Großer Glockenturm (Dazhongsi): Pekings Altes Glockenmuseum im Überblick
An der Norddritten Ringstraße West in Haidian gelegen, beherbergt das Alte Glockenmuseum Dazhongsi eine der größten erhaltenen Bronzeglocken der Welt. Es ist ein ernsthaftes Museumserlebnis, das einen funktionierenden Qing-zeitlichen Tempelkomplex mit einer Spezialsammlung historischer Glocken verbindet – ein Anlaufpunkt für Wissenschaftler, Fotografen und neugierige Reisende gleichermaßen.
Fakten im Überblick
- Lage
- A31 Norddrite Ringstraße West, Bezirk Haidian, Peking
- Anfahrt
- Station Dazhongsi (U-Bahn Linie 12 oder Linie 13)
- Zeitbedarf
- 1,5 bis 2,5 Stunden
- Kosten
- 30 CNY für Erwachsene / 15 CNY ermäßigt; kostenlos für unter 18-Jährige, Personen ab 60, Militärangehörige und Besucher mit anerkannter Behinderung (gültiger Ausweis erforderlich)
- Am besten für
- Geschichtsinteressierte, Architekturliebhaber, ruhige Museumsbesucher, Fotografen
- Offizielle Website
- wwj.beijing.gov.cn/bjww/wwjzzcslm/1729028/1729037/1729027/index.html

Was ist das Alte Glockenmuseum Dazhongsi?
Das Alte Glockenmuseum Dazhongsi, offiziell bekannt als 大钟寺古钟博物馆 (Dàzhōngsì Gǔzhōng Bówùguǎn), ist eine der spezialisiertesten und am wenigsten besuchten Institutionen Pekings. Es befindet sich im Dazhong-Tempel, einer weitgehend intakt erhaltenen religiösen Anlage aus der Qing-Dynastie, und widmet seine Ausstellungshallen einer bemerkenswerten Sammlung antiker chinesischer Glocken aus über zweitausend Jahren Gussgeschichte.
Das Herzstück des gesamten Geländes ist die Yongle-Glocke, eine riesige Bronzeglocke, die während der Regentschaft des Yongle-Kaisers in der frühen Ming-Dynastie in Auftrag gegeben wurde. Innen und außen ist sie mit buddhistischen Sutren in feinem Reliefschrift bedeckt, und ihre Ausmaße, wenn man darunter steht, sind schlicht beeindruckend. Hier hält die Realität, was die Erwartung verspricht.
ℹ️ Gut zu wissen
Das Museum ist montags geschlossen. Dienstag bis Sonntag ist es von 09:00 bis 17:00 Uhr geöffnet, letzter Einlass um 16:30 Uhr. Wer den Yongle-Glocken-Saal ohne Hektik erleben möchte, sollte vor 16:00 Uhr ankommen.
Die Lage: Ein Qing-Tempel neben einer modernen Ringstraße
Der Tempel liegt am südlichen Rand des Bezirks Haidian, eingeklemmt zwischen der Norddritten Ringstraße West und einem Wohnviertel. Von der Straße aus verraten die roten Umfassungsmauern und das traditionelle Tor wenig über das, was dahinter steckt. Sobald man durch den Eingang tritt, nimmt der Lärm der Ringstraße spürbar ab. Die Anlage folgt einer klassischen chinesischen Tempelachse: aufeinanderfolgende Tore, Zeremonialgebäude und Innenhöfe entlang einer zentralen Nord-Süd-Linie.
Haidian ist heute vor allem als Universitäts- und Technologieviertel Pekings bekannt, Heimat der Peking University und einer dichten Ansammlung von Forschungseinrichtungen. Der Tempel steht etwas abseits davon – eine erhaltene religiöse Stätte, die das zwanzigste Jahrhundert überstanden hat. Wer diesen Besuch mit anderen Bezirk Haidian Sehenswürdigkeiten kombiniert, findet den Sommerpalast etwa 8 Kilometer nordwestlich, mit einer U-Bahn-Umstieg erreichbar.
Die Architektur selbst lohnt schon vor dem Erreichen des großen Glockenpavillons einen genauen Blick. Die bemalten Holzdetails an den Torkonstruktionen zeugen von sorgfältiger Restaurierungsarbeit, und die Proportionen der aufeinanderfolgenden Innenhöfe erzeugen ein Gefühl des stufenweisen Ankommens am Herzstück. Im Winter, wenn die Bäume kahl sind, treten die Dachlinien besonders klar hervor.
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Die Yongle-Glocke: Was du wirklich siehst
Die Yongle-Glocke hängt in einem eigenen Pavillon am hinteren Ende der Anlage, aufgehängt in einem eigens dafür angefertigten Holzrahmen. Die Glocke ist nach jedem Maßstab riesig. Auf jeder Außen- und Innenfläche sind buddhistische Sutren auf Chinesisch und Sanskrit eingraviert – mit einer Präzision, die angesichts der technischen Möglichkeiten des frühen Ming-Gusses schwer zu fassen ist. Besucher können das Innere der Glocke durch eine kleine runde Öffnung am Boden betrachten und dabei nach oben in den beschrifteten Innenbogen schauen.
Rund um diese Öffnung hat sich eine Tradition des Münzenwerfens entwickelt: Landet eine Münze darin, gilt das als Glück bringend. An Werktagvormittagen entsteht dadurch ein leises, unregelmäßiges Klingen von Münzen auf Bronze – irgendwie passend für diesen Ort. An Wochenenden ist der Bereich um die Basis voller und die Atmosphäre kippt eher ins Freizeitpark-artige.
💡 Lokaler Tipp
Für das beste Erlebnis mit der Yongle-Glocke empfiehlt sich ein Besuch an einem Werktagvormittag. Der Pavillon ist ruhiger, das Licht durch die Gitterfenster weicher, und man kann ungestört unter der Glocke stehen.
Auch die Akustik des Pavillons ist erwähnenswert. Selbst ohne Läuten hat der geschlossene Raum eine resonante Qualität. Infotafeln rund um den Saal erläutern den Gussprozess und die historische Bedeutung der Glocke – mit englischen Übersetzungen, die allerdings in der Qualität schwanken und manche technischen Beschreibungen etwas Geduld erfordern.
Die Glockensammlung: Mehr als nur ein Objekt
Über die Yongle-Glocke hinaus beherbergt das Museum eine Sammlung von Glocken in mehreren Ausstellungshallen, die verschiedene Dynastien, Gusstechniken und Zeremonialfunktionen repräsentieren. Die Vielfalt ist beeindruckend. Manche Glocken sind klein genug, um sie in einer Hand zu halten; andere erforderten Teams von Handwerkern und monatelange Vorbereitung. Die Beschriftungen geben Auskunft über Dynastie, Herkunftsregion und Verwendungszweck – ob für buddhistische Rituale, konfuzianische Zeremonien oder militärische Signalgebung.
Das macht das Museum zu einer sinnvollen Ergänzung eines Besuchs im Konfuzius-Tempel und Guozijian, wo rituelle Glockenmusik im konfuzianischen Zeremoniell eine zentrale Rolle spielte. Die physischen Objekte hier geben den Zeremonialräumen andernorts in Peking mehr Kontext.
Die Sammlung umfasst auch Glocken aus Korea, Japan und Südostasien und bietet damit eine regionale Perspektive auf Bronzeglocken-Gusstraditionen, die man in einer einzigen Pekinger Institution selten findet. Dieser Bereich wird weniger besucht und lohnt es, hier das Tempo zu drosseln – besonders wenn man Interesse an vergleichender Metallurgiegeschichte oder ostasiatischer religiöser Sachkultur mitbringt.
Wie sich das Erlebnis je nach Tageszeit und Jahreszeit verändert
Wochentags zwischen 09:00 und 11:00 Uhr ist das angenehmste Zeitfenster für einen Besuch. Schulgruppen kommen manchmal gegen Mitte des Vormittags, besonders dienstags und mittwochs – wer bei der Öffnung da ist, hat die erste Stunde fast für sich allein. Das Licht in den Innenhöfen fällt im Herbst und Winter flach und schräg ein, was die architektonischen Details fotografisch interessanter macht.
Ein Sommerbesuch ist durchaus möglich, aber die Hitze in manchen der älteren Ausstellungshallen kann erheblich sein. Der Yongle-Glocken-Pavillon selbst ist nicht klimatisiert, obwohl das hohe Dach und die dicken Mauern etwas Erleichterung bieten. Zwischen Juni und August sollte man Wasser dabei haben und den Besuch auf die kühleren Morgenstunden legen. Der Herbst, besonders Oktober, bietet die beste Kombination aus angenehmen Temperaturen, niedriger Luftfeuchtigkeit und klarer Luft.
Winterbesuche haben eine ganz eigene Qualität. Die kahlen Bäume, ruhigere Besucherzahlen und das flache Winterlicht erzeugen eine Atmosphäre, die man an den beliebtesten Pekinger Sehenswürdigkeiten kaum findet. Wer Peking in den kälteren Monaten besucht, kombiniert diesen Ort gut mit einer breiteren Tempelrunde durch die Stadt, bei der die Nebensaison-Stille alle belohnt, die die Kälte nicht scheuen.
Anreise und praktische Hinweise
Am einfachsten kommt man mit der U-Bahn. Linie 13 hält an der Station Dazhongsi, von der man zu Fuß schnell zum Tempeleingang gelangt. Ab der Station folgt man den Schildern zur Norddritten Ringstraße West; die roten Umfassungsmauern der Anlage sind von der Straße aus sichtbar. Mehrere Buslinien halten hier ebenfalls, darunter die Linien 87, 94, 361, 425, 606, 658, 695, 921 sowie die Sonderlinie 专168 – das macht den Ort von vielen Stadtteilen aus erreichbar, ohne umsteigen zu müssen.
Wer aus dem zentralen Dongcheng anreist, braucht mit der U-Bahn etwa 30 bis 40 Minuten, je nach Startpunkt. Das Museum lässt sich gut mit einem Besuch im Pekinger Zoo, der ein kurzes Stück östlich liegt und über denselben Korridor erreichbar ist, oder mit dem Fünf-Pagoden-Tempel, einem weiteren Spezialmuseum in Haidian, das weit weniger Besucher anzieht, als es verdient.
Der Eintritt kostet 30 CNY für Erwachsene und 15 CNY ermäßigt. Unter 18-Jährige, Personen ab 60 Jahren, aktive Militärangehörige und Besucher mit anerkannter Behinderung erhalten freien Eintritt gegen Vorlage eines gültigen Ausweises. Die Kasse schließt um 16:30 Uhr – das sollte man einplanen, wenn man nachmittags ankommt.
⚠️ Besser meiden
Die offizielle Beschreibung enthält keine detaillierten Angaben zu barrierefreien Zugangswegen, Aufzügen oder zugänglichen Toiletten innerhalb der Anlage. Besucher mit Mobilitätseinschränkungen sollten das Museum direkt kontaktieren oder vorab beim Kulturerbebüro der Stadt Peking nachfragen.
Ehrliche Einschätzung: Für wen es sich lohnt – und für wen nicht
Das Alte Glockenmuseum Dazhongsi ist eine Spezialstätte. Es belohnt Besucher, die mit echter Neugier auf chinesische Sachkultur, Religionsgeschichte oder Bronzeguss kommen – und bietet denjenigen wirkliche Tiefe, die sich darauf einlassen. Das Ambiente ist ansprechend, das Herzstück beeindruckend, und das Gesamterlebnis hat eine Ruhe, die wenige Pekinger Sehenswürdigkeiten erreichen.
Besucher, die ein höheres Tempo bevorzugen, sich hauptsächlich für Pekings kaiserliche Geschichte interessieren oder wenig Zeit in der Stadt haben, werden möglicherweise feststellen, dass der thematisch enge Fokus des Museums den Weg aus den zentralen Bezirken nicht rechtfertigt. Es ist kein breites Überblicksmuseum wie das Nationalmuseum Chinas und sollte auch nicht als solches betrachtet werden. Für Reisende mit mehr als drei Tagen in Peking und dem Wunsch, über die offensichtlichen Routen hinauszugehen, ist es jedoch ein wirklich lohnender Stopp.
Wer wenig Zeit in Peking hat, sollte zunächst die Verbotene Stadt und den Himmelstempel priorisieren. Hierher kommt man, wenn man bereit ist, tiefer in das kulturelle Gefüge der Stadt einzutauchen, statt nur die bekanntesten Highlights abzuhaken.
Fotografieren im Dazhongsi
Der Tempelkomplex bietet starke Bildkompositionen. Die aufeinanderfolgenden Torbögen schaffen natürliche Tiefenrahmen, und der Kontrast zwischen dem rot gestrichenen Holz und dem grauen Hofpflaster zieht sich konsequent durch die gesamte Anlage. Der Yongle-Glocken-Pavillon selbst ist eine Herausforderung: Das Innere ist schwach beleuchtet und die Glocke groß – die Inschriften im Detail einzufangen erfordert eine Kamera, die mit wenig Licht umgehen kann. Wer fotografieren möchte, findet im Peking-Fotoguide Tipps zum Umgang mit dem schwierigen Licht in Tempelinnenräumen.
Aufnahmen der Außenhöfe gelingen am besten am Morgen, wenn die Sonne im Osten steht und die Vorderfassaden der Haupthallen beleuchtet. Am frühen Nachmittag liegt ein Großteil des zentralen Hofes bereits im Schatten. Die Münzwurföffnung am Fuß der Yongle-Glocke ist ein beliebtes Motiv, aber sie scharf einzufangen erfordert Geduld und ruhige Hände angesichts des schwachen Lichts im Pavillon.
Insider-Tipps
- Komm in den ersten 30 Minuten nach der Öffnung an einem Wochentag. Die erste Stunde ist am ruhigsten, und der Pavillon der Yongle-Glocke entfaltet seine besondere Atmosphäre, bevor die ersten Reisegruppen eintreffen.
- Schau dir die Inschriften auf der Innenseite der Glocke durch die Öffnung an der Basis an – nicht nur von außen. Die Dichte der Sanskrit- und chinesischen Texte im Inneren des Doms gehört zu den ungewöhnlichsten Anblicken im Museum.
- Die kleineren Ausstellungshallen zu beiden Seiten der Hauptachse werden von Besuchern, die direkt zur Yongle-Glocke eilen, oft übergangen. Nimm dir hier Zeit – die dynastische Übersicht über kleinere Glocken enthält formal bemerkenswerte Objekte, die man leicht verpasst.
- Wer im Herbst reist: Die Ginkgo-Bäume im Innenhof färben sich Ende Oktober und Anfang November goldgelb und bringen Wärme in den grauen Steinhof. Ein Besuch in dieser Zeit lohnt sich besonders für Fotos.
- Bring Bargeld mit oder stell sicher, dass deine mobile Zahlungs-App (Alipay oder WeChat Pay) eingerichtet ist, bevor du ankommst. Auch wenn Pekings Museen inzwischen viele Zahlungsmethoden akzeptieren, spart man sich damit Stress an der Kasse.
Für wen ist Großer Glockenturm (Dazhongsi) geeignet?
- Reisende mit echtem Interesse an chinesischer Geschichte, Religion oder materieller Kultur
- Fotografen, die einen weniger überlaufenen Tempelkomplex mit starken architektonischen Linien suchen
- Besucher auf ihrer zweiten oder dritten Peking-Reise, die die großen imperialen Stätten bereits kennen
- Wer Haidian mit dem Sommerpalast oder den Universitätscampus-Bereichen kombinieren möchte
- Budgetbewusste Reisende, die freien Eintritt erhalten und ein gehaltvolles Museumserlebnis suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Bezirk Haidian:
- Pekinger Aquarium
Das Pekinger Aquarium ist eines der größten Innenaquarien Asiens und liegt auf dem Gelände des Pekinger Zoos im Bezirk Haidian. Dieser Guide zeigt dir, was dich erwartet, wie du deinen Besuch effizient planst – und ob sich der Eintrittspreis für deinen Reisestil lohnt.
- Fünf-Pagoden-Tempel (Wuta-Tempel)
Offiziell heißt er Pekinger Museum für Steinschnitzkunst, doch der Fünf-Pagoden-Tempel auf dem Gelände des ehemaligen Ming-zeitlichen Zhenjue-Tempels in Haidian ist weit mehr: ein außergewöhnlicher buddhistischer Bau kombiniert mit einer Freilicht-Ausstellung historischer Steinmetzarbeiten, die jeden belohnt, der sich die Zeit nimmt, genauer hinzuschauen.
- Militärmuseum der Chinesischen Volksrevolution
Das Militärmuseum der Chinesischen Volksrevolution liegt an der Fuxing Road 9 im Haidian-Bezirk und zeigt umfangreiche Sammlungen auf über 40.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Es ist eines der größten Militärhistorischen Museen Chinas, der Eintritt ist kostenlos, und ein Besuch füllt locker einen halben Tag – ideal für alle, die sich für die moderne chinesische Geschichte interessieren.
- Alter Sommerpalast (Yuanmingyuan-Ruinenpark)
Einst der prächtigste kaiserliche Gartenkomplex der Welt, wurde der Alte Sommerpalast 1860 zerstört und bewusst als Ruine belassen. Heute bieten seine 350 Hektar mit zerbrochenen Steinskulpturen, lotusbedeckten Seen und bewaldeten Wegen eine völlig andere Art von Peking-Erlebnis: nachdenklich, weitläufig und leise erschütternd.