Im Viadukt: Zürichs Eisenbahnbögen als Marktstraße neu gedacht
Im Viadukt erstreckt sich 500 Meter durch 36 bogenförmige Einheiten in den Steinbögen eines Eisenbahnviadukts von 1894 in Zürich-West. Hier finden sich unabhängige Läden, eine überdachte Markthalle, Studios und Restaurants. Der Eintritt ist frei, die Atmosphäre entspannt – eine bodenständige Alternative zu Zürichs gepflegteren Einkaufsstraßen.
Fakten im Überblick
- Lage
- Viaduktstrasse 21/97, 8005 Zürich (Zürich-West / Industriequartier)
- Anfahrt
- Tram 4, 13, 17 bis Löwenbräu; S-Bahn S3/S5/S6/S7/S9/S11/S12/S15/S16 bis Zürich Hardbrücke
- Zeitbedarf
- 45 Minuten bis 2 Stunden, je nachdem wie ausgiebig du stöberst
- Kosten
- Eintritt frei; einzelne Läden und Restaurants zu Preisen in CHF
- Am besten für
- Architekturbegeisterte, lokale Lebensmitteleinkäufer, Designfans, neugierige Spaziergänger
- Offizielle Website
- www.im-viadukt.ch/en/home/?lang=set

Was Im Viadukt eigentlich ist
Im Viadukt ist ein 500 Meter langer Streifen aus Gewerbe- und Kulturflächen, der in die Steinbögen des Aussersihler Eisenbahnviadukts in Zürich-West eingebettet ist. Der Viadukt selbst wurde am 18. August 1894 eröffnet, ursprünglich als industrielle Infrastruktur für Vorortbahnlinien über dem Industriequartier. Über ein Jahrhundert lang standen die Bögen weitgehend leer. Der Umbau, der Anfang der 2010er-Jahre unter der Verwaltung der Stiftung PWG – einer Zürcher Stiftung für Wohnraum und Stadtentwicklung – abgeschlossen wurde, verwandelte rund 36 bogenförmige Einheiten in eine lineare Marktstraße: Einzelhändler, eine überdachte Markthalle, Designstudios, Galerien und Gastronomie belegen Räume, die buchstäblich in den Unterbau einer aktiven Eisenbahnbrücke gebaut sind.
Was einen Besuch lohnenswert macht, sind nicht allein die Läden. Es ist die Kombination aus roher Industriearchitektur, einem gut begehbaren Format und einer Atmosphäre, die näher am Kiez geblieben ist als am Touristenspektakel. Die Züge fahren noch oben drüber. Man hört sie.
ℹ️ Gut zu wissen
Der Komplex und die Markthalle sind montags bis samstags von 09:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Sonntags bleibt alles geschlossen. Die Öffnungszeiten einzelner Läden und Restaurants können abweichen – am besten direkt beim jeweiligen Anbieter nachfragen. An großen Feiertagen kann es ebenfalls zu Schließungen kommen.
Die Architektur: Steinbögen und aktiver Bahnbetrieb
Der Aussersihler Viadukt ist ein Mauerwerksgebäude aus dem späten 19. Jahrhundert, und die Bögen selbst prägen das gesamte Erlebnis des Im Viadukts. Jede Einheit öffnet sich durch einen gerundeten Steinbogen, in der Breite weitgehend einheitlich, aber von jedem Mieter unterschiedlich gestaltet. Manche Läden haben das Ziegelmauerwerk im Innern weitgehend sichtbar gelassen; andere haben minimalistische moderne Einbauten installiert, die einen reizvollen Kontrast zur gewölbten Decke bilden. Der Grundriss jeder Einheit ist im Wesentlichen gleich: ein schmaler Keil, der vom Bogeneingang nach hinten führt und sich leicht verbreitert.
Stellt man sich an einem Ende der Viaduktstrasse auf und schaut der Länge nach, erzeugt die Wiederholung der Bögen einen visuellen Rhythmus, der wirklich beeindruckt. Die Promenade zwischen den Bogenfronten und der Straßenkante ist durchgehend eben, sodass die gesamten 500 Meter auf dem Hauptweg stufenfrei begehbar sind. Oben fahren Züge vorbei – ein gedämpftes Grollen, das schnell verblasst. Es ist Hintergrundgeräusch, kein Störfaktor, und es erinnert beständig daran, dass das hier funktionierende Infrastruktur ist und kein Freilichtmuseum.
Der Umbau ist ein aufschlussreicher Referenzpunkt für alle, die sich für die breitere Wandlung Zürich-Wests vom Industrie- zum Stadtquartier interessieren. Im selben Viertel liegen das Kulturzentrum Schiffbau und der ehemalige Gaskessel Puls 5, der heute als Einkaufs- und Wohnkomplex genutzt wird. Mehr darüber, wie dieses Viertel in die Gesamtstadt eingebettet ist, erfährst du im Quartierguide Zürich-West, der die Entwicklung des Viertels ausführlicher beleuchtet.
Die Markthalle: Der stärkste Grund, herzukommen
Die überdachte Markthalle liegt innerhalb der Bögen und ist das konzentrierteste Angebot für die Leute, die hier wohnen. Gemüsestände, Käseverkäufer, Metzger, Bäcker und Spezialitätenhändler belegen den Innenraum. Das Sortiment ist klar auf Qualität ausgerichtet: regionale Schweizer Produkte, Bio- und Handwerksware sowie Zutaten, die im normalen Supermarkt schwer zu finden sind. Die Preise spiegeln diesen Anspruch wider.
Samstagvormittags ist die Markthalle am stärksten besucht. Gegen 10:00 Uhr füllt sich der Raum mit Stammkunden, für die das hier Wochenroutine ist und kein Ausflugsziel. Man hört Schweizerdeutsch neben anderen Sprachen – das spiegelt die Zusammensetzung des Viertels wider. Um diese Zeit riecht es nach frischem Brot, gereiftem Käse und Kaffee von den Theken nebenan. Wer in Ruhe stöbern möchte, ohne geschubst zu werden, kommt an einem Werktag zur Öffnungszeit – gleiches Angebot, weniger Betrieb.
💡 Lokaler Tipp
Wenn du Im Viadukt mit einem längeren Spaziergang durch Zürich-West verbindest, plane das am Samstagvormittag ein. Die Markthalle ist dann auf dem Höhepunkt, und das umliegende Viertel – mit seinen Bars und dem Bereich rund um die Hardbrücke – hat ein entspanntes Wochenendtempo, das zu einem ausgedehnten Bummel passt.
Die Läden und Studios: Unabhängig und uneinheitlich
Das Einzelhandelsangebot entlang der Bögen ist breit gefächert. Designläden, Modeboutiquen, eine Fahrradwerkstatt, Blumenläden, Handwerksprodukte und kleinere Studios belegen verschiedene Einheiten. Der Mietermix wurde bewusst fern von Kettenläden gehalten, was dem Streifen seinen Charakter gibt – aber auch bedeutet, dass Qualität und Interesse von Bogen zu Bogen stark schwanken. Manche Einheiten sind wirklich sehenswert: gut kuratierte, eigenständige Läden mit einer klaren Haltung. Andere sind schlichte Nahversorgungsangebote, die zufällig in einem interessanten Gebäude untergebracht sind.
Das sollte man klar sagen: Im Viadukt ist kein straff kuratiertes Einkaufskonzept. Es ist eine lange Straße mit unabhängigen Läden unter einer Eisenbahnbrücke. Wer ein perfekt zusammengestelltes Designmarkt-Erlebnis erwartet, wird eine nüchternere Realität vorfinden. Die Architektur ist das durchgehend starke Element; die Läden selbst sind so unberechenbar wie jede beliebige Einkaufsstraße im Kiez.
Wer sich für Schweizer Design und unabhängigen Einzelhandel interessiert, findet möglicherweise auch im Zürich-Einkaufsguide Interessantes, der Im Viadukt neben anderen Stadtteilen mit ganz anderen Einkaufscharakteren vorstellt.
Wie sich der Ort im Lauf des Tages verändert
Werktägliche Morgenstunden vor 10:00 Uhr sind die ruhigste Zeit. Die Markthalle ist geöffnet, aber leer, die Kaffeestände laufen auf kleiner Flamme, und die Bogenpromenade hat eine stille, fast wohnliche Atmosphäre. Dann zeigt sich der Ort am deutlichsten als Einrichtung für die Nachbarschaft – nicht als Attraktion.
Mittags zieht es an Werktagen Büroangestellte aus dem umliegenden Zürich-West-Viertel an, vor allem zu den Lebensmittelhändlern und den kleinen Restaurants in den Bögen. Die Promenade wird zwischen etwa 12:00 und 13:30 Uhr spürbar belebter, bevor sie am Nachmittag wieder ruhiger wird. Am späten Nachmittag – ab etwa 17:00 Uhr bis zur Schließung um 20:00 Uhr – gibt es einen weiteren moderaten Anstieg, wenn Leute auf dem Heimweg vorbeikommen.
Samstags ist der Betrieb den ganzen Tag über am lebhaftesten – von der Öffnung bis zum frühen Nachmittag. Nach etwa 15:00 Uhr samstags lässt das Gedränge nach und die Stimmung wird entspannter. Wichtig: Sonntags ist der gesamte Komplex einschließlich der Markthalle ohne Ausnahme geschlossen.
Anreise und Orientierung vor Ort
Die einfachsten Verbindungen aus dem Zürcher Zentrum sind die Tramlinien 4, 13 und 17 bis zur Haltestelle Löwenbräu, die dich direkt neben den Viadukt bringt. Vom S-Bahnhof Zürich Hardbrücke – angefahren von zahlreichen Vorortlinien wie S3, S5, S6, S7, S9, S11, S12, S15 und S16 – sind es rund fünf bis sieben Minuten zu Fuß. Die Buslinien 33 und 72 halten an den nahegelegenen Haltestellen Schiffbau und Hardbrücke.
Vom Zürich Hauptbahnhof zu Fuß ist machbar und dauert ungefähr 20 bis 25 Minuten. Die übliche Route führt über Sihlquai, Zollstrasse, Hafnerstrasse und Josefstrasse. Eine alternative Strecke geht am Landesmuseum vorbei, entlang der Limmat und durch den Lettenviadukt – diese Route lohnt sich, wenn man es nicht eilig hat.
Wer zum ersten Mal mit dem Zürcher öffentlichen Verkehr unterwegs ist, findet im Guide zum öffentlichen Verkehr in Zürich Erklärungen zum ZVV-Zonensystem und wie man das richtige Ticket kauft.
Die Hauptpromenade entlang der Viaduktstrasse ist durchgehend eben, sodass der Hauptweg durch Im Viadukt stufenfrei begehbar ist. Die Barrierefreiheit innerhalb der einzelnen Bogeneinheiten hängt vom jeweiligen Betrieb ab und ist nicht zentral dokumentiert. Besucher mit spezifischen Mobilitätsanforderungen sollten vor dem Besuch über die offizielle Website Kontakt mit der verwaltenden Stiftung aufnehmen.
Fotos und praktische Hinweise
Die Wiederholung der Bögen ergibt von beiden Enden der Viaduktstrasse starke geometrische Aufnahmen – besonders im flachen Morgenlicht, wenn die Schatten weicher sind. Das Innere der Markthalle ist dunkler und kommt besser mit einer Kamera zur Geltung, die mit gemischtem Licht umgehen kann. Die einzelnen Bogenfronten mit ihren Steineinfassungen und den unterschiedlichen Schaufenstern lohnen eher ein ruhigeres, näheres Fotografieren als Weitwinkelaufnahmen.
Es gibt keine Kleiderordnung oder besondere Ausrüstung. Bequeme Schuhe sind sinnvoll, wenn du Im Viadukt mit einem längeren Spaziergang durch Zürich-West verbindest. Im Winter ist die Promenade im Freien und auf Teilen der Strecke dem Wind ausgesetzt; die Markthalle bietet drinnen Schutz. Im Sommer spenden die Steinbögen entlang der Fronten Schatten, was einen Mittagsbesuch angenehmer macht als auf einer offenen Straße.
Im Viadukt fügt sich gut in einen halbtägigen oder ganztägigen Rundgang durch Zürich-West ein. Das umliegende Gebiet wird auch im Guide zu Zürichs weniger bekannten Ecken vorgestellt, der weitere Ecken des Viertels zeigt, die sich zum Erkunden lohnen.
Insider-Tipps
- Die Markthalle im Viadukt ist am Samstagvormittag am vollsten und atmosphärischsten. Wer aber in Ruhe mit den Verkäufern reden und ohne Gedränge stöbern möchte, sollte dienstags oder mittwochs vormittags vorbeikommen – gleiches Angebot, deutlich weniger Betrieb.
- Geh zuerst die gesamten 500 Meter von einem Ende zum anderen, bevor du zurückläufst und die Läden betrittst, die dich angesprochen haben. Das Layout und der Rhythmus der Bögen erschließen sich viel besser, wenn du erst den ganzen Streifen überblickst, bevor du irgendwo reingehst.
- Zu den interessantesten Mietern zählen die Studios und Werkstätten, die nicht in erster Linie auf Einzelhandel ausgerichtet sind. Halte Ausschau nach Einheiten, in denen sichtbar gearbeitet wird – diese sind oft öffentlich zugänglich und die Leute erklären gerne, was sie tun.
- Die Tramhaltestelle Löwenbräu bringt dich ungefähr in die Mitte des Viadukts. Wer mit der S-Bahn am Hardbrücke ankommt, nähert sich von der Nordseite. Wenn du weißt, von welchem Ende du startest, findest du dich entlang des Streifens besser zurecht.
- Sonntags ist alles geschlossen – ohne Ausnahmen für den gesamten Komplex. Falls dein Zürich-Programm nur einen Sonntagsbesuch in Zürich-West erlaubt, plane mit anderen Orten im Viertel und spar dir Im Viadukt für einen anderen Tag auf.
Für wen ist Im Viadukt geeignet?
- Reisende, die sehen möchten, wie Zürich-West seine industrielle Vergangenheit neu erfunden hat – ohne Galerie oder Museum
- Lebensmittelliebhaber auf der Suche nach regionalen Schweizer Produkten, Handwerkskäse und frischen Marktprodukten abseits des Supermarkts
- Architektur- und Stadtplanungsbegeisterte, die sich für die Nachnutzung von Infrastruktur aus dem 19. Jahrhundert interessieren
- Entspanntes Stöbern ohne den Druck oder die Hochglanzatmosphäre der großen Einkaufsstraßen
- Alle, die einen halbtägigen Spaziergang durch Zürich-West planen und einen natürlichen Ankerpunkt mit Essen und Pausen suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Zürich-West:
- Langstrasse
Die Langstrasse ist Straße und Quartier zugleich – mitten in Zürichs Kreis 4, und sie lässt sich nicht aufhübschen. Bars, unabhängige Läden, von Einwanderern geführte Restaurants und Nachtclubs prägen einen Streifen, der tagsüber rau wirkt und nach Einbruch der Dunkelheit erst richtig auflebt. Das Bummeln kostet nichts – und wer neugierig ist, wird belohnt.
- Museum für Gestaltung (Designmuseum)
Das 1875 gegründete Museum für Gestaltung Zürich gehört zu den wichtigsten Designmuseen Europas. Mit über 500.000 Objekten aus angewandter Kunst, Grafikdesign und Plakatkunst lohnt es sich für alle, die wissen wollen, wie Dinge und Bilder unseren Alltag prägen.
- Flussbad Oberer Letten
Das Flussbad Oberer Letten ist ein 400 Meter langer Freibad-Kanal direkt in der Limmat nahe Zürich West – kostenlos und von Mai bis September geöffnet. Seit 1952 zieht es Frühschwimmer genauso an wie Feierabend-Sonnenbader und gehört zu den authentischsten Sommererlebnissen, die Zürich zu bieten hat.