniformen, Filmrollen, Alltagsgegenstände – belohnt alle, die genug Zeit mitbringen, um wirklich zu lesen und nicht nur zu schauen.

Praktisch gesehen: Der Eingangsbereich ist gut besetzt und läuft auch an belebten Wochenendnachmittagen flüssig. Die Garderobe ist hilfreich, wenn du eine größere Tasche dabei hast. Der Museumsshop am Eingang bietet eine solide Auswahl an ernsthaften Geschichtsbüchern und Ausstellungskatalogen, darunter auch Titel auf Englisch. Das hauseigene Café eignet sich gut als Verschnaufpause – besonders auf der verglasten Untergeschossebene, wo Peis Geometrie für eine ungewöhnliche Mittagsumgebung sorgt.

💡 Lokaler Tipp

Wer mit Schulkindern kommt: Am Eingang nach Führungen in Leichter Sprache fragen. Das DHM bietet außerdem spezielle Programme für gehörlose Besucher sowie Führungen für blinde und sehbehinderte Gäste an – am besten vorher beim Museum anfragen.

Historischer und kultureller Hintergrund

Die Gründung des DHM 1987 war selbst ein politischer Akt. Bundeskanzler Helmut Kohl trieb das Projekt voran, um eine kohärente nationale Geschichtsidentität zu verankern – zu einer Zeit, als diese Identität politisch aufgeladen und geografisch gespalten war. Die Wiedervereinigung Deutschlands drei Jahre später veränderte grundlegend, welche Art von Museum das DHM sein musste. Ein nationales Geschichtsmuseum in einem geteilten Land ist eine andere Institution als eines in einem wiedervereinigten Staat, der noch immer die Erblast zweier Diktaturen in einem einzigen Jahrhundert verarbeitet.

Dieses komplizierte Erbe zeigt sich darin, dass die Sammlung schwieriges Material aushält, ohne es in einfache Erzählungen aufzulösen. Die Dauerausstellung – sobald das Zeughaus wieder öffnet – überspringt weder die NS-Zeit noch die DDR-Jahre. Sie behandelt beides als kontinuierliche deutsche Geschichte, nicht als Ausrutscher einer ansonsten geradlinigen nationalen Geschichte. Diese Rahmung ist durchdacht und bewusst gesetzt, das Ergebnis jahrzehntelanger kuratorischer Debatten innerhalb deutscher Geschichtsinstitutionen.

Wer ein tieferes Verständnis der Berliner Geschichte des 20. Jahrhunderts aufbauen möchte, kann das DHM gut mit der Topographie des Terrors und dem Jüdisches Museum Berlin kombinieren – beide beleuchten bestimmte Epochen und Themen mit deutlich größerer Tiefenschärfe.

Besuch nach Tageszeit

Das Museum öffnet um 10:00 Uhr, und die erste Stunde ist erfahrungsgemäß die ruhigste – mit einzelnen Frühbesuchern und vereinzelten Schulklassen, die sich noch nicht in den Räumen verteilt haben. Ab etwa 11:30 Uhr am Wochenende wird es im Eingangsbereich und Treppenhaus lebhafter, vor allem durch Touristen, die entlang der Unter den Linden unterwegs sind und das DHM nach dem Brandenburger Tor einbauen.

Der frühe Nachmittag an Wochentagen ist oft das angenehmste Zeitfenster: Schulgruppen sind meist fertig, der vorbenddliche Touristenstrom noch nicht unterwegs. Die oberen Stockwerke des Pei-Baus sind unabhängig von der Tageszeit weniger belebt als die Erdgeschossausstellungen, weil viele Besucher nicht über das erste oder zweite Obergeschoss hinausgehen. Wer das beste Licht in Peis Glaskegel erleben möchte, sollte an einem klaren Morgen kommen, wenn das Sonnenlicht flach in das Atrium hineinfällt.

Das Museum schließt täglich um 18:00 Uhr.

Anfahrt und praktische Hinweise

Die Adresse lautet Hinter dem Gießhaus 3 – direkt hinter dem Zeughaus auf der Kanalseite. Der Haupteingang zum Pei-Bau befindet sich an dieser Straße, nicht an der Unter den Linden selbst. Das verwirrt manche Erstbesucher, die vor der Zeughausfassade ankommen und den Eingang nicht finden. Sobald du um die Ecke biegst, ist der Eingang klar ausgeschildert.

Die nächste U-Bahn-Haltestelle ist Museumsinsel (U5). Die Buslinien 100 und 200 fahren entlang der Unter den Linden und verbinden Alexanderplatz mit dem Tiergarten – die nächste Haltestelle liegt zwei Gehminuten entfernt. Wer die Museumsinsel am selben Tag besucht, kann das DHM gut anhängen – ein kurzer Spaziergang über die Schlossbrücke reicht.

Die Barrierefreiheit ist gut gelöst. Das Museum bestätigt stufenfreien Zugang im gesamten Pei-Bau und gibt an, dass alle Ausstellungsräume über einen rollstuhlgerechten Aufzug erreichbar sind. Rollstühle und mobile Sitzmöglichkeiten können kostenlos an der Infotheke ausgeliehen werden.

ℹ️ Gut zu wissen

Eintritt: 7 € regulär / 3,50 € ermäßigt / kostenlos für Besucher unter 18 Jahren. Ein Kombiticket für beide Gebäude kostet 10 € (5 € ermäßigt). Der Pei-Bau ist täglich 10:00–18:00 Uhr geöffnet. Das Zeughaus ist derzeit wegen Renovierung geschlossen; eine Wiedereröffnung wird frühestens 2031 erwartet – aktuellen Stand auf dhm.de prüfen.

Für wen dieses Museum weniger geeignet ist

Das DHM belohnt Besucher, die bereit sind zu lesen und nachzudenken. Wer ein immersives, multimedial geprägtes Erlebnis sucht oder schnell durch die Highlights schlendern möchte, ist hier wahrscheinlich falsch. Das Ausstellungsdesign ist gründlich statt spektakulär. Objektbeschriftungen sind informativ, aber nicht dramatisiert. Es gibt keinen Filmloop in jedem Raum und keinen Touchscreen an jeder Ecke.

Mit sehr kleinen Kindern ist das Museum vom Zugang her gut zu bewältigen, die inhaltliche Dichte und der textlastige Ansatz dürften aber schwer über längere Zeit aufrechtzuerhalten sein. Ältere Kinder mit einem bestehenden Interesse an Geschichte – grob ab der Sekundarstufe – ziehen aus dem Besuch deutlich mehr heraus.

Wer sich in erster Linie für das Berlin des Kalten Krieges interessiert, ist im Stasimuseum in Lichtenberg oder im DDR Museum (interaktiver und für ein breiteres Publikum gedacht) vielleicht besser aufgehoben – das DHM eignet sich dann gut als Vertiefung für den größeren historischen Rahmen.

Insider-Tipps

  • Das Treppenhaus im Pei-Bau ist eines der unterschätzten Architekturerlebnisse Berlins. Nimm mindestens einmal die Treppe statt den Aufzug und halte auf jeder Etage an, um durch den Glaskegel nach unten zu schauen. Der Blick von oben nach unten wirkt völlig anders als umgekehrt.
  • Der freie Eintritt für unter 18-Jährige macht das DHM zu einem der wenigen großen Berliner Museen ohne Kostenhürde für jüngere Besucher. Ermäßigungen gelten für Studierende, Menschen mit Behinderung und Inhaber bestimmter Berliner Rabattkarten – Nachweis nicht vergessen.
  • Der Museumsbuchladen führt seriöse Fachbücher und Ausstellungskataloge, die du in normalen Berliner Buchhandlungen kaum findest. Wenn dich die aktuelle Sonderausstellung interessiert, lohnt sich der Katalog – meist zu einem vernünftigen Preis und ein deutlich gehaltvolleres Mitbringsel als das übliche Souvenir.
  • Der Zeughausinnenhof ist derzeit nicht zugänglich, da das Gebäude saniert wird. Die Schlüter-Kriegermasken im Innenhof sind einen genauen Blick wert – sobald der Zugang wieder möglich ist, unbedingt anschauen.
  • Die Buslinie 100 fährt vom Reichstag und Brandenburger Tor entlang Unter den Linden bis zum Alexanderplatz und hält in der Nähe des Museums. Als gemütliche Sightseeing-Runde am Anfang oder Ende deines Museumsbesuchs eingesetzt, deckt sie eine beachtliche Strecke zentraler Berliner Sehenswürdigkeiten ab – ohne Aufpreis zum normalen Fahrschein.

Für wen ist Deutsches Historisches Museum geeignet?

  • Geschichtsinteressierte, die sich ernsthaft mit deutscher und europäischer Geschichte über einen langen Zeitraum auseinandersetzen möchten
  • Architekturliebhaber, die den Kontrast zwischen I.M. Peis modernem Glasbau und dem barocken Zeughaus aus dem 18. Jahrhundert erleben wollen
  • Besucher an Regentagen, die einen halben Tag mit gehaltvollem Programm im Trockenen verbringen möchten – mitten in Mitte
  • Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe sowie Erwachsene mit Vorkenntnissen zur deutschen Geschichte, den Weltkriegen oder dem Kalten Krieg
  • Museumsinsel-Besucher, die ihren Tag mit einem anderen kuratorischen Ansatz und einer anderen Epoche verlängern möchten

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Mitte:

  • Alexanderplatz

    Der Alexanderplatz liegt im geografischen und historischen Herzen des ehemaligen Ost-Berlins – ein weitläufiger Platz mit Wurzeln, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Heute ist er ein kostenloser, rund um die Uhr geöffneter Knotenpunkt aus Verkehr, Kalter-Krieg-Denkmälern und ganz normalem Berliner Alltag – chaotisch, faszinierend und schlicht unvermeidbar.

  • Berliner Dom

    Der Berliner Dom ist die größte protestantische Kirche Deutschlands und eines der architektonisch beeindruckendsten Gebäude der Stadt. Erbaut zwischen 1894 und 1905, prägt er die Museumsinsel mit einer Kuppel, die du besteigen kannst, einer königlichen Gruft im Untergeschoss und einem Hauptschiff, das sich am besten in aller Ruhe erkunden lässt.

  • Berliner Fernsehturm

    Mit 368 Metern ist der Berliner Fernsehturm das höchste Bauwerk Deutschlands und das höchste öffentlich zugängliche Gebäude Europas. Die Aussichtsplattform auf 203 Metern bietet ein unverstelltes 360-Grad-Panorama über die Stadt. Dieser Guide zeigt dir, was du dort oben wirklich siehst, wann es am vollsten ist und ob der Ticketpreis sein Geld wert ist.

  • Berliner Siegessäule

    Die Siegessäule erhebt sich mitten auf dem Großen Stern im Tiergarten und ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Berlins. Auf rund 67 Metern Höhe erwartet dich ein weiter Panoramablick über den Stadtpark – erkämpft mit 285 Stufen und ohne Aufzug.

Zugehöriger Ort:Mitte
Zugehöriges Reiseziel:Berlin

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