Martin Goodman Trail: Torontos komplette Uferroute
Der Martin Goodman Trail erstreckt sich über 56 Kilometer entlang des Ufers des Ontariosees und ist Torontos wichtigster Uferweg für Radfahren, Laufen und Spazierengehen. Kostenlos und das ganze Jahr über zugänglich, verbindet er bekannte Parks, öffentliche Strände und Kultureinrichtungen – von der Humber Bay Arch Bridge im Westen bis zum Rouge River im Osten.
Fakten im Überblick
- Lage
- Toronto Waterfront, Ufer des Ontariosees, von der Humber Bay Arch Bridge (West) bis zum Rouge River (Ost)
- Anfahrt
- Union Station (Linie 1/2), dann Straßenbahn 509 oder 510 zur Queen's Quay; mehrere TTC-Haltestellen entlang des zentralen Uferbereichs
- Zeitbedarf
- 30 Min. (kurzes Teilstück) bis ganzer Tag (gesamte Route); die meisten Besucher erkunden einen 5–10 km langen Abschnitt im Zentrum in 1–2 Stunden
- Kosten
- Kostenlos; kein Eintritt
- Am besten für
- Radfahrer, Jogger, Uferpromenadengänger und alle, die ungestörten Blick auf den Ontariosee genießen möchten
- Offizielle Website
- www.waterfrontoronto.ca/our-projects/martin-goodman-trail-ontario-place

Was der Trail eigentlich ist
Der Martin Goodman Trail ist ein asphaltierter Mehrzweckweg am Wasser, der sich über 56 Kilometer entlang des Ontariosees in Toronto erstreckt. Er wurde 1984 eröffnet und nach dem verstorbenen Präsidenten und Chefredakteur des Toronto Star, Martin Goodman, benannt. Er bildet die urbane Hauptachse des Torontoer Uferweg-Netzwerks und ist gleichzeitig Teil des Great Lakes Waterfront Trail und des Waterfront Trail rund um den Ontariosee. Auf Französisch bezeichnen ihn die Schilder als Sentier Martin-Goodman.
Der Trail ist kein Naturpfad. Er ist ein breiter, gut gepflegter urbaner Grünweg, den sich Radfahrer, Inline-Skater, Jogger und Fußgänger teilen. In den meisten Abschnitten gibt es separate Spuren oder zumindest markierte Trennungen zwischen Rad- und Fußgängerverkehr – allerdings können die belebtesten Zentralabschnitte rund um die Queen's Quay und das Harbourfront Centre an warmen Wochenendnachmittagen ziemlich voll werden. Der Untergrund ist auf dem Großteil der Route glatter Asphalt, was ihn für Rennräder, Kinderwagen und die meisten Mobilitätshilfen geeignet macht.
💡 Lokaler Tipp
Du musst die vollen 56 km nicht ablaufen oder abradeln, um etwas davon zu haben. Das 4–6 km lange Zentralstück zwischen der Humber Bay Arch Bridge und dem Distillery-District-Bereich bietet die höchste Dichte an Aussichtspunkten, Einrichtungen und angebundenen Sehenswürdigkeiten.
Wie sich der Trail zu verschiedenen Tageszeiten anfühlt
Frühe Morgenstunden auf dem Martin Goodman Trail sind wirklich anders als der Mittag. Zwischen 6 und 8 Uhr, besonders an Werktagen, gehört der Weg Pendlerradlern und ambitionierten Läufern. Der See liegt meist spiegelglatt, der CN Tower spiegelt sich im schwachen Morgenlicht auf dem Wasser, und die frische Seeluft ist am reinsten, bevor der Stadtverkehr zunimmt. Gänse und Lachmöwen versammeln sich am felsigen Ufer, besonders beim Sugar Beach und am Sherbourne Common.
Ab spätem Vormittag an Wochenenden von Mai bis September verwandelt sich der Zentralabschnitt ebenso sehr in einen sozialen Treffpunkt wie in einen Sportweg. Familien mit Kinderwagen, Touristen auf Mietfahrrädern und Gruppen von Inline-Skatern kämpfen alle um dieselbe asphaltierte Breite. Straßenhändler, Pop-up-Märkte und Outdoor-Events am Harbourfront Centre sorgen für Lärm und Fußgängerverkehr, der jede sportliche Fahrt ausbremst. Wer Rad fährt, um fit zu bleiben statt um Sehenswürdigkeiten anzuschauen, ist in diesem Zeitfenster fehl am Platz.
Der späte Nachmittag im Sommer bringt eine andere Energie: Das Licht auf dem Ontariosee wird warm und golden, und der Trail westlich von Ontario Place in Richtung Humber Bay wird merklich ruhiger. Dieser westliche Abschnitt führt durch den Humber Bay Park, wo der Weg um eine Halbinsel mit offenem Wasser auf drei Seiten schwingt – das nächste, was sich innerhalb der Stadtgrenzen nach ländlichem Flair anfühlt. Sonnenuntergänge von diesem Abschnitt aus, mit der Skyline der Innenstadt hinter dir und dem See vor dir, gehören zu Torontos verlässlichsten Fotomotiven.
Im Winter schließt der Trail nicht. Die Abschnitte werden je nach Schneelage unterschiedlich gepflegt, und das Erlebnis verändert sich völlig. Der See nimmt eine graue, kraftvolle Qualität an, entlang der Felsränder bildet sich Eis, und der Weg ist fast leer. Eine kleine Gruppe eingemummelter Spaziergänger und hartgesottener Radfahrer nutzt ihn das ganze Jahr über. Es ist eine echte Winteroption, wenn du dich entsprechend für Torontos Januartemperaturen kleidest – im Durchschnitt um die -4°C, mit Windchill vom See aber oft deutlich kälter.
Der Westabschnitt: Humber Bay bis Ontario Place
Der westliche Ankerpunkt des Trails ist die Humber Bay Arch Bridge, eine markante Fuß- und Radwegbrücke über die Mündung des Mimico Creek. Die zwei Stahlbögen gehören zu den meistfotografierten Bauwerken am Ufer, und von der Mitte der Brücke aus reicht der Blick auf die Skyline Torontos im Osten und den offenen See im Süden. Von hier führt der Trail nordöstlich durch den Humber Bay Park – einen relativ breiten Grünkorridor mit Sitzbänken am Wasser und Angelplätzen, die ein spürbar anderes Publikum anziehen als die belebteren Zentralabschnitte.
Weiter östlich führt der Trail durch das Ontario-Place-Gelände. Waterfront Toronto hat den Ontario-Place-Abschnitt des Martin Goodman Trail als barrierefrei und für alle Nutzer zugänglich beschrieben. Dieser Abschnitt lässt sich gut mit dem weiteren Humber Bay Arch Bridge Aussichtsbereich verbinden und bietet an Stoßzeiten eine vergleichsweise ruhige Alternative zum überfüllten zentralen Ufer.
Der Zentralabschnitt: Harbourfront bis zum Distillery-Bereich
Das Stück zwischen Coronation Park und dem Sherbourne-Common-Bereich ist, wo der Trail auf die höchste Dichte an Besucherattraktionen trifft. Das Harbourfront Centre liegt direkt neben dem Weg und veranstaltet an Sommerwochenenden Open-Air-Konzerte, Märkte und Kulturevents, die sich bis auf den Trail selbst ausbreiten. Der CN Tower ist in diesem Abschnitt die ganze Zeit sichtbar – er ragt direkt hinter dem Rogers Centre nach Norden.
Sugar Beach und Sherbourne Common sind beide als formelle öffentliche Räume in diesen Abschnitt integriert. Der Sugar Beach mit seinen rosafarbenen Sonnenschirmen und dem Sandstrand direkt am See bietet eine bewusste Pause mit Sitzgelegenheiten und Wasserspielen. Gleich östlich davon verbindet sich der Sugar Beach visuell mit dem arbeitenden Hafen – die Redpath Sugar Refinery bildet dabei bewusst eine industrielle Kulisse. Das ist ein typisch torontanischer Kontrast, den der Trail sichtbar macht.
In diesem Zentralabschnitt sind die Beschilderung und Spurmarkierungen am konsistentesten, und die Bike-Share-Toronto-Stationen tauchen hier am häufigsten auf. Wenn du kein eigenes Rad hast und ein Teilstück des Trails abfahren möchtest, ist dies die einfachste Stelle, um ein Leihrad abzuholen und zurückzugeben.
⚠️ Besser meiden
Der zentrale Uferabschnitt zwischen der Queen's Quay West und der Sherbourne Street ist an Sommerwochenenden stark frequentiert. Radfahrer sollten in der Nähe des Harbourfront Centre mit niedrigem Tempo und häufigen Stopps rechnen. Während der Stoßzeiten eher auf Fußgängertempo einstellen als auf eine durchgehende Fahrt.
Der Ostabschnitt: Tommy Thompson Park und weiter
Östlich des zentralen Ufers verändert sich der Charakter des Trails deutlich. Das Leslie-Street-Spit-Gebiet, offiziell bekannt als Tommy Thompson Park, ist eines von Torontos ungewöhnlicheren Naturgebieten: eine künstlich aufgeschüttete Halbinsel aus Bauschutt, die sich zu einem bedeutenden Lebensraum für Zugvögel entwickelt hat. Der Trail führt am Parkeingang an der Leslie Street vorbei, und ein Abstecher in den Spit selbst (an Wochenenden geöffnet) bringt Radfahrer und Fußgänger in eine stille, ökologisch reiche Umgebung, die einen starken Kontrast zur urbanen Dichte des zentralen Ufers bildet.
Weiter östlich Richtung Woodbine Beach verläuft der Trail entlang einer eher wohngeprägten und weniger touristisch ausgerichteten Uferzone. Das Beaches-Viertel bringt seine eigene Stammgemeinde von Trailnutzern mit, und stellenweise verläuft eine Holzpromenade parallel zum asphaltierten Weg. Der Seeblick ist hier unverbaut, und das Fehlen großer Attraktionen bedeutet weniger Gedränge selbst in der Hochsaison.
Praktische Informationen für Besucher
Der Trail ist kostenlos und hat keine festen Öffnungs- oder Schließzeiten. Er gilt allgemein als ganzjährig zugänglich, wobei Pflege und Zustand je nach Jahreszeit und Wetter variieren. Es gibt keine Eintrittspunkte; du erreichst den Trail einfach von einem der Uferparks, Straßen oder Nahverkehrshaltestellen entlang des Seeufers.
Der bequemste ÖPNV-Zugang zum Zentralabschnitt führt über die Union Station (TTC-Linien 1 und 2) und dann mit der Straßenbahn 509 oder 510 entlang der Queen's Quay West zu Haltestellen beim Harbourfront Centre oder der Rees Street. Weitere Informationen zur Navigation im Torontoer Nahverkehr findest du im Toronto-Verkehrsguide, der TTC-Strecken und Fahrpreise ausführlich behandelt.
Fotografieren entlang des Trails lohnt sich am meisten am frühen Morgen (das Licht aus dem Osten trifft die Innenstadt-Skyline über dem Wasser) und in der Stunde vor Sonnenuntergang in den westlichen Abschnitten beim Humber Bay. Ein Weitwinkelobjektiv eignet sich gut für Kompositionen aus Skyline und Wasser. Der Untergrund ist im Sommer gleichmäßig hell, kann aber an Wintermorgen vereist und schattig sein – also lieber vorher die Bedingungen checken, bevor du früh bei Kälte losgehst.
Die Barrierefreiheit ist auf dem Großteil der Route gut. Der Ontario-Place-Abschnitt ist von Waterfront Toronto als vollständig barrierefrei dokumentiert, und der Großteil des asphaltierten Weges ist mit Rollstuhl und Mobilitätshilfen befahrbar. Abschnitte beim Tommy Thompson Park und die östlichen Strecken können einen weniger gleichmäßigen Untergrund haben. Für einen umfassenderen Überblick über das Angebot am Ufer bietet der Toronto-Uferführer hilfreichen Kontext zu umliegenden Parks und Einrichtungen.
ℹ️ Gut zu wissen
Bike-Share-Toronto-Stationen konzentrieren sich auf den zentralen Uferabschnitt. Das System erfordert eine Mitgliedschaft oder eine Tageskarte; check die Bike-Share-Toronto-App auf Verfügbarkeit der Stationen in Echtzeit, bevor du losfährst.
Für wen der Trail nichts ist
Wer ein naturnahes Offroad-Erlebnis sucht, wird den Martin Goodman Trail in seinen zentralen Abschnitten zu urban und zu belebt finden. Der Trail ist im Wesentlichen ein Stadtweg entlang eines lebendigen Hafenbereichs – keine Naturzuflucht. Wer echtes Grün sucht, ist in Torontos Ravine-Trails besser aufgehoben.
Reisende mit nur wenigen Stunden in Toronto und einer langen Liste kostenpflichtiger Sehenswürdigkeiten werden den Trail am nützlichsten als Verbindungsroute empfinden, nicht als eigenständiges Ziel. Er eignet sich wirklich gut, um den CN Tower und das Distillery District zu Fuß oder per Rad zu verbinden – weniger als eigenständiges Erlebnis, für das man extra Zeit einplanen würde.
Insider-Tipps
- Der westliche Abschnitt zwischen Humber Bay Park und Ontario Place ist selbst an Sommerwochenenden deutlich ruhiger als das zentrale Ufer. Wer ungestört Rad fahren oder laufen möchte, startet besser hier als an der Queen's Quay.
- Für die besten Skyline-Fotos vom Trail aus stellst du dich gegen 7–8 Uhr morgens an einem klaren Tag auf die Mitte der Humber Bay Arch Bridge. Das flache Ostlicht trifft die Türme der Innenstadt direkt, und der See spiegelt den Himmel.
- Die Bike-Share-Toronto-Stationen entlang der Queen's Quay ermöglichen es dir, ein Rad in der Nähe der Union Station auszuleihen und es beim Distillery District zurückzugeben – so legst du das schönste zentrale Teilstück als Einwegfahrt zurück, ohne umzukehren.
- Der Tommy Thompson Park (Leslie Street Spit) ist hauptsächlich an Wochenenden und Feiertagen für die Öffentlichkeit zugänglich, unter der Woche gilt eingeschränkter Zugang für bestimmte Bereiche. Wenn du nach Osten fahren und in den Spit abbiegen möchtest, check vorher, ob er geöffnet ist.
- Im Winter wird der Abschnitt beim Sherbourne Common oft früher geräumt als andere Teile, weil er durch die angrenzenden Wohntürme regelmäßig begangen wird. Er gehört zu den zuverlässigsten Abschnitten bei Schnee oder Eis.
Für wen ist Martin Goodman Trail geeignet?
- Radfahrer, die eine lange, flache Stadtstrecke mit durchgehendem Seeblick suchen
- Läufer, die eine gleichmäßige, gut beschilderte Route entlang des Ufers bevorzugen
- Besucher, die die westlichen Uferparks mit dem zentralen Harbourfront-Bereich zu Fuß oder per Rad verbinden wollen
- Vogelbeobachter, die den Trail als Zugang zum Tommy Thompson Park an Wochenenden nutzen
- Fotografen, die zur goldenen Stunde die Skyline Torontos vom Ufer aus einfangen wollen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Toronto Waterfront:
- BMO Field
Das BMO Field auf dem Exhibition Place ist Torontos wichtigstes Fußballstadion im Freien – Heimat des Toronto FC und der Toronto Argonauts. Ursprünglich 2007 eröffnet und seitdem mehrfach erweitert, wird es 2026 als FIFA-WM-Spielort dienen. Hier erfährst du alles, was du als erstmaliger Besucher vor einem Spiel oder Event wissen musst.
- Budweiser Stage
Das RBC Amphitheatre, früher bekannt als Budweiser Stage, ist Torontos wichtigste Open-Air-Konzertlocation am Ufer des Ontariosees bei Ontario Place. Mit einem Fassungsvermögen von rund 16.000 Personen zieht es von Mai bis Oktober jedes Jahr große internationale Acts an. Hier findest du alles, was du vor einem Konzertbesuch wissen musst.
- Exhibition Place
Das 192 Hektar große Event- und Kulturgelände am westlichen Ufer des Ontariosees prägt das städtische Leben Torontos seit 1879. Hier findet die Canadian National Exhibition statt, dazu große Konzerte, Fachmessen und mehrere Sportstätten. Das Gelände ist das ganze Jahr über kostenlos zugänglich und beeindruckt mit einer bemerkenswerten Sammlung von Gebäuden aus dem frühen 20. Jahrhundert.
- Harbourfront Centre
Das Harbourfront Centre ist ein rund vier Hektar großer Kultur- und Kunstcampus direkt am Ufer des Ontariosees – das ganze Jahr über kostenlos zugänglich, mit Freiluftbereichen, Konzerten, Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen. Die Anlage liegt etwa 15 Gehminuten vom Union Station entfernt und bietet direkten Blick über den Ontariosee.