Old State House: Bostons ältestes erhaltenes öffentliches Gebäude
Das 1713 erbaute und nach einem Brand von 1748 wiederhergestellte Old State House in der Washington Street 206 ist Bostons ältestes erhaltenes öffentliches Gebäude. Es liegt am Freedom Trail und gehört zu den bedeutendsten Schauplätzen der Amerikanischen Revolution – hier wurde die Unabhängigkeitserklärung erstmals öffentlich verlesen, und nur wenige Schritte von seiner Ostwand entfernt kam es beim Boston Massacre zum blutigen Zusammenstoß zwischen britischen Soldaten und Kolonisten.
Fakten im Überblick
- Lage
- 206 Washington Street, Downtown Boston, MA 02109 (Ecke Washington & State Street)
- Anfahrt
- State Street Station (Blue Line, MBTA) – das Gebäude ist direkt vom Ausgang der Station aus sichtbar
- Zeitbedarf
- 45 Minuten bis 1,5 Stunden, je nachdem wie intensiv du die Ausstellungen erkundest
- Kosten
- Erwachsene ca. 10 $, Senioren/Studierende ca. 8,50 $, Kinder bis 18 Jahre frei (aktuelle Preise vor dem Besuch auf revolutionaryspaces.org prüfen)
- Am besten für
- Amerikanische Geschichtsinteressierte, Freedom-Trail-Wanderer, Familien mit älteren Kindern, Architekturliebhaber
- Offizielle Website
- revolutionaryspaces.org

Was das Old State House eigentlich ist
Das Old State House ist ein dreigeschossiger georgianischer Backsteinbau aus dem Jahr 1713 – damit ist es das älteste erhaltene öffentliche Gebäude in Boston und eines der ältesten in den gesamten Vereinigten Staaten. Ursprünglich als Sitz der Kolonialregierung von Massachusetts errichtet, beherbergte es den Massachusetts General Court und den Gouverneursrat. Nach einem Brand im Jahr 1748 wurde es weitgehend wiederaufgebaut, wobei Charakter und Grundriss des Gebäudes erhalten blieben. Als Sitz des Massachusetts General Court diente es bis 1798, als das neue State House auf dem Beacon Hill eröffnet wurde.
Heute wird das Gebäude von Revolutionary Spaces verwaltet, einer gemeinnützigen Organisation, die auch das Old South Meeting House betreibt. Im Inneren befindet sich ein Geschichtsmuseum mit Schwerpunkt auf der Revolutionszeit und zwei Ausstellungsgeschossen. Das Besondere am Old State House ist nicht nur sein Alter, sondern seine Lage: Es steht genau dort, wo koloniale Regierung, Handel und gewaltsame Auseinandersetzungen aufeinandertrafen. Das Gebäude wurde nicht versetzt oder an anderer Stelle neu errichtet. Es steht noch immer genau dort, wo es seit mehr als drei Jahrhunderten steht – heute umgeben von Glastürmen und dem geschäftigen Fußgängerverkehr von Downtown Boston.
💡 Lokaler Tipp
Die State Street Station der Blue Line bringt dich fast direkt vor das Gebäude. Das Old State House ist bereits sichtbar, sobald du die U-Bahn-Treppe verlässt. Keine Orientierung nötig.
Die Geschichte, die du kennen solltest, um zu verstehen, was du siehst
Das Old State House zu besuchen, ohne seine Geschichte zu kennen, bedeutet, das Wesentliche zu verpassen. Das Gebäude war jahrzehntelang das Nervenzentrum des kolonialen Massachusetts. Britische Gouverneure verkündeten Proklamationen aus seinen Obergemächern. Der Massachusetts General Court diskutierte innerhalb seiner Mauern über Steuern, Freiheiten und den wachsenden Konflikt mit der Krone. Vom Ostbalkon, der noch heute über die State Street ragt, wurde am 18. Juli 1776 die Unabhängigkeitserklärung erstmals öffentlich den Bostonern vorgelesen.
Doch der aufgeladenste Moment des Ortes ereignete sich noch vor der Unabhängigkeit. Am 5. März 1770 eskalierte eine Auseinandersetzung zwischen Kolonisten und britischen Soldaten vor der Ostwand des Gebäudes: Die Soldaten feuerten in die Menge und töteten fünf Menschen. Das Ereignis, das als Boston Massacre in die Geschichte einging, wurde von den Patriotenführern sofort als Beweis für britische Tyrannei genutzt. Paul Reveres Stich der Szene wurde innerhalb von Wochen als Propagandamaterial durch die Kolonien verbreitet. Ein Kreis aus Kopfsteinpflaster in der Straße markiert noch heute die Stelle, an der die Opfer fielen – nur wenige Schritte vom Eingang des Gebäudes entfernt.
Die Ostfassade des Gebäudes zeigt zwei auffällige Symbole, die auf heutige Augen befremdlich wirken: einen Löwen und ein Einhorn, die für die britische Krone stehen. Es handelt sich um Reproduktionen – die Originale wurden 1776 bei einer öffentlichen Verlesung der Unabhängigkeitserklärung heruntergerissen und verbrannt. Ihre Wiederanbringung bei einer Restaurierung im 19. Jahrhundert war eine bewusste historische Anerkennung, kein loyalistisches Bekenntnis. Für einen umfassenderen Überblick über Bostons revolutionäre Geschichte bietet der Boston-Geschichtsführer eine fundierte Übersicht von der Kolonialzeit bis zur Revolution.
Der Besuch: Was dich Stockwerk für Stockwerk erwartet
Der Eingang über die Washington Street führt durch einen schmalen Durchgang, der sofort das Alter des Gebäudes spürbar macht. Die Decken sind nach heutigen Maßstäben niedrig, die Dielen knarren mit authentischer Abnutzung, und der Geruch im Inneren ist leicht modrig – so wie es bei alten Backsteingebäuden, besonders an feuchten Tagen, oft der Fall ist. Im Erdgeschoss gibt es Orientierungsausstellungen und Einführungsdisplays mit Artefakten, Dokumenten und zeitgenössischen Reproduktionen. Die Beschriftungen sind klar und verständlich, auch für Besucher ohne Vorkenntnisse zur Kolonialzeit.
Die Obergeschosse haben das stärkere inhaltliche Gewicht. Ausstellungen befassen sich mit dem Boston Massacre, den politischen Debatten auf dem Weg zur Unabhängigkeit und der Rolle des Gebäudes als Handelsbörse und Regierungssitz zugleich. Originaldokumente, historische Karten und Objekte mit Bezug zu konkreten Ereignissen sind in Vitrinen ausgestellt. Der Ostbalkon – genau jene Stelle, von der aus 1776 die Unabhängigkeitserklärung verlesen wurde – ist vom Obergeschoss aus einsehbar. Je nach Tag und Personaleinsatz sind manchmal Docents vor Ort, die Fragen beantworten und auf Details hinweisen, die Besucher sonst leicht übersehen.
⚠️ Besser meiden
Barrierefreiheit: Das Old State House ist nur über Treppen zugänglich. Es gibt keinen Aufzug. Besucher, die keine Treppen steigen können, haben keinen Zugang zu den Ausstellungsgeschossen im Oberbereich. Informiere dich vor deinem Besuch bei Revolutionary Spaces über aktuelle Regelungen zur Barrierefreiheit.
Das Museum ist kompakt. Wer sich wirklich für den Inhalt interessiert, verbringt 45 Minuten bis eine Stunde im Inneren. Wer jedes Schild liest und das Gespräch mit einem Docent sucht, kann den Besuch auf 90 Minuten ausdehnen. Wer den Freedom Trail zügig abläuft und das hier als einen von mehreren Stopps behandelt, kommt mit 30 bis 45 Minuten aus, um die wichtigsten Ausstellungen zu sehen und einen Blick in Richtung Balkon zu werfen.
Wie sich das Erlebnis je nach Tageszeit verändert
Die Kreuzung von Washington und State Street gehört zu den am stärksten frequentierten Fußgängerkreuzungen in Downtown Boston. An Werktagen in der morgendlichen Rushhour strömen Büroangestellte aus der State Street Station und eilen an der Fassade des Gebäudes in beide Richtungen vorbei. Das Old State House um 8:30 Uhr an einem Dienstag wirkt wie ein Museum, das trotz der Stadt überlebt hat – uralter Backstein, eingekeilt zwischen Glastürmen, während Pendler kaum einen Blick auf den Kopfsteinpflaster-Gedenkstein zu ihren Füßen werfen.
Für Besucher bieten Werktage am späten Vormittag die ruhigsten Bedingungen im Inneren. Kreuzfahrtgruppen und Schulklassen treffen in der Regel ab dem späten Vormittag ein und erreichen ihren Höhepunkt um die Mittagszeit, besonders von Ende Frühling bis Frühherbst. Wer die Ausstellungen möglichst für sich haben möchte, sollte um 9:00 oder 9:30 Uhr eintreten. An Sommernachmittagen kann das Erdgeschoss wegen seiner geringen Größe schnell voll wirken, während die Obergeschosse sich meist schnell wieder leeren. An Wochenendvormittagen kommen Freedom-Trail-Wanderer, weshalb es belebter ist als an vergleichbaren Werktagen.
Von Ende Oktober bis Anfang Dezember nehmen die Besucherzahlen spürbar ab. Das Außengelände wirkt im Herbst besonders atmosphärisch, wenn das Licht tiefer steht und die Bäume in den kleinen Grünflächen nahe Faneuil Hall Farbe zeigen. Winterbesuche sind wenig frequentiert, und die Abwesenheit des Fußgängerstroms draußen macht es leichter, ruhig am Gedenkstein zu stehen – was dem Moment deutlich mehr Schwere verleiht.
Das Old State House auf dem Freedom Trail
Das Old State House ist einer von 16 offiziellen Stopps auf dem Freedom Trail, dem rund vier Kilometer langen Rundweg durch Bostons revolutionäre und koloniale Stätten. Es liegt ungefähr in der Mitte des innerstädtischen Abschnitts des Trails und ist damit ein natürlicher Wendepunkt. Von hier aus kannst du nach Norden in Richtung Faneuil Hall und North End weitergehen oder nach Süden zum Granary Burying Ground und Boston Common. Da das Gebäude an einer wichtigen Kreuzung liegt, ist kein Umweg nötig: Der Trail führt direkt daran vorbei.
Wenn du das Old State House mit anderen Stopps in der Innenstadt kombinierst, bietet sich eine Verbindung mit dem nahegelegenen Faneuil Hall Marketplace (drei Minuten zu Fuß nach Norden) und dem Granary Burying Ground (etwa zehn Minuten zu Fuß) an. Diese drei Orte zusammen bieten einen kompakten, aber inhaltlich dichten Überblick über Bostons Kolonial- und Revolutionszeit – ohne einen ganzen Tag einzuplanen.
Praktische Informationen für den Besuch
Das Gebäude öffnet in der Hauptsaison in der Regel täglich um 10:00 Uhr, die Schließzeit liegt meist gegen 17:00 Uhr – genaue Zeiten können je nach Jahreszeit variieren. Überprüfe die aktuellen Öffnungszeiten vor deinem Besuch auf revolutionaryspaces.org. Der Eintritt beträgt ca. 10 $ für Erwachsene, 8,50 $ für Senioren und Studierende, und ist für Kinder bis 18 Jahre kostenlos. Bostons Einwohner haben möglicherweise Anspruch auf vergünstigte oder kostenlose Eintrittsprogramme – die Website des Betreibers gibt Auskunft über aktuelle Angebote.
Die Anreise ist unkompliziert. Die State Street Station der MBTA Blue Line – mit Umsteigemöglichkeit zur Orange Line über den angrenzenden U-Bahn-Komplex – liegt direkt daneben. Sobald du die Station verlässt, brauchst du keine Karte mehr. Wer vom Faneuil Hall kommt, läuft drei Minuten südlich entlang der Congress Street. Vom Boston Common aus sind es etwa zehn Minuten zu Fuß nordöstlich, zunächst über Tremont, dann die Washington Street entlang.
Fotografieren ist im Inneren in der Regel ohne Blitz gestattet. Die Außenseite – besonders die Ostfassade mit den Löwen- und Einhorn-Schnitzereien – kommt im Morgenlicht am besten zur Geltung, wenn die Washington Street noch weniger belebt ist. Wer mit Kindern reist: Die Ausstellungen sind textlastig und am interessantesten für Kinder ab etwa zehn Jahren. Jüngere Kinder mögen das sichtbare Alter des Gebäudes und die Geschichte des Gedenksteins auf der Straße spannend finden, aber das Innere wird ihre Aufmerksamkeit nach spätestens 20 Minuten verlieren. Für einen umfassenderen Überblick über familienfreundliche Möglichkeiten in der Stadt bietet der Boston mit Kindern nützliche Planungshilfe.
ℹ️ Gut zu wissen
Der Gedenkstein für das Massaker liegt vor dem Osteingang und ist leicht zu übersehen. Achte auf einen Kreis aus Kopfsteinpflaster im Straßenbelag der State Street, direkt östlich der Gebäudeecke. Er markiert den Ort, an dem am 5. März 1770 fünf Menschen getötet wurden.
Lohnt sich der Besuch?
Das Old State House belohnt Besucher, die sich auf den Kontext einlassen. Das Gebäude selbst ist überschaubar in seiner Größe, und die Ausstellungen sind zwar informativ, aber nicht so aufwändig gestaltet wie jene im Boston Tea Party Ships and Museum, das nur wenige Blocks südlich liegt. Wer vor allem Spektakel oder interaktive Erlebnisse sucht, wird hier eher wenig Aufregendes finden. Wer hingegen authentische Orte schätzt, an denen Geschichte tatsächlich stattgefunden hat, bekommt beim Old State House etwas, das neuere und größere Attraktionen nicht bieten können: den echten Raum, das echte Gebäude, die echte Straßenecke.
Wer den gesamten Freedom Trail an einem einzigen Tag ablaufen möchte, neigt manchmal dazu, das Old State House – eingeklemmt zwischen bekannteren Sehenswürdigkeiten – zu hetzen. Das ist ein Fehler, den es zu vermeiden gilt. Wer hier 45 konzentrierte Minuten verbringt – einschließlich Zeit am Gedenkstein draußen und einem Blick auf den Balkon – gewinnt ein differenzierteres Verständnis der Revolution als bei einem deutlich längeren Besuch an einem rekonstruierten Ort. Wer noch tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, findet im Boston-Tea-Party-Geschichtsführer einen nützlichen roten Faden, der viele der gleichen Ereignisse und Persönlichkeiten miteinander verbindet.
Insider-Tipps
- Der Kopfsteinpflaster-Gedenkstein für das Boston Massacre liegt mitten in einer aktiv befahrenen Straße. Stell dich auf keinen Fall in den Verkehr, um ihn zu fotografieren. Stell dich auf den angrenzenden Bordstein und fotografiere von der Seite – so bekommst du einen sauberen Winkel, der sowohl den Stein als auch die Ostfassade des Gebäudes zeigt.
- Frag beim Eingang, ob während deines Besuchs eine Führung mit einem Docent stattfindet. Diese Touren beleuchten Details zu einzelnen Exponaten und zur Baugeschichte, die auf den Ausstellungstafeln nicht zu finden sind.
- Der Ostbalkon, von dem aus die Unabhängigkeitserklärung erstmals verlesen wurde, bietet einen ungewöhnlichen Blick über die State Street und die modernen Glastürme ringsum. Dieser Kontrast zwischen dem Backsteinbau von 1713 und der heutigen Skyline ist eine der eindrucksvollsten Kompositionen in Downtown Boston – und nur vom Obergeschoss aus zu sehen.
- Kombitickets, die das Old State House und das Old South Meeting House (ebenfalls von Revolutionary Spaces betrieben) verbinden, sind erhältlich und lohnen sich finanziell, wenn du beide Orte besuchen möchtest. Zusammen erzählen diese zwei Stätten die Geschichte des Wegs zur Revolution in Boston besonders vollständig.
- Im Winter ist die Gegend rund um die State Street deutlich weniger überlaufen, und die Backsteinfront des Gebäudes vor grauem Himmel wirkt fotografisch viel dramatischer als im Sommer, wenn Markisen, Menschenmassen und hartes Licht das Bild bestimmen.
Für wen ist Old State House geeignet?
- Amerikanische Geschichtsinteressierte, die in den originalen Räumen stehen wollen, in denen die Revolution Form annahm – nicht in einer Rekonstruktion
- Freedom-Trail-Wanderer, die einen inhaltlich bedeutsamen Stopp suchen und nicht nur ein schnelles Foto
- Architektur- und Denkmalpflege-Reisende mit Interesse an georgianischen Kolonialbauten und adaptiver Weiternutzung
- Familien mit Kindern ab 10 Jahren, die amerikanische Geschichte lernen und von konkreten historischen Orten profitieren
- Besucher, die kleine, fokussierte Museen großen, überwältigenden Häusern vorziehen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Downtown & Financial District:
- Boston Common
Der 1634 gegründete Boston Common ist der älteste öffentliche Park der Vereinigten Staaten und der bürgerliche Mittelpunkt der Innenstadt. Der Eintritt ist kostenlos, der Park ganzjährig geöffnet – er ist Treffpunkt für Einheimische, Wahrzeichen des Freedom Trail und Ausgangspunkt für alles, was die Stadt zu bieten hat.
- Walbeobachtung im Bostoner Hafen
Das New England Aquarium Whale Watch in Zusammenarbeit mit Boston Harbor City Cruises schickt einen schnellen Katamaran vom Long Wharf zum Stellwagen Bank National Marine Sanctuary – einem der produktivsten Walnahrungsgebiete an der Ostküste. Mit Meeresbiologen des Aquariums an Bord und einer Walsichtungsgarantie ist das eine der wenigen Boston-Erfahrungen, die wirklich hält, was sie verspricht.
- Boston Public Market
Täglich von 8:00 bis 20:00 Uhr geöffnet und kostenloser Eintritt – der Boston Public Market vereint mehr als 30 Bauern, Fischer und Lebensmittelhandwerker aus New England in einer ganzjährig geöffneten Markthalle direkt über der Haymarket Station. Er ist der erste öffentliche Markt in den USA, bei dem ausnahmslos alle Produkte aus New England stammen müssen.
- Custom House Tower
Mit 151 Metern Höhe über dem McKinley Square war der Custom House Tower rund ein halbes Jahrhundert lang das höchste Gebäude Bostons – bis 1964. Heute gehört er zum Marriott Vacation Club, und seine kostenlosen öffentlichen Aussichtsdecken-Touren sind ein echter Geheimtipp für einen Panoramablick auf Hafen und Skyline.