Nationalgalerie – Schwarzenberg-Palais: Renaissancearchitektur und Barockkunst am Hradschin-Platz
Das Schwarzenberg-Palais steht am Hradčanské náměstí, direkt gegenüber dem Haupteingang der Prager Burg. Es wurde zwischen 1545 und 1567 erbaut und zählt mit seiner Sgraffitofront zu den technisch anspruchsvollsten Beispielen italienischer Renaissancearchitektur in Mitteleuropa. Im Inneren zeigt die Nationalgalerie Prag ihre Dauerausstellung tschechischer und mitteleuropäischer Barockkunst auf drei Etagen historischer Pracht.
Fakten im Überblick
- Lage
- Hradčanské náměstí 2, Praha 1 (Stadtteil Hradschin)
- Anfahrt
- Tramhaltestellen: Pohořelec, Pražský hrad oder Malostranské náměstí
- Zeitbedarf
- 1,5 bis 2,5 Stunden für die Dauerausstellung
- Kosten
- 250 CZK regulär / 140 CZK ermäßigt. Kostenlos mit dem Prague Visitor Pass (Dauerausstellungen; aktuelle Preise vor dem Besuch prüfen)
- Am besten für
- Barockkunst, Renaissancearchitektur, eine ruhigere Alternative zum Gedränge rund um die Prager Burg
- Offizielle Website
- www.ngprague.cz/en/objekt-detail/schwarzenberg-palace

Warum sich ein Besuch im Schwarzenberg-Palais lohnt
Die meisten Besucher, die zur Prager Burg hinaufsteigen, gehen am Schwarzenberg-Palais einfach vorbei. Das ist ein echter Fehler. Die Nationalgalerie Prag – Schwarzenberg-Palais, so der vollständige offizielle Name, befindet sich in einem der architektonisch bedeutendsten Gebäude der ganzen Stadt. Allein die Fassade – bedeckt mit schwarz-weißem geometrischem Sgraffitodekor über drei Etagen und zwei Vorsprüngen – ist außergewöhnlich. Wer auf dem Hradčanské náměstí steht und sie sich wirklich anschaut, braucht dafür nur ein paar Minuten. Doch die meisten recken bereits die Hälse Richtung Burgtor.
Im Inneren beherbergt das Palais die Dauerausstellung der Nationalgalerie zur tschechischen und mitteleuropäischen Barockmalerei und -skulptur des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Kombination aus einem erstklassigen Renaissanceinterieur und einer ernstzunehmenden Kunstsammlung macht dies zu einem der lohnenswertesten Museumsbesuche in Prag – zumal hier nur ein Bruchteil der Menschenmenge auftaucht, die sich vor der Burg anstellt.
💡 Lokaler Tipp
Geöffnet Dienstag bis Sonntag, 10:00–18:00 Uhr. Montags ganzjährig geschlossen. An Werktagen in der ersten Stunde nach der Öffnung ist es in den Galerieräumen am ruhigsten.
Das Gebäude: Ein Renaissancedenkmal auf mittelalterlichen Ruinen
Die Geschichte des Schwarzenberg-Palais beginnt mit einer Katastrophe. Im Jahr 1541 zerstörte ein verheerender Brand den Hradschin-Bezirk und fraß eine Reihe mittelalterlicher Häuser nieder, die seit Jahrhunderten auf diesem Grundstück gestanden hatten. Das freie Gelände übernahm die Familie Lobkowitz, die ein neues Palais im aufkommenden italienischen Renaissancestil in Auftrag gab. Es entstand zwischen 1545 und 1567 unter der Leitung des Architekten Agostino Galli.
Das Gebäude gilt als eines der frühesten und vollständigsten Beispiele italienischer Renaissancearchitektur nördlich der Alpen. Sein prägendstes Merkmal ist der Sgraffitodekor: eine Technik, bei der zwei Putzschichten – eine dunkle und eine helle – auf die Fassade aufgetragen werden und die obere Schicht anschließend abgekratzt wird, um Muster zu erzeugen. Das geometrische Rautenrelief, das das Schwarzenberg-Palais überzieht, ist dicht und präzise und verleiht der steingrauen Fassade eine dreidimensionale Textur, die sich je nach Tageszeit und Lichteinfall subtil verändert. Im Morgensonnenlicht werfen die Muster scharfe Schatten. Am Nachmittag wirkt die gesamte Oberfläche flacher und gleichmäßiger. Wenn möglich, schau sie dir zu beiden Zeiten an.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ging das Palais in den Besitz des Adelshauses Schwarzenberg über – daher der heutige Name. 2002 übernahm die Nationalgalerie Prag die Verwaltung, und nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wurde es 2008 wieder für die Öffentlichkeit geöffnet.
Tickets & Führungen
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Die Sammlung: Barockkunst in historischen Räumen
Die Dauerausstellung konzentriert sich auf tschechische und mitteleuropäische Barockmalerei und -skulptur, ungefähr aus dem Zeitraum 1600 bis 1800. Die Werke sind auf mehreren Etagen in Räumen ausgestellt, die originale architektonische Details bewahrt haben: Kassettendecken, historische Türrahmen und sorgfältig restaurierte Wandflächen. Der Rahmen spielt hier eine Rolle, die er in einem modernen Zweckbau nie spielen könnte.
Zu den Höhepunkten zählen Werke tschechischer Barockmeister wie Karel Škréta und Petr Brandl, ergänzt durch mitteleuropäische Zeitgenossen, deren Namen internationalen Besuchern weniger geläufig sind, die aber in ihrer Zeit bedeutende Figuren waren. Skulpturen sind durchgehend in die Ausstellung integriert – nicht in separaten Räumen zusammengefasst –, was der Sammlung eine räumlichere, architektonischere Qualität verleiht als reinen Gemäldeausstellungen.
Für einen breiteren Überblick über die tschechische Kunstlandschaft: Die Nationalgalerie im Veletržní-Palais in Holešovice beherbergt die Sammlung des 19. und 20. Jahrhunderts, während sich das Schwarzenberg-Palais ausschließlich auf frühere Epochen konzentriert. Die beiden lohnen sich als separate Besuche an verschiedenen Tagen – in einem einzigen erschöpfenden Nachmittag zusammenzuquetschen wäre zu viel.
Das Außengelände: Der Hradčanské náměstí zu verschiedenen Tageszeiten
Der Hradčanské náměstí, der Platz, dem das Schwarzenberg-Palais zugewandt ist, gehört zu den ruhigeren großen Plätzen im Prager Zentrum. Er liegt etwas abseits des Haupttouristenstroms, der durch das Burgtor und hinunter zum Eingang der Goldenen Gasse fließt. Früh morgens, vor 9:00 Uhr, kann der Platz fast menschenleer sein. Reisegruppen treffen ab Mitte des Vormittags ein und erreichen um die Mittagszeit ihren Höhepunkt – doch selbst dann ist das Aufkommen noch überschaubar verglichen mit dem Altstädter Ring.
Der Platz selbst verdient eine ruhige Runde. Das Schwarzenberg-Palais steht auf einer Seite. Gegenüber befindet sich das Erzbischöfliche Palais, ein Barockbau mit einer hellen Rokokofassade. Das Sternberg-Palais, in dem die Sammlung alter europäischer Meister der Nationalgalerie untergebracht ist, ist durch einen Durchgang auf derselben Seite des Platzes erreichbar. Wer einen ernsthaften Galerietag im Burgviertel plant, kann sowohl das Schwarzenberg- als auch das Sternberg-Palais besuchen, ohne sich mehr als 50 Meter zu bewegen.
Das Burgviertel hat jenseits seiner bekanntesten Gebäude einiges zu bieten. Das Viertel Nový Svět liegt nur einen kurzen Spaziergang nordwestlich und bietet eine ganz andere Atmosphäre als die formellen Plätze rund um das Palais.
Anfahrt
Es gibt keine U-Bahn-Station in fußläufiger Nähe des Schwarzenberg-Palais. Die praktischen Optionen sind Straßenbahn oder zu Fuß gehen. Die Tramhaltestellen Pohořelec und Pražský hrad liegen beide nur wenige Gehminuten vom Hradčanské náměstí entfernt. Vom Malostranské náměstí – das von Trams entlang der Hauptachse der Kleinseite bedient wird – sind es bergauf etwa 10 bis 15 Minuten durch die verwinkelten Gassen der Kleinseite Richtung Burg, durch den Hradschin-Bezirk hindurch.
Bei trockenem Wetter ist der Fußweg aus der Altstadt eine gute Option. Überquere die Karlsbrücke, geh weiter bergauf durch die Kleinseite und folge den Schildern zur Burg. Der Weg dauert je nach Tempo und Anzahl der Stopps 25 bis 35 Minuten. Trag festes Schuhwerk mit gutem Profil – viele der Gassen sind gepflastert und können nach Regen rutschig sein.
⚠️ Besser meiden
Die steilen Straßen zum Burgviertel können anstrengend sein, besonders bei Sommerhitze. Wer Einschränkungen bei der Mobilität hat, vermeidet den größten Teil des Anstiegs mit der Tram bis Pohořelec.
Fotografie, Barrierefreiheit und praktische Hinweise
Die Außenfassade lässt sich von der gegenüberliegenden Seite des Platzes hervorragend fotografieren – besonders am Morgen, wenn das Licht von Osten darauf fällt. Im Inneren der Galerie können die Fotoregeln je nach Dauer- oder Sonderausstellung unterschiedlich sein. Schau dir die Hinweisschilder am Eingang an oder frag das Personal.
Das Palais ist ein historisches Gebäude, und die Besucherinformationen der Nationalgalerie machen keine detaillierten Angaben zu Barrierefreiheit – etwa zu Aufzügen oder taktilen Leitsystemen – für den Standort Schwarzenberg. Besucher mit besonderen Mobilitätsbedürfnissen sollten vor ihrem Besuch direkt bei der Nationalgalerie Prag nachfragen, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen.
Der Eintritt beträgt 250 CZK regulär und 140 CZK ermäßigt (aktuelle Preise vor dem Besuch prüfen). Der Prague Visitor Pass deckt den Eintritt zu Dauerausstellungen ab. Wer während seines Prager Aufenthalts mehrere Standorte der Nationalgalerie besuchen möchte, fährt mit einer Kombikarte möglicherweise günstiger als mit Einzeltickets. Der die besten Museen in Prag Guide erklärt, wie du einen Besuch an mehreren Galerie-Standorten effizient planst.
Für wen lohnt sich der Besuch – und für wen eher nicht
Das Schwarzenberg-Palais ist eine ausgezeichnete Wahl für Besucher mit konkretem Interesse an Barockkunst, Renaissancearchitektur oder tschechischer Kulturgeschichte. Es eignet sich auch gut für alle, die das Burgviertel erleben möchten, ohne in den längsten Warteschlangen zu stehen – denn das Palais hat ein eigenes Ticket, das unabhängig vom Burgkomplex gilt.
Wer in erster Linie Panoramablicke über Prag sucht statt Innenräume, sollte wissen, dass das Schwarzenberg-Palais selbst kein Aussichtspunkt ist. Für Weitblicke über die Stadt vom Burgviertel aus bieten die Gärten der Prager Burg und die Burgwälle bessere Aussichtspunkte.
Familien mit kleinen Kindern werden die ruhigen, kunstfokussierten Räume möglicherweise weniger ansprechend finden als die interaktiveren Angebote anderswo in Prag. Das Palais ist keine Mitmachausstellung, und die Barocksammlung dürfte Kinder unter acht oder neun Jahren kaum länger als 30 Minuten fesseln. Allerdings weckt die Außenfassade mit ihrem markanten Sgraffitodekor oft echte Neugier bei jüngeren Besuchern – die eher die Wände anfassen wollen als die Erwachsenen, die sie begleiten.
Wer einen ganzen Tag im Burgviertel verbringen möchte, kann das Schwarzenberg-Palais gut mit dem Veitsdom und dem Alten Königspalast kombinieren – das ergibt einen stimmigen halben Tag, der die wichtigsten historischen Schichten des Viertels von der Renaissance bis zur Gotik abdeckt.
Insider-Tipps
- Die Sgraffitofront sieht im Morgen- und Nachmittagslicht völlig unterschiedlich aus. Wenn du sowieso zur Burg gehst, nimm dir auf dem Weg kurz Zeit für einen richtigen Blick auf das Schwarzenberg-Palais – einfach vorbeieilen wäre schade.
- Das Sternberg-Palais der Nationalgalerie, in dem die Sammlung alter europäischer Meister wie Rubens und Cranach zu sehen ist, ist durch einen Durchgang direkt vom Hradčanské náměstí erreichbar. Wenn dich vormoderne europäische Malerei interessiert, lohnt es sich, beide Galerien bei einem einzigen Besuch zu kombinieren.
- Die ruhigsten Zeiten in der Galerie sind Dienstag- bis Donnerstagvormittag. An Freitagnachmittagen und um die Mittagszeit am Wochenende ist deutlich mehr los – trotzdem wirkt das Haus selten so überlaufen wie der Burgkomplex selbst.
- Das dreiflügelige Layout des Palais bedeutet, dass man ohne Führung leicht einzelne Räume übersieht. Hol dir am Eingang einen Grundriss und nutz ihn als Orientierung – vor allem in den oberen Etagen, wo die architektonischen Details am beeindruckendsten sind.
- Temporäre Ausstellungen im Schwarzenberg-Palais sind nicht im Prague Visitor Pass enthalten – nur die Barock-Dauerausstellung ist abgedeckt. Wenn du eine Sonderausstellung besuchen möchtest, plane den vollen Ticketpreis separat ein.
Für wen ist Nationalgalerie – Schwarzenberg-Palais geeignet?
- Reisende mit echtem Interesse an Barockmalerei und mitteleuropäischer Kunstgeschichte
- Architekturbegeisterte, die eine der schönsten italienischen Renaissancefassaden Prags aus der Nähe erleben möchten
- Besucher, die im Burgviertel ein ruhigeres, weniger überlaufenes Museumserlebnis suchen
- Kunstmuseumskenner, die neben den üblichen Prager Sehenswürdigkeiten auch anspruchsvolle Galerieausstellungen besuchen möchten
- Alle, die mehrere Standorte der Nationalgalerie in einen mehrtägigen Kunstplan einbauen wollen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Prager Burgviertel (Hradčany):
- Goldenes Gässchen
Eine Reihe winziger, bunt bemalter Häuser an der nördlichen Burgmauer der Prager Burg – das Goldene Gässchen presst fünf Jahrhunderte Stadtgeschichte auf knapp 100 Meter zusammen. Einst Heimat von Burgwächtern, Goldschmieden und kurzzeitig Franz Kafka, ist es eine der fotogensten und historisch vielschichtigsten Ecken der gesamten Burganlage.
- Loreto-Heiligtum (Loreta)
Das Loreto-Heiligtum ist eine der aufwendigsten barocken Wallfahrtsstätten Mitteleuropas – im Mittelpunkt steht eine Nachbildung des Heiligen Hauses von Loreto, Italien, aus dem Jahr 1626. Auf dem Loretánské náměstí im Stadtteil Hradčany gelegen, empfängt der Komplex seine Besucher mit einem stündlich erklingenden Glockenspiel, einem überraschend reichen Kirchenschatz und einer Atmosphäre, die sich wohltuend vom Trubel rund um die Prager Burg abhebt.
- Nationalgalerie – Sternberg-Palais
Gleich neben dem Hradschin-Platz gelegen, zählt das Sternberg-Palais zu den schönsten Hochbarockbauten Böhmens und beherbergt die Dauerausstellung Alte Meister der Nationalgalerie Prag. Europäische Gemälde und Skulpturen vom 14. bis 18. Jahrhundert – von flämischen Altarbildern bis zu Tafeln der italienischen Renaissance – warten hier in Räumen, die verglichen mit dem Trubel vor dem Burgtor angenehm ruhig sind.
- Viertel Nový Svět
Nový Svět, auf Tschechisch „Neue Welt”, ist ein kleines Geflecht aus Kopfsteinpflastergassen, das sich direkt nordwestlich der Prager Burg im Stadtteil Hradčany versteckt. Das Viertel entstand im 14. Jahrhundert und beherbergte einst Burgbedienstete und später Künstler. Heute ist es frei zugänglich, wird noch immer bewohnt und bietet einen der stimmungsvollsten Spaziergänge der Stadt – weit weg vom Touristenstrom, der nur wenige Minuten entfernt tobt.