Maisel-Synagoge: Prags Jüdisches Viertel in Stein und Silber
Zwischen 1590 und 1592 für den reichsten Mann der böhmischen jüdischen Gemeinde erbaut, steht die Maisel-Synagoge im Herzen von Josefov – als architektonisches Wahrzeichen und Tor zu zehn Jahrhunderten jüdischen Lebens in Böhmen und Mähren. Heute beherbergt sie eine der bedeutendsten Dauerausstellungen des Jüdischen Museums Prag.
Fakten im Überblick
- Lage
- Maiselova 10, Josefov (Prag 1)
- Anfahrt
- Metro Linie A – Staroměstská; Tram 17 bis Staroměstská (ca. 3 Minuten zu Fuß)
- Zeitbedarf
- 45–90 Minuten
- Kosten
- Kombiniertes Ticket des Jüdischen Museums (aktuellen Preis auf jewishmuseum.cz prüfen); kein Einzelticket erhältlich
- Am besten für
- Geschichtsinteressierte, Architekturliebhaber, Reisende auf den Spuren jüdischen Erbes
- Offizielle Website
- www.jewishmuseum.cz/en/explore/sites/maisel-synagogue

Was ist die Maisel-Synagoge?
Die Maisel-Synagoge ist eine spätrenaissance-zeitliche Synagoge, die später im neugotischen Stil umgebaut wurde. Sie liegt an der Maiselova im Josefov, dem historischen jüdischen Viertel Prags. Auftraggeber war 1590 Mordecai Maisel, ein Financier und bedeutender Förderer der jüdischen Gemeinde Prags, der enge Beziehungen zum Hof Kaiser Rudolfs II. pflegte. Das Gebäude, das du heute siehst, wurde zwischen 1893 und 1905 im neugotischen Stil neu errichtet – doch die Geschichte, die es erzählt, reicht weit weiter zurück.
Die Synagoge ist einer von sechs Standorten des Jüdischen Museums Prag, und der Eintritt ist nur mit einem kombinierten Museumsticket möglich. Der Besuch hier ist also ganz natürlich Teil eines größeren Spaziergangs durch Josefov – ein Viertel, dessen Kopfsteinpflaster und vielschichtige Geschichte sich beim langsamen Erkunden erst richtig erschließen.
ℹ️ Gut zu wissen
Der Eintritt zur Maisel-Synagoge ist im kombinierten Ticket des Jüdischen Museums Prag enthalten, das auch die Spanische Synagoge, die Pinkas-Synagoge, den Alten Jüdischen Friedhof, die Zeremonienhalle und die Klausen-Synagoge umfasst. Ein Einzelticket für einzelne Standorte gibt es nicht. Den aktuellen Preis vor dem Besuch auf jewishmuseum.cz prüfen.
Die Geschichte hinter dem Gebäude
Mordecai Maisel finanzierte den Bau der ursprünglichen Synagoge aus seinem eigenen Vermögen – als persönliches Geschenk an die jüdische Gemeinde. Rudolf II. erteilte dem Projekt eine besondere kaiserliche Genehmigung, ein ungewöhnliches Zugeständnis, das Maisels Stellung am Hof und die bekannte Offenheit des Kaisers gegenüber jüdischen Gelehrten und Wissenschaftlern in Prags spätrenaissance-zeitlicher Blütezeit widerspiegelte. Das ursprüngliche Bauwerk galt als eine der prächtigsten privaten Synagogen Mitteleuropas.
Nach Maisels Tod im Jahr 1601 wurden sein Vermögen von den habsburgischen Behörden beschlagnahmt und die Synagoge wechselte in den folgenden Jahrhunderten mehrfach Besitzer und Funktion. Ein verheerender Brand im Jahr 1689 zerstörte weite Teile des ursprünglichen spätrenaissance-zeitlichen Innenraums, der zwischen 1590 und 1592 entstanden war. Was übrig blieb, wurde wiederaufgebaut, verändert und schließlich im Zuge der neugotischen Renovierung von 1893 bis 1905 grundlegend umgestaltet – damals entstanden die spitzen Bögen, das Rippengewölbe und die helle Steinfassade zur Maiselova, die das Gebäude heute prägen.
Um zu verstehen, wie die Maisel-Synagoge in den größeren Zusammenhang des jüdischen Prags einzuordnen ist, lohnt es sich, sie im Kontext der Geschichte von Prags Jüdischem Viertel zu betrachten. Josefov wurde um die Wende zum 20. Jahrhundert fast vollständig abgerissen und neu bebaut, doch die wichtigsten Synagogen blieben erhalten – eine Ansammlung von Gebäuden, die in Mitteleuropa ihresgleichen sucht.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
Classical Concert in Spanish Synagogue in Prague
Ab 39 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungPrague Jewish Quarter guided walking tour with synagogue visits
Ab 81 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungSelf guided tour with interactive city game of Prague
Ab 5 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungPrague by night city tour
Ab 27 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Die Dauerausstellung: Jüdische Geschichte in Böhmen und Mähren
Das Innere der Synagoge beherbergt heute eine Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte in Böhmen und Mähren vom 10. bis zum 18. Jahrhundert. Sie beginnt mit den frühesten dokumentierten Belegen jüdischer Siedlungstätigkeit in den böhmischen Ländern und verfolgt die Entwicklung der Gemeinde durch mittelalterliche Verfolgung, renaissance-zeitliche Blüte und die Anfänge der Aufklärung.
In den Vitrinen entlang des Kirchenschiffs finden sich silberne Toraaufsätze, Chanukkaleuchter, Kidduschbecher und textile Kultgegenstände – viele davon von außergewöhnlicher handwerklicher Qualität. Die Sammlung dokumentiert nicht nur die religiöse Praxis, sondern auch die rechtlichen und alltäglichen Dimensionen jüdischen Lebens: Zunftbeschränkungen, Grundstückskaufverbote und die periodischen Ausweisungen, die die jahrhundertelange Präsenz in Prag immer wieder unterbrachen. Die Ausstellungstafeln sind auf Tschechisch und Englisch verfasst und inhaltlich anspruchsvoll genug für Fachkundige – dabei aber auch ohne Vorwissen zugänglich.
Das Gebäude selbst ist Teil der Ausstellung. Die neugotischen Bögen und Buntglasfenster erzeugen eine kühlere, stillere Atmosphäre als die ornamentreichere Spanische Synagoge wenige Straßen weiter. Das Morgenlicht durch die Ostfenster trifft die Silberobjekte im Sommer gegen 10 Uhr – in einer Qualität, die darauf hindeutet, dass die Kuratoren die Platzierung der Schlüsselstücke gezielt darauf abgestimmt haben.
💡 Lokaler Tipp
Wenn du alle sechs Standorte des Jüdischen Museums an einem Tag besuchst, fang mit der Maisel-Synagoge gleich bei der Öffnung an. Der chronologische Bogen der Ausstellung (10.–18. Jahrhundert) gibt dir den Kontext, der die Namenslisten der Holocaust-Gedenkstätte in der Pinkas-Synagoge später greifbarer und eindrücklicher macht.
Wann besuchen – und was zu welcher Tageszeit zu erwarten ist
Josefov gehört zu den meistbesuchten Teilen Prags, und die engen Gassen rund um die Maiselova füllen sich ab dem späten Vormittag stetig. Das kombinierte Museumsticket ist besonders bei Schulgruppen beliebt, die wochentags zwischen April und Juni vormittags hier unterwegs sind. Wer bei der Öffnung um 9:00 Uhr ankommt, hat das Hauptschiff in der ersten halben Stunde oft weitgehend für sich.
Mittags und am frühen Nachmittag ist der Andrang am stärksten, wenn Reisegruppen zwischen dem Friedhof und den nahe gelegenen Synagogen pendeln. Das Gebäude ist nicht besonders groß, sodass sich eine Ansammlung von Besuchern im Hauptschiff rund um die Vitrinen schnell eng anfühlen kann. Ab etwa 16:30 Uhr lichtet sich der Andrang spürbar. Im Sommer haben die Standorte des Jüdischen Museums oft bis 19:00 Uhr geöffnet – in den letzten beiden Stunden ist ein entspannter Besuch gut möglich.
Die Synagoge ist samstags und an jüdischen Feiertagen geschlossen. Von Mitte Oktober bis Dezember sind die Öffnungszeiten kürzer (Schließung ca. 16:30 Uhr), weshalb ein früher Besuch in diesen Monaten besonders wichtig ist. Die aktuellen Öffnungszeiten solltest du immer vorab auf der offiziellen Website des Jüdischen Museums prüfen, da saisonale Anpassungen regelmäßig vorkommen.
Anreise und der Spaziergang durch Josefov
Die Maisel-Synagoge liegt an der Maiselova in Josefov, nur wenige Minuten zu Fuß von der Metrostation Staroměstská (Linie A) entfernt. Von dort kurz westwärts am Flussufer entlang, dann ins Viertel abbiegen – der Weg dauert etwa drei Minuten. Die Tram 17 hält ebenfalls an der Staroměstská, wenn du aus Richtung Nové Město kommst.
Josefov ist kompakt genug, um die Maisel-Synagoge, den Alten Jüdischen Friedhof, die Pinkas-Synagoge und die Spanische Synagoge alle innerhalb eines halben Tages zu besuchen. Plane 45 bis 90 Minuten für die Maisel-Synagoge ein, je nachdem wie intensiv du dich mit den Ausstellungstexten beschäftigst. Das kombinierte Ticket kaufst du am besten gleich beim ersten Standort des Jüdischen Museums, den du betrittst.
Zieh bequeme Schuhe an. Der Steinboden in der Synagoge ist eben, aber das historische Kopfsteinpflaster in Josefov ist stellenweise uneben – und wer die gesamte Route des Jüdischen Museums abläuft, legt eine ordentliche Strecke zurück. Informationen zur Barrierefreiheit für spezifische Mobilitätsbedürfnisse sind online nicht umfassend dokumentiert; wende dich vor dem Besuch direkt an das Jüdische Museum, wenn das für dich relevant ist.
Fotografieren und praktische Hinweise
Fotografieren ist im Inneren grundsätzlich ohne Blitz erlaubt. Die Silbersammlung und das gotisch gewölbte Innere lassen sich bei vorhandenem Licht gut ablichten. Morgens fällt wärmeres Licht durch die Ostfenster; am Nachmittag ist das Licht diffuser. Bei starkem Besucherandrang zur Mittagszeit empfehlen sich keine großen Teleobjektive – die Gänge zwischen den Vitrinen sind schmal.
In der Synagoge herrscht eine ruhige, respektvolle Atmosphäre. Große Taschen müssen möglicherweise am Eingang abgegeben werden. Ein Café gibt es in der Synagoge nicht, aber auf der Maiselova und in den umliegenden Straßen von Josefov finden sich mehrere Kaffeemöglichkeiten im Zwei-Minuten-Radius.
⚠️ Besser meiden
Die Maisel-Synagoge ist jeden Samstag und an jüdischen Feiertagen geschlossen. An Pessach, Rosch Haschana oder Jom Kippur kann der Standort ohne vorherige Ankündigung geschlossen sein. Vor der Reiseplanung rund um diese Termine unbedingt auf der offiziellen Website des Jüdischen Museums nach Feiertagsschließungen schauen.
Für wen lohnt sich der Besuch vielleicht nicht?
Die Maisel-Synagoge ist im Kern ein Museum in einem historischen Gebäude. Wer sich vor allem für aktive Gottesdienststätten oder eine zeremonielle Atmosphäre interessiert, wird hier nicht fündig – das Gebäude funktioniert nicht mehr als aktive Synagoge. Die Ausstellung ist textlastig, und wer sich von klassischen Museumsformaten schnell ermüdet fühlt, wird den Besuch wohl eher als akademisch denn als emotional erleben. Familien mit sehr kleinen Kindern könnten das Vitrinenformat als einschränkend empfinden.
Wenn dein Prager Programm sehr knapp bemessen ist und du nur einen Standort des Jüdischen Museums rechtfertigen kannst, hinterlässt die Pinkas-Synagoge mit ihren handbemalten Wänden voller Namen tschechisch-jüdischer Holocaust-Opfer oft den unmittelbareren Eindruck. Die Maisel-Synagoge belohnt diejenigen, die Lust auf den langen historischen Bogen haben.
Insider-Tipps
- Kauf das kombinierte Ticket des Jüdischen Museums gleich beim ersten Standort, den du besuchst. Du musst dich danach an keinem weiteren Ort mehr anstellen – das spart in den belebteren Monaten erheblich Zeit.
- Die Ausstellung der Maisel-Synagoge folgt einer chronologischen Reihenfolge, doch die Raumaufteilung ist nicht immer auf Anhieb ersichtlich. Nimm dir am Eingang den kostenlosen Lageplan und geh vom rechten Seitenschiff in Richtung Apsis – so erschließt sich der Erzählfaden am besten.
- Wenn du die Außenfassade ohne Reisegruppen fotografieren möchtest, ist die Maiselova in den ersten 30 Minuten nach der Öffnung ruhig – und auch in der letzten Stunde vor Schließung im Sommer.
- Das Licht auf den silbernen Kultgegenständen wirkt an hellen Vormittagen deutlich besser, wenn die Ostfenster nicht von Wolken verdeckt werden. An bewölkten Tagen wirkt das Silber flacher und weniger eindrucksvoll.
- Verbinde den Besuch mit einem Spaziergang durch den ruhigeren Nordteil von Josefov, abseits der Touristenströme auf der Pařížská. Die Straßen rund um die Altneusynagoge wirken wohnlicher und weniger kommerziell.
Für wen ist Maisel-Synagoge geeignet?
- Reisende mit konkretem Interesse an jüdischer europäischer Geschichte und materieller Kultur
- Architekturbegeisterte, die der neugotischen Umgestaltung und ihrem Verhältnis zum ursprünglichen Renaissancebau nachspüren wollen
- Alle, die die gesamte Route des Jüdischen Museums Prag über mehrere Standorte hinweg ablaufen
- Besucher, die den größeren Zusammenhang von Prags jüdischem Viertel verstehen wollen, bevor sie die umliegenden Straßen erkunden
- Geschichtsorientierte Reisende, die der Fokus auf die Holocaust-Ära in anderen Standorten des Jüdischen Museums emotional belastet und die sich lieber mit der längeren, vormodernen Geschichte auseinandersetzen möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Josefov (Jüdisches Viertel):
- Museum für Angewandte Kunst
Das Museum für Angewandte Kunst in Prag (UPM) ist in einem französischen Neorenaissance-Bau aus dem Jahr 1899 untergebracht und liegt direkt gegenüber dem Rudolfinum in Josefov. Es gehört zu den unterschätztesten Designsammlungen Mitteleuropas. Von böhmischem Glas über Jugendstilmöbel bis hin zu historischen Textilien – die Dauerausstellung umspannt Jahrhunderte angewandten Kunsthandwerks. Und das Gebäude selbst ist den Eintrittspreis schon wert.
- Alter Jüdischer Friedhof
Der Alte Jüdische Friedhof im Prager Stadtviertel Josefov beherbergt über 12.000 sichtbare Grabsteine, die sich bis zu zehn Schichten tief auf etwa einem Hektar überlagern. Von 1439 bis 1787 in Betrieb, gilt er als einer der best erhaltenen mittelalterlichen jüdischen Friedhöfe der Welt und gehört zum Komplex des Jüdischen Museums Prag.
- Altneusynagoge
Die um 1270 erbaute Altneusynagoge in Josefov ist nicht nur die älteste erhaltene mittelalterliche Doppelschiffsynagoge Europas, sondern auch ein bis heute aktiv genutztes Gotteshaus. Ihre gotischen Stufengiebel, das jahrhundertealte Innere und das bemerkenswerte Überleben durch Prags turbulente Geschichte machen sie zu einem der bedeutendsten Sakralbauten des Kontinents.
- Pinkas-Synagoge
Die 1535 erbaute und nach dem Zweiten Weltkrieg in ein Mahnmal umgewandelte Pinkas-Synagoge trägt die handgeschriebenen Namen von fast 80.000 jüdischen Opfern aus Böhmen und Mähren auf ihren Innenwänden. Sie ist eines der stillen und zugleich erschütterndsten Mahnmale Mitteleuropas – und nichts kann dich wirklich auf das vorbereiten, was du dort siehst.