The Bentway: Torontos unerwarteter öffentlicher Raum unter dem Gardiner

The Bentway verwandelt 1,75 km Unterführungsfläche unter dem Gardiner Expressway in einen der ungewöhnlichsten öffentlichen Räume Torontos. Ganzjährig kostenlos zugänglich, mit einem winterlichen Skate-Trail, Outdoor-Kunst, Community-Events und einem Mehrzweckweg, der das Waterfront mit der Exhibition GO Station verbindet.

Fakten im Überblick

Lage
250 Fort York Blvd (Strachan Gate), unter dem Gardiner Expressway, Toronto Waterfront
Anfahrt
Exhibition GO Station (500 m Wegverbindung); TTC-Straßenbahnen auf der Bathurst St und Fort York Blvd in der Nähe
Zeitbedarf
30–90 Minuten für einen Spaziergang; mehr Zeit einplanen bei Veranstaltungen oder Schlittschuhlaufen
Kosten
Kostenloser Zugang. Schlittschuhverleih ab 12,99 CAD (Erwachsene); Helme 5 CAD (Saison 2025/26)
Am besten für
Spaziergänger, Radfahrer, Architekturbegeisterte, Winterschlittschuhläufer, Familien
Offizielle Website
thebentway.ca
Weitwinkelblick unter den Gardiner Expressway in Toronto mit dem städtischen Fuß- und Radweg, einem Läufer und modernen Gebäuden auf beiden Seiten.

Was ist The Bentway?

The Bentway ist ein 1,75 km langer öffentlicher Weg und Veranstaltungsraum, der unter dem Gardiner Expressway verläuft – grob zwischen der Strachan Avenue und der Bathurst Street im Waterfront-Viertel Torontos. Das Projekt wurde im November 2015 als „Project: Under Gardiner” ins Leben gerufen und eröffnete seine erste Phase 2018. Damit wurde ein lange vernachlässigter, dunkler Asphaltstreifen unter einer Stadtautobahn in mehr als vier Hektar aktiven öffentlichen Raum verwandelt.

Der Name leitet sich von den sogenannten „Bents” des Gardiner ab – den Beton-Stützenrahmen, die die Hochstraße tragen. Rund 55 dieser Bents gliedern den Weg in eine Abfolge von eigenständigen „Civic Rooms”, jeder mit einem leicht anderen Charakter, anderen Sichtachsen und anderen Nutzungsmöglichkeiten. Im Kern ist es ein linearer Park, der durch eine Betonarchitektur unterteilt wird, die die meisten Menschen jahrzehntelang ignoriert haben.

The Bentway ist Teil eines umfassenderen Netzwerks von Waterfront-Aufwertungen rund um Fort York und verbindet sich direkt mit dem Canoe Landing Park. Die Organisation betreibt ein Studio in der 55 Fort York Blvd und bietet ganzjähriges Programm – von Winterschlittschuhlaufen über Outdoor-Filmvorführungen bis hin zu großformatigen Kunstinstallationen.

💡 Lokaler Tipp

Die öffentlichen Außenbereiche von The Bentway sind jederzeit kostenlos zugänglich. Für Spaziergänge oder Radfahren ist weder ein Ticket noch eine Anmeldung erforderlich. Vor dem Besuch lohnt sich ein Blick auf thebentway.ca, wenn du eine bestimmte Veranstaltung besuchen oder den Skate-Trail nutzen möchtest, da das Programm saisonale Öffnungszeiten hat.

Der Weg entlang: Was du wirklich siehst

Ein Spaziergang durch The Bentway ist wirklich anders als auf jedem anderen Weg in Toronto. Die Autobahn über dir ist allgegenwärtig: Das Rauschen des Verkehrs ist konstant, irgendwo zwischen Hintergrundgeräusch und leichtem Industrieperkussion. Die Unterseite des Gardiner wird nicht verschönert oder versteckt. Sichtbarer Beton, Stahlverbindungen und Entwässerungsinfrastruktur sind alle offen einsehbar – und diese industrielle Ehrlichkeit ist ein Teil des Reizes für Besucher, die adaptive Nachnutzung schätzen statt dekorativer Verkleidung.

Der Weg selbst ist gepflastert und eben, was ihn für Kinderwagen, Rollstühle und Fahrräder geeignet macht. Entlang der Strecke passierst du offene Plätze für Veranstaltungen, saisonale Kunstinstallationen und ruhigere Abschnitte, in denen die Geräusche des nahen Fort York und der umliegenden Nachbarschaft von den Rändern hereindringen. Die Betonbents über dir schaffen eine rhythmische Bildstruktur: Jeder rahmt einen anderen Blick auf die Straße oder die Grünflächen dahinter.

Der Weg verbindet sich im Westen mit dem Canoe Landing Park und führt in Richtung Exhibition GO Station – damit ist er nicht nur ein Ausflugsziel, sondern auch eine echte Alltagsroute für Pendler und Freizeitnutzer. Im Sommer nutzen Radfahrer ihn, um das Gebiet ohne Autoverkehr zu durchqueren. Jogger tauchen meist früh morgens auf, wenn der Verkehrslärm über ihnen noch geringer und das Licht an den Rändern der Unterführung am schönsten ist.

Der Winter-Skate-Trail: The Bentway von seiner markantesten Seite

Für viele Torontoer ist der Winter-Skate-Trail von The Bentway der Hauptgrund, zwischen Dezember und März vorbeizukommen. Der Trail schlängelt sich in einer schmalen Kurve unter den Bents des Gardiner hindurch und ist nachts mit warmem Deckenlicht beleuchtet, das sich auf dem Eis spiegelt und dem industriellen Ambiente eine unerwartet atmosphärische Qualität verleiht. Schlittschuhlaufen hier fühlt sich überhaupt nicht an wie auf dem Nathan Phillips Square oder in einer Eishalle: Die Kombination aus niedriger Decke, Betonsäulen und offenen Seiten schafft ein eingeschlossenes und gleichzeitig vollkommen draußen gelegenes Erlebnis.

In der Saison 2025/26 läuft der Trail vom 20. Dezember bis voraussichtlich 1. März. Die Öffnungszeiten variieren: Während der Ferienzeit (20. Dezember bis 4. Januar) täglich von 12 bis 21 Uhr, danach mit angepassten Zeiten. Schlittschuhverleih ist vor Ort verfügbar. Erwachsene zahlen 12,99 CAD, Jugendliche 12 CAD, ein Helm allein kostet 5 CAD. Die Eisfläche selbst ist kostenlos nutzbar.

⚠️ Besser meiden

Öffnungszeiten und Verleihpreise ändern sich jede Saison. Aktuelle Zeiten und Preise vor dem Winterbesuch auf thebentway.ca/event/winter-skating prüfen. Der Trail ist wetterabhängig und kann bei starkem Tauwetter oder Wartungsarbeiten vorübergehend geschlossen sein.

Wochenendabende, vor allem zwischen 18 und 21 Uhr, ziehen die größten Menschenmassen an: Familien mit Kindern, Paare und Gruppen, die es eher als gesellschaftliches Ereignis denn als Sport betrachten. Wer ruhigeres Eis möchte, sollte an einem Werktagnachmittag kommen. Das Rauschen der Autobahn tritt im Winter merkwürdigerweise etwas in den Hintergrund, wenn man auf das Eis und das Licht konzentriert ist – das Erlebnis ist meditativer, als man es von diesem Ort erwartet.

Tageszeiten und saisonaler Charakter

The Bentway verändert sich je nach Besuchszeit erheblich. Frühe Morgenstunden an Wochentagen sind am ruhigsten: Gassigeher, Pendlerradler und gelegentliche Läufer, die auf dem Weg zum See vorbeikommen. Im Sommer fällt das Licht flach von den Ost- und Westenden der Unterführung herein und erzeugt lange Schattenlinien auf dem Pflaster. Die Luft unter dem Expressway riecht in der Wärme leicht nach Beton und Abgas – das ist eher ehrlich als angenehm, verfliegt aber schnell bei einer Brise.

Mittags im Sommer überschneiden sich Programmangebote und Gelegenheitsbesucher. Wenn ein Pop-up-Markt, eine Outdoor-Kunstausstellung oder ein Community-Event geplant ist, läuft es in der Regel vom späten Vormittag bis in den Nachmittag. Der Raum eignet sich gut für Veranstaltungen, weil die überdachte Struktur auch im Juli-Hitze teilweise Schatten spendet und die offenen Seiten für Luftzirkulation sorgen.

Abendbesuche im Herbst – wenn der Veranstaltungskalender noch aktiv, aber das Sommerpublikum schon abgezogen ist – bieten einige der interessantesten Begegnungen mit diesem Raum. Die Beleuchtung unter dem Gardiner wechselt von natürlich zu künstlich auf eine Weise, die die Betonbents richtig beeindruckend aussehen lässt. Für Fotografen bietet die sich wiederholende Säulengeometrie starke kompositorische Möglichkeiten zu jeder Stunde – besonders aber in der Abenddämmerung, wenn der Kontrast zwischen der beleuchteten Unterführung und dem dunkler werdenden Himmel draußen eine markante Tiefe erzeugt.

The Bentway ist Teil des umfassenderen Wandels am Torontoer Waterfront. Wer die Gegend erkundet, kann den Trail nahtlos zu einem Spaziergang entlang des Martin Goodman Trail verbinden oder nördlich zum Fort York National Historic Site weitergehen, das diesem gesamten Stadtabschnitt wichtigen historischen Kontext verleiht.

Geschichte und architektonischer Kontext

Der Gardiner Expressway wurde zwischen 1955 und 1966 gebaut und trennte die Stadt jahrzehntelang von ihrem Seeufer ab. Der Abschnitt über The Bentway verläuft in Ost-West-Richtung durch einen heute intensiv umgestalteten Teil des Waterfronts, flankiert von neuen Eigentumswohntürmen und dem historischen Fort York im Norden. Für den Großteil seiner Existenz war der Raum unter dem Gardiner ein Niemandsland: genutzt zum Parken, als Lager oder schlicht gemieden.

Die Idee, diesen Raum zu aktivieren, entstand im Rahmen der langfristigen Waterfront-Revitalisierung von Waterfront Toronto. Das Projekt wurde 2015 offiziell gestartet, und Bentway 1.0 eröffnete 2018. Der Gestaltungsansatz, der vom Landschaftsarchitekturbüro PUBLIC WORK geleitet wurde, war in einem wesentlichen Punkt bewusst nicht-interventionistisch: Die Struktur des Gardiner blieb sichtbar und ablesbar, statt dekoriert oder verkleidet zu werden. Die Betonbents, die dem Projekt seinen Namen gaben, wurden zur architektonischen Leitlogik des gesamten Raums.

Die Debatte um den Gardiner hilft, die Existenz von The Bentway einzuordnen. Toronto hat jahrelang darüber gestritten, ob die Hochstraße abgerissen, erneuert oder einfach erhalten werden soll. Der Erfolg von The Bentway ist mittlerweile Teil des Arguments, dass der darunter liegende Raum aktiviert werden kann – unabhängig davon, was oben passiert. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie das in Torontos übergeordnete Stadtentwicklung passt, findet im Toronto-Waterfront-Guide einen umfassenden Überblick über die gesamte Waterfront-Entwicklung von den Islands bis zu den Port Lands.

Praktische Informationen für Besucher

The Bentway ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Der Trail verbindet sich über einen 500 Meter langen Weg direkt mit der Exhibition GO Station, die per GO Transit von der Union Station aus erreichbar ist. TTC-Linien auf der Bathurst Street und dem Fort York Boulevard bedienen ebenfalls die Gegend. Der Haupteingang am Strachan Gate (250 Fort York Blvd) ist der Standort des Skate-Trails und der Sanitäranlagen.

Die Toiletten in der 250 Fort York Blvd sind saisonal geöffnet, in der Regel Montag bis Freitag von 11 bis 17:30 Uhr ab Ende April. Während der Wintersaison sind die Einrichtungen entsprechend den Schlittschuhzeiten länger zugänglich. Außerhalb dieser Zeiten sollte man das vor der Ankunft einplanen.

Für Radfahrer ist The Bentway Teil eines zusammenhängenden Mehrzweckweg-Netzwerks. Fahrradparkplätze stehen in der Nähe der Haupteingänge zur Verfügung. Der gepflasterte, ebene Untergrund ist für die meisten Standardfahrräder kein Problem, und das flache Gefälle macht ihn auch für Familien mit Lastenrädern oder Anhängern geeignet.

ℹ️ Gut zu wissen

Das Bentway Studio in der 55 Fort York Blvd (Canoe Landing Park) ist das Programmier- und Verwaltungszentrum der Organisation und Veranstaltungsort für einige Indoor-Events und Workshops. Den aktuellen Veranstaltungskalender vor dem Besuch auf thebentway.ca prüfen, da das Programm je nach Saison stark variiert.

Fotografie: Die sich wiederholende Bentstruktur ist das offensichtliche kompositorische Highlight und belohnt Geduld. Weitwinkelaufnahmen entlang der Unterführung funktionieren morgens am besten, wenn das Licht von Osten einfällt. Im Winter bieten die Reflexionen des Skate-Trail-Lichts auf dem Eis ungewöhnliche Möglichkeiten für Aufnahmen bei schwachem Licht. Der Raum ist öffentlich zugänglich, und für private oder journalistische Fotografie sind keine Genehmigungen erforderlich.

Wer The Bentway mit einem ausgedehnten Waterfront-Tag verbinden möchte, kann es mit einem Besuch des Harbourfront Centre im Osten kombinieren oder durch den Canoe Landing Park nach Süden in Richtung Humber Bay Arch Bridge spazieren für eine längere Seerunde. Das Gebiet wird im Toronto-Waterfront-Guide mit Routenvorschlägen für verschiedene Zeitbudgets abgedeckt.

Für wen lohnt sich dieser Ort nicht

The Bentway ist nichts für Besucher, die ein poliertes, kuratiertes Erlebnis suchen. Der Gardiner darüber ist laut, die Ästhetik ist industrial, und es gibt weder ein grünes Blätterdach, einen Seeblick noch historische Architektur im klassischen Sinn. Wer Landschaftsbilder sucht, ist auf den Uferpromenaden im Süden oder im High Park im Westen besser aufgehoben.

Familien mit kleinen Kindern, die ein naturnahes Outdoor-Erlebnis suchen, finden beim Corktown Common oder entlang der Uferparks mehr Angebote. The Bentway ist am stärksten für alle, die Stadtgestaltung, adaptive Nachnutzung und einen etwas unkonventionellen Umgang mit öffentlichem Raum zu schätzen wissen.

Insider-Tipps

  • Der Skate-Trail ist an Werktagnachmittagen am ruhigsten – in der Regel zwischen 13 und 16 Uhr, wenn weder Schulgruppen noch Abendbesucher da sind. Das ist das ideale Zeitfenster für entspanntes Schlittschuhlaufen.
  • Bring eigene Schlittschuhe mit, falls du welche hast: Die Warteschlange am Verleih kann an belebten Wochenendabenden leicht 20–30 Minuten extra kosten.
  • Der östliche Eingang beim Strachan Gate fängt morgens das beste Licht entlang der gesamten Unterführung ein. Wer den Raum architektonisch fotografieren möchte, sollte im Sommer vor 9 Uhr morgens da sein.
  • Der Veranstaltungskalender von The Bentway enthält viele Programmpunkte, die außerhalb des eigenen Newsletters und der Social-Media-Kanäle kaum beworben werden. Am besten auf thebentway.ca anmelden, um Outdoor-Filmabende, Kunstinstallationen und Community-Märkte nicht zu verpassen, die in herkömmlichen Reiseführern nicht auftauchen.
  • Im Winter ist der Abschnitt nahe dem Strachan Gate etwas windgeschützter als das offenere westliche Ende bei der Bathurst Street. Wenn es ein kalter Abend ist, am besten dort mit dem Schlittschuhlaufen beginnen.

Für wen ist The Bentway geeignet?

  • Stadtplanungs- und Architekturbegeisterte, die adaptive Nachnutzung von Infrastruktur zu schätzen wissen
  • Winterbesucher, die ein Schlittschuherlebnis jenseits der üblichen Eisbahn suchen
  • Radfahrer und Jogger, die eine autofreie, geschützte Strecke durch das Waterfront-Gebiet bevorzugen
  • Familien mit älteren Kindern, die Interesse an Kunstevents und Outdoor-Programmen haben
  • Fotografen, die industrielle Geometrie, starke Linienwiederholungen und ungewöhnliche Lichtverhältnisse suchen

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Toronto Waterfront:

  • BMO Field

    Das BMO Field auf dem Exhibition Place ist Torontos wichtigstes Fußballstadion im Freien – Heimat des Toronto FC und der Toronto Argonauts. Ursprünglich 2007 eröffnet und seitdem mehrfach erweitert, wird es 2026 als FIFA-WM-Spielort dienen. Hier erfährst du alles, was du als erstmaliger Besucher vor einem Spiel oder Event wissen musst.

  • Budweiser Stage

    Das RBC Amphitheatre, früher bekannt als Budweiser Stage, ist Torontos wichtigste Open-Air-Konzertlocation am Ufer des Ontariosees bei Ontario Place. Mit einem Fassungsvermögen von rund 16.000 Personen zieht es von Mai bis Oktober jedes Jahr große internationale Acts an. Hier findest du alles, was du vor einem Konzertbesuch wissen musst.

  • Exhibition Place

    Das 192 Hektar große Event- und Kulturgelände am westlichen Ufer des Ontariosees prägt das städtische Leben Torontos seit 1879. Hier findet die Canadian National Exhibition statt, dazu große Konzerte, Fachmessen und mehrere Sportstätten. Das Gelände ist das ganze Jahr über kostenlos zugänglich und beeindruckt mit einer bemerkenswerten Sammlung von Gebäuden aus dem frühen 20. Jahrhundert.

  • Harbourfront Centre

    Das Harbourfront Centre ist ein rund vier Hektar großer Kultur- und Kunstcampus direkt am Ufer des Ontariosees – das ganze Jahr über kostenlos zugänglich, mit Freiluftbereichen, Konzerten, Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen. Die Anlage liegt etwa 15 Gehminuten vom Union Station entfernt und bietet direkten Blick über den Ontariosee.