Katakomben von San Giovanni, Syrakus: Was dich unter der Erde erwartet

Die Katakomben von San Giovanni gehören zu den größten und besterhaltenen frühchristlichen Begräbnisstätten Siziliens. Sie wurden in den Fels unter einer verfallenen Basilika aus dem 6. Jahrhundert nahe der archäologischen Zone Neapolis von Syrakus gehauen. Mit über 10.000 Gräbern entlang eines römisch geplanten Tunnelnetzes bietet das Gelände einen seltenen, ungehetzten Einblick in die spätantike Bestattungskultur – geführt, atmosphärisch und wirklich einzigartig.

Fakten im Überblick

Lage
Via San Giovanni alle Catacombe 1, Siracusa, Sizilien – in der Nähe des Archäologischen Parks Neapolis
Anfahrt
Ca. 30 Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum Syrakus; auch per Taxi oder Fahrrad erreichbar.
Zeitbedarf
1 bis 1,5 Stunden, einschließlich der geführten Untergrundtour und der Ruinen der Basilika darüber
Kosten
8 € regulär; 5 € ermäßigt (Kinder unter 16, Senioren ab 65, Gruppen, Militär und Strafverfolgungsbehörden – Kategorien können variieren; bitte vor Ort nachfragen). Führung im Ticketpreis enthalten.
Am besten für
Geschichts- und Archäologiebegeisterte, Reisende, die den Besuch mit der Neapolis-Zone verbinden möchten, und alle, die eine ruhige Alternative zu den Hauptsehenswürdigkeiten suchen
In den Fels gehauener unterirdischer Korridor in den Katakomben von San Giovanni, mit beleuchteten Wänden, Nischen und einem sandbedeckten Gehweg.
Photo Bernard Gagnon (CC BY 4.0) (wikimedia)

Was die Katakomben von San Giovanni eigentlich sind

Die Katakomben von San Giovanni – offiziell Catacombe di San Giovanni Evangelista – sind ein Netz frühchristlicher unterirdischer Bestattungsgalerien, die in den weichen Kalkstein unter dem antiken griechisch-römischen Syrakus gehauen wurden. Sie entstanden grob zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert n. Chr., nachdem das Edikt von Mailand im Jahr 313 n. Chr. das Christentum legalisiert hatte und die christliche Gemeinschaft ihre Toten erstmals offen und in großem Maßstab bestatten konnte.

Die Anlage folgt einem bemerkenswert geordneten Grundriss: Ein breiter Mittelkorridor, der Decumanus Maximus, durchzieht die gesamte Anlage in der Länge, von dem aus etwa zehn Nebengänge (Cardines) im rechten Winkel abzweigen. Diese römische Rasterlogik war kein Zufall – die Tunnel wurden entlang der Kanäle eines älteren griechischen Aquädukts gegraben und nutzten die bestehende unterirdische Infrastruktur. Das Ergebnis ist eine Katakombe, die räumlich kohärenter wirkt als viele vergleichbare Anlagen – auch wenn man sich drinnen trotzdem schnell orientierungslos fühlt.

Das Ausmaß ist beeindruckend. Das unterirdische Areal erstreckt sich über mehr als 10.000 Quadratmeter und enthält rund 10.000 einzelne Gräber – manche Schätzungen gehen sogar von bis zu 20.000 Bestattungen aus, wenn man die Mehrfachnutzung der Gräber über die Jahrhunderte einrechnet. Damit sind die Katakomben von Syrakus nach denen Roms die zweitgrößten frühchristlichen unterirdischen Friedhöfe Italiens.

ℹ️ Gut zu wissen

Besuche sind nur im Rahmen einer Führung möglich – eigenständiges Erkunden ist nicht erlaubt. Das ist einerseits eine Sicherheitsmaßnahme, aber in der Praxis auch ein echter Gewinn: Die Guides leuchten mit tragbaren Lampen in die dunkleren Seitengänge und zeigen Details, die man alleine leicht übersehen würde.

Die Ruinenbasilika darüber: ein unterschätzter Einstieg

Der Eingang zu den Katakomben liegt nicht unter der Erde. Man kommt zunächst zur Basilika di San Giovanni Evangelista, einer Kirche aus dem 6. Jahrhundert, die direkt über der Begräbnisstätte errichtet wurde und die Katakomben als sakrales Fundament nutzte. Die Basilika wurde während der Normanneneroberung am Ende des 11. Jahrhunderts schwer beschädigt und fiel im Erdbeben von 1693, das große Teile Südostsiziliens verwüstete, weitgehend in sich zusammen. Was geblieben ist, ist eine dachlose Hülle aus Apsiden, Säulen und Steinbögen – überdachungslos, von der Witterung gebleicht und auf die stille Art wunderschön, die Ruinen dann entfalten, wenn man sie einfach Ruinen sein lässt.

Wer sich die Basilika von außen ansieht, bevor er hinabsteigt, bekommt wichtigen architektonischen Kontext. Man erkennt das Verhältnis der beiden Bauten zueinander, begreift das Ausmaß des einst bedeutenden Religionskomplexes und kann bei Tageslicht fotografieren, bevor es in die Dunkelheit geht. Am Morgen trifft das Streiflicht die hellen Steinsäulen aus einem schönen Winkel. Mittags liegt das Gelände in flachem, hartem Licht – gut zum Erkennen von Details, schlecht für die Fotografie.

Das Basilikaareal fügt sich auch in die breitere archäologische Landschaft Syrakus ein. Der nahe gelegene Archäologische Park Neapolis ist nur einen kurzen Fußweg entfernt, und beide Stätten an einem halben Tag zu kombinieren ist eine sinnvolle Entscheidung. Zusammen zeichnen sie ein stimmiges Bild davon, wie Syrakus vom griechisch-römischen Zeitalter in die Spätantike überging.

In den Tunneln: Was du siehst und wie es sich anfühlt

Die Temperatur unter der Erde ist konstant – in der Regel um die 15 bis 16 °C, unabhängig von der Jahreszeit darüber. Im Juli oder August, wenn Syrakus bis zu 32 °C erreichen kann, ist der Unterschied sofort und deutlich spürbar. Wer schnell friert, sollte eine leichte Jacke einpacken – die Führung dauert lang genug, dass die Kühle sich bemerkbar macht.

Die Luft ist trocken und leicht mineralisch, der Geruch alter Stein statt feuchter Erde. Auf manchen Abschnitten sind die Gänge so schmal, dass zwei Personen nicht bequem nebeneinander gehen können, und die Deckenhöhe variiert. Der Hauptkorridor, der Decumanus Maximus, ist hoch und verhältnismäßig breit – eher ein Gang als eine Höhle. Die Nebengänge, die Cardines, sind enger und niedriger, und hier sind die meisten der einzelnen Gräber – Loculi genannt – direkt in die Wände gehauen, in Reihen übereinander gestapelt. Viele sind leer; einige zeigen noch Spuren von Rötelockerfarbe oder frühchristlicher Ikonografie, in den Stein geritzt oder gemalt.

Der Guide weist in der Regel auf Arcosolia hin – gewölbte Grabkammern, die dafür ausgelegt waren, einen Leichnam liegend aufzunehmen, in einer Haltung, die eher Schlaf als Tod assoziiert: ein typisch christliches Bestattungssymbol. Einige dieser größeren Nischen enthielten einst die Gräber wohlhabender oder bedeutender Persönlichkeiten und zeigen noch fragmentarische Verzierungen. Es gibt auch eine Krypta, die traditionell dem heiligen Marcian zugeschrieben wird, dem ersten Bischof von Syrakus – allerdings sollte man die historischen Ansprüche, die an bestimmte Orte in antiken Katakomben geknüpft werden, eher als fromme Überlieferung denn als gesicherte Archäologie betrachten.

💡 Lokaler Tipp

Zieh festes Schuhwerk mit guter Sohle an. Die Tunnelböden sind uneben und können in manchen Abschnitten leicht feucht sein. Sandalen gehen zur Not, sind aber nicht ideal.

Besucherandrang, Zeitplanung und was die saisonalen Öffnungszeiten bedeuten

Die Katakomben ziehen einen Bruchteil der Besucher an, die vergleichbare Stätten in Rom anlocken. Selbst in der Hochsaison sind die Führungen in der Regel klein – kaum mehr als fünfzehn bis zwanzig Personen – und die Atmosphäre drinnen bleibt ruhig. Trotzdem ist man durch das Führungsformat an den Zeitplan gebunden. Wer kurz nach dem Start einer Führung ankommt, kann bis zu dreißig Minuten auf die nächste warten. Pünktlich zur Öffnungszeit zu erscheinen ist der zuverlässigste Weg, die erste Führung ohne Wartezeit zu erwischen.

Die saisonalen Öffnungszeiten variieren deutlich. Von November bis Februar ist die Stätte in der Regel dienstags bis samstags von etwa 9:30 bis 12:30 Uhr und von 14:30 bis 16:30 Uhr geöffnet; von März bis Juni sowie im September und Oktober generell täglich von etwa 9:30 bis 12:30 Uhr und von 14:30 bis 17:30 Uhr, und im Juli und August von etwa 10:00 bis 13:00 Uhr und von 14:30 bis 17:30 Uhr – mit einer festen Mittagspause zwischen den Sitzungen. Diese Pause sollte man einplanen: Wer um 12:15 Uhr ankommt, wartet zwei Stunden oder muss wiederkommen.

⚠️ Besser meiden

Öffnungszeiten und Saisonpläne können sich kurzfristig ändern. Überprüfe die aktuellen Zeiten direkt bei der Stätte oder über die offizielle Tourismusinformation von Syrakus, bevor du deinen Tagesablauf auf eine bestimmte Führung ausrichtest.

Wer einen ganzen Tag in der archäologischen Zone verbringt, kann gut folgendem Ablauf folgen: morgens Katakomben und Ruinenbasilika, dann Mittagessen in der Neapolis-Gegend oder zurück Richtung Stadtzentrum, danach griechisches Theater und Amphitheater in Neapolis am Nachmittag. Alternativ lassen sich die Katakomben gut mit einem Abendbesuch auf der Insel Ortigia kombinieren – wenn das Licht über der Altstadt am schönsten ist.

Historischer und kultureller Kontext: Warum diese Stätte wichtig ist

Syrakus war eine der bedeutendsten Städte im antiken Mittelmeerraum. Auf seinem Höhepunkt im 4. und 5. Jahrhundert v. Chr. konnte es es mit Athen an Größe und Einfluss aufnehmen. Als die Katakomben entstanden, hatte die Stadt bereits griechische, römische und frühbyzantinische Herrschaft erlebt – und die christliche Gemeinschaft, die diese Galerien anlegte, tat das in einer Stadt, die bereits seit fast tausend Jahren ein bedeutendes urbanes Zentrum war.

Die Wiederverwendung der griechischen Aquäduktkanäle als strukturelle Grundlage für den Katakombengrundiss ist ein Detail, bei dem es sich lohnt innezuhalten. Die frühchristliche Gemeinschaft begann nicht bei null unter der Erde, sondern passte an, was die griechischen Stadtgründer bereits für die Wasserwirtschaft geschaffen hatten. Es ist ein kleines, aber konkretes Beispiel für die geschichtete, recycelnde Qualität sizilianischer Stadtgeschichte – wo jede Zivilisation dazu neigt, nicht über, sondern durch das Vorherige zu bauen.

Diese geschichtete Qualität zeigt sich in Syrakus im Großen wie im Kleinen – von den griechischen Tempel­säulen, die in die Wände der Kathedrale auf Ortigia eingebaut sind, bis zum römischen Amphitheater, das in denselben Hügel geschnitten wurde wie das griechische Theater in Neapolis. Für Reisende, die dem größeren Bogen sizilianischer Geschichte folgen, sind die Katakomben ein wichtiges Bindeglied – zwischen der antiken griechischen Stadt und der spätantiken christlichen.

Fotografie, Barrierefreiheit und praktische Hinweise

Fotografieren ist in den Katakomben grundsätzlich erlaubt, Blitz und Stativ sind in der Regel jedoch nicht gestattet. Die Beleuchtung im Inneren ist künstlich und in den meisten Bereichen relativ gedämpft. Ein Smartphone mit gutem Nachtmodus liefert brauchbare Ergebnisse; eine spiegellose Kamera oder DSLR auf hohem ISO-Wert macht deutlich mehr daraus. Die atmosphärischsten Momente entstehen meist dort, wo die Lampe des Führers einen Abschnitt der Loculi aus der Dunkelheit herausschält – purer atmosphärischer Kontrast.

Die Stätte ist nicht rollstuhlgerecht. Der Abstieg in die unterirdischen Galerien erfordert Treppen, die Tunnelböden sind uneben, und manche Abschnitte haben niedrige Decken. Wer in seiner Mobilität eingeschränkt ist, sollte direkt bei der Stätte nachfragen, ob und welche Teile des Besuchs angepasst werden können. Die Ruinenbasilika über der Erde ist zugänglich und auch dann sehenswert, wenn der Untergrundtour nicht möglich ist.

Kinder, die neugierig auf Geschichte sind und sich in engen, dunklen Räumen wohlfühlen, finden die Katakomben in der Regel spannend. Sehr junge Kinder oder solche, die in unterirdischen Umgebungen zu Unbehagen neigen, könnten sich unwohl fühlen. Es gibt keine grusligen Theaterelemente – das hier ist eine ernsthafte archäologische Stätte, keine Touristenattraktion mit Showeffekten.

Für Reisende, die eine breitere sizilianische Route planen, die weitere archäologische Stätten einschließt, ergänzt der Kontext dieser Stätte Besuche im Tal der Tempel in Agrigento oder im Archäologischen Park Selinunt – Stätten, die verschiedene Kapitel von Siziliens vielschichtiger Vergangenheit erzählen.

Insider-Tipps

  • Bei der ersten Führung des Tages ist die Gruppe fast immer am kleinsten. Wer direkt bei Öffnung da ist statt erst am späten Vormittag, erlebt den Besuch mit dem Guide deutlich persönlicher.
  • Die Ruinenbasilika ist ein Freigelände und liegt ab Vormittag in direktem Sonnenlicht. Für Fotos ohne harte Schatten lohnt es sich, kurz nach der Öffnung da zu sein – dann steht die Sonne noch tief und wirft schönes Streiflicht.
  • Die Mittagspause ist strikt und dauert etwa zwei Stunden. Wer mit dem Auto da ist, kann die Zeit gut im Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi nutzen – eines der besten Archäologiemuseen Siziliens, nur eine kurze Fahrt entfernt und im selben Viertel.
  • Die Führungen sind in der Regel auf Italienisch und Englisch verfügbar. Wenn du eine Gruppe mit anderen Sprachbedürfnissen hast, lohnt sich ein Anruf vorab – lieber nachfragen als vor Ort eine böse Überraschung erleben.
  • Kombiniere den Besuch am besten mit dem Archäologischen Park Neapolis am selben Tag und frag an der Kasse der Katakomben nach kombinierten oder reduzierten Tickets für mehrere Stätten – das Angebot wechselt und wird nicht immer online beworben.

Für wen ist Katakomben von San Giovanni geeignet?

  • Geschichts- und Archäologiereisende, die Syrakus jenseits des griechischen Theaters entdecken möchten
  • Besucher, die an einem heißen sizilianischen Sommernachmittag eine angenehm kühle Zuflucht suchen
  • Reisende mit Interesse an frühchristlicher Geschichte und dem Übergang der spätrömischen Welt ins byzantinische und mittelalterliche Sizilien
  • Fotografen, die mit wenig Licht und atmosphärischen Innenräumen arbeiten
  • Alle, die einen ganzen Tag rund um die archäologische Zone Neapolis planen

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Siracusa (Syrakus):

  • Ohr des Dionysios

    In die Kalksteinfelsen des Archäologischen Parks Neapolis in Syrakus gehauen, ist das Ohr des Dionysios eine 65 Meter lange Höhle mit charakteristischem S-förmigem Verlauf und einer so bemerkenswerten Akustik, dass man ein Flüstern am Eingang am anderen Ende deutlich hören kann. 1608 von Caravaggio benannt, gehört sie zu den wirklich überraschenden antiken Sehenswürdigkeiten Siziliens.

  • Archäologischer Park Neapolis

    Der Archäologische Park Neapolis in Syrakus beherbergt eines der besterhaltenen griechischen Theater der Welt, ein riesiges römisches Amphitheater, den Opferaltar des Hieron II. und die beeindruckenden Steinbrüche der Latomia del Paradiso. Zusammen umspannen sie Jahrhunderte sizilianischer Geschichte, direkt in den Temenite-Hügel gehauen.

  • Ortigia

    Ortigia ist der historische Kern von Syrakus – eine kompakte Kalksteininsel von kaum einem Kilometer Länge, auf der sich griechische Tempel, Barockfassaden und arabisch-normannische Spuren über 2.700 Jahre Geschichte überlagern. Der Eintritt ist frei, die Gassen sind zu Fuß erkundet, und fast jede Ecke hält eine Überraschung bereit.

  • Nekropole von Pantalica

    In die Kalksteinfelsen einer Flussschlucht nordwestlich von Syrakus gehauen, beherbergt die Nekropole von Pantalica über 5.000 Felsgräber aus dem 13. bis 7. Jahrhundert v. Chr. Als UNESCO-Weltkulturerbe verbindet sie archäologische Bedeutung mit einer der eindrucksvollsten Naturlandschaften Siziliens.