Ano Mera

Ano Mera liegt im geografischen Zentrum von Mykonos, etwa 8 Kilometer östlich der Hauptstadt, und ist das am besten erhaltene traditionelle Dorf der Insel. Es wurde rund um das Kloster Panagia Tourliani aus dem 16. Jahrhundert erbaut und bietet weiß getünchte Architektur, einen echten Dorfplatz und unkomplizierten Zugang zu den ruhigeren Ostständen – ohne den Lärm und den Trubel von Chora.

Gelegen in Mykonos

Gepflasterte Straße in Ano Mera mit traditionellen weiß getünchten Gebäuden, grünen Bäumen und dem Glockenturm des Klosters Panagia Tourliani unter einem klaren blauen Himmel.
Photo Bgabel (CC BY-SA 3.0) (wikimedia)

Überblick

Ano Mera ist der einzige Ort auf Mykonos, an dem man auf einem Platz sitzt, der sich wirklich griechisch anfühlt – nicht als Kulisse für Touristen. Es ist die zweitgrößte Siedlung der Insel, ein lebendiges Dorf rund um ein jahrhundertealtes Kloster und der beste Ausgangspunkt für die wildere Ostküste.

Lage und Orientierung

Ano Mera liegt ungefähr im Zentrum von Mykonos, auf einem flachen Binnenplateau rund 8 Kilometer östlich von Mykonos-Stadt und etwa 7 Kilometer von der Ostküste entfernt. Die Hauptstraße, die die Insel von Chora in Richtung der Strände Elia, Kalafatis und Kalo Livadi quert, führt direkt durch das Dorf – Ano Mera ist damit ein unvermeidlicher Knotenpunkt, kein Abstecher.

Das Dorf ist überschaubar und zu Fuß gut erkundbar. Die zentrale Plateia (Dorfplatz) ist das eigentliche Herz, flankiert vom Kloster Panagia Tourliani im Norden und einer Reihe von Tavernen und Kafeneions, die den Platz auf drei Seiten säumen. Ein Parkplatz liegt direkt neben dem Kloster, und wer mit Bus, Taxi oder Auto ankommt, findet sich sofort zurecht. Die umliegenden Gassen sind schmal, überwiegend von Anwohnern bewohnt und innerhalb von fünf Gehminuten in jede Richtung angenehm still.

Geografisch gesehen ist Ano Mera das Tor zu einigen der weniger erschlossenen Strände von Mykonos. Die Straße südlich und östlich des Dorfes führt zu Elia Beach und Kalafatis Beach, beide in zehn bis fünfzehn Fahrminuten erreichbar. Diese Lage abseits der touristischen Küstenstreifen erklärt, warum Ano Mera seinen Charakter bewahrt hat, während weite Teile der Inselküste längst umgebaut wurden.

Charakter und Atmosphäre

Der frühe Morgen gehört in Ano Mera fast ausschließlich den Einheimischen. Kafeneion-Stühle scharren über Stein, die ersten Kaffeebestellungen gehen raus, alte Männer nehmen ihre gewohnten Plätze ein, und der Platz ist so ruhig, wie es Mykonos-Stadt selbst bei Tagesanbruch nie ganz schafft. Das Licht fällt flach und golden aus dem Osten und wirft lange Schatten über den barocken Marmorglockenturn des Klosters. Kein Wummern von Beach-Club-Bässen, kein Rattern von Rollkoffern auf Kopfsteinpflaster.

Gegen Vormittag ändert sich die Stimmung leicht, wenn Tagesausflügler eintreffen – meist in Mietwagen und auf Mopeds auf dem Weg zu den Ostständen, viele machen kurz halt, um das Kloster zu fotografieren oder einen Kaffee zu trinken. Das Dorf verkraftet diesen Durchzug, ohne davon überrollt zu werden. Der Platz nimmt Besucher mühelos auf, denn er ist tatsächlich groß – entworfen für Gemeinschaftsversammlungen, nicht als Touristenkulisse.

Sommernachmittage sind heiß und still. Die halb trockene Landschaft rund ums Dorf – struppige Hügel mit Trockensteinmauern und spärlicher Vegetation – flimmert in der Hitze. Die meisten Besucher sind dann am Strand, und der Platz kehrt in seinen langsameren Rhythmus zurück. Das ist tatsächlich die reizvollste Zeit, um Ano Mera zu erleben, wenn man es als Ort verstehen möchte, an dem Menschen wohnen – und nicht als Freilichtmuseum.

Abends zeigt sich das Dorf von seiner besten Seite. Tavernen-Tische rücken auf den Platz, Kerzen erscheinen, und das Tempo ist entspannt auf eine Art, die sich echt anfühlt und nicht gespielt. Der Kontrast zu Mykonos-Stadt zur gleichen Stunde – wo jedes Restaurant um Aufmerksamkeit kämpft und die Preise den Immobiliendruck widerspiegeln – ist deutlich. Ein Abendessen in Ano Mera kostet weniger und kommt ohne großes Theater.

ℹ️ Gut zu wissen

Ano Mera hat eine echte ganzjährige Bevölkerung – das Dorf funktioniert im Winter, wie es die Küstenorte auf Mykonos nicht tun. Wer außerhalb der Hauptsaison kommt, also zwischen Oktober und April, findet in Ano Mera eines der wenigen Flecken auf der Insel, wo Cafés geöffnet sind und der Alltag weiterläuft.

Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten

Das Kloster Panagia Tourliani ist der Grund, warum Ano Mera so aussieht, wie es heute ist, und bleibt die bedeutendste Sehenswürdigkeit des Dorfes. 1542 gegründet und 1767 grundlegend umgebaut, ist das Kloster im befestigten kyklardischen Stil errichtet – weiß getünchte Mauern umschließen einen Innenhof mit der Kirche der Jungfrau Maria im Zentrum. Im Inneren befindet sich eine aufwendig geschnitzte Marmorikonostase von beeindruckender handwerklicher Qualität sowie bestickte Gewänder und religiöse Artefakte aus mehreren Jahrhunderten. Der Eintritt ist für angemessen gekleidete Besucher erlaubt; das Kloster ist noch immer ein aktiver Sakralbau, kein Museum.

Auf einem vom Dorf aus sichtbaren Hügel liegt das Kloster Paleokastro, ein zweiter religiöser Komplex, der mit den Überresten einer byzantinischen Befestigungsanlage verbunden ist. Der Ort zeigt auch Spuren antiker Besiedlung, darunter Gräber aus der geometrischen Periode – ein vielschichtiges historisches Zeugnis für alle, die Mykonos jenseits seines modernen Rufs entdecken wollen. Der Fußmarsch oder die kurze Fahrt zwischen den beiden Klöstern vermittelt ein Gefühl für die Binnenlandschaft der Insel, die sich deutlich von der Küstenpostkarte unterscheidet.

Der Dorfplatz selbst verdient Zeit ohne bestimmtes Programm. Er funktioniert als echter Gemeinschaftsraum, und der Kontrast zu den für Touristen hergerichteten Einkaufsgassen von Mykonos-Stadt ist lehrreich. Eine Stunde hier zu sitzen vermittelt ein realistischeres Bild davon, wie die Insel wirklich lebt, als das meiste, was Besuchern entlang der Uferpromenade in Chora geboten wird.

  • Kloster Panagia Tourliani: Kloster aus dem 16. Jahrhundert mit prachtvoller Marmorikonostase; dezente Kleidung erforderlich (Schultern und Knie bedeckt)
  • Kloster Paleokastro: Bergkloser mit byzantinischen Befestigungsresten und Spuren antiker Grabstätten
  • Zentraler Dorfplatz von Ano Mera: großer Platz für authentisches Dorfleben, besonders morgens und abends
  • Strandtour im Osten: Ano Mera als Ausgangspunkt für Tagesausflüge zu den Stränden Elia, Kalafatis, Kalo Livadi und Agia Anna
  • Wandern in der Umgebung: Trockensteinmauern, Windmühlen und das Buschland rund ums Dorf erzählen von der landwirtschaftlichen Geschichte der Insel

💡 Lokaler Tipp

Das Kloster Panagia Tourliani entfaltet seine schönste Atmosphäre am 15. August, dem Fest der Himmelfahrt Marias, wenn das Dorf eines der bedeutendsten religiösen Feste von Mykonos ausrichtet. Fällt dein Besuch auf dieses Datum, verwandelt das Fest den Platz mit Musik, Essen und Zeremonien – echter Inselbrauch, kein Touristenprogramm.

Essen und Trinken

Das kulinarische Angebot in Ano Mera ist unkomplizierte griechische Tavernenküche – und genau das macht seinen Reiz aus. Mehrere Tavernen liegen direkt am zentralen Platz und servieren gegrilltes Fleisch, frischen Fisch, griechische Salate und Mezedes, die am frühen Abend gut zu einem Krug Hauswein passen. Die Preise sind durchweg niedriger als für vergleichbares Essen in Mykonos-Stadt, und die Portionen sind in der Regel großzügiger. Wer einen umfassenderen Überblick über die Küche der gesamten Insel möchte, findet ihn im Mykonos-Essensführer mit den lokalen Spezialitäten, die man probiert haben sollte.

Die Kafeneions rund um den Platz servieren griechischen Kaffee, Freddo Espresso und kalte Getränke den ganzen Tag. Das sind Orte, an denen Einheimische tatsächlich sitzen, und ein Kaffee kostet hier ungefähr das, was ein Kaffee kosten sollte – nicht den Touristenaufschlag. Für Besucher, die in Ano Mera übernachten oder am späten Nachmittag vorbeikommen, ist der Platz ein guter Ort zum Durchatmen, bevor der Abend geplant wird.

Ano Mera bietet nicht die Restaurantvielfalt von Mykonos-Stadt. Keine Sushi-Bars, keine Rooftop-Cocktailbars, keine Promi-Küche. Was es gibt, ist ehrliche Küche mit einer überschaubaren Karte griechischer Klassiker, serviert von Leuten, die das seit Jahren machen. Wer die meiste Zeit am Strand verbringt und einmal gut essen möchte – ohne Aufwand und ohne hohe Rechnung – findet hier eine unterschätzte Option.

⚠️ Besser meiden

Die meisten Tavernen in Ano Mera sind Saisonbetriebe und können außerhalb der Hauptsaison von Juni bis September geschlossen oder nur eingeschränkt geöffnet sein. Wer in der Nebensaison kommt, sollte die Öffnungszeiten lieber vor Ort erfragen, anstatt davon auszugehen, dass der Platz voll in Betrieb ist.

Anreise und Fortbewegung

Ano Mera ist per öffentlichem Bus mit Mykonos-Stadt verbunden. Die Busse fahren vom Fabrika-Busbahnhof in Chora und vom Bereich des Alten Hafens ab. Die Fahrt dauert je nach Route und Tageszeit etwa 15 bis 20 Minuten. Im Sommer fahren die Busse deutlich häufiger. Einen vollständigen Überblick über die Fortbewegung auf der Insel – inklusive Busrouten und Taxi-Infos – bietet der Mykonos-Fortbewegungsguide als praktischste Referenz.

Ein Taxi von Mykonos-Stadt nach Ano Mera legt die 8 Kilometer in rund 15 Minuten zurück. In der Hochsaison kann die Taxiverfügbarkeit jedoch knapps sein – entweder Vorausbuchen oder Geduld am Taxistand beim Manto-Mavrogenous-Platz in Chora einplanen. Uber ist auf Mykonos deutlich weniger präsent als auf dem griechischen Festland; herkömmliche Taxis sind die verlässlichste Option.

Ein Moped oder Kleinwagen zu mieten ist die flexibelste Möglichkeit, wenn man Ano Mera als Ausgangspunkt für die Oststrände nutzen möchte. Die Straßen zwischen Ano Mera und der Küste sind stellenweise eng und erfordern Aufmerksamkeit, besonders in den Kurven Richtung Kalafatis und Kalo Livadi. Bei sommerlichem Trockenasphalt ist das Fahren unproblematisch, auf den einspurigen Abschnitten aber immer mit Bedacht.

Der Internationale Flughafen Mykonos (JMK) liegt etwa 3 bis 4 Kilometer südöstlich von Mykonos-Stadt und damit rund 5 bis 6 Kilometer Fahrtstrecke von Ano Mera entfernt. Eine reguläre Direktbuslinie vom Flughafen nach Ano Mera gibt es nicht; die praktischen Optionen sind Taxi, vorgebuchter Transfer oder zunächst die Fahrt nach Chora.

Wo übernachten?

Das Unterkunftsangebot in Ano Mera ist überschaubar – verglichen mit der Hauptstadt oder den Strandgebieten. Genau das zieht Reisende an, die Mykonos erleben möchten, ohne mitten im Nachtleben und im Touristenstrom zu sitzen. Kleine Hotels und Pensionen gibt es im und rund um das Dorf, ausgerichtet auf Paare, Familien und unabhängige Reisende, die ihre Tage lieber an den Ostständen verbringen als in den Clubs. Einen umfassenden Überblick über alle Unterkunftsmöglichkeiten auf der Insel bietet der Mykonos-Unterkunftsguide mit Details zu allen Gegenden.

Eine Unterkunft in Ano Mera macht vor allem Sinn, wenn günstigere Preise, echte Nachtruhe, leichter Zugang zur Ostküste und ein Tagesrhythmus ohne Beach-Club-Taktung Priorität haben. Der Kompromiss: die Entfernung zu den Attraktionen von Mykonos-Stadt, dem Alten Hafen und Lüttel Venedig. Wer täglich viel Zeit in Chora verbringen möchte, sollte den Pendelaufwand einkalkulieren – dann ist eine zentralere Unterkunft sinnvoller.

Für Reisende, die sich auf die Süd- und Oststrände konzentrieren, etwa Elia Beach oder Kalafatis Beach, ist Ano Mera die logischste Basis im Landesinneren – die Fahrtzeit dorthin verkürzt sich deutlich gegenüber einem täglichen Start in Chora. Honeymoon-Paare oder Luxusreisende sind in der Regel besser mit den Strandhotels an der Südküste aufgehoben, wie im Mykonos-Hochzeitsreiseführer beschrieben.

Lohnt sich ein Ausflug nach Ano Mera?

Als halbtägiger Ausflug von Mykonos-Stadt ist Ano Mera einer der lohnenswertesten Abstecher ins Landesinnere auf einer griechischen Insel. Das Kloster allein ist die 15-minütige Busfahrt wert, und wer es mit einem Mittagessen auf dem Platz verbindet, bevor es an einen Strand weitergeht, gewinnt echter Tiefe für ein Mykonos-Programm, das sich sonst nur an der Küste abspielt. Für Ideen zur Zeitplanung bieten der Mykonos-Aktivitätenguide und der 3-Tage-Mykonos-Reiseplan beide Kontext dafür, wie sich Ano Mera in einen größeren Besuch einbauen lässt.

Das Dorf wird Besucher enttäuschen, die Nachtleben, Luxusboutiquen oder die szenografische Uferpromenade von Mykonos-Stadt suchen. Das ist hier nicht der Anspruch. Aber wer zwei oder drei Tage in Chora verbracht hat und verstehen möchte, wie die Insel aussieht, wenn sie nicht für Touristen posiert, findet auf dem Binnenplateau rund um Ano Mera eine ganz andere Seite von Mykonos.

Kurzfassung

  • Ano Mera ist das am besten erhaltene traditionelle Dorf auf Mykonos, erbaut rund um das Kloster Panagia Tourliani aus dem 16. Jahrhundert, etwa 8 km östlich von Mykonos-Stadt.
  • Ideal für Reisende, die günstigere Preise, echte Ruhe und unkomplizierten Zugang zu den Ostständen suchen – besonders Elia, Kalafatis und Kalo Livadi.
  • Der zentrale Dorfplatz und das Kloster lohnen einen halbtägigen Ausflug aus Chora, am besten kombiniert mit einem Strandbesuch an der Ostküste.
  • Kein geeigneter Ausgangspunkt für Reisende, die Nachtleben, die Nähe zu Lüttel Venedig oder die großen Beach Clubs im Süden bevorzugen.
  • Per Bus ab Fabrika-Station in Mykonos-Stadt in etwa 15 bis 20 Minuten erreichbar; mit einem Mietfahrzeug lassen sich die umliegenden Strände am flexibelsten erkunden.

Top-Sehenswürdigkeiten in Ano Mera

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