Budapests Ruinenbars: Der komplette Guide
Budapests Ruinenbars sind einzigartig in Europa: verlassene Gebäude, die zu labyrinthartigen Bars, Galerien und Gärten umgestaltet wurden. Dieser Guide zeigt dir die besten Locations, realistische Preise, Anfahrtswege und saisonale Tipps.

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Kurzfassung
- Die meisten Ruinenbars liegen im 7. Bezirk (das Jüdische Viertel), rund um die Kazinczy utca und Akácfa utca – zu Fuß von den U-Bahn-Stationen Astoria oder Blaha Lujza tér erreichbar.
- Das Szimpla Kert ist die älteste und bekannteste Location, zieht aber mittlerweile viele Touristen an. Kleinere Bars in der Nähe bieten eine lokalere Atmosphäre.
- Bier kostet in den großen Ruinenbars 900–1.400 HUF. Die Vorstellung, dass Ruinenbars immer günstig sind, ist überholt: In den zentralen Locations zahlt man fast so viel wie in Westeuropa.
- In die meisten Ruinenbars kommt man kostenlos rein. Manche clubartige Locations verlangen an Wochenenden nach Mitternacht 2.000–3.000 HUF Eintritt.
- Ein kompletter Abend (Abendessen, Bars, Club, Transport) kostet typischerweise 15.000–25.000 HUF pro Person. Unser Budapest-Nightlife-Guide gibt dir einen umfassenderen Überblick.
Was sind Ruinenbars – und warum gibt es sie in Budapest?

Die Ruinenbar (auf Ungarisch: romkocsma) entstand in Budapest Anfang der 2000er Jahre, als Unternehmer begannen, verlassene Gebäude im 7. Bezirk zu nutzen. Viele dieser Gebäude hatten jahrzehntelang leergestanden – als Folge der Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, darunter die Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs und die Stagnation der kommunistischen Ära. Anstatt auf eine offizielle Sanierung zu warten, verwandelten junge Einheimische diese baufälligen Innenhöfe und Wohnungen in improvisierte Bars – ausgestattet mit zusammengewürfelten Möbeln, geretteten Kunstwerken und selbst gebauter Beleuchtung.
Das Szimpla Kert, das 2002 eröffnet wurde, gilt allgemein als das erste und definierendste Beispiel des Genres. Das Konzept verbreitete sich rasch im dem Jüdischen Viertel und darüber hinaus und verwandelte ein historisch vernachlässigtes Viertel in eines der markantesten Nachtlebensviertel Europas. Heute reicht das Angebot vom ursprünglichen Low-fi-Stil bis hin zu ausgefeilten Locations, die zwar die Optik der Ruinenbars übernommen haben, aber wenig von der ursprünglichen Spontaneität behalten haben.
ℹ️ Gut zu wissen
Der Begriff 'Ruinenbar' beschreibt das Ambiente genauso wie die Architektur. Manche Locations wurden vollständig renoviert, behalten aber das eklektische Dekor bei. Andere sind tatsächlich noch ziemlich rau. Das Erlebnis unterscheidet sich von Bar zu Bar erheblich.
Wo man sie findet: Das Jüdische Viertel und drumherum

Das Kernviertel der Ruinenbars liegt im 7. Bezirk (Erzsébetváros), grob begrenzt durch die Király utca im Norden, die Rákóczi út im Süden und den Ringstraßengürtel Nagykörút im Westen. Die Kazinczy utca und die Akácfa utca sind die beiden Straßen, zu denen du immer wieder zurückkehren wirst. Der Klauzál tér, der zentrale Platz des Viertels, ist ein guter Orientierungspunkt.
Die Anreise ist unkompliziert. Das Szimpla Kert in der Kazinczy utca ist etwa 6 Minuten zu Fuß (rund 500 Meter) von der Station Astoria der U-Bahn-Linie M2 entfernt. Das Instant-Fogas in der Akácfa utca liegt näher an der Blaha Lujza tér, ebenfalls an der M2. Vom Deák Ferenc tér, wo die U-Bahn-Linien M1, M2 und M3 sich kreuzen, ist das gesamte Viertel in 10–15 Minuten zu Fuß erreichbar. Nachtbusse fahren das Gebiet ab, nachdem die U-Bahn gegen 23:00 Uhr ihren Betrieb einstellt.
Außerhalb des 7. Bezirks gibt es vereinzelt Bars im Ruinen-Stil in den angrenzenden Bezirken und der Innenstadt. Sie sind tendenziell ruhiger und lokaler geprägt, bieten aber nicht die Dichte und Vielfalt des jüdischen Viertels. Wer das volle Spektrum von Budapests Ruinenbar-Szene erleben möchte, fängt im 7. Bezirk an.
- Szimpla Kert (Kazinczy utca 14) Das Original. Geöffnet Mo–Fr ab 15:00, Sa ab 12:00, So ab 9:00, Schließung um 4:00 Uhr. Sonntags findet ein Bauernmarkt von 9:00–14:00 Uhr statt. An Wochenendabenden ist es voll – komm vor 20:00 Uhr für ein entspannteres Erlebnis.
- Instant-Fogas (Akácfa utca 51) Ein großer Komplex mit mehreren Räumen, der am frühen Abend als Bar fungiert und nach Mitternacht in einen richtigen Club übergeht. Geöffnet bis etwa 6:00 Uhr. An Wochenenden oder bei Sonderveranstaltungen wird nach Mitternacht Eintritt von 2.000–3.000 HUF verlangt.
- Mazel Tov (Akácfa utca 47) Eine Ruinenbar mit angeschlossenem Restaurant mit nahöstlichem Einfluss. Gehobener und weniger chaotisch als die benachbarten Locations. Gute Wahl, wenn du zum Trinken auch etwas essen möchtest.
- Anker't (Paulay Ede utca 33) Eine große Innenhofbar näher am Deák Ferenc tér. Beliebt bei einem gemischten Publikum aus Einheimischen und Touristen. Der Außenbereich ist besonders schön im Sommer.
- Red Ruin Bar (Irinyi utca) Täglich geöffnet von 16:00–4:00 Uhr. Liegt etwas außerhalb des Kerngebiets im 7. Bezirk, was an belebten Abenden für weniger Gedränge sorgt.
Preise, Getränke und was dich an der Bar erwartet
Einer der hartnäckigsten Mythen über Budapests Ruinenbars ist, dass sie immer günstig sind. Das stimmte in den Anfangsjahren. In den bekannten, touristisch geprägten Locations kostet ein 0,5-Liter-Bier heute 900–1.400 HUF, Cocktails liegen bei 2.000–3.000 HUF und ein Pálinka-Shot beginnt bei rund 600 HUF. Im gesamten Szenebild reichen die Bierpreise von 500–1.000 HUF und Cocktails von 2.000–5.000 HUF, je nach Komplexität und Location. Das unterscheidet sich kaum von den Preisen in größeren westeuropäischen Städten.
Günstiger wird es in den kleineren, weniger bekannten Bars im selben Viertel, die nicht vom Laufkundschaft der Stadtführungen leben. Wem der Preis wichtig ist, schaut eine Straße abseits des Hauptclusters. Pálinka, der ungarische Obstbrand, ist im Vergleich zu importierten Spirituosen durchweg günstiger und eine lohnende lokale Wahl. Unicum, der bitter-kräutrige Likör der Familie Zwack, ist ein weiterer lokaler Klassiker, den man mindestens einmal probiert haben sollte.
⚠️ Besser meiden
Manche Bars in der Gegend berechnen eine Art 'Couvert' oder Pflichtsnack, der ungebeten auf deiner Rechnung auftaucht. Frag vorher nach, besonders in Locations nahe der Haupttouristenmeile. Das ist bei den etablierten Ruinenbars seltener als in manchen benachbarten Restaurants, kommt aber vor.
Als Orientierung für die Budgetplanung: Ein kompletter Abend mit Abendessen in der Nähe des Viertels, drei oder vier Getränken in zwei oder drei Bars und einem Clubeintritt kostet typischerweise 15.000–25.000 HUF pro Person. Rechne noch ein Taxi nach Hause dazu (am besten per Bolt, Uber oder einer anderen lizenzierten Taxi-App bestellen) und du landest am oberen Ende dieser Spanne oder leicht darüber.
Wann hingehen: Timing, Jahreszeiten und Besucherströme

Die Ruinenbars haben das ganze Jahr geöffnet, aber das Erlebnis verändert sich je nach Jahreszeit erheblich. In den wärmeren Monaten, grob von Mai bis September, entfalten die großen Innenhofgärten ihren vollen Charme. Der Innenhof des Szimpla Kert und der Außenbereich des Anker't füllen sich an warmen Abenden schnell, und die Stimmung unterscheidet sich deutlich vom geschlossenen Wintererlebnis. Die Touristenhochsaison läuft von Ende Mai bis Anfang September, und die bekanntesten Locations merken das deutlich: Freitag- und Samstagabende im Juli und August im Szimpla Kert können sich eher wie ein Freizeitpark anfühlen als wie eine Bar.
Wer Atmosphäre ohne das Gedränge möchte, für den ist Ende September bis Oktober der ideale Zeitraum. Die Innenhöfe sind an milden Abenden noch nutzbar, die Sommertouristen sind weitgehend weg und die Einheimischen sind zurück. Im Winter ist es in den Bars drinnen durchaus angenehm (die Innenräume sind gut geheizt und stimmungsvoll), aber der Innenhof fällt komplett weg. Wie sich die Jahreszeiten insgesamt auf deinen Trip auswirken, erklärt der beste Reisezeit für Budapest Guide im Detail.
Auch der Wochentag spielt eine Rolle. Der Sonntagsbauernmarkt im Szimpla Kert (9:00–14:00 Uhr) zieht ein Publikum an, das nichts mit Nachtleben zu tun hat, und lohnt sich als eigenständiger Besuch. An Wochentagnachmittagen funktionieren einige Ruinenbars als ruhige Cafés. Ein Getränk und ein Blick auf die Architektur ohne Trubel – ein Dienstag- oder Mittwochnachmittag im Szimpla oder Mazel Tov ist ein völlig anderes Erlebnis als ein Samstagabend.
✨ Profi-Tipp
Komm freitags oder samstags vor 20:00 Uhr ins Szimpla Kert, wenn du einen Platz finden und den Raum wirklich erleben möchtest. Nach 21:00 Uhr in der Hochsaison ist es so voll, dass man sich kaum bewegen kann – von der Einrichtung genießen ganz zu schweigen.
Ruinenbar-Touren, Pub Crawls und auf eigene Faust unterwegs

Organisierte Pub Crawls und Ruinenbar-Touren finden das ganze Jahr statt und besuchen typischerweise drei bis fünf Locations an einem Abend. Die Preise liegen in der Regel bei 20–35 € pro Person, oft inklusive eines Willkommensdrinks und eines Gratis-Shots in jeder Bar. Für Alleinreisende oder kleine Gruppen, die die Stadt nicht kennen, lösen diese Touren das Logistikproblem und sorgen sofort für Anschluss. Für alle anderen verwässern sie das Erlebnis meistens. Du bewegst dich nach dem Zeitplan der Tour, nicht deinem eigenen, und teilst den Raum mit einer großen, oft lauten Gruppe. Die Ruinenbars sind leicht auf eigene Faust zu finden, und das Viertel ist nachts sicher und gut zu Fuß erkundbar.
Auf eigene Faust ist es unkompliziert. Starte am Deák Ferenc tér oder an der Astoria, lauf in den 7. Bezirk und folge der Kazinczy utca. Beginne im Szimpla Kert zur Orientierung und arbeite dich dann durch die umliegenden Straßen. Das gesamte Cluster ist kompakt genug, um es an einem einzigen Abend zu Fuß zu erkunden – ohne irgendwas vorher planen zu müssen. Das Nachtleben im Viertel kommt typischerweise gegen 20:00–21:00 Uhr in Fahrt, mit dem Club-Peak zwischen 1:00 und 3:00 Uhr.
- Nimm Bargeld mit: Manche kleineren Bars akzeptieren keine Karten zuverlässig, und Geldautomatengebühren summieren sich.
- Für die Heimfahrt nur lizenzierte Taxis oder den vom Hotel empfohlenen Fahrdienst nutzen. Nachts im Barenviertel keine nicht gekennzeichneten Fahrzeuge anhalten.
- Die Notrufnummer 112 (europäischer Standard) funktioniert in ganz Ungarn.
- In Bars mit Tischservice ist ein Trinkgeld von rund 10 % üblich. An der Theke in Ruinenbars ist Aufrunden die Norm, aber keine Pflicht.
- Budapest zahlt mit dem ungarischen Forint (HUF). Zum Zeitpunkt der Erstellung entsprechen 1.000 HUF ungefähr 2,50–3,00 €, aber überprüfe den aktuellen Kurs vor der Reise.
Jenseits der Ruinenbars: Wie du sie in einen größeren Besuch einbaust

Das Jüdische Viertel lohnt sich auch tagsüber. Die Große Synagoge in der Dohány utca ist die größte Europas und liegt zehn Minuten zu Fuß vom Szimpla Kert entfernt. Das Straßenleben, die unabhängigen Läden und die Gastronomie des Viertels machen es zu einem der interessanteren Teile der Pester Innenstadt – ideal, bevor die Bars öffnen.
Wer hauptsächlich wegen des Nachtlebens nach Budapest kommt, kombiniert einen Abend in den Ruinenbars gerne mit einem Besuch in einem der städtischen Thermalbäder. Das Széchenyi-Thermalbad veranstaltet regelmäßig abendliche 'Sparty'-Events, und das Rudas-Thermalbad hat freitags und samstags Nachtsessions. Beide bieten einen ganz anderen Blick auf Budapests Nachtkultur.
Wer wenig Zeit hat: Ein Budapest-Reiseplan für 3 Tage lässt sich gut mit einem Ruinenbar-Abend kombinieren, ohne die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu verpassen. Wer länger bleibt und das volle Nachtleben erkunden möchte, sollte den ausführlichen Budapest-Nightlife-Guide lesen – mit Locations, Events und einer Übersicht nach Vierteln.
Häufige Fragen
Sind Budapests Ruinenbars sicher für Touristen?
Ja, das Hauptviertel der Ruinenbars im 7. Bezirk ist gut besucht und generell sicher. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen gelten: Taschendiebe im Blick behalten, in überfüllten Bars aufpassen, lizenzierte Taxis statt nicht gekennzeichneter Fahrzeuge nutzen und auf dein Getränk achten. Die Gegend rund um die Kazinczy utca und Akácfa utca ist gut beleuchtet und bis in die frühen Morgenstunden belebt.
Muss ich im Voraus reservieren, um in Ruinenbars zu kommen?
Für die meisten Ruinenbars brauchst du keine Reservierung. Du gehst einfach rein. Ausnahmen: wenn du einen reservierten Tisch für eine größere Gruppe möchtest oder eine bestimmte Veranstaltung oder ein Konzert in einem Club wie dem Instant-Fogas besuchst, wo Tickets ausverkauft sein können. Für einen normalen Abend einfach hingehen und reinspazieren.
Welche Ruinenbar eignet sich am besten für einen ersten Besuch?
Das Szimpla Kert ist der offensichtliche Startpunkt, weil es das Original und architektonisch interessanteste ist. Wenn du aber an einem belebten Freitag- oder Samstagabend im Sommer kommst, kann das Gedränge die Atmosphäre erdrücken. Das Anker't bietet ähnlich viel Platz mit etwas weniger Touristenandrang. Für einen entspannteren Einstieg lohnt sich ein Besuch wochentags am Nachmittag im Szimpla, bevor es voll wird.
Gibt es einen Dresscode in Ruinenbars?
Keinen formellen Dresscode. Ruinenbars sind bewusst legere Orte. Smart-casual reicht vollkommen. Die einzige Ausnahme könnten spezielle Event-Nächte in cluborientierten Locations wie dem Instant-Fogas sein, wo Veranstalter gelegentlich Ansprüche stellen – das ist aber selten und wird im Voraus kommuniziert.
Lohnt sich eine Nachtkreuzfahrt oder geführte Tour durch die Ruinenbars?
Ein geführter Pub Crawl löst die logistischen Grundlagen und ist für Alleinreisende, die Anschluss suchen, eine gute Option – aber du zahlst einen Aufpreis für diese Bequemlichkeit (20–35 €) und gibst die Kontrolle über deinen Abend ab. Eine Budapester Nachtkreuzfahrt auf der Donau ist ein völlig anderes Erlebnis und nicht direkt vergleichbar. Wenn du beides auf einer Reise kombinieren möchtest: erst die Flusskreuzfahrt (typischerweise 1–2 Stunden am frühen Abend), dann ins Jüdische Viertel.