Kathedrale der Heiligen Cyrill und Method: Prags eindringlichste WWII-Gedenkstätte
Unter einer aktiven orthodoxen Kathedrale in Prags Neustadt verbirgt sich eine der bewegendsten Kriegsgedenkstätten Europas. Die Krypta der Kathedrale der Heiligen Cyrill und Method war der letzte Zufluchtsort jener Fallschirmjäger, die 1942 den Nazi-SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich ermordeten. Die Einschusslöcher sind noch heute in den Wänden zu sehen.
Fakten im Überblick
- Lage
- Resslova 9a, Nové Město (Neustadt), Prag 2
- Anfahrt
- Karlovo náměstí (U-Bahn Linie B); Straßenbahn-Haltestelle Karlovo náměstí
- Zeitbedarf
- 45–90 Minuten
- Kosten
- Kathedrale: kostenlos. Krypta-Gedenkstätte: kostenlos oder auf Spendenbasis — vor dem Besuch aktuelle Informationen einholen, da sich die Regelungen ändern können
- Am besten für
- WWII-Geschichte, tschechische Widerstandsgeschichte, stille Besinnung
- Offizielle Website
- www.katedrala.info

Warum dieser Ort einen innehalten lässt
Die meisten Prag-Besucher verbringen ihre Zeit zwischen mittelalterlichen Türmen und Barockfassaden. Die Kathedrale der Heiligen Cyrill und Method bietet etwas völlig anderes: eine unmittelbare Begegnung mit einem der dramatischsten Kapitel des europäischen Widerstands im Zweiten Weltkrieg. Hier gibt es keine nachgebaute Ausstellung hinter Glas. Die Krypta unter der Kathedrale ist der Originalschauplatz — und die Spuren sind noch sichtbar.
Am 27. Mai 1942 ermordeten tschechische und slowakische Fallschirmjäger, ausgebildet vom britischen Special Operations Executive, Reinhard Heydrich — Reichsprotektor von Böhmen und Mähren und einen der Hauptarchitekten des Holocaust. Die Operation Anthropoid war das einzige staatlich genehmigte Attentat auf einen hochrangigen Nazi-Funktionär während des gesamten Krieges. Danach verschanzten sich sieben der Fallschirmjäger in der Krypta dieser Kathedrale, unterstützt vom tschechisch-orthodoxen Bischof Gorazd und der lokalen Gemeinde. Drei Wochen hielten sie stand.
ℹ️ Gut zu wissen
Der Kryptaeingang befindet sich auf der Westseite des Gebäudes an der Resslova-Straße. Achte auf eine schmale Steintreppe, die unter das Straßenniveau führt. Die Öffnungszeiten variieren je nach Saison: September bis Juni, Dienstag bis Sonntag 8:00–17:00 Uhr; Juli bis August, Dienstag bis Samstag 8:00–17:00 Uhr, Sonntag 8:00–14:00 Uhr. Montags ganzjährig geschlossen. Aktuelle Zeiten und Eintrittspreise bitte vor dem Besuch prüfen.
Das Gebäude: Barocke Hülle, orthodoxes Innenleben
Die Kathedrale wurde zwischen 1730 und 1736 als römisch-katholische Kirche zu Ehren des heiligen Karl Borromäus erbaut. Die Barockfassade zur Resslova-Straße ist für Prager Verhältnisse auffallend zurückhaltend — symmetrisch, aus Stein, mit einem schlichten Giebel. Man könnte problemlos daran vorbeigehen, ohne zwei Mal hinzuschauen. Diese Unscheinbarkeit wirkt fast passend angesichts dessen, was sich darunter verbirgt.
Das Innere der Kathedrale ist aktiver orthodoxer Kirchenraum. Wer das Kirchenschiff betritt, trifft auf die typische Bildsprache des ostorthodoxen Gottesdienstes: Ikonostasen, Kerzenlicht und Andachtsbilder, die sich deutlich von den römisch-katholischen und protestantischen Kirchen unterscheiden, die Prags religiöses Stadtbild sonst prägen. Die Kathedrale gehört der Tschechisch-Orthodoxen Kirche und ist ein aktiver Sakralraum — der Zugang zum Kirchenschiff kann während Gottesdiensten eingeschränkt sein. Entsprechend kleiden und leise eintreten.
Wer sich besonders für Prags Sakralarchitektur interessiert, sollte auch die Nikolauskirche in der Kleinseite, eines der schönsten Barockinterieurs Mitteleuropas, besuchen — oder das Loreto-Heiligtum nahe der Prager Burg für eine ganz andere Frömmigkeitstradition.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
Kutna Hora walking tour and St Barbara Cathedral from Prague
Ab 55 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungKutna Hora with St.Barbara's Cathedral and Bone Church
Ab 72 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungSelf guided tour with interactive city game of Prague
Ab 5 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungPrague by night city tour
Ab 27 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Die Krypta: Was dich erwartet
Wer die Treppe an der Resslova-Straße hinabsteigt, spürt sofort, wie die Temperatur sinkt. Die Krypta ist niedrig und schmal, mit kahlen Steinwänden und kaum Schmuck. Das hier ist kein aufpoliertes Museumserlebnis. Die Ausstellung ist bescheiden, aber präzise dokumentiert: Fotos, Karten, Waffen, persönliche Gegenstände der Fallschirmjäger sowie detaillierte Schilderungen der Operation und ihrer Folgen.
Am stärksten wirkt die Wand selbst. Am 18. Juni 1942 umstellten Gestapo und SS die Kathedrale mit über 700 Soldaten. Die Fallschirmjäger in der Krypta lehnten die Kapitulation ab. Nach stundenlangen Kämpfen — bei denen die Nazis versuchten, die Krypta durch einen Lüftungsschacht zu fluten — starben die letzten Männer entweder im Gefecht oder durch eigene Hand. Die Einschusslöcher und Kampfspuren sind im Stein erhalten. Keine Rekonstruktion, kein Nachbau. Du siehst die originale Oberfläche, auf der das letzte Gefecht stattfand.
Ein kleines Fenster oben in der Kryptawand — heute zugemauert — war der Einlass, durch den die Nazis Wasser in den Raum leiteten. Die beengte Enge des Raums macht die Realität der Belagerung greifbar, wie es ein konventionelles Museum nicht vermag. Viele Besucher verlassen die Krypta schweigend. Kinder, die alt genug sind, den Zusammenhang zu verstehen, reagieren in der Regel tief bewegt — allerdings setzt die Ausstellung die Fähigkeit voraus, tschechische oder englische Texttafeln zu lesen und etwas historisches Vorwissen mitzubringen.
💡 Lokaler Tipp
Lies vor dem Besuch zumindest einen kurzen Überblick über die Operation Anthropoid. Die Ausstellung in der Krypta ist informativ, aber die emotionale Wucht des Ortes steigt erheblich, wenn du den Ablauf der Ereignisse bereits kennst. Der Film 'Anthropoid' (2016) eignet sich als Einstieg, auch wenn einige Details dramatisch ausgeschmückt sind.
Besuch nach Tageszeit: Was sich ändert
Die Kathedrale liegt an einer belebten Straße in der Neustadt, ein paar Blocks südlich des Karlovo náměstí. Morgens — besonders an Wochentagen vor 10 Uhr — ist es in der Krypta deutlich ruhiger. Die niedrige Decke und der kleine Grundriss bedeuten: schon zehn bis fünfzehn Besucher füllen den Raum spürbar, und die Atmosphäre leidet bei Gedränge. Spätvormittags und frühes Nachmittags am Wochenende kommen die meisten Besucher, viele davon in geführten Gruppen.
Das Gebäude lässt sich am besten morgens fotografieren, wenn das Licht direkt auf die Fassade zur Resslova-Straße fällt. An der Außenwand befindet sich eine kleine Gedenktafel mit den Namen der Fallschirmjäger — es lohnt sich, sie zu lesen, bevor man hinabsteigt. Im Sommer kann die Straße warm und belebt sein; die Krypta selbst bleibt unabhängig von der Jahreszeit kühl, was bei einem Besuch im Hochsommer durchaus angenehm ist.
Historisches Gewicht: Der Kontext, der zählt
Das Attentat auf Reinhard Heydrich hatte Folgen weit über die Kathedrale hinaus. Die Nazi-Vergeltungsmaßnahmen waren brutal: Die Dörfer Lidice und Ležáky wurden zerstört, ihre Bevölkerung ermordet oder deportiert. Bischof Gorazd und mehrere andere Kirchenvertreter, die die Fallschirmjäger versteckt hatten, wurden hingerichtet. Die sieben Fallschirmjäger, die in der Kathedrale oder in Verbindung mit ihr starben — Jozef Gabčík, Jan Kubiš, Jaroslav Švarc, Jan Hrubý, Adolf Opálka, Josef Bublík und Karel Čurda — werden hier und im nationalen Gedächtnis geehrt.
Wer die tschechische Kriegs- und Nachkriegsgeschichte in einem breiteren Zusammenhang verstehen möchte, findet im Museum des Kommunismus wichtigen Kontext zu den Jahrzehnten nach dem Krieg. Wer sich für die gesamte tschechische Geschichte interessiert, findet in unserem Prager Geschichtsführer eine gute Hintergrundlektüre.
Die Kathedrale wurde zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt. Bischof Gorazd wurde von der Orthodoxen Kirche später als Märtyrer heiliggesprochen. Das Gebäude ist gleichzeitig aktiver Sakralraum, nationales Mahnmal und Kriegsgräberstätte — eine Kombination, die ihm eine Schwere verleiht, die sich nicht erzwingen lässt.
Anfahrt und praktische Hinweise
Die Kathedrale ist gut zu erreichen. Von der U-Bahn-Station Karlovo náměstí (Linie B, gelbe Linie) läuft man die Resslova-Straße südwärts — das Gebäude ist auf der linken Seite. Mehrere Straßenbahnlinien halten ebenfalls am Karlovo náměstí, sodass man aus den meisten Teilen der Prager Innenstadt bequem anreisen kann.
Die Neustadt lässt sich gut zu Fuß erkunden, und die Kathedrale fügt sich gut in einen breiteren Prager Neustadt-Rundgang ein. Der Wenzelsplatz ist etwa 15 Gehminuten nördlich, und das Tanzende Haus ist in ähnlicher Entfernung südwärts entlang der Flusspromenade.
Der Eingang zur Krypta befindet sich ebenerdig an der Resslova-Straße und führt über eine kurze Treppe hinunter. Die Krypta ist nicht rollstuhlgerecht. Das darüberliegende Kirchenschiff ist vom Haupteingang aus zugänglich, allerdings ist der Innenboden aus Stein und stellenweise uneben. Ein Café oder ein nennenswerter Souvenirshop ist nicht vorhanden.
⚠️ Besser meiden
Die Kathedrale ist ein aktiver Gottesdienstraum. Wenn du während eines Gottesdienstes ankommst, ist der Zugang zum Kirchenschiff eingeschränkt. Der Kryptaeingang ist separat und möglicherweise trotzdem zugänglich — schaue auf die Hinweisschilder an der Resslova-Straße. Halte während des gesamten Besuchs die Stimme gedämpft, egal ob gerade ein Gottesdienst stattfindet oder nicht.
Ehrliche Einschätzung: Lohnt sich der Besuch?
Für alle, die sich auch nur ansatzweise für WWII-Geschichte oder den europäischen Widerstand interessieren, ist die Kathedrale der Heiligen Cyrill und Method eine der authentischsten Gedenkstätten Prags. Sie ist keine große Attraktion — und das muss sie auch nicht sein. Die Krypta braucht vielleicht 30 bis 40 Minuten, wenn man sie sorgfältig durchgeht. Das Erlebnis ist kompakt, still und auf eine Weise wirklich bewegend, die größere Gedenkmuseen oft nicht erreichen.
Wer den Besuch eher auslassen sollte: Besucher mit sehr kleinen Kindern, die sich in der engen Krypta unwohl fühlen und den historischen Inhalt noch nicht einordnen können; alle ohne zumindest grundlegendes Vorwissen zur WWII-Geschichte in Mitteleuropa, da die Ausstellung eine gewisse Ausgangsbasis voraussetzt; und Besucher, die keine Treppen bewältigen können, da die Krypta keinen barrierefreien Alternativzugang hat.
Der Ort ist nicht überhypt. Wenn überhaupt, wird er seltener besucht, als es seine historische Bedeutung verdient — wohl auch, weil er abseits der Haupttouristenstrecke zwischen Altstadt und Prager Burg liegt. Genau diese relative Ruhe macht den Besuch aus. Du wirst hier nicht durchgeschoben.
Insider-Tipps
- Die Namen der sieben Fallschirmjäger sind auf einer Gedenktafel an der Außenfassade zur Resslova-Straße eingraviert. Lies sie, bevor du reingehst — das gibt dem ganzen Besuch einen anderen Rahmen.
- Wenn möglich, komm dienstags oder mittwochs vormittags. Am Wochenende füllen Reisegruppen die Krypta schnell und die Stille, die dieser Ort braucht, geht verloren.
- Wegen des orthodoxen Kirchenkalenders finden sonntags morgens häufiger Gottesdienste statt. Wer ungehindert Zugang zum Kirchenschiff möchte, kommt besser unter der Woche.
- Der britisch-tschechische Film 'Anthropoid' (2016) wurde teilweise in Prag gedreht und rekonstruiert das Attentat und die Belagerung mit einiger Detailtreue. Wer ihn vor dem Besuch schaut, erlebt die Krypta deutlich intensiver — dramatische Übertreibungen sollte man aber einrechnen.
- Verbinde den Besuch mit einem Abstecher zum Karlovo náměstí, einem der größten historischen Plätze Prags, nur wenige Gehminuten entfernt. Seine Vergangenheit als mittelalterlicher Viehmarkt und Hinrichtungsplatz passt gut zur düsteren Geschichte des Viertels.
Für wen ist Kathedrale der Heiligen Cyrill und Method (WWII-Gedenkstätte) geeignet?
- WWII- und Kriegsgeschichtsinteressierte
- Besucher mit Interesse an tschechischer und slowakischer Nationalgeschichte
- Reisende, die abseits des Touristentrubels nach authentischen historischen Orten suchen
- Menschen mit Interesse an ostorthodoxer Sakralarchitektur in Westeuropa
- Studierende und Forschende, die sich mit europäischen Widerstandsbewegungen beschäftigen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Neustadt (Nové Město):
- Dancing House (Tančící dům)
Entworfen von Frank Gehry und Vlado Milunić, fertiggestellt 1996: Das Dancing House am Moldauurfer gehört zu Prags meistfotografierten und meistdiskutierten Gebäuden. So sieht der Besuch von außen, von der Dachbar und aus der Galerie wirklich aus.
- Franziskanergarten
Versteckt hinter dem Trubel des Wenzelsplatzes ist der Franziskanergarten (Františkánská zahrada) ein kostenloser, ummauterter Hofgarten mit Wurzeln im 14. Jahrhundert, einem Barockpavillon und Rosenbeeten, die echte Ruhe mitten in Prags belebtestem Viertel bieten. Der Eintritt ist frei, und der Kontrast zu den Straßen draußen ist sofort spürbar.
- Jerusalemer Synagoge
Die zwischen 1904 und 1906 erbaute Jerusalemer Synagoge ist die größte Synagoge der Prager jüdischen Gemeinde und eines der visuell eindrucksvollsten Gotteshäuser der Stadt. Ihr Äußeres verbindet maurische Neogotik mit Jugendstilornamentik, während das Innere mit Farbe, Muster und Raumgefühl überwältigt.
- Kafkas rotierender Kopf (Franz-Kafka-Skulptur)
Elf Meter hoch und direkt vor dem Einkaufszentrum Quadrio in der Prager Neustadt: Der Kopf von Franz Kafka ist eine kinetische Skulptur aus 42 polierten Edelstahlscheiben, die sich langsam versetzt drehen, Kafkas Gesicht dabei zerstückeln und immer wieder neu zusammensetzen. Der Eintritt ist frei und rund um die Uhr möglich, die programmierten Drehungen laufen jedoch zu festgelegten Intervallen zwischen Morgen und spätem Abend. Es ist eines der meistfotografierten modernen Kunstwerke der Tschechischen Republik.