Cueva del Viento: Im Inneren eines der größten Lavatuben Europas
Die Cueva del Viento entstand durch Ausbrüche des Pico Viejo nahe dem Teide und ist ein weitverzweigtes Lavatubensystem unter der Gemeinde Icod de los Vinos. Der Zugang ist nur mit Führung möglich, das Gelände ist anspruchsvoll – und das Erlebnis sucht auf der Insel seinesgleichen.
Fakten im Überblick
- Lage
- Icod de los Vinos, Nordwesten Teneriffas (Calle Los Piquetes 51)
- Anfahrt
- Mit dem Auto über die TF-5 (Ausfahrt 55, Beschilderung folgen). Nächste Bushaltestelle El Refugio (Linie 360) ist ca. 1,5 km vom Eingang entfernt. Kein Direktbus.
- Zeitbedarf
- 2,5 bis 3,5 Stunden inklusive des Wanderwegs zum Höhleneingang
- Kosten
- Erwachsene 25 €, Kinder (5–12 Jahre) 8,50 €. Bewohner der Kanarischen Inseln zahlen ermäßigte Eintrittspreise. Kinder unter 5 Jahren haben keinen Zutritt. Vorabbuchung erforderlich.
- Am besten für
- Geologiebegeisterte, Familien mit älteren Kindern, Wanderer und alle, die mehr über die vulkanischen Ursprünge Teneriffas erfahren möchten
- Offizielle Website
- cuevadelviento.net/en/home

Was ist die Cueva del Viento?
Die Cueva del Viento – zu Deutsch „Höhle des Windes" – ist ein vulkanisches Lavatubensystem von beeindruckendem Ausmaß, das sich unter dem Nordwesten Teneriffas nahe der Stadt Icod de los Vinos erstreckt. Es gilt weithin als eines der größten vulkanischen Röhrensysteme Europas und entstand vor Tausenden von Jahren durch Ausbrüche des Pico Viejo, des Nebenvulkankegels neben dem Teide. Als glühende Lava schnell den Hang hinabfloss, kühlten die äußeren Schichten ab und erstarrten, während das Innere weiter abfloss – zurück blieb ein hohler Kanal im Gestein. Das Ergebnis ist eine kathedralenähnliche Unterwelt aus Tunneln, Kammern, Lavazapfen und Lavaregalen, die sich über mehrere Kilometer unter der Erdoberfläche erstreckt.
Die Höhle ist keine Attraktion, bei der man einfach hineinspazieren kann. Jeder Besuch folgt einem festen Führungsformat: Vom Besucherzentrum geht es zu Fuß entlang des Außenwandwegs geformt von denselben vulkanischen Kräften, die auch den Teide erschaffen haben oberhalb. Den Höhleneingang erreichst du zu Fuß – und drinnen bist du ausschließlich auf die Taschenlampe deines Guides angewiesen. Es gibt keine künstliche Beleuchtung, in den meisten Abschnitten keine Geländer, und der Boden besteht durchgehend aus rohem, unebenem Lavagestein. Das hier ist ein ernstzunehmendes geologisches Naturdenkmal, das sorgfältig geschützt wird.
⚠️ Besser meiden
Tickets müssen vorab online auf cuevadelviento.net gekauft werden. Ein spontaner Besuch ohne Reservierung ist nicht möglich, und Führungen sind Tage oder Wochen im Voraus ausgebucht – besonders im Frühjahr und Sommer. Am besten so früh wie möglich buchen.
Der Weg zur Höhle: Oberirdischer Wanderweg PR TF 42.2
Das Erlebnis beginnt schon lange bevor man die Höhle betritt. Vom Besucherzentrum führen die Guides die Gruppen entlang eines Abschnitts des Wanderwegs PR TF 42.2, der einem alten Camino Real folgt – einer königlichen Straße, die einst die Gemeinden der Insel miteinander verband. Der Pfad führt durch terrassiertes Ackerland und in ein Stück Lorbeerwald, den uralten Lorbeerwäldern, der einst große Teile der Kanarischen Inseln bedeckte und heute noch in Resten an den feuchtere, nördlichen Hängen Teneriffas überlebt. Der Geruch von feuchter Erde und Moos ist hier unverkennbar – und der Übergang vom sonnigen Farmland in den kühlen, überdachten Waldpfad vollzieht sich innerhalb weniger hundert Meter.
Dieser Abschnitt dauert im normalen Gehtempo etwa 20 bis 30 Minuten. Der Weg ist stellenweise uneben, mit freiliegenden Wurzeln und lockerem Boden auf einigen Strecken. Festes Schuhwerk mit Knöchelunterstützung ist kein optionales Extra. Sneaker mit dünnen Sohlen machen den Weg unangenehm; Trailschuhe oder leichte Wanderstiefel sind die richtige Wahl. Das Morgenlicht durch das Lorbeerblätterdach kann sehr schön sein, bedeutet aber auch, dass der Boden noch bis weit in den Vormittag hinein feucht und rutschig bleibt. Gruppen in der ersten Führung des Tages finden den Wald oft noch im tiefen Schatten.
In der Lavatube: Was dich erwartet
Sobald die Gruppe in die Höhle hinabsteigt, fällt die Temperatur spürbar. Das Innere der Cueva del Viento hält das ganze Jahr über eine gleichbleibende Temperatur von etwa 19 Grad Celsius – im Sommer angenehm kühl, im Januar in einem kurzärmeligen T-Shirt allerdings deutlich frisch. Eine leichte Schicht mehr, selbst im August, ist eine gute Idee.
Der Guide leuchtet die Tunnelwände mit starken Taschenlampen aus und enthüllt Strukturen, die man erst einen Moment verarbeiten muss. Lavazapfen – das vulkanische Pendant zu Stalaktiten – hängen in einigen Kammern von der Decke. Glatte Pahoehoe-Lavaböden wechseln in anderen Abschnitten zu rauer, zerbrochener Aa-Lava. Die Wände der Röhre zeigen Fließmarken – die eingefrorenen Wellenmuster der einst strömenden Lava – so deutlich, als hätte der Ausbruch letzte Woche stattgefunden und nicht vor Tausenden von Jahren. In den größeren Kammern verhält sich der Schall merkwürdig: Stimmen tragen weiter als erwartet, und in kleineren Abschnitten herrscht absolute Stille.
Der für die Öffentlichkeit zugängliche Bereich ist nur ein Teil des gesamten Systems. Das komplette Röhrennetzwerk ist weit umfangreicher, und einige Gänge sind ausschließlich Forschern und Speläologen mit Sondergenehmigung vorbehalten. Was Besucher zu sehen bekommen, reicht aber aus, um das gesamte Ausmaß wirklich zu erfassen. In manchen Abschnitten reicht die Decke mehrere Meter nach oben, während man sich in anderen bücken muss.
💡 Lokaler Tipp
Eine eigene Stirnlampe oder kleine Taschenlampe mitzubringen lohnt sich. Der Guide sorgt zwar für die Hauptbeleuchtung, aber mit eigenem Licht kannst du einzelne Felsformationen aus der Nähe betrachten, ohne auf den Rest der Gruppe warten zu müssen.
Geologischer und historischer Hintergrund
Die vulkanische Geologie Teneriffas ist entscheidend dafür, warum die Cueva del Viento überhaupt existiert. Der Pico Viejo, der für die Ausbrüche verantwortlich ist, die dieses Röhrensystem geschaffen haben, liegt unmittelbar neben dem Teide im heutigen Teide-Nationalpark. Lavaströme aus den dortigen Ausbrüchen flossen den Hang in Richtung Nordwestküste hinab, wobei sich die Röhre als Kanal für das noch fließende Innere dieser Ströme bildete. Die enorme Länge der Röhre – von großer Höhe bis fast ans Meer – spiegelt das Volumen und die Geschwindigkeit des historischen Lavaausstoßes wider.
In der Höhle wurden auch fossile Überreste längst ausgestorbener Tierarten gefunden, darunter Knochen der Rieseneidechse und uralter Vogelarten, die Teneriffa vor der menschlichen Besiedlung bewohnten. Das verleiht dem Ort paläontologische Bedeutung weit über das geologische Interesse hinaus. Wer mehr über die vulkanische Landschaft über der Erde erfahren möchte, findet im Teide-Nationalpark-Reiseführer umfassende Informationen zu den oberirdischen Spuren derselben Ausbruchsgeschichte.
Beste Reisezeit und praktische Hinweise
Die Höhle selbst verändert sich mit den Jahreszeiten kaum – ihre Innentemperatur bleibt das ganze Jahr über nahezu konstant. Der Außenabschnitt des Besuchs ist jedoch wetterabhängig. Winterliche Vormittage im Nordwesten Teneriffas bringen Wolken und leichten Regen, und der Weg zur Höhle kann von Oktober bis Februar matschig sein. Sommer- und Herbstbesuche sind generell trockener, und der Wanderabschnitt ist zwischen Mai und Oktober deutlich angenehmer.
Das Besucherzentrum öffnet täglich um 09:00 Uhr, der Informationsservice ist bis 16:00 Uhr verfügbar. Die Führungszeiten variieren und sind auf der offiziellen Buchungsplattform aufgeführt. Da Gruppen pünktlich aufbrechen, empfiehlt es sich, mindestens 15 Minuten vor dem geplanten Start da zu sein. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist: Die nächste Bushaltestelle (El Refugio, Linie 360) liegt rund 1,5 Kilometer vom Besucherzentrum entfernt. Das ist zu Fuß machbar, verlängert aber die Anreise. Die meisten Besucher kommen mit dem Auto über die TF-5, Ausfahrt 55, und folgen dann den Schildern zur Cueva del Viento. Parkplätze sind in der Nähe des Besucherzentrums vorhanden.
ℹ️ Gut zu wissen
Kinder unter 5 Jahren sind auf keiner Führung zugelassen – unabhängig von ihrer körperlichen Fitness. Das ist eine verbindliche Regel, die mit dem Gelände und den Sicherheitsbedingungen in der Höhle zusammenhängt.
Fotografieren in der Höhle
Fotografieren ist erlaubt, aber die Bedingungen sind anspruchsvoll. Das Innere wird nur durch die Taschenlampen des Guides beleuchtet, was bedeutet, dass normale Smartphone-Kameras ohne Anpassungen verwackelte oder körnige Bilder produzieren. Eine Kamera mit guter Schwachlichtleistung und der Möglichkeit, bei hohem ISO-Wert zu fotografieren, ist sinnvoll. Eine kompakte Systemkamera oder ein Smartphone mit einem guten Nachtmodus liefert deutlich bessere Ergebnisse als eine einfache Kompaktkamera. Stative sind angesichts des Gruppenformats und des begrenzten Platzangebots unpraktisch – in den größeren Kammern funktioniert es aber, die Kamera für eine Langzeitbelichtung an die Wand zu lehnen.
Auf dem Wanderabschnitt bietet das gefilterte Licht durch das Lorbeerblätterdach am späten Vormittag wirklich gute Bedingungen für Waldfotos. Der Übergang zwischen offenem Ackerland und dem Lorbeerwald lohnt einen kurzen Stopp, bevor die Gruppe weiterzieht.
Für wen diese Attraktion geeignet ist – und für wen nicht
Die Cueva del Viento ist ideal für Reisende mit echtem Interesse an Geologie, Naturgeschichte oder Abenteuererlebnissen jenseits des üblichen Strandalltags. Familien mit Kindern ab 8 Jahren erleben die Tour in der Regel als spannend und nicht als beängstigend – vorausgesetzt, die Kinder fühlen sich in dunklen, engen Räumen wohl. Das Führungsformat hält das Tempo für die meisten körperlich halbwegs fitten Erwachsenen gut machbar.
Nicht geeignet ist die Höhle für Reisende mit Platzangst, eingeschränkter Mobilität oder der Erwartung eines touristisch aufbereiteten Erlebnisses. Die Höhle ist eine ursprüngliche Naturumgebung, keine inszenierte Attraktion. Wer seinen Teneriffa-Urlaub rund um Resortstrände und Poolentspannung plant, sollte wissen: Dieser Ausflug erfordert einen halben Tag und echte körperliche Anstrengung. Außerdem liegt die Höhle im Nordwesten der Insel – von den Südresorts rund um Costa Adeje oder der Playa de las Américas sind es typischerweise 45 bis 60 Minuten Fahrt in jede Richtung.
Wer Zeit im Norden Teneriffas verbringt, kann die Cueva del Viento gut mit nahegelegenen Sehenswürdigkeiten verbinden. Icod de los Vinos selbst ist einen kurzen Spaziergang wert, und der Drago Milenario – einer der ältesten und größten Drachenbäume der Welt – steht mitten im Ortskern. Die Kombination ergibt einen abwechslungsreichen und erfüllten Vormittag im Nordwesten der Insel.
Insider-Tipps
- In den Frühjahrs- und Sommerferien solltest du mindestens zwei Wochen im Voraus buchen. Führungen sind oft restlos ausgebucht, und eine Warteliste an der Kasse gibt es nicht.
- Trag lange Hosen. Die Lavagesteinsoberflächen sind stellenweise scharf, und wer in kurzen Hosen die Höhlenwände streift, kassiert schnell Schürfwunden – kein bloßes Kratzen.
- Im Besucherzentrum gibt es eine kleine, aber gut gemachte Ausstellung zur Geologie und Biologie des Höhlensystems. 15 bis 20 Minuten dort vor der Führung geben dem Erlebnis unter der Erde deutlich mehr Tiefe.
- Der Außenabschnitt des Wegs führt über einen historischen Camino Real durch Lorbeerwald. Komm 30 Minuten früher, wenn du am Ausgangspunkt noch in Ruhe fotografieren und dich umsehen möchtest, bevor die Gruppe aufbricht.
- Wenn du die Cueva del Viento mit dem Drago Milenario in Icod de los Vinos kombinierst, mach die Höhlentour zuerst. Am Nachmittag füllt sich der Ort mit Bustouristen, und der Bereich rund um den Drachenbaum wird schnell voll.
Für wen ist Cueva del Viento geeignet?
- Geologie- und Naturgeschichtebegeisterte
- Familien mit Kindern ab 8 Jahren, die keine Angst vor dunklen Räumen haben
- Aktive Reisende, die einen Halbtagsausflug abseits des Strands suchen
- Wanderer, die im Norden Teneriffas untergebracht sind und einen freien Vormittag haben
- Besucher, die die vulkanischen Kräfte verstehen möchten, die die Insel geformt haben
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Kombiniere deinen Besuch mit:
- Basilika Unserer Lieben Frau von Candelaria
Die Basílica de Nuestra Señora de Candelaria an Teneriffas Ostküste ist das spirituelle Herzstück der Kanarischen Inseln. Hier ist die Schutzpatronin des Archipels zu Hause – der Ort zieht Pilger, Geschichtsinteressierte und Architekturbegeisterte gleichermaßen an. Der Eintritt ist kostenlos.
- Charco del Viento
Der Charco del Viento an Teneriffas Nordküste ist eine Reihe natürlicher Meerwasserpools, die von uralten Lavaströmen aus der Gemeinde La Guancha geformt wurden. Der Eintritt ist kostenlos, die Anlage ganzjährig geöffnet und bei Schwimmern, Schnorchlern und Tauchern gleichermaßen beliebt – ein echtes Küstenerlebnis abseits der überfüllten Urlaubsstrände.
- Drago Milenario (Tausendjähriger Drachenbaum)
Mitten in Icod de los Vinos steht der Drago Milenario – einer der ältesten und größten Drachenbäume der Kanarischen Inseln. Als Nationales Monument zieht er Besucher aus ganz Teneriffa an, beeindruckt mit seiner markanten Silhouette, seiner ökologischen Bedeutung und dem gepflegten Park ringsherum.
- Playa de La Arena
Die Playa de La Arena ist ein kompakter, aber gut ausgestatteter Strand mit schwarzem Vulkansand in Puerto de Santiago an Teneriffas ruhigerer Westküste. Mit ruhigen Atlantikwellen, einer echten Strandpromenade und ganzjährigem Badebetrieb für Menschen mit eingeschränkter Mobilität lohnt sich der Besuch für alle, die über die bekannten Südresorts hinausschauen.