Olympiastadion Berlin: Geschichte, Anreise und was dich bei deinem Besuch erwartet
Für die Olympischen Sommerspiele 1936 erbaut und 2004 umfassend saniert, gehört das Olympiastadion Berlin zu den architektonisch bedeutendsten Sportstätten Europas. Mit rund 74.500 Plätzen ist es Heimspielstätte von Hertha BSC, Schauplatz großer Konzerte und lädt an besuchsoffenen Tagen zur Stadionbesichtigung ein – vom Rasen bis zum Dachpfad.
Fakten im Überblick
- Lage
- Olympischer Platz 3, 14053 Berlin (Westend, Charlottenburg-Wilmersdorf)
- Anfahrt
- U2 bis Olympia-Stadion; S5/S75 bis Bahnhof Olympiastadion
- Zeitbedarf
- 1,5–2,5 Stunden für den selbstgeführten Rundgang
- Kosten
- Erwachsene 11 € / Ermäßigt 8 € / Kinder (6–14 Jahre) 6 € / Familienkarte 25 € (nur an besuchsoffenen Tagen ohne Veranstaltungen)
- Am besten für
- Geschichtsinteressierte, Architekturbegeisterte, Fußballfans, Familien
- Offizielle Website
- olympiastadion.berlin/en/home

Was ist das Olympiastadion Berlin?
Das Olympiastadion Berlin ist ein großes Mehrzweckstadion im Westend-Viertel von Charlottenburg-Wilmersdorf, etwa zehn Kilometer westlich des Stadtzentrums. Es wurde zwischen 1934 und 1936 nach Plänen des Architekten Werner March errichtet und für die Olympischen Sommerspiele 1936 eröffnet – jene Spiele, mit denen Adolf Hitler Nazideutschland der Welt präsentieren wollte. Dieser politische Kontext lässt sich nicht vom Bauwerk trennen, und das Stadion spricht ihn offen an: Informationstafeln im gesamten Komplex setzen sich direkt mit der Geschichte auseinander, ohne sie zu beschönigen.
Nach einer umfassenden Modernisierung wurde das Stadion am 1. August 2004 mit einer erhöhten Kapazität von rund 74.500 Plätzen wiedereröffnet. Heute ist es Heimspielstätte des Bundesligisten Hertha BSC und Schauplatz internationaler Großereignisse wie UEFA-Finals und Massenkonzerten. An veranstaltungsfreien Tagen öffnet das Stadion seine Türen für geführte und selbstgeführte Besichtigungen – ein Besuch lohnt sich also auch dann, wenn kein Fußball auf dem Programm steht.
⚠️ Besser meiden
Das Besucherzentrum ist an Heimspieltagen von Hertha BSC und anderen Großveranstaltungen geschlossen. Schau vor deinem Besuch auf der offiziellen Website nach, da sich Öffnungszeiten und Zugangsbedingungen kurzfristig ändern können: https://olympiastadion.berlin/en/sightseeing/
Die Architektur: Was du hier eigentlich siehst
Werner Marchs Entwurf greift auf neoklassizistische Formen zurück: mächtige Kalksteinverkleidung, Säulengänge und ein bewusst abgesenktes Spielfeld, das unter Straßenniveau liegt. Von außen wirkt das Stadion imposant, aber nicht erdrückend. Tritt man durch das Haupttor, offenbart sich das wahre Ausmaß: Die Schale fällt unter einem ab, das Spielfeld erstreckt sich auf 105 mal 68 Meter, und die Ränge steigen ringsum in einer kontinuierlichen Kurve an.
Die Renovierung von 2004 brachte ein geschwungenes Teildach, das den größten Teil der Zuschauerränge überspannt, während der charakteristische offene Streifen am oberen Rand erhalten bleibt. So bleibt die historische Silhouette von außen intakt, während das Erlebnis innen deutlich verbessert wurde. Der gestalterische Kontrast zwischen dem Vorkriegskalkstein und der modernen Membrankonstruktion ist aus der Nähe faszinierend – besonders von den oberen Rängen, wo beide Schichten gleichzeitig sichtbar sind.
Wer sich für das weitere architektonische und städtebauliche Erbe der NS-Zeit in Berlin interessiert, sollte auch die Karl-Marx-Allee im Osten der Stadt besuchen sowie das Olympiapark-Gelände rund ums Stadion – mit Glockenturm, dem Maifeld und der Waldbühne.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
Olympiastadion Berlin entrance ticket
Ab 11 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungSkip-the-line ticket for Gemaldegalerie Berlin
Ab 14 €Sofortige BestätigungPanoramapunkt Berlin ticket with skip-the-line option
Ab 9 €Sofortige Bestätigung1-Hour Berlin Spree River Cruise with On-Board Guide
Ab 21 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Die Besichtigung: Was dich erwartet
Der Eingang für Besichtigungen befindet sich im Besucherzentrum am Olympischen Platz 3. Erwachsene zahlen 11 €, ermäßigt 8 € für Studierende, Auszubildende, Menschen mit Behinderung und Gruppen ab zehn Personen. Kinder zwischen 6 und 14 Jahren zahlen 6 €, eine Familienkarte für zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder kostet 27 €. Für ermäßigte Tickets ist ein gültiger Nachweis erforderlich.
Die regulären Besichtigungszeiten beginnen in der Regel um 09:00 Uhr; die Schließzeiten variieren je nach Saison und liegen an geöffneten Tagen zwischen spätem Nachmittag und 20:00 Uhr. Der Rundgang ist größtenteils selbstgeführt: Du bewegst dich durch die Konzourseebenen, steigst zu den Rasenzugängen hinab und kannst Abschnitte des oberen Rundgangs ablaufen. Audioguides sind in mehreren Sprachen erhältlich. Plane bei gemächlichem Tempo etwa 90 Minuten ein; wer alles liest und den vollen Rundgang macht, braucht eher zweieinhalb Stunden.
Das Highlight für die meisten Besucher ist die Rasenhöhe. Wenn man am Rand des Spielfelds steht, wird das Ausmaß der Schale körperlich spürbar. Die unteren Ränge liegen nah am Spielfeld, und die Akustik verleiht selbst einem ruhigen Dienstagmorgen eine ungewöhnliche Resonanz. Das Morgenlicht, das flach über die Osttribüne fällt und lange Schatten über den Rasen wirft, macht frühe Besuche für Fotografen besonders lohnend.
💡 Lokaler Tipp
Wer vor 10:00 Uhr an Wochentagen kommt, hat das Stadion fast für sich. Ab dem späten Vormittag – besonders im Frühling und Frühsommer – kommen verstärkt Schulklassen. Allgemeine Touristengruppen treffen an Wochenenden meist nach 11:00 Uhr ein.
Historischer Kontext: 1936 und seine Schwere
Die Berliner Olympischen Spiele von 1936 waren die ersten Spiele, die im Fernsehen übertragen wurden, und die ersten, bei denen der Fackellauf als zeremonielle Eröffnung eingeführt wurde. Sie waren zugleich eine sorgfältig inszenierte Propagandashow. Jesse Owens' vier Goldmedaillen in diesem Stadion wurden zu einem der bedeutendsten Momente der Sportgeschichte – gerade weil sie die Rassenideologie des Gastgeberregimes offen herausforderten. Die Ausstellungsmaterialien des Stadions gehen mit einer Ernsthaftigkeit auf diese vielschichtige Geschichte ein, die es von einem gewöhnlichen Stadionrundgang abhebt.
Das Stadion überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt und diente der britischen Rheinarmee von 1945 bis in die 1990er Jahre als Militärstützpunkt. Diese lange Nachkriegsgeschichte bedeutet, dass das Gebäude mehrere Nutzungsepochen in sich trägt und kein reines Denkmal seines Ursprungsmoments ist. Diese angesammelte Geschichte macht einen Besuch hier deutlich nachdenklicher als den durchschnittlichen Stadionrundgang.
Wer das Olympiastadion in eine breitere Auseinandersetzung damit einordnen möchte, wie Berlin mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit umgeht, findet im Topographie des Terrors und dem Holocaust-Mahnmal unverzichtbare ergänzende Perspektiven. Unser Berlin-Gedenkstätten-Guide stellt diese und weitere Orte in der ganzen Stadt vor.
Anreise und Orientierung vor Ort
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist unkompliziert. Die U2 hält an der Station Olympia-Stadion, die nur wenige Gehminuten vom Haupteingang entfernt liegt. Die S-Bahn-Linien S3 und S9 bedienen den Bahnhof Olympiastadion auf der Südseite des Geländes. An veranstaltungsfreien Tagen funktionieren beide Optionen problemlos und ohne Gedränge. An Spieltagen oder Konzertnächten solltest du mit sehr vollen S-Bahn-Bahnsteigen nach der Veranstaltung rechnen – in solchen Situationen ist die U2 oft die schnellere Wahl.
Parkmöglichkeiten sind vorhanden, und an veranstaltungsfreien Wochentagen findet man in der Regel problemlos einen Platz. Die Anreise mit dem Fahrrad ist aufgrund der parkähnlichen Umgebung des Olympiaparks gut möglich; Fahrradständer befinden sich in der Nähe des Eingangsbereichs.
Rollstuhlfahrer können das Stadion über den Eingang des Besucherzentrums erreichen. Rollstuhlplätze befinden sich in Reihe 41, mit barrierefreiem Zugang zum unteren Konzours auf Höhe der Blöcke C/D, G/H, J/K, N, Q/R und S/T sowie barrierefreien Toiletten im gesamten Stadion. Die Konzoursebenen sind weitgehend eben, doch einige Aussichtspositionen sind nur über Stufen ohne Rampenalternative erreichbar.
Fotografie, Timing und praktische Hinweise
Das Olympiastadion ist zu jeder Tageszeit fotografisch reizvoll, aber das Licht verändert sich erheblich. Morgenbesuche bei klarem Himmel bringen kräftiges gerichtetes Licht von Osten, das die Kalksteinfassade wunderbar modelliert. Das Mittagslicht ist flach und eignet sich am besten für weite Innenaufnahmen. Am späten Nachmittag wandert die Sonne nach Westen, beleuchtet das obere Dach und eröffnet Silhouettenmotive vor dem offenen Streifen.
Ein Weitwinkelobjektiv empfiehlt sich, wenn du das gesamte Rund vom Rasen aus erfassen möchtest. Teleaufnahmen funktionieren gut von den oberen Rängen mit Blick hinunter auf die Tore. Die Fotografie für den persönlichen Gebrauch ist im gesamten Besichtigungsbereich erlaubt; kommerzielle Aufnahmen oder Drohnenflüge bedürfen einer vorherigen Genehmigung durch die Stadionverwaltung.
Trag bequeme, flache Schuhe. Der Konzours ist zwar glatt, aber weitläufig, und die Stufen zwischen den Rängen sind steiler als in vielen modernen Stadien. Besondere Kleidung für das Wetter ist nicht nötig, da weite Teile des Rundgangs unter dem Dach geschützt sind – der Rasenbereich und der obere Rundgang sind jedoch offen, daher empfiehlt sich in kühleren Monaten eine zusätzliche Schicht.
ℹ️ Gut zu wissen
Der umliegende Olympiapark umfasst die Waldbühne und den 77,2 Meter hohen Glockenturm, der einen Panoramablick über die Stadt bietet. Beide lohnen sich als Ergänzung zum Stadionbesuch, wenn die Zeit es zulässt.
Für wen lohnt sich der Besuch – und für wen nicht?
Das Olympiastadion belohnt Besucher, die mit einem echten historischen Interesse kommen. Wer es rein als Fußballstadion betrachtet und sich nicht für den Kontext von 1936 interessiert, wird den selbstgeführten Rundgang möglicherweise als langen Spaziergang durch ein leeres Stadion empfinden. Es sind die interpretativen Inhalte, die den Besuch über das rein Spektakuläre hinaus heben.
Familien mit Kindern bekommen in der Regel viel für ihr Geld: Die schiere Größe beeindruckt jüngere Besucher, der Zugang zum Rasen ist wirklich aufregend, und die Familienkarte ist preislich fair. Ältere Kinder, die in der Schule bereits den Zweiten Weltkrieg behandelt haben, finden die Ausstellungstafeln meist spannend statt trocken.
Wer wenig Zeit in Berlin hat und Prioritäten setzen muss, sollte wissen, dass das Olympiastadion am westlichen Stadtrand liegt – weit entfernt vom Cluster der zentralen Sehenswürdigkeiten. Wenn dein Programm bereits voll ist, überleg dir, ob Reichstag, Museumsinsel oder andere zentrale Sehenswürdigkeiten Vorrang haben sollten. Das Stadion passt besser in einen zweiten Tag oder einen Berlin-Aufenthalt von mindestens drei Tagen. Unser 3-Tage-Berlin-Reiseplan zeigt, wie du es effizient mit den Sehenswürdigkeiten im Westteil der Stadt kombinieren kannst.
Wer große, offene Räume scheut oder Schwierigkeiten mit längeren Gehstrecken hat, wird das Gelände körperlich anspruchsvoll finden. Der vollständige selbstgeführte Rundgang legt eine beträchtliche Strecke zurück, und entlang des Konzourses gibt es außerhalb der eigentlichen Sitzbereiche kaum Sitzmöglichkeiten.
Insider-Tipps
- Schau vor der Buchung auf den Veranstaltungskalender der offiziellen Website: An Heimspieltagen von Hertha BSC und großen Konzerttagen ist das Besucherzentrum komplett geschlossen, und die umliegenden Straßen füllen sich bereits Stunden vor dem Anpfiff.
- Der Glockenturm im benachbarten Olympiapark bietet einen der weniger besuchten Panoramablicke Berlins. Eine Kombination aus Spaziergang durch den Olympiapark und Stadionbesichtigung ergibt einen abwechslungsreichen halben Tag – ohne öffentliche Verkehrsmittel zwischen den Stationen zu benötigen.
- Wenn du lieber ein Hertha-BSC-Heimspiel erleben möchtest als eine Besichtigung, kaufe die Tickets rechtzeitig über die offiziellen Kanäle des Vereins. Beliebte Spiele sind Wochen im Voraus ausverkauft, und die Stadionatmosphäre bei nahezu voller Auslastung ist eine völlig andere Erfahrung als ein ruhiger Besichtigungsrundgang.
- Die Waldbühne, ein Freiluftamphitheater fünf Gehminuten westlich des Stadions, veranstaltet Sommerkonzerte in einem Waldambiente. Wenn dein Berlin-Besuch mit einer Veranstaltung dort zusammenfällt, ist die Kombination aus Location und Atmosphäre definitiv einen Abend wert.
- Anfang September ist ein verlässlich guter Reisezeitpunkt: Die Sommermassen haben sich gelegt, das Grün rund ums Stadion sieht noch gut aus, und das natürliche Licht trifft den Großteil des Vormittags aus einem günstigen Winkel.
Für wen ist Olympiastadion Berlin geeignet?
- Architektur- und Designbegeisterte, die sich für das monumentale Bauen der 1930er Jahre und dessen Wandel nach dem Krieg interessieren
- Geschichtsreisende, die sich mit den Olympischen Spielen von 1936 auf eine räumlich erfahrbare Weise auseinandersetzen möchten – jenseits des klassischen Museumsbesuchs
- Fußballfans, besonders Anhänger von Hertha BSC oder Besucher internationaler Spiele
- Familien mit Kindern ab etwa 8 Jahren, die sich auf die historischen Inhalte einlassen können
- Fotografen, die an Projekten über deutsches Stadtbild oder Sporterbe arbeiten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Kombiniere deinen Besuch mit:
- Grunewald
Der Grunewald ist Berlins größtes zusammenhängendes Waldgebiet – 3.000 Hektar im Westen der Stadt. Eintritt frei, rund um die Uhr zugänglich, mit Seen, Wanderwegen, einem Renaissancejagdschloss und echter Stille mitten in einer der großen Hauptstädte Europas.
- Haus der Wannsee-Konferenz (Gedenk- und Bildungsstätte)
Am 20. Januar 1942 trafen sich fünfzehn NS-Funktionäre in einer Seevilla im Südwesten Berlins und koordinierten den systematischen Mord an den europäischen Juden. Das Haus der Wannsee-Konferenz ist heute eine Gedenkstätte und Bildungsstätte. Der Eintritt ist frei. Das Erlebnis bleibt unvergesslich.
- Schloss Sanssouci und Park (Potsdam)
Zwischen 1745 und 1747 für Friedrich den Großen erbaut, ist Schloss Sanssouci Deutschlands bekanntestes königliches Sommerdomizil. Inmitten eines UNESCO-geschützten Parks mit Weinbergterrassen, Fontänen und barocken Pavillons direkt vor Potsdam – wer früh kommt und lang bleibt, wird belohnt.
- Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Rund 30 km nördlich von Berlin in Oranienburg gelegen, befindet sich die Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen auf dem Gelände eines NS-Konzentrationslagers, in dem zwischen 1936 und 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert waren. Der Eintritt ist frei. Ein Besuch dauert mindestens drei Stunden und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.