Cabrera-Nationalpark: Mallorcas wildeste und bestgeschützte Natur
Der Maritim-Terrestrische Nationalpark Cabrera-Archipel ist eines der am strengsten geschützten Naturgebiete im westlichen Mittelmeer. Neunzehn unbewohnte Inseln, nahezu unberührter Meeresgrund und eine Burg aus dem 14. Jahrhundert machen ihn zu einer Welt für sich – weit weg vom Massentourismus auf Mallorca. Der Zugang ist begrenzt und muss im Voraus gebucht werden.
Fakten im Überblick
- Lage
- 10–18,5 km südöstlich von Mallorca, vor Colònia de Sant Jordi, Südost-Mallorca
- Anfahrt
- Touristikboote ab dem Hafen von Colònia de Sant Jordi (ca. 25 Minuten Überfahrt); mit dem Auto oder Bus von Palma nach Colònia de Sant Jordi
- Zeitbedarf
- Ganzer Tag (die meisten Bootsausflüge sind Tagestouren); Übernachtungen im Parkrefugium buchbar
- Kosten
- Bootsausflüge variieren je nach Anbieter; Vorabbuching über das offizielle CAIB-Portal oder lizenzierte Anbieter erforderlich
- Am besten für
- Schnorcheln, Tierbeobachtung, Wandern, Geschichte, Fotografie, Einsamkeit
- Offizielle Website
- cabreranacionalpark.caib.es/en/

Was Cabrera eigentlich ist
Der Maritim-Terrestrische Nationalpark Cabrera-Archipel ist Spaniens erster Nationalpark, der Land und Meer unter einer einzigen Schutzbezeichnung vereint. 1991 ausgerufen und 2019 auf rund 90.000 Hektar erweitert, umfasst der Park 19 Inseln und Inselchen südöstlich der mallorquinischen Küste. Die Hauptinsel Cabrera ist die einzige mit jeglicher Infrastruktur: ein kleiner Hafen, eine restaurierte Burg aus dem 14. Jahrhundert, ein einfaches Refugium für Übernachtungen und Rangerstationen. Der Rest des Archipels besteht aus nacktem Fels, Gestrüpp und offenem Wasser.
Der Meeresteil ist das eigentliche Herzstück. Der Meeresboden rund um Cabrera beherbergt Posidonia-oceanica-Wiesen – ein geschütztes Seegras, das zu den ältesten lebenden Organismen der Erde zählt –, Eleonorenfalken-Brutkolonien, Audouinmöwen, Unechte Karettschildkröten und gelegentliche Mönchsrobbensichtungen, wenngleich letztere selten sind. Die Wasserklarheit ist außergewöhnlich, eben weil gewerbliche Fischerei und Massentourismus seit Jahrzehnten ausgeschlossen sind.
⚠️ Besser meiden
Die tägliche Besucherzahl ist streng begrenzt. Geh nicht davon aus, dass du einfach in Colònia de Sant Jordi auftauchst und noch einen Platz auf einem Boot findest. Buche weit im Voraus – besonders zwischen Mai und September – über das offizielle CAIB-Buchungsportal oder einen lizenzierten Anbieter.
Die Anreise nach Cabrera: Die Überfahrt und was dich erwartet
Die Reise beginnt in Colònia de Sant Jordi, einem kleinen Fischerei- und Segelort an der südlichen Küste Mallorcas. Der Hafen ist bescheiden und am frühen Morgen noch ruhig: Salzluft und Dieselgeruch, Fischer, die zurückkehren, während die Touristikboote noch beladen werden. Die Überfahrt nach Cabrera dauert mit einem schnellen Katamaran rund 25 Minuten, mit langsameren Schiffen entsprechend länger. Bei klarem Wetter zeichnet sich der Archipel als dunkle Silhouette gegen das offene Mittelmeer ab, lange bevor man ankommt.
Mit dem Auto von Palma nach Colònia de Sant Jordi dauert die Fahrt über die Ma-19 ungefähr 55–70 Minuten. Es gibt auch öffentliche Busverbindungen, die jedoch saisonal sind. Wenn du den Ausflug mit anderen Stopps im Süden verbindest, lohnt es sich, die Tour um den Strand Es Trenc herum zu planen – nur eine kurze Fahrt nördlich an derselben Küste.
Parken in Colònia de Sant Jordi ist außerhalb der Hochsommerwochenenden noch gut möglich, aber der Hafenbereich füllt sich im Juli und August bis zum späten Vormittag. Komm mindestens 30 Minuten vor der geplanten Abfahrt an, um einzuchecken und dein Gepäck zu verstauen. Die lizenzierten Ausflugsbetreiber kümmern sich um Buchung und Boarding. Das Interpretationszentrum des Nationalparks in der Nähe des Hafens ist vor dem Ablegen einen kurzen Besuch wert – für ökologischen Kontext und Karten.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
Cabrera full-day excursion from Colonia Sant Jordi
Ab 60 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungCabrera full-day excursion from S'Arenal
Ab 90 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungDinosaurland and Caves of Hams combined ticket
Ab 25 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungShuttle Boat from Cala Millor to Cala Ratjada
Ab 26 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Auf der Insel: Burg, Hafen und Landschaft
Wenn das Boot in Cabreras natürlichen Hafen einfährt, fällt sofort die mittelalterliche Burg auf dem Kamm darüber auf. Ende des 14. Jahrhunderts als Verteidigungsposten gegen Piratenüberfälle erbaut, blieb das Castell de Cabrera über Jahrhunderte strategisch bedeutsam. Die Insel diente von 1916 bis zu ihrer Eingliederung in den Nationalpark 1991 als Militärbasis – was erklärt, warum das Land nahezu vollständig unerschlossen blieb. Die Militärpräsenz war, paradoxerweise, gut für die Ökologie.
Ein kurzer, steiler Pfad führt vom Hafen hinauf zur Burg. Der Weg dauert je 15–20 Minuten, durch niedriges Gestrüpp und Rosmarin bergauf. Von den Zinnen aus bietet sich ein Blick über den Archipel und zurück zur mallorquinischen Küste, der zu den einsamsten Aussichten gehört, die du auf den Balearen ohne eigene Segelyacht erreichen kannst. Die Landschaft ist trocken, steinig und nahezu vollkommen still – nur Wind und Seevögel sind zu hören. Keine Cafés, keine Verkäufer, keine Musik.
Eine längere Route von rund 11 km führt zum Leuchtturm am anderen Ende der Insel. Dieser Weg erfordert eine Rangerbegleitung und beansprucht den Großteil des Tages. Er führt durch das Innere der Insel, das grüner ist, als der Hafenbereich vermuten lässt, mit endemischen Pflanzenarten und einem Vogelreichtum, wie er auf dem mallorquinischen Festland kaum noch zu finden ist. Buche die rangergeführte Leuchtturmwanderung im Voraus, wenn das dein Ziel ist – Plätze sind begrenzt und nicht an jedem Ausflugstag verfügbar.
Im Wasser: Schnorcheln und Tauchen
Für die meisten Besucher ist das Wasser der Hauptgrund zu kommen. In der Hafenbucht und mehreren ausgewiesenen Buchten kann man direkt vom Boot oder von felsigen Ufern aus schnorcheln. Die Posidonia-Wiesen beginnen bereits in geringer Tiefe, und die Sichtweite überschreitet im Sommer regelmäßig 20 Meter. Ohne tief zu tauchen sieht man Wolfsbarsche, Brassen, Seesterne und gelegentlich Oktopusse. Das Wasser ist in der Tiefe selbst im August kühl – spürbar kälter als an den Stränden Südmallorcas.
Gerätetauchen erfordert eine Genehmigung, die über die Parkverwaltung koordiniert wird. Die Tauchplätze rund um Cabrera gelten als einige der besten im westlichen Mittelmeer – mit Wandtauchgängen, Unterwasserhöhlen und einem Meeresgrund, der sich wirklich wild anfühlt. Kommerzielle Tauchbetreiber in Colònia de Sant Jordi bieten geführte Tagestauchgänge in Verbindung mit dem Bootstransport an. Informiere dich direkt bei den Anbietern über aktuelle Lizenz- und Genehmigungsanforderungen, da die Vorschriften für Tauchzonen saisonal angepasst werden können.
💡 Lokaler Tipp
Bring deine eigene Schnorchelausrüstung mit. Manche Bootsanbieter stellen einfaches Equipment, aber die Auswahl ist begrenzt und die Passform oft suboptimal. Ein Neoprenoberteil lohnt sich auch im Sommer: Die tieferen Buchten bleiben kühl.
Tageszeiten: Wie sich das Erlebnis verändert
Die meisten Tagesausflugboote erreichen Cabrera gegen Vormittag und fahren am frühen bis mittleren Nachmittag zurück. Das bedeutet, dass der Hafenbereich zwischen etwa 10 und 14 Uhr am stärksten frequentiert ist. Die Mittagssonne ist im Sommer intensiv, und das felsige Gelände bietet außerhalb der Burgmauern kaum Schatten. Wenn du auf einem Standardtagesausflug bist, versuch die Burgbesteigung in der ersten Stunde nach der Ankunft zu erledigen, bevor die Temperaturen ihren Höchststand erreichen.
Der Park erlaubt privaten Segelbooten und Jachten, in ausgewiesenen Zonen über Nacht zu ankern – und wer bleibt, erlebt die Insel in einem völlig anderen Licht. Am späten Nachmittag, nachdem die Tagesboote abgefahren sind, wird der Hafen fast vollkommen still. Das Licht in der Abenddämmerung über dem Archipel ist außergewöhnlich, und der Nachthimmel – ohne jegliche Lichtverschmutzung von der Insel selbst – ist tiefes Schwarz. Das Parkrefugium bietet einfache Schlafsaalunterkünfte für alle, die ohne Boot übernachten möchten; rechtzeitig vor der Saison buchen.
Praktische Infos: Was du mitnehmen und wissen solltest
Auf Cabrera gibt es keine Geschäfte. Keine Restaurants, keine Kioske, keine Geldautomaten. Bring alles mit, was du für den Tag brauchst: Essen, Wasser (im Sommer mindestens 2 Liter pro Person), Sonnencreme, einen Hut und geschlossene Schuhe für den Burgpfad. Das Gelände ist uneben und felsig – Sandalen reichen außerhalb des Hafenbereichs nicht aus. Badekleidung und ein Handtuch sind unverzichtbar, wenn du schwimmen willst.
- Bootsausflüge im Voraus über das offizielle CAIB-Portal oder einen lizenzierten Anbieter in Colònia de Sant Jordi buchen
- Alles an Essen, Wasser und Ausrüstung selbst mitbringen – auf der Insel gibt es nichts zu kaufen
- Sonnencreme und Hut tragen; Schatten ist außerhalb der Burg kaum vorhanden
- Für den Burgpfad und den Leuchtturmweg sind geschlossene Schuhe Pflicht
- Schnorchelausrüstung lohnt sich mitzunehmen; für längere Schwimmer sind Neoprenoberteil empfehlenswert
- Fotografieren für den privaten Gebrauch ist unbeschränkt erlaubt; der Burgkamm und der Hafen zur Abfahrtszeit bieten die besten Aussichtspunkte
- Barrierefreiheit ist auf der Insel nicht gegeben; das unwegsame Gelände und fehlende Infrastruktur machen die Fortbewegung für Menschen mit eingeschränkter Mobilität sehr schwierig
Cabrera lässt sich gut in eine umfassendere Erkundung Südost-Mallorcas einbinden. Die Gegend um Colònia de Sant Jordi bietet auch Zugang zum Naturpark Mondragó und den beeindruckenden Buchten weiter oben an der Küste. Wenn du mehrere Tage in diesem Teil der Insel planst, findest du im Reiseführer zu Südost-Mallorca alle Möglichkeiten auf einen Blick.
ℹ️ Gut zu wissen
Der Park ist grundsätzlich das ganze Jahr geöffnet, aber Bootsausflüge sind saisonal und konzentrieren sich hauptsächlich auf den Zeitraum von April bis Oktober. Manche Anbieter stellen den Betrieb im Winter komplett ein. Überprüfe die aktuellen Fahrtpläne immer direkt mit den Anbietern oder der Parkverwaltung, bevor du deine Reise planst.
Ist Cabrera den Aufwand wert?
Für naturbegeisterte Reisende: ja, ohne jeden Zweifel. Die Kombination aus nahezu unberührter Meeresumgebung, echter Einsamkeit und historischer Atmosphäre ist in dieser Nähe zu einem der großen Touristenziele kaum zu finden. Die logistische Hürde – die Vorabbuching, der frühe Start, die fehlenden Annehmlichkeiten auf der Insel – hält Gelegenheitsbesucher fern, und genau deshalb bleibt das Erlebnis so anders als der Rest Mallorcas.
Wer vor allem Strand, Bar und Resortkomfort sucht, wird mit Cabrera wenig anfangen können. Die strandorientierte Südküste, einschließlich Es Trenc, bietet deutlich mehr Komfort mit weniger Planungsaufwand. Ebenso sollten Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Familien mit sehr kleinen Kindern das unwegsame Gelände sorgfältig abwägen, bevor sie buchen.
Fotografiebegeisterte sollten wissen, dass Cabrera Lichtbedingungen und Motive bietet, die für das Mittelmeer außergewöhnlich sind – von Unterwasser-Makroaufnahmen bis hin zu Weitwinkellandschaften von der Burg. Der Mallorca-Fotoguide stellt weitere Orte vor, die sich gut mit einem Cabrera-Tagesausflug kombinieren lassen.
Insider-Tipps
- Buche die offizielle CAIB-Genehmigung so früh wie möglich – im Sommer manchmal Monate im Voraus, besonders für Wochenenden. Das tägliche Besucherlimit wird ohne Ausnahmen durchgesetzt.
- Wenn du die Wanderung zum Leuchtturm machen möchtest, gib das direkt bei der Buchung an. Nicht alle Ausflugspakete umfassen die ranglergeführte Route, und das Gelände unterscheidet sich deutlich vom Hafenbereich.
- Das klarste Wasser zum Schnorcheln findet sich meist in den Buchten nordöstlich des Haupthafens – nicht im Hafen selbst, wo der Bootsverkehr das Sediment aufwirbelt.
- Privatsegeljachten und Motorboote können mit einer Parkgenehmigung in ausgewiesenen Zonen über Nacht ankern. Das ist mit Abstand die beste Art, Cabrera zu erleben: nach der Abreise der Tagesboote ankommen und bis zum Morgen bleiben.
- Pack ein kleines Fernglas ein. Eleonorenfalken nisten an den Felswänden der äußeren Inseln und sind von der Hauptinsel aus sichtbar – ohne Vergrößerung aber zu weit entfernt.
Für wen ist Cabrera-Nationalpark geeignet?
- Schnorchler und Taucher auf der Suche nach nahezu unberührtem Mittelmeer
- Wanderer und Naturliebhaber, die die Balearen ohne Touristenmassen erleben wollen
- Fotografen, die nach Landschafts- und Unterwassermotiven in echter Abgeschiedenheit suchen
- Geschichtsinteressierte, die sich für die mittelalterliche Burg und das Militärerbe begeistern
- Segler und Jachtbesitzer, die einen legalen Übernachtungsankerplatz in geschützten Gewässern suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Südosten Mallorcas:
- Cala Agulla
Cala Agulla ist ein 550 Meter langer Naturstrand im Nordosten Mallorcas, der 1991 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Mit Dünen, Kiefernwald, flachem türkisfarbenem Wasser und kaum Bebauung zählt er zu den saubersten und ursprünglichsten Küstenabschnitten der Insel.
- Cala d'Or
Cala d'Or ist ein geplanter Ferienort an der Südostküste Mallorcas, der in den 1930er Jahren von einem ibizenkischen Architekten entworfen und rund um mehrere geschützte Sandbuchten angelegt wurde. Mit ruhigem, klarem Wasser, niedrigen weißgetünchten Gebäuden und einer entspannten Marinaatmosphäre zieht er Familien und Paare an, die Strandtage ohne den Trubel größerer Ferienorte suchen.
- Cala Figuera
Cala Figuera ist ein aktives Fischerdorf an der Südostküste Mallorcas, das in einer schmalen, fjordartigen Bucht liegt, die sich in zwei ruhige Arme teilt. Keine Sandstrände, keine Ferienhotels, dafür ein Hafen, in dem noch immer traditionelle Holzboote liegen – hier findet man etwas auf der Insel echte Rarität: Ruhe, Charakter und das Gefühl, wirklich irgendwo zu sein.
- Cala Llombards
Cala Llombards ist eine kompakte Bucht mit weißem Sand an der Südostküste Mallorcas, eingerahmt von Kalksteinfelsen und Kiefernwald. Mit rund 55 Metern Breite füllt sie sich im Sommer schnell, doch das klare, flache Wasser, die Kletterleiter an den Felsen zum Schwimmen und die relative Ruhe im Vergleich zu bekannteren Stränden machen sie zu einem der lohnendsten Ziele in der Gegend von Santanyí.