Megalochori: Santorinis ruhigstes historisches Dorf
Im Südwesten Santorinis, etwa 6–7 km von Fira entfernt, liegt Megalochori – eines der ältesten Dörfer der Insel mit Wurzeln, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Enge weiß getünchte Gassen, traditionelle Weinkanavas und zykladische Herrenhäuser bieten ein spürbar anderes Tempo als die überfüllten Caldera-Orte.
Fakten im Überblick
- Lage
- Südwestliches Santorin, ca. 6–7 km südwestlich von Fira
- Anfahrt
- KTEL-Bus vom Zentralbahnhof Fira Richtung Akrotiri oder Vlychada; Taxi oder Mietwagen ebenfalls praktisch
- Zeitbedarf
- 1,5 bis 3 Stunden für einen Spaziergang durch das Dorf; länger bei einem Restaurantbesuch oder einer Weinprobe
- Kosten
- Eintritt frei; Kosten entstehen nur in Restaurants, Cafés oder Weinlokalen
- Am besten für
- Architekturliebhaber, Weintourismus, Reisende, die ein ruhigeres Santorin erleben möchten

Was Megalochori wirklich ist
Megalochori ist eine traditionelle zykladische Siedlung im Südwesten Santorinis, die als eine der ältesten Gemeinschaften der Insel gilt und deren Ursprünge bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden können. Anders als die Caldera-Dörfer, die fast vollständig auf Tourismus ausgerichtet wurden, hat Megalochori seinen Charakter als lebendiges Wohndorf bewahrt. Hier leben noch das ganze Jahr über Einheimische. Katzen dösen auf Treppenstufen. Wäsche hängt zwischen weiß getünchten Mauern. Der Dorfplatz ist Mittelpunkt des Alltags – auf eine Art, wie es Oias Hauptstraße schon lange nicht mehr ist.
Der Name bedeutet so viel wie „großes Dorf" – was heute angesichts der kompakten, stillen Atmosphäre ein wenig ironisch wirkt. Seine historische Bedeutung verdankt das Dorf seiner Rolle als Weinproduktionszentrum: Die großen, höhlenartigen Kanavas – unterirdische Weinkeller, die in den Vulkanfels gehauen wurden – sind noch heute im ganzen Dorf zu sehen, mehrere davon zu Restaurants oder Verkostungsräumen umgebaut.
ℹ️ Gut zu wissen
Megalochori ist ein freies, offenes Dorf ohne Eintrittsgebühren oder feste Öffnungszeiten. Du kannst jederzeit kommen – am angenehmsten ist es jedoch am frühen Morgen oder späten Nachmittag, wenn das Licht am schönsten und der Andrang am geringsten ist.
Die Architektur: Herrenhäuser, Kanavas und Kirchenglocken
Was Megalochori beim Betreten sofort von anderen Santorini-Dörfern unterscheidet, ist die Dimension seiner älteren Gebäude. Während weite Teile Firas neu gebaut oder stark renoviert wurden, stehen in Megalochori noch viele traditionelle Kapitänshäuser und neoklassizistische Gebäude – ihre Bogenportale und ockerfarbenen Steinfassaden zeigen echtes Alter. Manche Fassaden sind verwittert auf eine Weise, die echt wirkt und nicht inszeniert.
Die Kanavas sind das architektonisch markanteste Element. Diese halbunterirdischen Gewölbebauten wurden angelegt, um durch konstant kühle Temperaturen die Weinfermentation und -lagerung zu ermöglichen – direkt in den weichen vulkanischen Bimsstein der Insel gehauen. Mehrere stehen noch in gutem Zustand; ihre massiven Steinbögen verleihen den unteren Gassen eine Schwere und Beständigkeit, die im deutlichen Kontrast zum typischen weißen Putz zykladischer Architektur steht.
Im ganzen Dorf tauchen an unregelmäßigen Abständen kleine orthodoxe Kapellen auf, deren blaue Kuppeln oder schlichte Glockentürme Ecken und Innenhöfe markieren. Das sind keine Postkartenkulissen wie Oias ikonische Kuppelkirchen, aber sie wirken deutlich echter und stärker in den Alltag des Dorfes eingebettet. Der zentrale Dorfplatz beherbergt eine größere Kirche, die an Heiligentagen und Sonntagmorgen zum Mittelpunkt des lokalen Lebens wird.
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Wie sich das Dorf im Tagesverlauf verändert
Früh morgens, vor 9 Uhr, liegt Megalochori fast vollständig still. Das Licht ist klar und flach, es wirft lange Schatten über die gepflasterten Gassen. In den Durchgängen zwischen den Häusern riecht es nach Jasmin und wilden Kräutern, durchzogen von der leichten mineralischen Trockenheit des Vulkanstaubs. Das ist die beste Zeit, um die Straßen ohne andere Besucher im Bild zu fotografieren und die architektonischen Details ungestört auf sich wirken zu lassen.
Am späten Vormittag trudeln vereinzelt Besucher ein – meist Reisende, die gut recherchiert haben und die größeren Dörfer bewusst meiden. Rund um die Café-Öffnungszeiten erwacht der Platz zum Leben. Die Hitze baut sich im Sommer über den Nachmittag auf, und die Steingassen speichern die Wärme spürbar – bring Wasser mit und vermeide die stärkste Mittagssonne im Juli und August, wenn du die Wahl hast.
Der späte Nachmittag ist wohl das beste Zeitfenster. Das Licht wird golden auf den weißen Fassaden, es kühlt leicht ab, und einige Einheimische kehren auf den Platz zurück. Das Dorf ist klein genug, um den gesamten Ortskern in einem entspannten 90-minütigen Spaziergang zu erkunden – ein Nachmittagsbesuch lässt sich problemlos in einen längeren Ausflug in den Südwesten Santorinis einbauen.
💡 Lokaler Tipp
Im Sommer solltest du mindestens 500 ml Wasser dabei haben. Die Gassen sind eng, schattige Abschnitte sind rar, und die nächsten Einkaufsmöglichkeiten liegen möglicherweise erst wieder am Dorfplatz.
Weinkultur und ihre Bedeutung hier
Megalochori liegt in einer der historisch bedeutendsten Weinbauregionen Santorinis. Die einheimische Assyrtiko-Traube gedeiht im Vulkanboden dieses Inselteils besonders gut, und die Kanavas des Dorfes waren einst ein zentraler Bestandteil der lokalen Produktion. Die Weinkultur Santorinis ist seit Jahrhunderten dokumentiert – wer sich für diese Geschichte interessiert, findet in Megalochori ein greifbares architektonisches Zeugnis davon, wie diese Industrie ausgesehen hat und funktionierte. Einen umfassenderen Überblick über die Weinlandschaft der Insel bietet der Santorin-Weinführer mit den wichtigsten Weingütern, Rebsorten und Verkostungsmöglichkeiten auf der gesamten Insel.
In und um Megalochori betreiben mehrere Weinlokale und Restaurants in umgebauten Kanavas – wobei sich das konkrete Angebot und die Öffnungszeiten saisonal ändern. Das Weingut Venetsanos liegt in der Nähe im selben südwestlichen Korridor und gehört zu den etablierteren Weinverkostungszielen in diesem Teil der Insel.
Praktischer Rundgang: So navigierst du durchs Dorf
Megalochori hat weder einen offiziellen Rundweg noch ein Beschilderungssystem. Das Dorf ist klein genug, dass kurzes Verlaufen Teil des Erlebnisses ist und keine wirklichen Folgen hat – die meisten Gassen führen irgendwann zurück zum zentralen Platz. Der Hauptplatz ist der natürliche Ausgangspunkt; hier gibt es ein oder zwei Cafés, wo du dich erst einmal orientieren kannst.
Die Straßen sind mit unregelmäßigem Pflasterstein belegt und stellenweise uneben. Griffiges Schuhwerk lohnt sich, besonders auf den steileren Verbindungsgassen. Mit Rollkoffer oder Kinderwagen kommst du auf den traditionelleren Wegen kaum voran. Besucher mit eingeschränkter Mobilität können den Dorfkern teilweise erreichen, aber einige der architektonisch interessantesten Bereiche sind nur über Stufen oder steile Abschnitte erreichbar.
Die Anreise ist unkompliziert. KTEL-Busse aus Fira fahren auf der Südwestroute Richtung Akrotiri und halten an der Haltestelle Megalochori an der Hauptstraße am Dorfrand. Aktuelle Fahrpläne gibt es am zentralen Busbahnhof Fira oder auf der Website von KTEL Santorin – die Zeiten variieren je nach Saison. Ein Taxi von Fira dauert etwa 10–15 Minuten. Wer ein Motorrad oder Auto mietet, findet Parkmöglichkeiten am Ortsrand.
⚠️ Besser meiden
Die Gassen von Megalochori sind Wohnstraßen. Bitte halte den Lärmpegel gering – besonders am frühen Morgen und späten Abend. Einige Durchgänge führen direkt an Privathäusern vorbei.
Vergleich mit anderen Dörfern Santorinis
Megalochori liegt irgendwo zwischen den stark besuchten Caldera-Dörfern und den abgelegeneren Ortschaften im Inselinneren. Es bietet echten historischen Charakter ohne die Dichte und Kommerzialisierung von Fira oder Oia, hat aber mehr Besucherinfrastruktur als ein kleines Weiler-Dorf. Wer die wichtigsten Caldera-Aussichtspunkte bereits kennt und mehr architektonische Tiefe und weniger Reisegruppen sucht, wird hier gut bedient. Wer wissen möchte, was der Südwesten Santorinis sonst noch zu bieten hat: Die Archäologische Stätte Akrotiri ist nur eine kurze Fahrt weiter und lässt sich gut als Halbtagesausflug kombinieren.
Wer Caldera-Panoramen über Dorfarchitektur stellt, könnte von Megalochori enttäuscht sein – es liegt zwar nahe am westlichen Caldera-Rand, aber weiträumige Ausblicke sind nicht das Hauptmerkmal. Dafür sind Imerovirlis Caldera-Aussichtspunkte oder die klassischen Aussichtspunkte in Oia die bessere Wahl. Megalochori belohnt Neugier und ein langsameres Reisetempo – kein Ort zum Abhaken.
Wer einen mehrtägigen Aufenthalt plant, der diesen Teil der Insel einschließt, findet im 3-Tage-Reiseplan für Santorin hilfreiche Hinweise, wie Megalochori sich neben Stränden, archäologischen Stätten und den Caldera-Dörfern einplanen lässt.
Hinweise für Fotografen
Megalochori lässt sich gerade deshalb so gut fotografieren, weil es nicht die gepflegte Kulissenhaftigkeit von Santorinis bekanntesten Fotospots hat. Die verwitterten Steintexturen, die vielschichtigen Hausfassaden und die unregelmäßige Symmetrie der Gassen verleihen Bildern eine Alterung, die in den polierten Caldera-Dörfern schwer zu finden ist. Das frühe Morgenlicht – in der ersten Stunde nach Sonnenaufgang – ist ideal für die ostseitigen Mauern und den Dorfplatz. Das Nachmittagslicht kommt besser in den engeren Gassen zur Geltung, wo die tiefstehende Sonne zwischen die Gebäude reicht.
Einen nützlichen Überblick über das Licht und die besten Fotozeiten auf der ganzen Insel bietet der Santorin-Fotoguide. Speziell in Megalochori bieten die Kanava-Eingänge – große Bogenöffnungen, innen oft dunkel – einen starken kompositorischen Kontrast zu den hell getünchten Außenwänden.
Insider-Tipps
- Der Dorfplatz ist an Werktagen am Morgen am ruhigsten – selbst im Hochsommer im Juli und August ist hier deutlich weniger los als zur gleichen Zeit in Fira oder Oia.
- Schau dir die älteren Kanava-Eingangstore in den unteren Gassen an, nicht nur die, die zu Restaurants umgebaut wurden. An den unberührten Exemplaren ist die rohe Bauweise aus vulkanischem Gestein viel klarer zu erkennen.
- Wenn du mit dem Auto kommst, park lieber an der Hauptstraße am Dorfrand – die Gassen im Inneren sind nicht für Fahrzeuge gemacht.
- Kombiniere Megalochori mit einem Stopp an einer der Weingüter im Südwesten, die an derselben Straße liegen – die Route zwischen Fira und Akrotiri führt durch bestes Weingebiet, und die Abstände zwischen den Stopps sind kurz.
- An Sonntagmorgen tragen die Kirchenglocken vom Hauptplatz durch das ganze Dorf. Wenn du zufällig da bist, lohnt es sich, kurz am Platz innezuhalten – auch wenn du keinen Gottesdienst besuchst. Die Akustik in den engen Steingassen ist bemerkenswert.
Für wen ist Dorf Megalochori geeignet?
- Architektur- und Geschichtsbegeisterte, die Santorinis ältere Wohnbausubstanz jenseits der touristischen Caldera-Orte entdecken möchten
- Weinreisende, die die bauliche Infrastruktur der historischen Weinkultur der Insel kennenlernen wollen
- Fotografen, die lebendige, texturreiche Straßenszenen suchen statt polierter Postkartenmotive
- Reisende, die Oia und Fira bereits kennen und eine andere Seite der Insel erleben möchten
- Paare oder Alleinreisende, die lieber entspannt und ohne festes Programm erkunden als strukturierte Sightseeing-Touren abzuhaken
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Kombiniere deinen Besuch mit:
- Cape Columbo Beach
Cape Columbo Beach liegt an der Nordostspitze Santorínis, hinter zehn Meter hohen Vulkanascheklippen – benannt nach dem Kolumbo-Unterwasserkrater vor der Küste. Der Strand ist nicht bewirtschaftet, kostenlos und bewusst schwer erreichbar. Genau das macht ihn aus. Bring alles mit, was du brauchst, und erwarte einen Strand, der nichts mit den berühmten Caldera-Postkarten der Insel gemein hat.
- Mittelalterliches Dorf Emporio
Emporio ist Santorinis größtes Dorf und Heimat des Kastelli, einer befestigten Siedlung aus dem 15. Jahrhundert, die als besterhaltenes mittelalterliches Burgen-Dorf der Insel gilt. Der Eintritt ist kostenlos, der Trubel der Caldera weit entfernt – dafür erwarten dich verwinkelte Gassen, steinerne Wachtürme und das echte Gefühl gelebter Geschichte.
- Nea Kameni Vulkan
Nea Kameni ist die jüngste vulkanische Landform im östlichen Mittelmeer und erhebt sich aus der Mitte der Santorin-Caldera. Nur per Boot erreichbar und mit einem steilen Aufstieg über kahle Lavafelder verbunden, bietet die Insel einen rauen geologischen Kontrast zu den weiß getünchten Dörfern hoch oben auf den Klippen.
- Palea Kameni Heiße Quellen
Nur per Boot erreichbar, liegen die Heißen Quellen von Palea Kameni in einer flachen Vulkanbucht innerhalb der Caldera von Santorin. Besucher springen von verankerten Ausflugsbooten ins warme, schwefelhaltige Wasser, das durch anhaltende geothermische Aktivität erwärmt wird. Ein wirklich ungewöhnliches Erlebnis – aber eines, das realistische Erwartungen erfordert.