Stadion Poljud: Splits Fußballtempel und Ikone der Architektur
Entworfen vom kroatischen Architekten Boris Magaš und 1979 eröffnet, ist das Stadion Poljud die Heimstätte von HNK Hajduk Split und eines der architektonisch außergewöhnlichsten Sportstadien Südosteuropas. Das geschwungene muschelförmige Dach, der offizielle Status als Kulturerbe und die leidenschaftliche Fankultur machen es zu einem echten Anlaufpunkt – auch für Besucher, die sonst wenig mit Fußball anfangen können.
Fakten im Überblick
- Lage
- Stadtteil Poljud, nördliche Halbinsel von Split
- Anfahrt
- Mehrere Stadtbuslinien fahren ins Viertel Poljud; von der Riva aus zu Fuß in etwa 20–25 Minuten erreichbar
- Zeitbedarf
- 1–2 Stunden für Außenbereich und Umgebung; bei Spieltagen deutlich länger
- Kosten
- Außenbereich kostenlos; Führungen und Spieltickets variieren – aktuelle Preise auf hajduk.hr prüfen
- Am besten für
- Architekturbegeisterte, Fußballfans, Sportgeschichts-Enthusiasten
- Offizielle Website
- hajduk.hr/eng/club/stadium

Was das Stadion Poljud eigentlich ist
Das Stadion Poljud – offiziell Gradski stadion u Poljudu (Stadtsstadion in Poljud) – liegt am nördlichen Rand der Halbinsel Split im gleichnamigen Stadtteil Poljud, etwa zwei Kilometer vom Uferbereich der Stadt entfernt. Es wurde am 26. September 1979 eröffnet, ursprünglich für die Mittelmeer-Spiele jenes Jahres gebaut, und dient seitdem als Heimstadion von HNK Hajduk Split.
Was dieses Stadion von einem gewöhnlichen Fußballstadion unterscheidet, ist seine Architektur. Boris Magaš, ein renommierter kroatischer Architekt, entwarf eine Konstruktion, deren Dachbogen in einer durchgehenden muschelförmigen Kurve rund 205–206 Meter überspannt und dabei beide Haupttribünen ohne innere Stützsäulen überdacht. Die Form war keine dekorative Spielerei, sondern eine strukturelle Lösung, die dem Stadion gleichzeitig seine prägende visuelle Identität verlieh. Im November 2015 erkannte die kroatische Regierung das Stadion offiziell als Kulturerbe an und stellte es damit unter denselben Schutz wie historische Gebäude und Denkmäler.
ℹ️ Gut zu wissen
Die aktuelle Kapazität beträgt rund 35.000 Sitzplätze. Ursprünglich fasste das Stadion 55.000 Zuschauer, wurde später auf 62.000 Stehplätze erweitert, bevor die Bestuhlung in den 1990er Jahren die Zahl auf das heutige Niveau reduzierte. Tourenverfügbarkeit und Besucherinformationen am besten direkt bei HNK Hajduk Split auf hajduk.hr vor dem Besuch bestätigen.
Die Architektur aus der Nähe
Das Dach ist das Erste, was einem auffällt. Von den Zufahrtsstraßen aus und an klaren Tagen sogar vom Ufer, ragt die weiße Kurve der Westtribüne über das umgebende Niedrigbau-Viertel wie der Rand einer riesigen, halb im Boden versunkenen Muschel. Der Vergleich ist hier kein Klischee: Magaš schöpfte bewusst aus den Naturformen der Adriaküste, und die Ähnlichkeit mit einer Jakobsmuschel oder Miesmuschel in der Seitenansicht ist tatsächlich frappierend genau.
Aus der Nähe erschließt sich die konstruktive Logik. Das Dach ist ein Stahlbetondach, das über Stahlstützen gespannt ist und einen Überhang bildet, der die gesamte Sitzschüssel überdacht, ohne dass Pfosten die Sichtlinien unterbrechen. Allein die Westtribünen umfassen rund 11.000 Quadratmeter Nutzfläche im Inneren des Bauwerks, mit Fitnessstudios, einem Schwimmbad, einer Sauna, Vereinsbüros und Restaurantbereichen. Die Osttribünen bieten weitere rund 9.000 Quadratmeter Geschäftsfläche. Das hier ist kein Stadion mit ein paar angestückten Imbissständen – das Gebäude funktioniert als echtes Mehrzweck-Sportzentrum.
Die Hunderte von Flutlichtern entlang des Dachumfangs gelten als eines der besten Stadion-Beleuchtungssysteme der Welt – ein praktisches Detail, das man erst wirklich versteht, wenn man das Stadion bei einem Abendspiel beleuchtet sieht. Das Spielfeld misst 105 mal 68 Meter und ist von acht Laufbahnen umgeben – eine Konfiguration, die die Ursprünge des Stadions als Mittelmeer-Spiele-Austragungsort widerspiegelt und nicht die eines reinen Fußballstadions.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
Blue Cave and Hvar 5 islands tour from Split
Ab 145 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungKrka national park tour from Split
Ab 27 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungAll-inclusive Blue Lagoon tour from Split with three islands visit
Ab 68 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungGuided kayaking tour with snorkeling stops from Split
Ab 50 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Hajduk Split und warum der Verein eine Rolle spielt
Wer Poljud verstehen will, muss Hajduk Split verstehen – und wer Hajduk versteht, versteht etwas Grundlegendes über die Identität Splits. Der 1911 in Prag von kroatischen Studenten gegründete Verein hat die österreichisch-ungarische Periode, das Königreich Jugoslawien, das sozialistische Jugoslawien, den kroatischen Unabhängigkeitskrieg und die Nachkriegsjahre des kroatischen Fußballs überdauert. In all diesen Epochen trug er ein besonderes symbolisches Gewicht für die Stadt und die gesamte dalmatinische Region.
Die Fangruppe Torcida, 1950 gegründet, gilt als älteste organisierte Fußball-Fangruppe Europas. An Spieltagen besetzt die Torcida die Nordkurve in einer Stärke, die Lärmpegel erzeugt, den das Muschelschalendach in keiner Weise dämpft. Für Nicht-Fußball-Besucher ist das durchaus erwähnenswert: Ein Hajduk-Heimspiel verwandelt das gesamte Viertel Poljud, nicht nur das Stadioninnere. Bars, Seitenstraßen und Zufahrtswege füllen sich Stunden vor dem Anpfiff.
Wenn du deine Reise rund um ein Hajduk-Spiel planst, gleiche den Spielplan mit dem Hajduk-Split-Spielführer ab – dort findest du praktische Infos zu Tickets, Anfahrtswegen und dem, was dich im Stadion an einem echten Spieltag erwartet.
Besuch ohne Spiel: Was du wirklich siehst
An spielfreien Tagen liegt das Stadion ruhig in seinem Wohn- und Gewerbeumfeld. Das Äußere kann von den umliegenden Straßen aus kostenlos besichtigt werden, und die Dimension des Bauwerks auf Straßenniveau ist beeindruckend auf eine Weise, die Fotos nicht wirklich einfangen. Die Dachkurve vor dem Himmel, der rohe Beton und Stahl der Tragstruktur, die schiere physische Größe des Gebäudes im Verhältnis zu den umliegenden Häusern – das ist bedeutende Architektur, kein bloßes Großraumobjekt.
Geführte Touren durch das Innere wurden in der Vergangenheit angeboten, die aktuelle Verfügbarkeit sollte jedoch direkt bei HNK Hajduk Split abgeklärt werden. Eine Tour umfasst typischerweise die Bereiche am Spielfeldrand, die Umkleidekabinen und die Presseeinrichtungen – also Räume, die sonst nicht zugänglich sind. Frühe Morgenstunden an spielfreien Tagen bieten die ruhigsten Bedingungen für Außenaufnahmen: Das Licht kommt von Osten, trifft direkt auf die geschwungene Westtribüne, und der Fußgängerverkehr ist minimal.
💡 Lokaler Tipp
Für Außenaufnahmen empfiehlt sich eine Position auf der Südanfahrt für den besten Blick auf den vollen Dachbogen. Nachmittagslicht trifft die Betonoberfläche gut, allerdings ist das Morgenlicht auf der Westtribüne knackiger – das Stadion ist ost-west-ausgerichtet.
Das Viertel selbst, Poljud, ist kein Touristenbezirk. Rund um die Eingänge gibt es keine Souvenirläden oder auf Touristen zugeschnittene Cafés. Stattdessen findet man ein echtes lokales Umfeld: ein paar Bars, die von Anwohnern frequentiert werden, einen kurzen Spaziergang entfernt die Bucht Poljud Cove, und das Gefühl, in einem Teil der Stadt zu sein, den die meisten Besucher gar nicht erreichen. Das ist wichtig zu wissen, wenn du mit Kindern reist oder jemanden dabei hast, der die Infrastruktur einer durchorganisierten Touristenattraktion erwartet: Einrichtungen sind außerhalb von Spieltagen oder organisierten Veranstaltungen begrenzt.
Anfahrt und Kombination mit anderen Sehenswürdigkeiten
Das Stadion liegt auf der Nordseite der Halbinsel Split, etwa 1,5–2 Kilometer von der Altstadt entfernt. Zu Fuß von der Riva dauert es rund 20–25 Minuten auf einer unkomplizierten Strecke Richtung Nordwesten. Stadtbusse bedienen ebenfalls das Viertel Poljud. Eine U-Bahn gibt es in Split nicht: Das Busnetz und Fußwege sind die wichtigsten Optionen.
Einen Besuch in Poljud mit dem Marjan-Hügel zu kombinieren macht geografisch Sinn: Der Hügel erhebt sich direkt westlich des Stadionviertels, und ein Besuch beider Orte an einem halben Tag ist gut machbar. Die Meštrović-Galerie an den Marjan-Hängen bietet sich als weitere natürliche Ergänzung für Besucher an, die sich für kroatisches Design und Kultur interessieren.
Wenn du mehr Zeit in Split verbringst und eine Tagesstruktur suchst, beschreibt der Split-Stadtrundgang-Führer eine logische Route von der Altstadt Richtung Westen der Halbinsel, die am Viertel Poljud vorbeiführt.
Ehrliche Einschätzung: Lohnt sich der Ausflug?
Wenn du ein ausgeprägtes Interesse an Sportarchitektur hast, lautet die Antwort klar: Ja. Es gibt weltweit kaum Stadien, die Poljuds Kombination aus konstruktivem Ehrgeiz, Kulturerbestatus und gelebter Geschichte in sich vereinen. Das Gebäude steht nicht hinter Glas – es wird aktiv genutzt, weshalb der Beton an manchen Stellen sein Alter zeigt und die Innenräume verschiedene Renovierungsepochen widerspiegeln, statt einem einheitlichen ästhetischen Konzept zu folgen. Genau das macht es zu ehrlicher Architektur und nicht zu einem Schauobjekt.
Wer sich weder für Fußball noch für Architektur besonders interessiert, muss anders abwägen. Das Äußere lohnt den Umweg, wenn man ohnehin Richtung Marjan-Hügel unterwegs ist – als eigenständiges Ziel für einen halben Tag rechtfertigt es den Aufwand ohne Spiel oder Führung aber kaum. Wer ein poliertes Touristenerlebnis mit mehrsprachigen Infotafeln und kostenpflichtigen Ausstellungen erwartet, wird enttäuscht sein: Das hier ist ein aktives Stadion in einem Wohnviertel, und das Erlebnis ist umso lohnender, je mehr Hintergrundwissen man mitbringt.
⚠️ Besser meiden
An großen Spieltagen füllt sich das Viertel rund um Poljud schnell, und öffentliche Verkehrsmittel werden überfüllt. Wer Split in erster Linie wegen Kultur und Sehenswürdigkeiten besucht und nicht wegen des Fußballs, sollte den Hajduk-Spielplan vorab checken und die eigene Tagesplanung entsprechend ausrichten.
Insider-Tipps
- Den besten freien Blick auf das vollständige Dachprofil hat man an der Kreuzung der Ulica Stjepana Radića mit der nördlichen Zufahrtsstraße, von dort aus nach Süden Richtung Stadion schauend – der gesamte Bogen ist in einem einzigen Blickfeld erfassbar.
- Wer die Stimmung erleben möchte, ohne ein Spielticket zu kaufen: Die Bars und Seitenstraßen rund ums Stadion füllen sich bereits 90 Minuten vor dem Anpfiff und bieten einen echten Einblick in die lokale Fußballkultur – kostenlos.
- Die Bucht Poljud Cove liegt nur wenige Gehminuten vom Stadion entfernt und ist Besuchern, die aus der Altstadt kommen, so gut wie unbekannt. Lohnt sich als Kombination bei jedem Besuch in der Gegend.
- Hajduk-Split-Merchandise gibt es im Vereinsshop – aktuelle Adresse und Öffnungszeiten am besten auf hajduk.hr prüfen. Ein deutlich authentischerer Souvenirstopp als alles, was die touristischen Läden der Altstadt zu bieten haben.
- Das Stadion sieht nachts, wenn die 630 Flutlichter in Betrieb sind, völlig anders aus. Falls während deines Aufenthalts ein Abendveranstaltung stattfindet, lohnt sich selbst ein kurzer Spaziergang am beleuchteten Außenbau vorbei.
Für wen ist Stadion Poljud geeignet?
- Architektur- und Designbegeisterte mit Interesse an strukturellen Innovationen des späten 20. Jahrhunderts
- Fußballfans, die ein historisch bedeutsames europäisches Vereinsstadion sehen möchten
- Reisende, die einen halben Tag im Bereich Marjan und Poljud verbringen und dabei den Gedränge der Altstadt entkommen wollen
- Sportgeschichts-Interessierte: Hajduk Split und die Torcida haben eine historische Tiefe, die weit über den kroatischen Liga-Kontext hinausgeht
- Fotografen auf der Suche nach starken geometrischen und strukturellen Motiven abseits der üblichen Splitpanorama-Klischees
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Marjan-Hügel & Halbinsel:
- Marjan-Hügel & Waldpark
Der Marjan-Waldpark (Park šuma Marjan) ist eine geschützte Halbinsel aus Kiefern, mediterranem Buschwerk und Kalksteinfelsen, die sich 178 Meter über den westlichen Rand von Split erhebt. Der Eintritt ist frei, er ist rund um die Uhr geöffnet und bietet Panoramaaussichtspunkte, ruhige Wanderwege, kleine Felsbuchten und mittelalterliche Kapellen – alles zu Fuß vom Diokletianspalast erreichbar.
- Meštrović-Galerie
An den Südhängen des Marjan-Hügels liegt die Meštrović-Galerie in der neoklassizistischen Villa, die Ivan Meštrović als sein Zuhause, Studio und Vermächtnis entworfen hat. Mit knapp 200 Skulpturen aus Marmor, Bronze und Holz sowie einem terrassierten Mittelmeerpark mit Blick auf die Adria lohnt sich der kurze Spaziergang von der Riva allemal.
- Sustipan
Sustipan ist eine kleine Halbinsel, die in den Hafen von Split hineinragt und einige der schönsten Sonnenuntergangs-Aussichten der Stadt bietet – dazu absolute Stille außerhalb der Stoßzeiten und Geschichte, die vom mittelalterlichen Benediktinerkloster bis zum Friedhof des 19. Jahrhunderts reicht. Der Eintritt ist frei, der Fußweg von der Altstadt dauert rund zehn Minuten, und der Park bleibt eine ruhige Oase mitten in der Stadt.