Charco del Viento: Teneriffas schönste Lavafelsen-Naturpools
Der Charco del Viento an Teneriffas Nordküste ist eine Reihe natürlicher Meerwasserpools, die von uralten Lavaströmen aus der Gemeinde La Guancha geformt wurden. Der Eintritt ist kostenlos, die Anlage ganzjährig geöffnet und bei Schwimmern, Schnorchlern und Tauchern gleichermaßen beliebt – ein echtes Küstenerlebnis abseits der überfüllten Urlaubsstrände.
Fakten im Überblick
- Lage
- La Guancha, Santa Cruz de Tenerife, Teneriffa (Nordküste)
- Anfahrt
- Mit dem Auto über die TF-5 (Ausfahrt La Guancha / Santa Catalina). Buslinien 108, 325, 363 oder 364 halten nahe der TF-5; der restliche Weg zu den Pools muss zu Fuß zurückgelegt werden.
- Zeitbedarf
- 2 bis 4 Stunden
- Kosten
- Kostenlos (öffentliches Naturbadegebiet, keine Eintrittskarte erforderlich)
- Am besten für
- Schwimmer, Schnorchler, Taucher und Reisende, die natürliche Pools abseits der Touristenstränden suchen
- Offizielle Website
- www.webtenerife.com/que-visitar/piscinas-naturales/charco-del-viento

Was ist der Charco del Viento?
Der Charco del Viento liegt an der felsigen Nordküste Teneriffas, in der kleinen Landgemeinde La Guancha. Der Name bedeutet so viel wie „Pool des Windes" – und das versteht man sofort, sobald man ankommt. Atlantische Wellen rollen vom offenen Meer heran, die Luft trägt einen scharfen Salzgeruch, und die Pools selbst liegen in einer natürlichen Terrasse aus erstarrter Lava, die über Jahrtausende durch Vulkanausbrüche geformt und vom Meer glatt geschliffen wurde. Ein Strand ist das in keinem herkömmlichen Sinne. Es gibt keinen Sand. Stattdessen erwarten dich dunkle Basaltplatten, leuchtend grüne Algen am Wasserrand und Pools, die von flachen, sonnenwarm aufgeheizten Plantschbereichen bis hin zu tieferen Abschnitten reichen, die sich für geübte Schwimmer und Schnorchler eignen.
Die Pools sind von der Gemeinde La Guancha als natürliches Badegebiet ausgewiesen und gelten als eines der wichtigsten Naturwerte der Küste. Der Eintritt ist frei, eine Reservierung nicht nötig, und die Anlage ist das ganze Jahr über zugänglich. Was den Charco del Viento besonders macht, ist die Wasserqualität: ruhig, klar und an sonnigen Tagen in einem lebhaften Blaugrün – der Kontrast zum schwarzen Lavagestein drumherum ist schlicht beeindruckend.
💡 Lokaler Tipp
An Sommerwochenenden solltest du vor 11:00 Uhr da sein, um noch einen Parkplatz zu finden und die Pools in ihrer ruhigsten Phase zu erleben. Der Parkplatz ist klein und im Juli und August oft bereits um die Mittagszeit komplett voll.
Die Kulisse: Lava, Atlantikwellen und Bananenplantagen
Die Fahrt hinunter zum Charco del Viento ist bereits Teil des Erlebnisses. Von der Autobahn TF-5 geht es durch terrassierte Bananenplantagen auf einer engen, einspurigen Asphaltstraße bergab. Die Gemeinde hat auf der Hauptzufahrtsstraße ab Lomo La Bautista Einbahnverkehr bergab eingerichtet; die Ausfahrt erfolgt über die Route Camino Los Celajes – folge also unbedingt den aufgestellten Schildern. Die Straße ist so schmal, dass Gegenverkehr echte Nervenstärke erfordert; fahre langsam und nutze die Ausweichstellen.
Am Ende des Abstiegs erreichst du einen kleinen Küstenparkplatz. Von dort gelangt man über einen kurzen Pfad und in den Lavafelsen gehauene Treppen zu den Pools. Die Landschaft öffnet sich sofort: Die Küstenlinie ist schwarzes Gestein, der Horizont weiter Atlantik, und an klaren Tagen erkennt man in der Ferne die Silhouetten von La Palma und La Gomera im Westen. Das Nordküstenlicht ist anders als die gleißende Klarheit des Südens. Selbst im Sommer liegt etwas Sanftes darin, und die Landschaft wirkt wilder und ungezähmter als die Resortküste rund um Costa Adeje.
Dieser Küstenabschnitt gehört zur selben Vulkanlandschaft, die das Inselinnere geprägt hat. Teneriffa ist im Kern ein vulkanisches Gebilde, das sich rund um den Teide aufgebaut hat. Die Lavaströme, die an der Nordküste das Meer erreichten, hinterließen genau die Art von zerklüftetem, poolgefülltem Küstengelände, das man am Charco del Viento vorfindet. Die Felsplateaus, die natürlichen Becken, die Kanäle, in die das Meer eindringt und wieder zurückweicht: all das ist das direkte Ergebnis dieser geologischen Prozesse.
Schwimmen und Schnorcheln: Was dich im Wasser erwartet
Die Pools am Charco del Viento unterscheiden sich deutlich in Tiefe und Charakter. Die flachsten Bereiche nahe den Lavaplatten eignen sich ideal für Familien mit Kindern: ruhig, knie- bis hüfttief und gut vor dem offenen Meer geschützt. Weiter draußen wird das Wasser tiefer, und die Pools verbinden sich mit dem Ozean auf eine Weise, die sie hervorragend zum Schnorcheln macht. Die Gemeindeverwaltung empfiehlt den Ort ausdrücklich sowohl zum Tauchen als auch zum Angeln, und die Unterwassersicht ist an ruhigen Tagen außergewöhnlich gut.
Schnorchler entdecken in den Felskanälen regelmäßig Lippfische, Papageienfische, Riffbarsche und Seeigel. Bring deine eigene Maske und Flossen mit; vor Ort gibt es kein Verleihequipment und keinerlei Einrichtungen außer dem Parkplatz. Die Felsuntergrunde sind besonders am Wasserrand durch Algen sehr rutschig, daher sind Badeschuhe oder Rifffschuhe dringend empfohlen. Barfuß auf nassem Basalt ist eine zuverlässige Methode, den Tag mit Schnitten zu beenden.
Die Gemeinde zählt den Ort zu den meistbesuchten Naturbadestellen in La Guancha, und an Sommerwochenenden sind die Pools tatsächlich gut besucht – vor allem von einheimischen Familien. Ein Besuch unter der Woche, besonders im Frühling oder Herbst, ist spürbar ruhiger und entspannter. Im Winter sinkt die Wassertemperatur etwas, bleibt aber für alle, die kältere Bedingungen mögen, noch gut schwimmbar; die Meerestemperatur an der Nordküste liegt in den kühleren Monaten typischerweise zwischen 19 und 22 Grad Celsius.
⚠️ Besser meiden
Wenn atlantische Dünung stark ist, können Wellen ohne Vorwarnung über die äußeren Lavaplatten schwappen. Prüfe die Seebedingungen vor dem Einstieg und halte Kinder an rauen Tagen von den exponierten Außenbereichen fern. Die Pools sind frei zugänglich und unbewacht; es gibt keinen Rettungsschwimmer.
Wie sich das Erlebnis im Tagesverlauf verändert
Der frühe Morgen ist die stimmungsvollste Zeit für einen Besuch. Die Pools sind fast leer, das Licht ist tief und golden, und die einzigen Geräusche sind das rhythmische Ein- und Ausatmen des Meeres an den Lavakanten. Das Wasser nimmt zu dieser Stunde ein tiefes, intensives Blau an. Einheimische Schwimmer aus La Guancha und der Umgebung kommen oft früh, bevor die Hitze zunimmt.
Am späten Vormittag steht die Sonne hoch genug, um die flacheren Pools merklich aufzuwärmen. Dann kommen die Familien in Scharen, und die Pools bekommen einen lebhaften, geselligen Charakter. Kinder plantschen in den flachen Bereichen, erfahrenere Schwimmer bewegen sich durch die tieferen Pools, und Gruppen breiten sich mit Handtüchern und Taschen auf den flachen Lavaplatten aus. Die Atmosphäre ist durch und durch einheimisch – das ist ein Teil des Reizes.
Am späten Nachmittag, wenn sich der Hauptandrang gegen 17:00 bis 18:00 Uhr lichtet, kehrt etwas Ruhe zurück. Das westliche Licht macht das schwarze Gestein weicher, und das Wasser fängt die Farben der tief stehenden Sonne ein. Das ist auch eine gute Zeit für Unterwasserfotografie in den flacheren Bereichen. Der Sonnenuntergang selbst ist hier nicht so spektakulär wie an den nach Westen ausgerichteten Küsten der Insel, aber die Lichtqualität in der Stunde davor ist wirklich schön.
Praktisches: Anreise, Parken und was du mitbringen solltest
Mit dem Auto ist der Charco del Viento gut erreichbar. Nimm die TF-5 (Autopista del Norte) und fahre in Richtung La Guancha oder Santa Catalina ab, in Richtung Icod de los Vinos. Folge den Schildern zum Charco del Viento die schmale Straße durch die Bananenplantagen hinunter bis zum Küstenparkplatz. Das Einbahnsystem bedeutet, dass Ein- und Ausfahrt an unterschiedlichen Punkten liegen – achte auf die Richtungsschilder an der Kreuzung.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anreise umständlich. Die Buslinien 108, 325, 363 und 364 halten an oder nahe der TF-5, aber der verbleibende Abstieg zur Küste muss zu Fuß bewältigt werden – was angesichts des steilen Gefälles und fehlender Gehwege nicht trivial ist. Für die meisten Besucher ist ein Mietwagen die praktischste Option. Das Parken ist kostenlos.
An den Pools selbst gibt es weder Cafés noch Kioske oder Toiletten. Bring alles Essen und Trinken selbst mit und nimm deinen Müll wieder mit. Die nächste Ortschaft mit grundlegender Versorgung ist La Guancha. Einen Überblick über das gesamte Nordküstengebiet und weitere Naturpools der Insel bietet der Reiseführer zu den Naturpools auf Teneriffa.
Die Barrierefreiheit ist eingeschränkt. Der Weg vom Parkplatz zum Wasser führt über Treppen und unebenes Lavagestein. Der Ort ist für Besucher mit eingeschränkter Mobilität oder Menschen, die keine Stufen und unwegsames Gelände bewältigen können, nicht geeignet. Haustiere sind im Badebereich nicht erlaubt.
Charco del Viento im Kontext der Nordküste Teneriffas
La Guancha liegt im landwirtschaftlich geprägten Nordwesten Teneriffas – ein Küstenabschnitt, der sich in seiner Atmosphäre deutlich von den touristisch erschlossenen Resortgebieten im Süden unterscheidet. Das hier ist Bananenland: Die Hänge über der Küste sind mit Plantagen terrassiert, die Dörfer sind klein und ruhig, und die touristische Infrastruktur ist minimal. Der Charco del Viento ist das wichtigste Ausflugsziel an dieser Küste, aber die Umgebung lohnt sich für alle, die sich ein wenig Zeit nehmen. Die nahe gelegene Stadt Icod de los Vinos beherbergt den beeindruckenden Drago Milenario, einen der ältesten und größten Drachenbäume der Welt – eine natürliche Ergänzung zu einem halben Tag an den Pools.
Weiter die Nordwestküste entlang steigert sich das geologische Drama an den Klippen von Los Gigantes, wo senkrechte Vulkanwände hunderte von Metern ins Meer abfallen. Und wer sich für weitere natürliche Badepools der Insel interessiert: Die Lavapools in Garachico, El Caletón in Garachico, sind weniger als zwanzig Minuten mit dem Auto entfernt und bieten eine ganz andere Atmosphäre: historische Stadtkulisse statt offener Küste.
Wer mehr Zeit im Norden verbringen möchte, sollte sich vorher über die Unterschiede zwischen dem Norden und Süden Teneriffas informieren, bevor er entscheidet, wo er sich niederlässt. Der Norden überzeugt mit grüneren Landschaften, kühleren Temperaturen und einer eher einheimisch geprägten Atmosphäre; der Süden mit zuverlässigerem Sonnenschein und gut ausgebauter Resortinfrastruktur.
Für wen der Charco del Viento nichts ist
Wer einen Sandstrand, Liegestühle, Servicepersonal oder Restaurants in der Nähe sucht, ist hier falsch. Der Ort ist rau, ohne jegliche Einrichtungen und vollständig natürlich. Er ist auch nicht geeignet für Besucher mit eingeschränkter Mobilität, da Treppen und unwegsames Lavagestein den Weg zum Wasser prägen. Wenn kleine Kinder in deiner Gruppe nicht mit offenem Ozean zurechtkommen oder ein beaufsichtigtes Umfeld brauchen, ist ein Freibad wie der Lago Martianez-Komplex in Puerto de la Cruz die bessere Wahl.
Bei stürmischem Wetter werden die äußeren Bereiche des Geländes wirklich gefährlich. Wenn atlantische Dünung stark ist, dringen Wellen mit erheblicher Kraft durch die Kanäle, und die Lavaplatten können gefährlich nass sein. An solchen Tagen sind die Pools in den geschütztesten Bereichen noch teilweise nutzbar, aber Vorsicht und Urteilsvermögen sind gefragt. Es gibt weder Wetterwarnungen noch Personal vor Ort.
Insider-Tipps
- Komm an einem Wochentag im Mai, Juni oder September – dann stimmt die Mischung aus warmem Wetter, ruhiger See und wenig Trubel am besten. An Sommerwochenenden kommen viele einheimische Familien, und das Parken wird schon am späten Vormittag zur echten Herausforderung.
- Wasserschuhe sind an raueren Tagen keine Option, sondern Pflicht. Das algenbedeckte Lavagestein am Wasserrand ist extrem rutschig. Badeschuhe oder alte Turnschuhe schützen dich vor schmerzhaften Schnitten an den bewachsenen Felsen.
- Das Einbahnsystem auf der Zufahrtstraße bedeutet, dass du nicht denselben Weg zurückfahren kannst. Folge den Ausfahrtsschildern ab dem Parkplatz, um ein schwieriges Zurücksetzen auf einer einspurigen Straße zu vermeiden.
- Wer den Charco del Viento mit einem weiteren Ausflugsziel kombinieren möchte: Der Drago Milenario im nahen Icod de los Vinos ist in etwa fünfzehn Minuten mit dem Auto erreichbar und braucht rund 45 Minuten. Auch die Naturpools von Garachico sind nicht weit und lohnen sich als Ergänzung für alle, die gerne im Meer schwimmen.
- Für Unterwasserfotografie empfiehlt sich ein Weitwinkelobjektiv oder ein entsprechendes Handyclip-Objektiv – besonders in den flacheren Kanälen, wo das Licht vollständig eindringt. Das Licht am späten Vormittag, etwa zwischen 10:00 und 12:00 Uhr, liefert die klarsten und farbenfrohesten Ergebnisse unter Wasser.
Für wen ist Charco del Viento geeignet?
- Schwimmer und Schnorchler, die natürliche Meerwasserpools kommerziellen Strandanlagen vorziehen
- Reisende, die den wenig besuchten Nordwesten Teneriffas auf eigene Faust erkunden
- Familien mit älteren Kindern, die mit offenem Wasser vertraut sind
- Taucher, die nach gut zugänglichen Küsteneinstiegen mit guter Unterwassersicht suchen
- Alle, die auf Teneriffa ein echtes, touristenfreies Erlebnis an der Küste suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Kombiniere deinen Besuch mit:
- Basilika Unserer Lieben Frau von Candelaria
Die Basílica de Nuestra Señora de Candelaria an Teneriffas Ostküste ist das spirituelle Herzstück der Kanarischen Inseln. Hier ist die Schutzpatronin des Archipels zu Hause – der Ort zieht Pilger, Geschichtsinteressierte und Architekturbegeisterte gleichermaßen an. Der Eintritt ist kostenlos.
- Cueva del Viento
Die Cueva del Viento entstand durch Ausbrüche des Pico Viejo nahe dem Teide und ist ein weitverzweigtes Lavatubensystem unter der Gemeinde Icod de los Vinos. Der Zugang ist nur mit Führung möglich, das Gelände ist anspruchsvoll – und das Erlebnis sucht auf der Insel seinesgleichen.
- Drago Milenario (Tausendjähriger Drachenbaum)
Mitten in Icod de los Vinos steht der Drago Milenario – einer der ältesten und größten Drachenbäume der Kanarischen Inseln. Als Nationales Monument zieht er Besucher aus ganz Teneriffa an, beeindruckt mit seiner markanten Silhouette, seiner ökologischen Bedeutung und dem gepflegten Park ringsherum.
- Playa de La Arena
Die Playa de La Arena ist ein kompakter, aber gut ausgestatteter Strand mit schwarzem Vulkansand in Puerto de Santiago an Teneriffas ruhigerer Westküste. Mit ruhigen Atlantikwellen, einer echten Strandpromenade und ganzjährigem Badebetrieb für Menschen mit eingeschränkter Mobilität lohnt sich der Besuch für alle, die über die bekannten Südresorts hinausschauen.