Asamkirche München: Einblick in eine der außergewöhnlichsten Barockkirchen Bayerns

Eingeklemmt in eine schmale Lücke an der Sendlinger Straße ist die Asamkirche eine privat erbaute Spätbarockkirche, die auf 22 Metern mehr ornamentale Intensität entfaltet als die meisten Kathedralen auf hundert. Die Brüder Asam bauten sie zwischen 1733 und 1746 – der Eintritt ist frei, und sie liegt mitten in Münchens Fußgängerzone.

Fakten im Überblick

Lage
Sendlinger Str. 32, 80331 München (Altstadt)
Anfahrt
Sendlinger Tor (U1/U2/U3/U6/U7) oder Marienplatz (U3/U6); Tram 16/17/18/27/28 bis Sendlinger Tor
Zeitbedarf
20–40 Minuten im Inneren; bei viel Betrieb etwas mehr einplanen
Kosten
Kostenlos; Spenden willkommen
Am besten für
Architekturbegeisterte, Kunsthistoriker, Fotografie, ruhige Besinnung unter der Woche
Offizielle Website
alterpeter.de/nebenkirchen
Aufwendige Deckengemälde, vergoldete Stuckaturen und prachtvolle Dekoration im Inneren der Asamkirche – Blick vom Kirchenschiff in Richtung Altar und Eingang.
Photo Diego Delso (CC BY-SA 4.0) (wikimedia)

Was ist die Asamkirche?

Die Asamkirche, offiziell St. Johann Nepomuk, ist eine spätbarocke Kirche an der Sendlinger Straße im historischen Zentrum Münchens, im Altstadt-Lehel. Gebaut wurde sie zwischen 1733 und 1746 von zwei Brüdern, die zugleich zu den bedeutendsten Künstlern ihrer Zeit zählten: Cosmas Damian Asam, Maler, und Egid Quirin Asam, Bildhauer und Stuckateur. Sie finanzierten und errichteten die Kirche als private Kapelle, die an ihr eigenes Wohnhaus angebaut war – sie war also nie als öffentliche Pfarrkirche gedacht. Die Münchner Bürgerschaft drängte die Brüder schließlich dazu, den Zugang für alle zu öffnen, und seitdem ist sie für Besucher zugänglich.

Mit etwa 22 Metern Tiefe ist die Kirche für ein bedeutendes Gotteshaus außergewöhnlich schmal. Diese Enge ist kein Zufall: Sie zwingt jede Oberfläche, maximales dekoratives Gewicht zu tragen, und erzeugt ein Inneres, das beim ersten Blick fast überwältigend wirkt. Blattgold, Marmor, Stuck, Fresko und geschnitztes Holz wetteifern vom Boden bis zur Decke um Aufmerksamkeit. Kritiker nannten es im 18. Jahrhundert übertrieben. Heute gilt es als eines der herausragendsten Beispiele spätbarocker Architektur in Süddeutschland.

ℹ️ Gut zu wissen

Die Öffnungszeiten variieren je nach Saison. April–Oktober: Montag–Donnerstag und Samstag–Sonntag 09:00–19:00 Uhr, Freitag 13:00–19:00 Uhr. November–März: Montag–Donnerstag und Samstag–Sonntag 09:00–18:00 Uhr, Freitag 13:00–18:00 Uhr. Aktuelle Zeiten vor dem Besuch bitte immer auf der Pfarreiwebsite prüfen.

Die Architektur: Schnellkurs in das, was du hier siehst

Die Fassade ist die erste Überraschung. Von der gegenüberliegenden Seite der Sendlinger Straße siehst du auf Straßenhöhe einen felsverkleideten Sockel – rau und unbearbeitet, als würde die Erde selbst zur Seite geschoben. Darüber erheben sich zwei Stockwerke zunehmend reich verzierter Steinarbeiten bis zu einem geschwungenen Giebel. Der Kontrast zwischen der rohen unteren Zone und dem verfeinerten oberen Bereich ist gewollt: Er symbolisiert den Übergang vom Irdischen zum Göttlichen – eine visuelle Metapher, typisch für die barocke Sakralarchitektur.

Trittst du ein, brauchen deine Augen einen Moment – nicht um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, sondern an die schiere Dichte. Das Kirchenschiff ist ein einziger Gang, kaum breit genug für zwei Bankreihen, mit einer flachen Empore darüber. Die Deckengemälde von Cosmas Damian Asam zeigen Szenen aus dem Leben des hl. Johannes von Nepomuk, dem böhmischen Märtyrer, der zum Schutzpatron der Brücken und der zu Unrecht Beschuldigten wurde. Die gemalten Figuren lehnen sich in Trompe-l'œil-Manier aus ihren Rahmen heraus und lösen die Grenze zwischen Architektur und Malerei auf. Egid Quirin Asams Stuckarbeiten an Pilastern und Gesimsen sind ebenso raffiniert: Girlanden, Putten und abstraktes Ornament in Creme und Gold, nach fast drei Jahrhunderten noch messerscharf.

Der Hochaltar und die dichte barocke Wanddekoration dominieren den Chorraum. Wichtig: Der berühmte Reliquienschrein der hl. Munditia – eine frühchristliche Märtyrerin, deren gläserner Skelettschrein in älteren Reiseführern oft der Asamkirche zugeschrieben wird – befindet sich tatsächlich in der Peterskirche, wenige Gehminuten entfernt.

Wie sich das Erlebnis je nach Tageszeit verändert

Morgens – besonders unter der Woche – ist der Besuch am entspanntesten. Das Licht, das durch die oberen Fenster fällt, ist kühl und gerichtet und zeichnet die vergoldeten Stuckreliefs scharf nach. Die Kirche ist still genug, dass man das leise Knarren der Holzbänke hört und manchmal Orgelspiel von der Empore oben herabdriftet. Der Geruch von kaltem Stein und schwachem Kerzenwachs ist allgegenwärtig – eine Erinnerung daran, dass dies kein Museum ist, sondern ein lebendiger Sakralraum.

Mittags am Wochenende ist es am vollsten. Die Sendlinger Straße liegt auf Münchens Haupt-Einkaufspfad für Fußgänger, und Besucher, die zwischen Marienplatz und Sendlinger Tor schlendern, schauen oft spontan herein. Das Kirchenschiff füllt sich rasch, und durch die kompakte Bauweise reicht eine Gruppe von fünfzehn Personen bereits, um Enge zu erzeugen. Fotografieren wird schwierig, weil es kaum möglich ist, einen Bildausschnitt ohne andere Besucher einzufangen.

Am späten Nachmittag, etwa zwischen 16:00 und 18:00 Uhr im Sommer, fällt wärmeres, tiefes Licht durch die nach Westen ausgerichteten Fenster. Das Blattgold wirkt zu dieser Stunde anders – satter und leuchtender. Wer die Kirche hauptsächlich für Fotos besucht, sollte dieses Zeitfenster anpeilen. Dienstag oder Mittwoch bieten die wenigsten Unterbrechungen.

💡 Lokaler Tipp

Fotografier-Tipp: In der Asamkirche ist Fotografieren ohne Blitz erlaubt. Ein Weitwinkelobjektiv und der Blick nach oben helfen, die Deckengemälde einzufangen. Ein kleines Reisestativ ist im schummrigen Kirchenschiff nützlich – frag aber vorher beim Personal nach, ob du es aufstellen darfst.

Anreise und Orientierung vor Ort

Die Kirche liegt an der Sendlinger Straße, zwischen Marienplatz und Sendlinger Tor. Zu Fuß vom Marienplatz sind es sechs Minuten nach Süden durch die Fußgängerzone. Vom U-Bahnhof Sendlinger Tor (Linien U1, U2, U3, U6, U7) läuft man drei Minuten nach Norden. Auch die Tramlinien 16, 17, 18 und 27 halten am Sendlinger Tor, ebenso die Buslinien 52 und 152. Direkt vor der Kirche gibt es keine Parkmöglichkeiten – die Fußgängerzone ist für Autos gesperrt, also ist öffentlicher Nahverkehr oder das eigene Paar Schuhe die einzig sinnvolle Option.

Den Eingang zu übersehen ist leicht, weil das Gebäude im Vergleich zu seinen Nachbarn sehr schmal ist. Halte Ausschau nach dem felsverkleideten Sockel auf Straßenhöhe und den kleinen Steinstufen, die zum Hauptportal führen. Es gibt keine Warteschlangen oder Zeitfenstertickets – du gehst einfach rein, was an ruhigeren Tagen für eine entspannte Atmosphäre sorgt.

Praktischer Rundgang: Was dich im Inneren erwartet

Du betrittst die Kirche direkt ins Kirchenschiff, ohne Vorraum oder Lobby. Das Innere ist so kompakt, dass du den Hochaltar fast sofort siehst. Eine Spendenbox steht beim Eingang. Die Kirche wird aktiv für Gottesdienste genutzt: Wenn du während eines Gottesdienstes ankommst, warte, bis er beendet ist, oder tritt leise ein und bleib im hinteren Bereich.

Geh langsam durch das Kirchenschiff und betrachte der Reihe nach die drei Dekorationszonen: die Marmordetails auf Bodenhöhe, die Stuckpilaster und Figuren auf mittlerer Höhe und die Deckengemälde im oberen Bereich. Jede Zone lohnt für sich allein Aufmerksamkeit. Die Kanzel auf der linken Seite des Kirchenschiffs ist ein außergewöhnliches Stück Schnitzkunst – und wird von Besuchern, die direkt zum Altar durchgehen, häufig übersehen.

Die Empore über dem Eingang ist nur bei besonderen Veranstaltungen zugänglich und für normale Besucher geschlossen. Sakristei und eventuelle Nebenräume sind ebenfalls nicht öffentlich. Plane 20 bis 40 Minuten ein, je nachdem, wie genau du die einzelnen Elemente studieren möchtest. Ein kleines Fernglas ist hier wirklich hilfreich: Die Deckengemälde hängen etwa 10 Meter über dir, und die Detailarbeit in den gemalten Gesichtern und Gewändern ist beträchtlich.

⚠️ Besser meiden

Barrierefreiheit: Die Kirche grenzt direkt an eine ebene Fußgängerzone, die gut zu navigieren ist. Über Rollstuhlzugang, Stufenkonfigurationen oder barrierefreie Einrichtungen im Inneren gibt es keine veröffentlichten Informationen. Besucher mit eingeschränkter Mobilität sollten sich vorab direkt beim Pfarrbüro von St. Peter unter St-Peter.Muenchen@ebmuc.de melden.

Ehrliche Einschätzung: Lohnt sich der Besuch?

Die Asamkirche ist eine der architektonisch dichtesten Sehenswürdigkeiten Münchens. Für Besucher mit Interesse an Barockkunst, Sakralarchitektur oder dem Handwerk des 18. Jahrhunderts ist sie ein echtes Erlebnis – und der freie Eintritt macht das Verhältnis von Aufwand zu Erlebnis außergewöhnlich gut. Sie fügt sich perfekt in einen Spaziergang ein, der auch den Viktualienmarkt und die umliegende Altstadt einschließt, und verlängert eine Halbtagestour um vielleicht 30 Minuten – ohne zusätzliche An- und Abfahrt.

Allerdings ist die Asamkirche nicht für jeden etwas. Wer aufwendige religiöse Dekoration als erdrückend empfindet, wird das Innere möglicherweise zu intensiv finden. Wer wenig Zeit hat und zwischen dieser und Münchens größeren Kirchen wählen muss – etwa der Frauenkirche oder der Theatinerkirche –, sollte wissen: Die Asamkirche bietet künstlerische Dichte statt räumlicher Größe. Sie ist klein, konzentriert und intensiv – kein weiträumiges Gotteshaus. Wer am Wochenende mittags Ruhe und Besinnung sucht, wird vom Besucherstrom enttäuscht sein.

Die Asamkirche wird als Nebenkirche der Stadtpfarrei St. Peter verwaltet. Wer sie im größeren Kontext von Münchens Sakralbauten und Altstadttopografie verstehen möchte, findet in einem umfassenden München-Reiseplan eine hilfreiche Grundlage, um den Besuch sinnvoll einzuplanen.

Insider-Tipps

  • Freitagvormittage vor 13:00 Uhr sind wegen eingeschränkter Öffnungszeiten praktisch tabu – plane deinen Besuch lieber auf einen anderen Wochentag, wenn du die ruhigsten Bedingungen willst.
  • Das ehemalige Wohnhaus der Asam-Brüder ist das Gebäude direkt rechts neben der Kirche. Die Verbindung zwischen Privathaus und Privatkapelle ist an der gemeinsamen Wand noch sichtbar – ein Detail, das in den meisten Reiseführern nicht erwähnt wird.
  • Bring ein Fernglas mit. Die Deckengemälde von Cosmas Damian Asam hängen etwa 10 Meter über dir und stecken voller Details – ausdrucksstarke Gesichter, Trompe-l'œil-Architekturelemente –, die du vom Boden aus mit bloßem Auge kaum erkennen kannst.
  • Die reich vergoldeten Altarbilder und dramatischen Wachsfiguren, typisch für den süddeutschen Barock, sind es wert, länger davor zu verweilen. Übrigens: Der bekannte Reliquienschrein der hl. Munditia steht nicht in der Asamkirche – er befindet sich in der nahe gelegenen Peterskirche, ein häufiger Irrtum in älteren Reiseführern.
  • Falls dir das Innere zu voll ist, tritt einfach raus und betrachte dafür die Fassade in Ruhe. Der Übergang vom rauen Felsensockel über verfeinerten Stein bis zum geschwungenen Giebel ist ein vollständiges Argument in barocker Bildsprache – am besten langsam vom gegenüberliegenden Gehsteig aus gelesen.

Für wen ist Asamkirche geeignet?

  • Architekturliebhaber und Studierende der Barock- und Rokokokunst
  • Fotografen auf der Suche nach einem der komplexesten und lohnendsten Interieurs Münchens
  • Reisende mit kleinem Budget, die Weltklassekunst ohne Eintritt erleben wollen
  • Besucher, die eine selbst gestaltete Altstadtroute durch Münchens historisches Zentrum planen
  • Alle, die zwischen Marienplatz und Sendlinger Tor 30 Minuten übrig haben und mehr wollen als Shopping

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Altstadt (Altstadt):

  • Cuvilliés-Theater

    Versteckt im Münchner Residenzkomplex ist das Cuvilliés-Theater ein Rokoko-Opernhaus aus dem 18. Jahrhundert von außergewöhnlicher Raffinesse. Vergoldete Ränge, karmesinrote Samtlogen und elfenbeinfarbene Schnitzereien machen es zu einem der visuell beeindruckendsten Räume in ganz Deutschland.

  • Deutsches Museum

    Das Deutsches Museum liegt auf einer eigenen Insel in der Isar und zählt zu den größten Wissenschafts- und Technikmuseen der Welt. Mit 125.000 ausgestellten Objekten aus den Bereichen Luftfahrt, Bergbau, Chemie, Musikinstrumente und vielem mehr lohnt sich eine gute Vorbereitung statt eines spontanen Bummel.

  • Feldherrnhalle

    Die Feldherrnhalle am südlichen Ende des Odeonsplatzes ist eines der architektonisch beeindruckendsten und historisch aufgeladensten Denkmäler Münchens. Zwischen 1841 und 1844 erbaut, war sie Schauplatz des Schusswechsels, der Hitlers gescheiterten Putsch beendete – und ist rund um die Uhr frei zugänglich. Kaum ein Bauwerk in der Stadt vereint so viel bayerische und deutsche Geschichte auf so engem Raum.

  • Frauenkirche (Dom zu Unserer Lieben Frau)

    Die Frauenkirche – offiziell Dom zu Unserer Lieben Frau – ist Münchens bekanntestes Wahrzeichen. Die zwei Türme mit ihren markanten Zwiebelhauben prägen die Silhouette der Stadt seit dem 15. Jahrhundert. Der Dom ist bis heute Sitz des Erzbischofs von München und Freising. Alles, was du für deinen Besuch brauchst, findest du hier.