Camden Street & Harcourt Street: Dublins Ausgehmeile
Vom St. Stephen's Green südwärts durch das Portobello-Viertel – Camden Street und Harcourt Street bilden das Rückgrat von Dublins zugänglichster Ausgehzone. Tagsüber ist die Gegend ein lebendiger Wohn- und Geschäftsstreifen. Abends verwandelt sie sich in eine der verlässlichsten Anlaufstellen der Stadt: Essen, Trinken, Live-Musik.
Fakten im Überblick
- Lage
- Dublin 2, vom St. Stephen's Green südwärts nach Portobello
- Anfahrt
- Luas Green Line – Haltestelle Harcourt, direkt an der Harcourt Street
- Zeitbedarf
- 1–2 Stunden für einen Bummel tagsüber; ein ganzer Abend, wenn du auf Ausgehen aus bist
- Kosten
- Kostenlos zu erkunden; Eintrittspreise je nach Veranstaltungsort (direkt nachfragen)
- Am besten für
- Nightlife, entspanntes Essen, georgianische Straßenzüge, lokale Pub-Kultur

Was Camden Street und Harcourt Street eigentlich sind
Camden Street (irisch: Sráid Camden) und Harcourt Street (irisch: Sráid Fhearchair) sind zwei annähernd parallele Straßen im Süden Dublins, die zusammen das Rückgrat des sogenannten Village Quarter bilden. Die Camden Street führt durch das Portobello-Viertel in Dublin 2, von der Cuffe Street im Norden bis zur South Circular Road. Die Harcourt Street verläuft etwas östlicher parallel dazu: Sie beginnt am St. Stephen's Green, passiert den alten Harcourt Street Bahnhof – ein viktorianischer Eisenbahnterminusbahnhof, der heute die Luas-Haltestelle Harcourt beherbergt – und endet ebenfalls an der South Circular Road.
Keine der beiden Straßen ist ein gezielt angelegtes Ausgehviertel wie etwa das Temple Bar. Sie haben sich organisch entwickelt: Reihenhäuser aus georgianischer und viktorianischer Zeit, einst Kaufmannshäuser und Büros, füllten sich im Laufe des späten 20. Jahrhunderts nach und nach mit Pubs, Musiklocations, Restaurants und Clubs. Das gibt der Gegend ein vielschichtigeres, weniger inszeniertes Feeling als manch andere touristisch geprägte Zone Dublins.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Straßen selbst sind öffentliche Wege – kein Eintritt nötig. Einzelne Veranstaltungsorte legen ihre eigenen Türpreise und Einlassregeln fest, besonders nach 23 Uhr an Wochenenden.
Das Stadtbild: Georgianische Substanz hinter Leuchtreklamen
Der Name Camden Street taucht erstmals 1778 auf Dubliner Karten auf – höchstwahrscheinlich benannt nach John Jeffreys Pratt, 1. Earl Camden (1714–1794). Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden rund um die Straße Reihenhäuser, und einige historische Gebäude haben sich im oberen Bereich der Camden Street und nahe der Einmündung in die Harcourt Road erhalten. Ein dreigeschossiges ehemaliges Wohnhaus in der 35 Camden Street Upper – inventarisiert als Gebäude von regionalem architektonischem, künstlerischem und sozialem Interesse – ist ein gutes Beispiel für die historische Wohnbaustruktur der Gegend, bevor das Erdgeschoss vom Handel übernommen wurde.
Die Harcourt Street hat eine großzügigere Architektur. Die Häuserzeilen sind breiter, die Türumrahmungen aufwendiger, und mehrere Gebäude haben noch ihre originalen georgianischen Oberlichtfenster und schmiedeeisernen Geländer. Der alte Harcourt Street Bahnhof am oberen Ende der Straße wurde 1859 nach Plänen von George Wilkinson fertiggestellt und betrieb Personenzüge bis 1958. Seine italienisch anmutende Backsteinfassade – heute Teil eines Hotels – verleiht dem nördlichen Straßenende einen überraschend monumentalen Charakter.
Wer die Gegend bei Tageslicht erkundet, entdeckt Details, die abends in der Menge verschwinden: die abgenutzten Kalksteinstufen ehemaliger Stadthäuser, handgemalte Schriftzüge auf älteren Ladenfronten und die Art, wie das Straßengitter hier direkt in die Viertel Portobello und Ranelagh weiter im Süden übergeht, wo das Straßenbild sich schlagartig in ruhige Wohngegenden wandelt.
Tagsüber: Eine Alltagsstraße, die es lohnt, langsam zu erkunden
An einem Werktagmorgen gibt sich die Camden Street nüchtern und pragmatisch: Metzger, Getränkemärkte, Apotheke, Friseur, Eisenwarenhandlung. Der Gehsteig ist stellenweise schmal und wird von Lieferwagen und Pendlern gleichermaßen genutzt – hier ist Geduld gefragt, keine Eile. Irgendwo in der Mitte des Blocks zieht morgens meist Brotduft aus einer Bäckerei, und einige unabhängige Cafés haben schon vor 10 Uhr eine feste Stammkundschaft aus Homeoffice-Arbeitern und Anwohnern.
Samstag- und Sonntagnachmittage haben ein ganz anderes Tempo. Brunch-Lokale füllen sich ab Mittag, und ab 13 Uhr wird es auf dem Abschnitt zwischen Camden Street und Wexford Street merklich belebter. Das ist ein gutes Zeitfenster zum Schlendern – die Abendmassen sind noch nicht da, und mehrere Pubs, die schon mittags öffnen, sind zu dieser Zeit noch angenehm ruhig. Gute Gelegenheit, in Ruhe zu sitzen, bevor abends der Lärmpegel steigt.
💡 Lokaler Tipp
Wer fotografieren möchte: Das Licht auf der nach Westen ausgerichteten Häuserzeile der Camden Street ist am besten am späten Nachmittag, ungefähr zwischen 15 und 17 Uhr. Der georgianische Backstein leuchtet dann warm auf, bevor die Leuchtschilder das Bild dominieren.
Abends und Nightlife: Was dich erwartet
Ab etwa 20 Uhr freitags oder samstags verändert sich die Stimmung spürbar. Die Straßen füllen sich, vor manchen Läden bilden sich Schlangen, und aus offenen Pub-Türen dringt Live-Musik. Die Wexford Street, die Camden Street und Harcourt Street in der Mitte verbindet, fungiert als eine Art Scharnier zwischen beiden – und genau hier drängen sich einige der bekanntesten Musikpubs der Gegend zusammen.
Das Nightlife der Harcourt Street tendiert eher zu größeren, cluborientierten Locations. Mehrere der etabliertesten Late-Night-Venues Dublins befinden sich hier und ziehen ein jüngeres Publikum an, das entsprechend länger bleibt. Die Luas-Haltestelle direkt vor dem alten Bahnhof ist dabei ein praktischer Trumpf: Die Green Line fährt freitags und samstags bis etwa 00:30 Uhr, und die Haltestelle wird zum natürlichen Treffpunkt für Gruppen, die zwischen der Gegend und dem Stadtzentrum oder weiter südlich nach Ranelagh und Dundrum pendeln.
Wer keine Lust auf große, laute Club-Nächte hat, ist am Camden-Street-Ende des Korridors besser aufgehoben. Dort gibt es kleinere Pubs – manche mit Live-Traditional-Music – neben Cocktailbars und unabhängigen Restaurants. Die Gegend ist eine echte Alternative zur Pub-Szene in den Liberties und Smithfield für alle, die die touristisch überlaufensten Teile der Stadt meiden wollen, ohne die innere Southside zu verlassen.
⚠️ Besser meiden
An Wochenenden nach Mitternacht können die Straßen rund um Camden und Harcourt voll und laut werden. Taxis stehen Schlange, kommen aber nur langsam voran. Wer die Luas nehmen will, sollte vorab auf der Website von Transport for Ireland die letzten Abfahrtszeiten der Green Line prüfen – die variieren je nach Wochentag.
Anreise und Fortbewegung vor Ort
Die Luas-Haltestelle Harcourt auf der Green Line bringt dich direkt an die Kreuzung von Harcourt Street und dem alten Bahnhof. Von dort sind es fünf Minuten Fußweg zur Camden Street – entweder über die Harcourt Road oder durch den Charlotte Way. Die Straßenbahn verbindet Harcourt in einer Station mit dem St. Stephen's Green und fährt weiter durch das Stadtzentrum bis nach Broombridge. Das macht dieses Viertel zu einem der am besten angebundenen Ausgehbereiche Dublins.
Mehrere Dublin-Bus-Linien bedienen das weitere Umfeld, mit Haltestellen an der Camden Street und der Cuffe Street im Norden, in der Nähe des St. Stephen's Green. Aktuelle Liniennummern und Fahrpläne am besten vorab über den Reiseplaner von Transport for Ireland prüfen, da sich diese ändern können.
Beide Straßen sind vom St. Stephen's Green aus in unter zehn Minuten zu Fuß erreichbar – ideal, um das Viertel in einen Abend einzubauen, der auf der Northside oder im Stadtzentrum beginnt. Die Gehsteige der Camden Street sind unterschiedlich breit und nicht immer eben; besonders nahe der Kreuzung mit der Harcourt Road gibt es unregelmäßige Abschnitte. Die Luas-Haltestelle Harcourt ist barrierefrei zugänglich – mit ebenerdigen Straßenbahnen und Rampen auf dem Bahnsteig.
Für wen es vielleicht nichts ist
Camden Street und Harcourt Street passen nicht zu jedem Besuch. Wer tagsüber nach Kulturattraktionen mit Ausstellungsräumen oder aufbereiteten Erklärungen zur Stadtgeschichte sucht, wird hier wenig finden. Das architektonische Interesse ist real, aber es erschließt sich beim Spazierengehen – es ist nicht aufbereitet oder inszeniert. Familien mit kleinen Kindern werden die Gegend abends eher lebhaft als entspannt erleben, und die schmaleren Gehsteige der Camden Street sind in belebten Stunden nicht besonders kinderwagentauglich.
Wer vor allem in ruhiger Atmosphäre traditionelle irische Pub-Kultur sucht, ist möglicherweise besser bei O'Donoghue's oder den Pubs rund um den Merrion Square aufgehoben, wo das Publikum meist kleiner und die Stimmung an einem normalen Abend entspannter ist. Camden und Harcourt sind am besten als lebendiger, gemischter Stadtkorridor zu verstehen – nicht als Heritage-Erlebnis.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Nächste Luas-Haltestelle: Harcourt, Green Line. Ebenerdige Straßenbahnen, barrierefreier Bahnsteig.
- Nächste Bushaltestellen: Camden Street und Cuffe Street. Aktuelle Linien bei Transport for Ireland prüfen.
- Fußweg vom St. Stephen's Green: etwa 8–10 Minuten.
- Kein Eintritt für die Straßen selbst. Veranstaltungsgebühren variieren – direkt bei den Bars oder Clubs nachfragen.
- Beste Fotobedingungen: nachmittags bei Tageslicht auf der Camden-Street-Terrasse und rund um die alte Harcourt-Street-Bahnhofsfassade.
- Dresscode: In den meisten Pubs ist legere Kleidung kein Problem. Einige Late-Night-Venues auf der Harcourt Street haben an Wochenenden einen Smart-Casual-Einlass.
- Wetter: Dublins Klima ist gemäßigt-maritim – Regen ist das ganze Jahr über möglich. Eine kompakte Regenjacke ist bei jedem Abendausflug sinnvoll.
Insider-Tipps
- Die alte Fassade des Harcourt Street Bahnhofs – heute ein Hotel – ist eines der beeindruckendsten Beispiele viktorianischer Eisenbahnarchitektur in Dublin. Selbst wer nur vorbeischaut, sollte kurz innehalten. Das italienisch anmutende Backsteinmauerwerk und der Bogeneingang kommen am besten vom Gehsteig der Harcourt Street zur Geltung – nicht von innen.
- Die Wexford Street, die kurze Verbindung zwischen Camden und Harcourt, beherbergt einige der charaktervollsten Musikpubs der Gegend. Wer nur die Hauptstraßen entlangläuft, ohne abzubiegen, verpasst sie leicht – dabei ist der kurze Abstecher absolut lohnenswert.
- Wer am Wochenende in Ruhe ein Bier trinken möchte, sollte vor 19 Uhr da sein. Die meisten Pubs sind zu dieser Zeit noch angenehm geräumig und entspannt, bevor die Dinner-to-Drinks-Menge eintrifft. Nach 21 Uhr wird es in den beliebtesten Läden laut, und an den Tresen geht kaum noch jemand sitzen.
- Die georgianische Häuserzeile im oberen Abschnitt der Camden Street nahe der Kreuzung mit der Harcourt Road zeigt einige der am besten erhaltenen Ladenfront-Proportionen aus dem 19. Jahrhundert. Einfach mal über die Straßenschilder hinausschauen – die originale Fensteranordnung und die Dachlinien sind sehenswert.
- Wer die Luas Green Line nutzt: Die Haltestelle Harcourt ist auch ein praktischer Ausgangspunkt für den St. Stephen's Green, die Iveagh Gardens und die Kanalwege in Portobello. So lässt sich ein ganzer Nachmittag und Abend rund um einen einzigen Stopp planen.
Für wen ist Camden Street & Harcourt Street geeignet?
- Ausgehlustige, die eine weniger touristisch geprägte Alternative zum Temple Bar suchen
- Alle, die entspannt essen wollen und ein breites Angebot an Restaurants mit langen Küchenzeiten schätzen
- Besucher, die sich für georgianische und viktorianische Stadtarchitektur in einem alltäglichen urbanen Umfeld interessieren
- Gruppen, die flexibel zwischen Pub-Kultur, Live-Musik und Late-Night-Locations in einem kompakten Bereich wechseln wollen
- Reisende auf der Southside, die abends zu Fuß unterwegs sein wollen, ohne den Liffey überqueren zu müssen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Portobello & Ranelagh:
- Grand Canal Walk
Der Grand Canal Walk führt entlang einem der schönsten städtischen Treidelpfade Dublins durch die südlichen Viertel Portobello und Ranelagh. Der Weg ist rund um die Uhr frei zugänglich und bietet ruhiges Wasser, georgianische Brücken und heimische Tierwelt – nur einen kurzen Weg vom Stadtzentrum entfernt.