Drachenhöhlen (Cuevas del Drach): Mallorcas spektakulärste Unterwelt
Unter den Kalksteinhügeln im Südosten Mallorcas verbirgt sich eines der größten unterirdischen Seen Europas, ein Kathedralgewölbe aus Stalaktiten – und ein Live-Klassikkonzert, das dich völlig überraschen wird. Dieser Guide sagt dir genau, was dich erwartet, wann der beste Besuchszeitpunkt ist und wie du das Beste aus deinen 90 Minuten unter der Erde machst.
Fakten im Überblick
- Lage
- Ctra. de les Coves, s/n, Porto Cristo, Gemeinde Manacor, Südost-Mallorca
- Anfahrt
- Mit dem Auto ab Palma: ca. 60 km ostwärts über die Ma-15. Busverbindungen nach Porto Cristo ab Manacor sind eingeschränkt – ein Mietwagen ist dringend zu empfehlen
- Zeitbedarf
- Plane insgesamt 90 Minuten ein: 1 Stunde geführte Tour plus Ankunft, Wartezeit und Parken
- Kosten
- Eintritt kostenpflichtig; Preise je nach Saison. Online im Voraus über die offizielle Website buchen, um deinen Wunschtermin zu sichern
- Am besten für
- Familien, Geologie-Begeisterte, Fotografen, alle die der Sommerhitze entkommen wollen, Mallorca-Erstbesucher
- Offizielle Website
- www.cuevasdeldrach.com/en

Was die Drachenhöhlen eigentlich sind
Die Cuevas del Drach sind ein System aus vier miteinander verbundenen Kalksteinhöhlen mit einer Gesamtlänge von knapp 2.400 Metern – davon sind 1.200 Meter als geführter Weg für Besucher zugänglich. Die Höhlen liegen direkt vor Porto Cristo an der Südostküste Mallorcas, reichen bis zu 25 Meter in die Tiefe und haben das ganze Jahr eine konstante Temperatur zwischen 17 und 21 Grad Celsius. Im Hochsommer ist das ein echter Pluspunkt.
Die vier Kammern heißen Los Franceses, Luis Salvador, Blanca und Negra und öffnen sich beim Durchlaufen nacheinander – jede mit eigenem Charakter. Blanca (Weiße Höhle) und Negra (Schwarze Höhle) sind nach der Färbung ihrer Formationen benannt: weiße Kalksteinsäulen auf der einen Seite, dunkle oxidierte Gesteinsoberflächen auf der anderen. Der Kontrast zwischen den Kammern ist schärfer, als die meisten Besucher erwarten.
Das Herzstück des Systems ist der Lago Martel: 117 Meter lang, 30 Meter breit und zwischen 4 und 12 Meter tief. Hydrologisch mit dem nahen Meer verbunden, zählt er zu den größten unterirdischen Seen Europas und ist der Mittelpunkt jeder Tour. Was am See passiert, wird weiter unten erklärt – es ist wirklich das, was das Wort außergewöhnlich verdient.
💡 Lokaler Tipp
Die Höhle hat das ganze Jahr über 17 bis 21 °C. Nimm eine dünne Schicht mit, auch im Juli: Wer Shorts und Sommerkleidung trägt, friert meist schon nach 20 Minuten unter der Erde.
Ein bisschen Geschichte: Vom mittelalterlichen Geheimnis zum Kulturdenkmal
Die Höhlen sind den Einheimischen mindestens seit dem 14. Jahrhundert bekannt – die erste dokumentierte Erwähnung stammt aus den Jahren 1338 bis 1339. Jahrhundertelang erkundeten sie Einheimische mit Fackeln, ihr wahres Ausmaß war nie kartiert, die tieferen Kammern unbekannt. Das änderte sich 1896, als der französische Höhlenforscher Édouard-Alfred Martel eine systematische Expedition durchführte und den unterirdischen See entdeckte, der heute seinen Namen trägt. Seine Erkenntnisse machten die Höhlen in der Wissenschafts- und Tourismuswelt bekannt.
Die theatralische Beleuchtung, die das Erlebnis heute prägt, wurde von Carles Buïgas entworfen – dem katalanischen Lichtingenieur, der auch für die Font Màgica in Barcelona verantwortlich ist. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts installiert. 1988 erklärte die spanische Regierung die Cuevas del Drach zum Kulturgut von nationalem Interesse (Bien de Interés Cultural) – dieselbe Schutzbezeichnung, die auch für historische Monumente im ganzen Land gilt.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
Dinosaurland and Caves of Hams combined ticket
Ab 25 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung90-minute Coll Baix and caves tour from Can Picafort
Ab 199 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungJet ski adventure from Cala Bona to the Caves of Arta
Ab 165 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungCala Varques guided sea caves with kayak and snorkelling expedition
Ab 61 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Die Tour: Was dich auf dem Weg erwartet
Touren starten nach festem Zeitplan und dauern ungefähr eine Stunde. In der Hochsaison (14. März bis 31. Oktober) fahren sie stündlich von 10:00 bis 17:00 Uhr ab. In der Nebensaison (1. November bis 13. März) gibt es nur vier Abfahrten: 10:45, 12:00, 14:00 und 15:30 Uhr. Am 25. Dezember und 1. Januar bleiben die Höhlen geschlossen. Eigenständige Erkundung ohne Führung ist nicht erlaubt.
Ein Guide führt die Gruppe auf einem gepflasterten, gut beleuchteten Weg durch das Höhlensystem. Die Formationen sind beeindruckend dicht: Stalaktiten hängen in Büscheln von gewölbten Decken, Stalagmiten ragen aus dem Boden in Formen, die sich über Millionen von Jahren aufgebaut haben, und dort, wo beide zusammengewachsen sind, entstanden mächtige Säulen. Die Beleuchtung – dramatisch statt gleichmäßig – hebt einzelne Formationen hervor und lässt andere im Schatten, was Tiefe und Weite des Raums über den Weg hinaus spürbar macht.
Der Weg ist leicht geneigt und hat Stufen. Die Oberflächen sind feucht und stellenweise rutschig. Geschlossenes Schuhwerk mit Profil ist unbedingt empfehlenswert. Der Weg ist für Rollstuhlfahrer oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht vollständig zugänglich, da das Gelände durchgehend uneben ist.
⚠️ Besser meiden
Trag geschlossene, rutschfeste Schuhe. Der Höhlenboden ist oft nass, und Sandalen oder Flip-Flops sind auf den Steinstufen ein echtes Risiko.
Das Konzert am Lago Martel: Der Moment, den du nicht vergisst
Jede Tour endet am Ufer des Lago Martel. Die Gruppe nimmt auf steinernen Bänken Platz, die in einem groben Amphitheater in die Höhlenwände gehauen sind. Das Licht erlischt. Dann tauchen vom anderen Ende des Sees kleine beleuchtete Boote aus der Dunkelheit auf – besetzt mit einem kleinen Ensemble von Musikern, die ein kurzes Klassikkonzert direkt auf dem Wasser spielen.
Die Akustik der Höhle verstärkt jeden Ton auf eine Weise, die oberirdisch kaum zu erreichen wäre. Der Nachhall ist natürlich, die Luft völlig still, und die Spiegelungen des Seewassers verdoppeln den visuellen Effekt der Bootslichter. Das Konzert dauert nur 10 bis 15 Minuten – und ist trotzdem das Erste, worüber die meisten Besucher hinterher sprechen. Im Anschluss besteigen Teile der Gruppe Boote für eine kurze Überfahrt, bevor die Höhle auf der anderen Seite verlassen wird.
Die Bootsfahrt ist im Standardticket enthalten und der einzige Weg, das Höhlensystem zu verlassen. Wer erhebliche Mobilitätseinschränkungen hat, sollte vorab beim Veranstalter nachfragen, ob alternative Ausstiegsmöglichkeiten angeboten werden.
Wann du hinfahren solltest und wie du planst
Die Höhlen zählen zu Mallorcas meistbesuchten Attraktionen. Im Hochsommer füllt sich der Parkplatz schnell, und vor jeder Abfahrt bilden sich Schlangen. Die Touren um 10:00 und 11:00 Uhr sind in der Hochsaison am stärksten frequentiert. Wer zwischen Juni und August kommt, sollte entweder vor 09:45 Uhr ankommen oder einen Nachmittagsplatz nach 14:00 Uhr wählen – das reduziert den Andrang etwas, wirklich ruhig ist es im Sommer aber zu keiner Zeit.
Im Frühling und Herbst (April bis Mai, September bis Oktober) ist die Erfahrung deutlich entspannter: kleinere Gruppen, leichteres Parken. Der Nebensaisonplan deckt Mittag und frühen Nachmittag ab, sodass auch ein Besuch im November oder Februar problemlos möglich ist. Da die Temperatur unter der Erde konstant bleibt, sind die Höhlen im Winter angenehm – besonders wenn es draußen kalt ist.
In der Hochsaison ist Online-Buchung im Voraus dringend empfohlen. An beliebten Terminen sind die Slots schnell ausgebucht. Auf der offiziellen Website findest du auch die aktuellen Preise – diese sind hier nicht angegeben, da sie sich ändern können. Für einen Überblick über die beste Reisezeit auf Mallorca schau in den beste Reisezeit für Mallorca Guide.
💡 Lokaler Tipp
Fotografieren in der Höhle ist ohne Blitz erlaubt. Ein Objektiv mit großer Blende und eine ruhige Hand – oder ein kleines Stativ, sofern erlaubt – liefern deutlich bessere Ergebnisse als ein Smartphone im schwachen Licht. Das Konzert am See ist der schwierigste Teil zum Fotografieren: Genieß die Atmosphäre, statt ums perfekte Bild zu kämpfen.
Anreise und was es in der Umgebung gibt
Porto Cristo liegt rund 60 Kilometer östlich von Palma auf der Ma-15 – je nach Verkehr eine Fahrt von etwa 50 bis 60 Minuten. Die Höhlen sind ab der Hauptzufahrtsstraße nach Porto Cristo ausgeschildert und mit dem Auto leicht zu finden. Ein Parkplatz ist vor Ort vorhanden, in der Hochsaison aber schnell voll – früh ankommen ist die pragmatischste Lösung.
Öffentliche Verkehrsverbindungen nach Porto Cristo sind spärlich und unregelmäßig. Für die meisten Besucher ist ein Mietwagen die realistischste Option. Wer die Ostküste als Teil einer größeren Route erkunden möchte, findet im Mallorca-Roadtrip-Guide eine praktische Route, die die Höhlen mit nahegelegenen Küstenzielen verbindet.
Porto Cristo selbst ist ein ruhiges Hafenstädtchen mit einem kleinen Strand und mehreren Fischrestaurants an der Uferpromenade. Es eignet sich gut als Ausgangspunkt für einen Nachmittag nach der Höhlentour. Die Südostküste Mallorcas erstreckt sich weiter südlich Richtung Cala Figuera, Cala Llombards und dem Naturpark Mondragó – alles lohnenswerte Ziele für einen ausgedehnten Erkundungstag in der Region.
Ehrliches Fazit: Lohnt es sich?
Für die meisten Besucher: ja. Die Cuevas del Drach halten ihr zentrales Versprechen. Das Ausmaß der Formationen ist wirklich beeindruckend, der Lago Martel ist größer und dramatischer als Fotos vermuten lassen, und das Konzert auf dem Wasser ist ein ungewöhnliches Erlebnis, das besser funktioniert, als man erwarten würde. Die Kombination aus Geologie, Geschichte und Live-Aufführung in einer einzigen Stunde ist kaum anderswo zu finden.
Trotzdem gibt es Einschränkungen, die man kennen sollte. Die Tour folgt einem festen Tempo, das vom Guide vorgegeben wird – du kannst nicht bei einer Formation verweilen, die dich besonders fasziniert, oder eine Kammer noch einmal besuchen. In der Hochsaison sind die Gruppen groß, was die Atmosphäre am See beeinträchtigt. Und der Ausgang per Boot macht das Ganze logistisch geregelter als ein freier Naturausflug.
Wer große Reisegruppen frustrierend findet, erhebliche Geh- oder Mobilitätseinschränkungen hat oder in erster Linie Schwimmen und Strand sucht, wird die Drachenhöhlen im Vergleich zu Mallorcas anderen Angeboten möglicherweise enttäuschend finden. Für diese Gruppe ist die Küste der Insel – etwa der Caló des Moro im Südosten – wahrscheinlich die bessere Wahl für einen halben Tag.
Insider-Tipps
- Buche den ersten Tourtermin des Tages (10:00 Uhr in der Hochsaison), um den See mit möglichst wenig Besuchern zu erleben – bevor die Reisebusse aus den Urlaubsorten eintreffen.
- Die Temperatur in der Höhle ist das ganze Jahr konstant, aber der Kontrast zur heißen Sommerluft draußen lässt die 17 °C kälter wirken, als sie sind. Ein dünnes Langarmshirt, das sich zusammenfalten lässt, ist die praktischste Lösung.
- Nach der Bootsfahrt führt der Weg zum Parkplatz durch einen Souvenirladen und ein Café. Die Café-Terrasse mit Blick auf den Garten ist ruhiger, als sie von innen wirkt – fünf Minuten lohnen sich.
- Wenn du mit kleinen Kindern unterwegs bist, setz sie am Amphitheater am Lago Martel nah an den Gang, damit sie freie Sicht aufs Wasser haben. Die Bänke im hinteren Bereich sind zwar erhöht, aber teilweise durch die Höhlenwände verdeckt.
- Die nahe gelegenen Cuevas dels Hams (Hakengrotten) in Porto Cristo bieten ein alternatives Höhlenerlebnis mit weniger Andrang – auch wenn sie nicht ganz so weitläufig sind. Da beide nah beieinander liegen, lassen sie sich gut an einem Tag kombinieren, wenn dich Höhlengeologie wirklich interessiert.
Für wen ist Drachenhöhlen (Cuevas del Drach) geeignet?
- Familien mit Kindern ab 5 Jahren, die spektakuläre Eindrücke lieben
- Besucher, die der Sommerhitze entkommen und dabei etwas Aktives erleben wollen
- Geologie- und Naturgeschichts-Begeisterte mit Interesse an Tropfsteinformationen
- Fotografen, die sich mit Low-Light-Aufnahmen ohne Blitz auskennen
- Mallorca-Erstbesucher, die eine Highlights-Route durch die bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel zusammenstellen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Südosten Mallorcas:
- Cabrera-Nationalpark
Der Maritim-Terrestrische Nationalpark Cabrera-Archipel ist eines der am strengsten geschützten Naturgebiete im westlichen Mittelmeer. Neunzehn unbewohnte Inseln, nahezu unberührter Meeresgrund und eine Burg aus dem 14. Jahrhundert machen ihn zu einer Welt für sich – weit weg vom Massentourismus auf Mallorca. Der Zugang ist begrenzt und muss im Voraus gebucht werden.
- Cala Agulla
Cala Agulla ist ein 550 Meter langer Naturstrand im Nordosten Mallorcas, der 1991 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Mit Dünen, Kiefernwald, flachem türkisfarbenem Wasser und kaum Bebauung zählt er zu den saubersten und ursprünglichsten Küstenabschnitten der Insel.
- Cala d'Or
Cala d'Or ist ein geplanter Ferienort an der Südostküste Mallorcas, der in den 1930er Jahren von einem ibizenkischen Architekten entworfen und rund um mehrere geschützte Sandbuchten angelegt wurde. Mit ruhigem, klarem Wasser, niedrigen weißgetünchten Gebäuden und einer entspannten Marinaatmosphäre zieht er Familien und Paare an, die Strandtage ohne den Trubel größerer Ferienorte suchen.
- Cala Figuera
Cala Figuera ist ein aktives Fischerdorf an der Südostküste Mallorcas, das in einer schmalen, fjordartigen Bucht liegt, die sich in zwei ruhige Arme teilt. Keine Sandstrände, keine Ferienhotels, dafür ein Hafen, in dem noch immer traditionelle Holzboote liegen – hier findet man etwas auf der Insel echte Rarität: Ruhe, Charakter und das Gefühl, wirklich irgendwo zu sein.